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Jüdische Zeitung · 1916-12-15 · 49 (15.12.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
49 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 49 konnte, diesen verlassenen Geschöpfen die liebevolle Pflege gänzlich fehlt. Eine «rre:!>jttiidie RuäsSfizierung der Juden und' Ruthenen in dem von den Russen besetzten setzten' Teile Ostgaliziens fordern die Organe der radikalen russischen Nationalisten und die der äußersten Rechten; gegen die polnische Bevölkerung' will man schonender Vorgehen. Für das okkupierte Galizien. Angesichts der Winterkälte wurde das Kiewer Komitee, das das Hilfswerk für die. kriegsnotleidenden Juden im okkupierten Galizien leitet, vom Zentralkomitee der jüdischen Hilfsorganisation beauftragt, für die Bekleidung der armen Bevölkerung im genannten Gebiet zu 'sorgen. Die erste Sendung nach Tarnopol, Czortkow und Czemowitz bestand aus 14.000 neuen Kleidungsstücken für Männer, 10.000 für Frauen und ebenso vielen für Kinder, die in der Kiewer Kleiderzentrale der Hilfsorganisation h'ergestellf wurden. Vor den Wahlen in die Stadt rate. In allen größeren Städten des österreichischen okkupierten Gebiets — in Lublin, K i e 1 c e, Radom und Petr ik au — begannen die Vorbereitungen zu den Wahtenl Uefcer.aH macht sich die Tendenz der Polen geltend, mit keiner jüdischen Partei, nicht’ einmal mit den extremen Assimilanten in Veihindung zu treten. Fast überall sind daher die Assimilanten gezwungen, jüdische Wahlversammlungen einzuhtfufen und auf jüdischen Listen zu kandidieren, ’ obgleich’ sie bisher die Durchführung einer besonderen jüdischen Wahlkampagne als gefährlichen Separatismus bekämpften. Die Strömungen, 'Sie sich unter den jüdischen Wählern bemerkbar machen, sind dieselben wie in Warschau. In Petrikau führte eine von den Assimilanten einberufene Wahlversammlung, der ungefähr tausend Personen beiwohnten, zu einer " scharfen Auseinandersetzung zwischen den Assimilanten und den nationalen Elementen. In Lublin wurde ein Jüdisches Vereinigtes Wahlkomitee aus Vertretern der Gemeindeverwaltung, der Assimilanten, Neo-Assimilanten, Zionisten und Unparteiischen gewählt. Am 28. d. M. 'wind in Lublin eine Beratung der jüdischen Vertreter aus dem österreichischen okkupierten Gebiet tagen, die außer diesen Fragen auch die SonntagSzwangsruhe behandeln wird. Die Gründlings- und Wahlversammlung des Orthodoxen Vereins in Warschau fand, am 14. Nov. statt. Den Vorsitz führten Rabbiner Dr. Kohn, .Seminardirekior Dr. Garleb'ach und N.; L. We i£<n, g;ö tt. An der Versammlung nahmen unter -vielen anderen auch, die C h a ssidimrabbiner-.-Von Ger, Grodzinsk und Sochacz ew'teil. Diese Organisation der polnischen’Orthodoxie will dem religiösen Leben eine feste ^Unterlage schaffen; sie umfaßt bereits 17000" Mitglieder und bedeutet im Zusammenhang mit dem' Organisationsstatut für die jüdisch^ Religionsgesellsdiäft in Polen einen, Markstein für das' polnische Judentum. Nach' den Ausführungen Dr. Cariehadis soll der Verein nicht nur für die religiösen Interessen der Orthodoxie und eine in ihrem Sinn gerichtete Jugenderziehung eintreten, ' sondern er soll auch die wirtschaftliche Seite des jüdischen Lebens, den jüdischen Hande3 und ’daS jüjdisdhe Handwerk unterstützen. Es wird die Gründung eines Vereinsorgans, eines Waisenhauses und einer Töchterschule geplant. In die Verwaltung wurden 43 Mitglieder gewählt. Der Empfang der