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Jüdische Zeitung · 1916-10-18 · 41 (18.10.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
41 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEllÜNG I Nh 41 stein und' der unermüdlidie Sammler jüdischer Kunstschätze, SdhriftsteHer S. A. Rappaport (An-sky) standen, Schätze von 26 Gemeinden zu sammeln und nach Petersburg abzutransportieren, wo sie in besonderen sicheren Räumen, die die Petersburger Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, aufbewahrt werden. Auch die reichhaltigen Bücherschätze der alten berühmten Jeschiboth in Wolosclh'in und. Mir und die kunstvollen Synagogen-Möbel der alten Gemeinde Luck ,der ,;Koblriner Schul“ in Brept-Litöwsk, ebenso einige wertvoll^ Privatbibliptheken von Rabbinern und Privatgelehrten wurden von der Expedition zur Aufbewahrung nach Petersburg gebracht. Zionistische Bewegung Gründung eines Misrachi-Verbandes in Warschau. Am 9. September fand in Warschau die von mehr als 500 Personen besuchte Gründungs- Versammlung des Warschauer Misrachi-Verbandes statt Farbstein im Namen der Warschauer Zionisten, Dr. Hin des im Namen der ,’ßne Zion“ und der „Bnoth Zion“, Silbertröst im Namen des Jugendvereins „Chaluze Zion“, begrüßten die Versammlung. Nissenbaum sprach über die Lage der Juden in den kriegführenden Ländern und über die Gegen wartsuid Zukunftsaufgaben der zionistischen Orgarisatio.i. Nach mehrstündigen Debatten wurde das Statut verlesen .und angenommen und der Verband als konstituiert erklärt Mehrere Hundert frommer Juden sind bereits als Mitglieder eingetreten. Der Mlsrachi gedenkt eine großzügige Propaganda in Polen zu entfalten. Vom Palästina-Hilfswerk in Rumänien. Die zionistische Föderation in Rumänien hat bis kurz vor Ausbruch des rumänischen Krieges namhafte Beträge für das Palästina-Hilfswerk gesammelt Durch energische, unablässige Arbeit ist es ihr gelungen, in den Synagogen gelegentlich des' ,iIskor“-Gebetes an den vergangenen Pessachtagen einen Betrag von Lei 17,000.— zu sammeln und an das Zionistische Zentralbureau abzuführen. Es sind für die nächste Zeit weitere 5000 Lei aus Rumänien in Aussicht gestellt In der Hauptsache sind an diesen Ergebnissen beteiligt die Synagogen in Ploesti, Galatz, Foc-, sani, Braila, Falticeni usw. Boris Goldberg über den Zionismus in Amerika. Herr Boris Goldberg, Mitglied des zionistischen Aktions-Komitees, der jetzt mehrere Monate in Amerika geweilt hat, sprach auf einem ihm zu Ehren von dem Zionistischen Verein London-East Veranstalteten Begrüßungsabend über seine Eindrücke in Amierika, wobei er etwa folgendes ausführte: Das Provisional Executive- Zionist Komitee ist zu einem jüdischen Zentrum geworden, das die große Arbeit der Organisierung der amerikanischen Judenheit mit Erfolg unternommen "hat Ihm, in erster Rieihe, ist auch did Erhaltung unserer Institutionen in Palästina zu verdanken. Für das hebräische Schtilwerk, den alten und den neuen Jischuw hat das PEC Mittel aufgebracht, die Anleihen für die Orangenpflanzer und die Wein- und Mandelbesitzer sind durch seine Energie zustandegekommen. Die zionistische Organisation in Amerika hat jetzt mehr als 70.000 zahlende Mitglieder und für das nächste Jalyr Rechnet man mit einem Verkaufe von 200.000 Schekolim. Ein glücklicher Zufall für die Ausbreitung und Vertiefung der zionistischen Idee in Amerika war der Umstand, daß Dr. S c h m a r j a L e v i n während des Krieges dort bleiben mußte. Dr. Levin hat während dieser zwei Jahre eine großzügige Propagandatätigkeit in Wort und Schrift entwickelt und als Mitglied