Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 39 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 39 heit aufs. wärmste begrüßt. Herr Elkus nimmt lebhaften Anteil an allen'jüdischen Fragen und. hat sich auch mit der' Wissenschaft des Judentums viel beschäftigt. Eine wichtige Mission harrt seiner; man erwartet allgemein, daß er seinen großen Aufgaben gewachsen sein und sich durch seine Tätigkeit die dankbare Anerkennung des. amerikanischen und jüdischen Volkes gleichmäßig erwerben wird.“ ' In einem längeren Artikel, den der „American Jewish Chrönicle“ Herrn Elkus widmet, heißt es zum Schluß: „Es ist kein Zufair, daß die amerikanische Regierung einen Juden nach1 Konstantinopel entsendet. Die Regierung deutet damit an, daß ihr Vertreter sich' der jüdischen Interessen annehmen möge und solle, und wir wissen, daß Herr Elkus diese Tatsache aner-’ kennt und demgemäß handeln -wird.“ . Die russischen Juden in Frankreich. Die bekannte antisemitische „Libre Parole“ vom 17. August beglückwünscht England zu dem Entschluß, die flüchtigen' russischen Juden ent- . weder an Rußland auszuliefem öder in das englische Heer einzustellen; und hofft, daß Frankreich dem Beispiel folgen werde.. Wenn die Russen aus Wladiwostok kämen, um in Frankreich zu kämpfen, sei es sinnlos und ungeheuerlich, daß russische ..Untertanen, die in Frankreich lebten, von jeder Militärpflicht frei b’ieben. . .Man möge ihnen die Wahl lassen, ob sie in das russische oder ..französische Heer. . eintreten wollten, denn es könnten ja politische Flüchtlinge unter ihnensein. Leider seien aber noch mehr gemeine Verbrecher unter ihnen. Frankreich habe diese: Flüchtlinge, selbst die anarchistischen Verbrecher, nicht auSgeliefert, aber wenn diese die Französische Gastfreundschaft so hoch schätzten,. so hätten sie auch die Pflicht, . Frankreich zu .verteidigen. Unterließen sie es aus Feigheit oder Selbstsucht, so müßten strenge Maßregeln gegen sie ergriffen werden. Die Beteiligung der englischen Juden am Kriege. Major Baron v. Rothschild gibt im „Daily Chrönicle“ ein'e Uebersicht über die Beteiligung der Juden Englands am Kriege. Er sagt, bereits zu Anfang des Krieges sei eine große Anzahl von englischen Juden bei dem Exoeditionsheer mit nach Frankreich geschickt worden, auch ein jüdischer Geistlicher habe sich am Feldzuge beteiligt. Sofort nachdem der Aufruf für die Freiwilligenwerbungen erfolgt sei, sei eine im Verhältnis zur englischen jüdischen Bevölkerung des Landes sehr große Anzahl von Juden zum' Dienste geeilt. Der. bereits erwähnte jüdische Geistliche habe dieser Ta^e versichert, daß in Frankreich allein .20.000 freiwillige englische Juden stünden. Auch auf Gallipoli habe eine große Anzahl von jüdischen Soldaten bei deim englischen Expeditionsheer gekämpft. Außerdemsei ein zionistisches Maultierkorps gegründet worden, das in der Hauptsache aus russischen Flüchtlingen bestand) und das nach der Aussage des Oberstleutnants Patterson, der ein interesv*,santes Buch über diesen Gegenstand geschrieben ‘"hat, ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Im Felde hätten, sich die Juden als gleich gute Soldaten bewährt wie ihre Landsleute anderen Glaubens, auch hätten sie eine proportional ebenso große Anzahl Von Auszeichnungen criia'ten. Der erste jüdische General in der englischen Armee. Die. englische Armee hat infolge der Beförderung des Obersten John Monash zum' Generalmajor . ihren ersten jüdischen1 General. „Manchester Guardian“ sagt: „Es hat wohl sehen mehr Generale jüdischer Herkunft f.egeben, aber kein Jude, der Jude geblieben war, ist -noch General gewesen“. Hierzu bemerkt die Redaktion des „Berliner Tap'eblattes“ : Die Angabe des1 „Manchester Guardian“ trifft zu, ■ soweit ’ sie' England betrifft. Der erste jüdische General, den es außerhalb Englands gab, ist aus dem Jahre 1812 bekannt, und er stand sogar gegen England im Felde: es war der amerikanische Brigadegeneral Joseph Bloomfield. Auch der Kommandant des Hafens von New-York zu jener Zeit, Colonel Nathan Meyers, war ein