jüdischen Huldigungsdeputation durch den Kaiser Am 11. Dezember empfing das Kaiserpaar die Huldigungsdeputation der jüdischen Kultusgemeinden Oesterreichs. Die Kultusgemeinde Wien war durch die Herren Oberrabbiner Dr. Güdetnann, Präsident Dr. Stern und Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport vertreten. Dr. Stern versicherte in einer Ansprache die unwandelbare Tretie der jüdischen Bevölkerung an das Kaiserhaus, worauf der-’ Kaiser erwiderte: „Die Mir und' der Kaiserin von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinden im Namen ihrer gesamten Glaubensgenossen dargebrachte Huldigung' nehmen Wir mit herzlicher Erkenntlichkeit entgegen. Die j ü d i sch e Bevölkerung hat immer Liebe und Anhänglichkeit an Mein Haus und das Vaterland bewies e n iun d in!d er gegen wä r t i g em lg r o ß e n Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut und Blut b eig etragen. So -wie Ich' von der Uners chü t te r- Ifchkeit dieser patriotischen Gesinnung überzeugt bin, ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen : versichert sein, daß sie sich’ in Meinen Landen der allen Bürgern gewährleisteten Rechte stets uneingeschränkt werden erfreuen können. Gerührt von den Segenswünschen, die Sie in .Ihren Gotteshäusern für Mich und die Meinen-, zum Himmel’senden, Sagen Wir Ihnen auch für diese fromme Bekundung - Ihrer treuen Gefühle Unseren wärmsten Dank.“ Der Kaiser zog außer den genannten noch verschiedene andere Herren ins Gespräch. Ankündigungen Vortrag Dr. Max Brod über „Die Ostjüden in meiner persönlichen Erfahrung“ Sonntag', den. 17. d. M„ 6 Uhr Iaben:ds, dm Saale deS Ingenieur- und Architektenvereines, I.. Es'chenbachgasse P. Kajrteirf ä* 2 1C,i-1 K .und 50 h im' Zionistischen B u r e a il, II., Circusgasse 33, und in der Buchhandlung R. Löwit, 1., Rotenturmstraße 22, sowie an der AbendkaSsa. ‘ Die Makkätfperfsier der Wiener Zionisten. Wie im vorigen -Jahr wird auch diesmal die Wiener Zionistensbhäff ihr Makkabäerfest in einer dem' Ernst der Zeiten' angepaßten Weise begehen. Herr Oberkantor.-K-aut m an n wird -durch1 das Lichterzünden - dief Feiereinleiten. Herr . Josef Torczyner von den Wiener Kammerspielen und Frl. Mea Steuermann von d(er Neuem Wiener Bühne werden einen Prolog sprechen. Die Festrede hält/Herr Adolf Stand. Es folgen ein Geigensölo ypn 'Frl. ’ Else Stein. Jüdische Volkslieder, gesungen' von Herrn M. Feiwsches, ein Vortrag von Herrn J. Torczyner und ein hjebräischer Sdiliißgesäng von Herrh Oberkantor Haiiptmann. Die Feier findet Mittwoch1, den 20. Dezember 8 Uhr abends statt. Karten werden im zionistischen Zentralbüro, Zirkusgasse 33, in der Buchhandlung R. Löwit, RotenturmStraße 22 und an der Abendkasse verkauft, i « HebräisChakademische Vereinigung „Hatchijah“. Samstag den 16. d. um halb 8 Uhr abends findet im Lokale des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes, II., Obere Dohaustraße 65, ein Di skuss i ons ab e n d über das Thema: „L’scheelath hachinüch haiwri“ statt. Hebräisch sprechende Gäste willkommen .L Die zionistische Mädchenveranigung „Moriah'“, IX.,- Servitengasse 40, veranstaltet ihren nächsten Vereinsabend Donnerstag den 21. d. M. Es wird Herr Adolf Stand Sprechen. Der Vortrag ist nur für Mitglieder Zugänglich1. Der 1. Zionistische Frauenverein veranstaltet im Saale des Wissenschaftlichen Klubs, VI., Getreidemarkt Nr. 7 (Eingang ' Dreihufeisengasse), Donnerstag,"den 28. Dez., 7 Uhr präz., einen Vortragsabend