des EAC dauernd den Zusammenhang zwischen der zionistischen Leitung und dem Provisional Executive-Zionist Komitee hergestellt. Der stärkste Gewinn für den amerikanischen Zionismus war die Persönlichkeit von Louis D. Brandei-s, dessen führende Stellung im amerikanischen Judentum auch durch die gegen ihn gerichteten Angriffe nicht erschüttert werden wird. Die hebräische Bewegung in Amerika. Die hebräische Bewegung in Amerika befindet sidh zur Zeit in einem’ außerordentlich raschen Aufschwung. ln Amerika existieren seit den achtziger Jahren hebräische Gesellschaften. Vor Ausbruch des Krieges stammtjen die hebräischen Schriften, die von den hebräischen Vereinen’ benutzt und verbreitet wurden, beinahe ausschließlich aus dem Auslande, vor allem aus Palästina. . Aber der Krieg hat sowohl die Menge wie die Erreichbarkeit dieser Literatur von Amerika aus bedeutend beeinträchtigt, was die Tätigkeit der Vereine sehr erschwert Der Verein „Achieber“ in New-York hat freilich auch manches in Amerika selbst herausgegeben, darunter die ursprünglich monatlich, jetzt f wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Hatoren“. Es befinden sich zur Zeit in New-York fünf hebräische Sprachenvereine für Erwachsene und gegen' zwanzig für Kinder. Die letzteren arbeiten im’ Einverständnis mit den hebräischen Schulen. Die Vereine „Achieber“ und „Iwriah“ bestehen überwiegend aus Eingewänderten. Die. eigentlichen hebräischen Fachleute, die hebräischen Lehrer, sind in der „Agudath- Hamorim“ vereinigt. Das größte Interesse vom zionistischen Standpunkt beansprucht aber der Hebräer vom neuen Typus; der junge Mann oder das junge Manchen, die keine besondere hebräische Bildung besitzen, aber gelernt haben, Hebräisch zu sprechen und diese Sprache bei allen Gelegenheiten benutzen. Dies'e sind vor allem Zionisten i und als solche tätiger als alle andere „Hebräie‘r“-Typen. Dieser Typus wird durch die „Agudath Bnei-Am-Chai“ vertreten, ein Verein, d|er seit einem Jahre besteht, schon eine beträchtliche Mitgliederzahl aufweisen kann und die jungen Gemüter weit mehr anzuziehen vermag als jede andere Form des hebräischen Vereines, unter anderem weil hebräische Lieder und Spiele, zu einem sehr großen Teile den Platz der trockenen Diskussionen bei den Versammlungen eingenommen haben. Auch ein Verein von Palästinensern ist gebildet worden, die „Agudath Erez-Israel“, welche die Verbindung der Palästinenser unter sich und mit der jüdischen Bevölkerung Palästinas aufrecht erhält. Ebenso bereiten die Poale Zion die Gründung einer hebräischen Abteilung vor. Ein wichtiger Schritt auf organisatorischem Gebiete ist die kürzlich erfolgte Schaffung der „Hebnew Federation, of America“. DiesS beabsichtigt, Unterrichtsmaterial zu beschaffen, Versammlungen von Eltern zu veranstalten und die Bildung von Schulen anzuregen, die von Elternvereinen betrieben, von der Federation überwacht und durch besondere Beiträge unterhalten werden sollen. Konferenz des Jüdisch-Nationalen Arbeiterverbandes von) Amerika. Am 2. £ind 3. September fand in Detroit ’die 4. Jahresversammlung des jüdisch-nationalen Arbeiterverbandes von Amerika statt, an der ungefähr 100 Delegierte teilnahm’en. Im’ vergangenen; Jahre hat der (Verband 1500 Mitglieder in 16 weiteren Städten Amerikas erworben; zur Verstärkung der weiteren Propaganda-Arbeit wurde ein Organisationsfonds von ’ 2500 Dollar geschaffen. Die Konferenz beschäftigt;.; sich des weiteren mit 'Erziehungsfragen. Den wichtigsten Punkt der Beratungen bildete aber die Frage des Jüdischen Kongresses. Nachdem die Herren Antin, Zuckermann und Braun