Jude. In den amerikanischen Sezessionskriegen (1861 bis 1864) kämpften auf.beiden Seiten etwa 8000 Juden; unter ihnen waren 658 Offiziere, von denen neun den Generalsrang erwarben. Später gabes dann, bis in die gegenwärtige Kriegszeit, zahlreiche jüdische Generale, in Holland, Italien und in anderen Ländern. Minadiriditen. Wie bekannt, wurde der Lemberger Kultusrat von der Behörde aufgelöst und an seine Stelle ein neuer eingesetzt. An der Spitze des neuen Kultusrates steht der Advokat Dr. Emil Par/ias. Ihm zur Seite stehen 10 Beiräte. Aus unserer Partei wurden, obschon sie die imimerisdh Stärkste ist und ihre- Mitglieder, sowohl Während 'der russischen Invasion, als auch im zweiten Kriegsjahr der jüdischen Bevölkerune die größten Dienste geleistet haben, nur 2 Beiräte gewählt JODISCHE ZEITUNG Seite 3 Es.sind dies die Herren. Simon Orange, Direktor der Kredit-Unionund1 Spitalsrat und Dr. Michael Ringel, Advokat und Vizepräsident des galizischen zionistischen Zentralkomitees. Beide Herren sind bewährte Gesinnungsgenossen, die seit Jahren unserer Partei nach Kräften dienen. Zionisten im.EelOt. Die J. A. Verbindung „Ivria“ in Wien teilt-uns mit, daß ihre A. H. A. H. Obltn. Dr. Albert Schönhof, I.-R. 8, nunmehr zum 3. Mal, und zwar mit dem1 Silbernen Signum laudis, Lt. Oska.r Sing,er, Lir. 25, mit der Silbernen Tapferkeitsm'edaille II. Kl. dekoriert worden sind.! N_u.te W i 11 n e r, Kdtt.-Asp. im ' I.-R. 58, Mitglied der jüdisch-nationalen Verbindung „Zephir a“" in - CzemoWitz, * ist am wolhyhischen: Kriegsschauplatz unverwundet in russische Gefangenschaft geraten. B e r 1 S-t ä n d i g ist in russische Kriegsgefangenschaft (in Pensa) geraten; er wünscht Nachricht von seiner Familie, die vermutlich von Peczenizyn 'nach Böhmen geflüchtet, ist. Am 9. v. M. fand auf dem südlichen Kriegsschauplatz den Heldentod im Alter von 20 Jahren Gg. E.-F. Gefr. des I.-iR. 24, Naftali Pickholz, Leiter des Zeire Zion in Tretnbowla. Ein Gesinnungsgenosse Schreibt uns aus dem Schützengraben an der italienischen Front, daß sich vor seinem Unterstand eine Reihe -jüdischer Gräber befinde. Aus den .Namen und aus dem Umstand, daß sich auf den Tafeln der Ruhestätten im Gegensätze zu denen der übrigen kein Kreuz fand, schloß er auf die jüdische Abstammung der Gefallenen. Ihre Namen sind: E. F. Ephraim Eisenkraft, Osias Rosenbaum, Rubin Nemet, Simche Gottfried, Moses Ratzer, Samuel Weißbach, Josef Burger, Alois Sekul, Julius Strimmer. Auf Verlangen teilen wir gerne die Adresse des Schreibers mit. Dementi. In Nr. 37 unseres Blattest’ berichteten wir in dieser Rubrik, daß unser Gg. Obltn. Ing. Salomon 'Nußbaum-Speiser auf dem nördlichen Kriegsschauplätze gefallen sei. Wir sind nunmehr auf Grund -eines Schreibens dessleiben aus Rowno vom.4. August L J. in der angenehmen Lage, mitzuteilen, daß die erwähnte Nachricht unrichtig ist. Ing.' Nußbaum-Speiser' geriet vielmehr in verwundetem Zustande in russische Gefangenschaft, befindet sich aber sonst wohl. Anzeigen und Korrespondenzen. Die „Zionistische Mrddhenvereinigung Moriah“ hielt am 20. d. M. zum (Abschluß ihres ersten Semesters eine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: Bericht über den Kassastand, Ergebnis der größeren Sammelaktionen .(Palästinahilfsfond K 1093.10, Schekel 5676 K 284.40), Bibliothek:- Die Bibliothek, die der' Vereinigung von der „Neure Jehuda“- zur Verfügung gestellt -wird, wurde sowohl in ihrem zionistisch belehrenden a's auch im belletristischen Teil' von allen Mitgliedern in Anspruch ge- . nommen. Die Arbeit des vergangenen Semesters erstreckte sich auf Agitation in den Kreisen jüdischer Mädchen und Abhaltung von Vorträgen und Seminarien zur'. Einführung in den Zionismus, t zu welchem Zwecke sich unsere Gesinnungsgenossen in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellten. Die internen Abende wurden von Mitgliedern der Vereinigung seihst, durch Vorlesung zionistischer Schriften und Besprechung allgemeiner Natur ausfüllten. Frärlein Ruza Sa'chsel wurde auch für das kommende Semester als Präsiden'in