des Herrn Rabb. Dr. D. Feuch’t- *wang über „Die O s t j ud e n f r a'ge“. Berichte und Korrespondenzen Die Vorarbeiten für die Gründung einer foefcrihsCh'en Sprachschule und eines hebräischen Kindergartens sind bereits soweit gediehen, daß geräumige Lokalitäten (II., Große Mohrengasse Nr. 16) gemietet werden konnten, welche jetzt nach' modernen pädagogischen und hygienischen Grundsätzen eincrerichtet werden. Welch reges Interesse dieser Gründung von allen Seiten entgecengebracht wird, beweisen nicht nur die zahlreichen Anfragen und Anmeldungen, sondern''auch die vielen Spenden, die jetzt schon spontan bei der Leitung eingelaufen sind. Sobald die Bewilligung der Behörde leingetroffen Sein wird', Soli" unverzüglich mit dem Unterricht begonnen ‘ werden. Inzwischen werden noch Einschreibungen entgegengenommen. II., Zirkusgasse 33, Sonntag Von 11 bis 12 Uhr, an anderen Tagen außer Freitag und Samstag von 4 bist 5 ■ Uhr nachmittags. „Der Jüdische Bildungsverein“ (Jüdischliterarischer Klub) hielt am Sonntag, den 3. d. M., 10 Uhr vormittags, im Cafe „Jägernhof“ unter überaus zahlreicher Beteiligung seine, diesjährige .Versammlung ab, die Präsident Dr. Taufr e I e s mit einer, von den Anwesenden stehend angehörten Trauerrede für weiland Kaiser Franz Josef I. eröftnete. In einem eingehenden Rechenschaftsbericht hob der Präsident' hervor, daß der Verein trotz der durch den Krieg verursachten ungünstigen Verhältnisse imstande war, während seines einjährigen Bestandes eine Reihe von Vortrags- und Diskussionsabenden zu veranstalten, in denen nicht nur Fragen jüdischwissenschaftlicher und zionistisch-politischer Art, sondern alle Probleme behandelt worden, die mit der jüdischen Renaissance im Zusammenhänge stehen. Nach der Verlesung des’ Kassaberichtes durch den Kassier Dr. MeiseTs entspann sich;über _'dje künftige , Vereinstätigkeit eine lebhafte ’ Debatte' ’ fmr dererf" ’ Verlauf von allen/Rednern der Standpunkt vertreten wurde, den Verein durch' eine .umfassende Propaganda aut 'eine möglichst breite Basis zu stellen.. Unter anderen erklärte sich Herr Dr., K aid i s’ ch bereit, sein vorjähriges Seminar über das jüdische Problem' im Zusammenhang mit der Nationalitätenfrage fortzusetzen. Nachdem dem abgehenden Präsidium' das AbSolutörium erteilt wurde, fand die Neuwahl des. Ausschusses statt, die folgendes Resultat ergab:. Präsident: Dr. Taubeles, Vizepräsident: JUC. Lothar Hofmann. Patriotische Kundgebung der „Oesterreichiscfc-Israelitisehen Union“. Für den 9. d. M. hatte die „Oesterreidiiscb-ISraelitische Union“ in . den Festsaal des „Hotel Continental“ eine freisich in der gegenwärtigen ästhetischen Kultur, deren Zusammenbruch den Einsichtigen klar geworden ist, allen denen, welche die Schöpfungen der ringenden, unabhängigen Geister gegen die ohnmächtige Anmaßung einer formalen Kunst in Schutz nehmen. Aus diesem Konflikt entstehen neue’ Gebilde, alles Wesenswerte schließt sich1 zusammen, geprägt mit dem Stempel des Glaubens an einen Geist, dem die Schwachen unterliegen werden. In Lesser. Urys Werk bricht er sich Bahn und verkünldet den Sieg des neuen Menschen. Bücheranzeigen Noch' vor wenigen Jahren war die jüdische Literatur allen denen, die weder hebräisch verständen, noch jidisch lasen, ein unbekanntes Land1. Den zionistischen Kreisen wurdefn allmählich durch Uebersetzungen die Schätze altjüdischer und moderner ostjüdisdier Literatur bekannt. Jetzt haben die durch' dien Krieg veränderten Konstellationen das Ostjudentum und gleichzeitig audh' seine Literatur in den Vordergrund des Interesses geschoben. Der deutsche Verleger, auch' im Krieg von ungebrochener Rührigkeit, öffnet nun dem großer^ Publikum den Zugang. Der Born* Judas. Gesammelt vqn M. j. bin Gorion. Leipzig 1916, Inselverlag. Preis geheftet M. 4.50. Pappe M. 6.