das Abkommen zwischen dem Kongreßkomitee und der Konferenz der jüdischen Organisationen einer Kritik unterzogen hatten, wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Haltung des Kongreßkomitees protestiert wurde, weil dieses sich nicht an die Beschlüsse der Vorkonferenz in Philadelphia gehalten habe, und in der die Mitglieder jdes nationalen lArbeiter- Verbandes aüfgefordert wurtden, gegen die f.vörgeschlagene Einigung zu arbeiten. Die von verschiedenen Seiten 'unterbreiteter Vorschläge für eine Plattform zum' Kongreß wurden dem Executiv-Komitee zur'' weiteren Behandlung überwiesen. / ■ ' Eine Konferenz zionistischer Redner in New- York. Am 18. September fand in New-York eine Konferenz statt, zu der alle zionistischen Redner in New-York eingeladen waren. Sie wa.r einberufen worden, um die bevorstehende Winterarbeit zweckmäßigst zu organisieren und faßte dementsprechende Beschlüsse. Zionistisches Leben in Süd-Afrika. Die völlige Einigkeit, die jetzt in allien zionistischen Kreisen Süd-Afrikas herrscht, macht sich durch eine lebhaftere zionistische Tätigkeit geltend. Die drei größten 'zionistischen Vereine haben ein Komitee gebildet, um gemeinschaftlich alle zionistischen Fragen zu besprechen und ihre Beschlüsse mit gegenseitiger Unterstützung durchzuführen. D;r ’ „D e c 1 a r a t i o n - T a g“, der * Anfang September istattgefundien hat, war das erste gemeinschaftlich-beratene Unternehmen. Die erfolgreiche und würdige Abhaltung von Herzl- Gedenkfeiern ist ebenfalls als Ergebnis des Zusammenarbeiten der drei Vereine zu bezeichnen. Das gemeinsame Komitee beschäftigt sich mit der Frage der Organisierung der Sammiün-' gen für die Palästina-Hilfs-Aktion. Auch die lange strittige Frage der Wiedererrichtung der zionistischen Bibliothek’ wird nun eine befriedigende Uösung finden. Mit der Wiedereröffnung der Zionistischen Bibliothek in Johannesburg erschließt sich dem' Zionismus eine neue Lebensquelle. Gerade in diesier Periode wiedererwachter zionistischer Aktivität macht sidh der Verlust, den die südafrikanischen Zionisten durch den Tod eines ihrer-eifrigsten Mitarbeiter, des Herrn Harry J o s s e I o \v i t z, zu beklagen haben, doppelt schmerzlich fühlbar. Der Verstorbene war vor einigen Jahren in den National-Fonds- Klub eingetreten und seit dieser Zeit ein energischer und disziplinierter Arbeiter für alles, was Jüdisch ist. Einige Monate Vor seinem’ Tode wurde er Mitglied des jExekutiv-Komitees der Südafrikanischen Zionisten-Föderation und beschloß, alle seine Energie in noch erhöhtem Maße der1 gemeinsamen Sache Zu widmen. Die südafrikanischen Zionisten planen, sein Andenken durch Schaffung eines seinen Namen tragenden Fonds zu ehren, dessen Zinsen ein Stipendium für einen Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa bilden sollen. Zionisten im Felde Wie man uns mitteilt, ist Fähnrich Michael Grünberg, Lir. 55 (Zirei Zion in Kolomea), am 4. S;pt. in Galizien gefallen. Die Meldung von seiner Gefangenschaft erwies sich also leider unrichtig. Er war mit -der silbernen Tapferkeitsmedailie ausgezeichnet. Kadett-Aspirant Dr. David Weinberger, Konzipient in Wien, ist’ am 6. d. M. auf dem nördlichen Kriegsschauplatz g e fa 11 e n. Die definitive Bestattung Dr. Weinbergers, der . ein wrackeres Mitglied der „Hakoah“ war, wird demnächst in Wien stattfinden. E.-Fr. Zugsf. Simon Teichmann (Zirei’ Zion in Rohatyn) wurde zum Fähnrich befördert. Er ist verwundet vom südlichen Kriegsschauplatz zuückgekehrt und befindet sich in Wien in Spitalspflege. Dr. Arnold Weiner, A. H. der jüd. akad. / Verbindung „Unitas“, Zahnarzt in Brünn, hat seit seiner Gefangennahme in Przemysl das erste Lebenszeichen Von sich gegeben. Er befindet sich in Krapiwna (Gouv. Tula) und ist wohlauf. Dr. Karl Pollak spendet aus , diesem freudigen Anlasse K 100.