beibehalten. Die Arbeit für die folgende Zeit werden wieder Vorträge ■ und Seminarien bilden; ab Mitte Oktober wird für Mitglieder der Vereinigung ein Kurs zur Erlernung der jüdischen Sp.rache eröffnet. Zu Beginn des neuen Semesters hat Herr Adolf Böhm einen Vortrag über Palästina mit besonderer Berücksichtigung der Mädchenfarm gehalten. Hierauf folgt ein Seminar, gehalten von Herrn Adolf «S tand über Herzls Judenstaat. Die darauffolgenden Vorträge werden in der Jüdischen Zeitung allwöchentlich veröffentlicht. Gäste sind stets willkommen. Der Jüdische Handlungsgehilfere-Verband eröffnet anfangs Oktober neue Unterridvtskursfc: für Buchhaltung, Kaufmännisches Rechnen und Gabelsberger Stenographie. An den Kursen können männliche und weibliche Angestellte (auch Flüchtlinge) tci'nehmen. Regiebeitrag für jeden Gegenstand K 1.— monatlich. Anmeldungen werden au Wochentagen von 8 bis 9 Uhr abends und Sonntag von 11 bis 12 Uhr vormittags in der Verbandskanzlei, 11., Obere Donaustraße 65, entgegen genommen. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Wien IX., Liechtensteinstraße 20. Der erste Wiener Jüdische Turnverein trat am 1. Oktober d. J. in sein 17. Vereinsjahr. Der volle Tumbetrieb ist ..bereits aufgenommen. Turnzeiten: Männer HationaUMsche Bucbbanölung R. 6owit,WienI. Rofentupmsfp.22 Neue jüdische Bücher von denenmnnspridit: m. j. bin goriom Der Born Judas Erster Band: Von Liebe und Treue Großangelegtes auf 6 Bände berechnetes Unternehmen, das die ganze jüdische Sagen und Märchenwelt in einer von berufenster Seite besorgten Ausgabe zusammenfassen soll. Pappbd. K 9.—, Halbperg. K 11.25 Die Bücher von Martin Buber, vergriffen gewesen und liegen in Anflagen vor. Die Geschichte des Rabbi Nachmann, geh. K 4.50 geb. K 6.75. Die Legenden des Baal-Schem geh..K 9.-geb. K 11.25. Drei Reden über das Judentum, geh. K 3.- geb. K 4.50. Brochüren: Germanns-Judäus, Deutsch. Polnisch oder Jüdisch? Betrachtungen uud. Urkunden Ostjudenfrage. A. MeisSner, Juden und Christlichsoziale K 1.50. Julius Simon, Die Juden und die Gebildeten unserer Tage K -.25. Zeitschriften:_ Der Jude; Herausgegeben von Martin Buber. Sonderheft: Achad Haam soeben erschienen. Kataloge gerne zur Verfügung. — Provinzversand. Reiches Antiquariat, Jüdische und hebräische Literatur, National * Jüdische BiuhhanMung R.&ouii,t0ienj. Roteofaraisfp.22 und Zöglinge: Montag und Donnerstag von -i/>S bis 9. Damen: I. Tumzeit: Mittwoch und Samstag von *4*7-bis 8; II. Turnzeit: Mittwoch und Samstag von1 V-S bis 9. Kinderturnen unter der bewährten Leitung des Herrn Prof. Max Guttmann, Mittwoch und Freitag von y25 bis 1/1.7 nach Altersstufen getrennt. Reichenberg: Der hiesige zionistische Volksverein „Theodor Herzl“ veranstaltete eine Baumsammlung für den. Herzlwald, welche folgendes Ergebnis hatte: Karl Manleik 3 Bäume, Agnes Robitschek 3 Bäume, Benedikt Kraus 1 Baum, Milka Kraus 1 Baum1, Zionistischer Volksverein Reidienberg 1 Baum, Emil Deutsdh 1 Baum, Josi Deutsch 1 Baum, Josef Abelasf 1 Baum, Lothar Hofmann 1 Baum, Josef Tänzer 1 Baum, Dr. M. Aohn, dzt. Reichenberg 1 Baifttr, Abraham1 Ehrlich 1 Baum, Josef P!olla.\| 1 Baum, Prof. J. IIlowy 1 Bäum, M. U. Dr. J. Löwy 1 Baum, J. U. Dr. B. Berka 1 Baum. Sport. Hakoah—Ottakringer Sportklub 5:1 (3:0). Letzten Sonntag schickte die Hakoah' wieder vier Mannschaften ins Treffen, woraus sämtliche mit einer Gesamttordifferenz von .30.: 3 als Sieger hervorgingen. Es muß der Verefrfsleitung hochangerechnet werde’, im dritten Kriegsjahre derart viele Spieler aufzubringen.. Mithin ist auch die Lebensfähigkeit jüdischen Sportes in schwerster Zeit erbracht. Das Hakoahteam repräsentierte sich am vergangenen Sonntag in imponierender Stärke. -Die Verteidigung, in der drei alte Spieler, Halpern, Str.äußlcr und Präger tätig waren, hielt .‘ihre Gegner vollkommen sicher. Die Deckungsspieler boten keine einheitliche Leistung. Insbesondere fällt Lumek am Schlüsse eines jeden Spieles stark ab. Besser wie sonst waren die Stürmer. Ausgezeichnet spielten Friedmann und Juhn.. IJor-