-—. Halbperg. M. 7.50.' j Dieser erste Band, „Von Liebe und Treue“, einer geplanten Reihe von Sechs Bänden, enthält Historien, Märchen, Legenden, aus' der nachtalmudischen Zeit, dem Mittelalter und dem Chassidismus. Der frommen talmudisdh'en Legende im knappen Stil Voigt die lehrsame, iecht orientalische Parabel und Fabel, bis in spätem Jahrhunderten eine reiche Mystik wieder ihre Fäden um die jüdische Heiligen|' und Wündergeschichte zieht- In .einer reinen, jedien Sprache erschließt uns Bin Gorion eine ‘ tiefe Wunderwelt. Die S ag en., p o 1 n i sch e r Juden, ausgew. tund übertr.’ Von Alexander Eliasberg (München 1916, Georg Müller), sind vollständig dem dhassidischen Judentum entnommen.. Der Herausgeber hat insbesondere die jidischen Andachtsbücher als Vorlage benutzt und 50Geschichten in Schlichter, wortgetreuer Uebersetzung wiedergegeben. Die Einleitung führt den Leser auf übersichtliche Weise in die Entstehung und das Wesen des Qliassidis'mus ein. Der Vielgelesdne Roman von Eliza Orzeszk o, Liebt in der Finstern i s, wird uns in neuer Uebertragimg von A. yv. Guitr y gleichfalls vom. Verlagq Georg Müller, München, vorgelegt. Ostjüdische Erzähler, herausgegeben von Alexander Eliasberg, Gustav .Kiepenheuer Verlag, Weimar 1916, Preis M. 1.— kart, M. 1.50 geb., M. 3.50 Halbleder, enthält .kleinere Erzählungen von Perez, Schülern Alejehem lund Sdhölem Asch |und ist mit den Porträts der Autoren geschmückt, wobei hervorgehoben sei, daß I das Bild Sch. AschS eine Reproduktion der ausgezeichneten Radierung H e rmanrt Struck ist, von dem auch1 der ostjüdische Fischer auf dem Umschlag Stammt. Das Bildnis Perez ist“ nach einer Lithographie von Josef Budko reproduziert,' Sämtliche gut ausgestattetenhübschen Bände von händlichem Format seien'als Chanukagesöhenke empfohlen. * ' i Gleichzeitig sei auf den Jüdisch en N a- 11 o n a 1 k a 1 e nd e r auf das Jahr 5677, h'erausgegeben von Otto Abeies und Ludwig Bato (Wien 1916, Verlag „Jüdische Zeitung“. Zirkusgasse 33,- Preis K 2.80),' als auf die wertvollste Chanukagabe . verwiesen. Welcher warmen Aufnahme sich' dieses. Buch erfreuen durfte, zeigt lam besten, daß, die ganze Auflage bis aur einen kleinen Rest in kurzer Zeit verkauft wurde. Interessenten mögen sich' in Bälde ein Exemplar sichern. * - Tagebuch fiir . die jüdische Jugend. R. Löwit, Verlag Berlin-Wien, Preis M. 2.20, K 3.30. Das „Tagebuch für. die jüdische Jugend“ ist ein gelungener Versuch, eine geeignete Lektüre für die jüdische Jugend zu schaffen. Sein Zweck ist ein doppelter: Anregung, Tagebuch1 zu führen und Einführung der Jugend in Sinn und Zweck des jüdischen Kalenders, der jüdischen Zeit. Die Namen derjüdischen Monate, das jüdische Jahr als Mondjahr; Neumond, Sabbaib u!n.d Feste werden durch dies Buch anziehend und lebendig; die interessante Schilderung der Geschichte ,‘iinserer jüdischen Feste, ihre Bedeutung in Vergangen- . heit und Gegenwart unseres Volkes, .wird die Feste zu neuen Erlebnissen werden ' lassen. Bilder und Ljeder werden eine willkommene Beigabe sein. . ”

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