— für die Z\ved<e des zionischen Zentralkomitees für Wiestösterreicn. . Gg. Benjamin Preis-Schnee balg (Zirei Zion in Kolomea) istiam (16. Septem'fcle- 'leicht verwundet in russische Getangenschaft geraten. In der Redaktion unseres Blattes traf eine Glückwunschkarte vom 2. September d. J. aus N i s c h n i - L a m o w (Gouvernement Pensa, Rußland) ein, die von folgenden, dort in russischer Gefangenschaft' \Ueilenden Gesinnungsgenossen unterzeichnet war: E.-Fr. Erwin Drucker aus Ung.-Hradisdi; E.Fr. Zugsf. Paul Oesterreicher aus Wien II., Negerleg.7; E.-Fr. Gustav Rosenbaum, Mitglied des Vereines „Neure Jehudah“ in Wien, dem er besondere Grüße übersendet; E.-Fr. Zugsf. Max G affr aus Wien II., Förstergasse 8; E.-Fr. Gefr. Dr. Siegfried Kehrhard (?); E.-Fr. Zugsf. Max Kohn und E.-Fr. Zugsf. H. Abel aus Proßnitz. Leutnant Arc'h. Emanuel Neubrunn, Chef der Firma Wulkan und Neubrunn in Wien, der früher mit der bronzenen Tapferkeitsmedailie ausgezeichnet wurde, erhielt jetzt auf dem Südtiroler Kriegsschauplatz die große silberne Tapferkeitshvedaille. Leutnant Isidor Brand, a. B.. der J. a. Verbindung „Jra“ in Wien, der seit einem Jahre ohne Unterbrechung vor dem Feinde steht, erhielt die silberne Tapferkeitsmedailie II. Klasse. Ing. Leuth. Erich Kapellner wurde mit der großen silbernen, der Fähnrich Oskar Langer mit der kleinen silbernen Medaille ausgezeichnet. _" Anzeigen und Korrespondenzen Die Eröffnung einer hebräischen Spraohschtile „Ivrihh“ in .Wien zeigt Dr. H. Glanz- Sohar, in Wien und Jerusalem .geprüft, an. Sie will sich der religiösen (und nationalen Erziehung 'der Jugend widmen. Schriftliche oder mündliche Anmeldungen werden VIII. Langegasse Nr. 32, vom 15. bis 27. Oktober enfgegengenomtaen, der Unterricht beginnt am 1. November. Unentgeltlicher Kurs iibfer Geflügelhaltung und Geflügelzucht für Flüchtlinge in Wien. Mit Rück stellt auf den Erfolg,, den der vom Gali zischen Hilfsvereine in den Monaten Juni und Juli d. J. veranstaltete Kurs über Geflügelhaltung erzielt hat, und dem1 vielfach1 geäußerten Wunsche — sowohl von .Teilnehmern an diesem Kurse, als auch von Nichtteilnehtnern — entsprechend, errichtet der Hilfsverein neuerlich einen Kurs, an dem der Konsulent für Geflügelzucht im' k. k. Ackerbau-Ministerium, Herr Georg Wieninger, mit Zustimmung, dieses Ministeriums sechs Vorträge über Nutzgeflügelzucht und -Haltung abhalten wird. Es soll dadurch (den in Wien .weitenden Flüchtlingen Anleitung geboten werden, nach Rückkehr in ihre Heimat, durch die Produktion von Eiern eine Einnahmsquelle zu finden, ohne in der Betätigung ihres sonstigen Erwerbes behindert zu werden. Die Vorträge finden an Dienstagen und Donnerstagen, und zwar am 7., 9., 14., 16., 21. und 23. November d. J., jedesmal von 4 bis 6 ,Uh r nachmittags, im Josefine Mendlschen Wohlfährtshäuse (Toynbeehalle), XX., Denisgasse 33, statt. Der Kurs ist unentgeltlich. t Filetkurs für Flüchtlings - Mädchen und -Frauen in Wien. N,ach den jüdischen Feiertagen errichtet der Galizis.che H M f s ve re i n für in Wien weilende Flüchtlings-Mädchen und -Frauen in seinen Lokalitäten einen Izweiten Kurs für Filettechnik. .Angelernte erhalten dauernd Beschäftigung. Anmeldungen nimmt das Büro des Hilfsvereins, IX., BerggasSe 4, Schriftlich oder von 9 bis 12 Uhr vormittags mündlich entgegen. .

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