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Jüdische Zeitung · 1916-09-15 · 36 (15.9.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
36 (15.9.1916)
Date
1916-09-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG ' „ , Nh 36 nach hat sich der König einmal geäußert, daß er Seine Heereslieferanten als die habgierigsten und gefährlichsten Spitzbuben erkannt habe, die er leider nicht abstrafen könne, weil sie ihm unentbehrlich sind. Zu seiner Beruhigung habe er sich aber von den preußischen Gesandten im Ausland berichten lassen, daß sich die- Heereslieferanten der einzelnen National überall gleichen. „Glauben Sie nicht“, sagte der König, daß sich'die Leute untereinander verständigt haben. Es ist einfach der Geist' des Metiers, der sie alle gleichmäßig abgerichtet hat ui|i besteelt.“ — Hiezu nun bemerkt „Der getreue Eckart“ seinerseits: „Wir findep, daß Friedrich der Große sich hier, im Gegensatz zu anderen Aeußerungejn, recht diplomatisch ausgedrückt hat. Er hätte statt des Wortes Metier wohl unschwer eine andere naheliegende Begriffsbestimmung wählen können.“ Wir wieder .finden, daß es dem vernageltsten Leser des „Getreuen Eckart“ nicht schwer fallen wird, in seiner edlen Seele verständnisvoll zu lesen. ... Michael. MinaMten. Unter Vorsitz des Präsidenten Adolf Stand fand am 11. September d. J. eine Sitzung des. Exekutiv- Komitees der Zionisten Oesterreichs statt. Das Bukowinaer Zionistische Landeskomitee designierte an Stelle des zum Militärdienste eingerückten Mitgliedes Dr. Theodor WeisSelberger Herrn Dr. Markus Krämer als Mitglied in dieses Komitee. » Nach Erledigung einer Reihe laufender Angelegenheiten erstattete Präsident-Stellvertr. k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig ein eingehendes Referat in Angelegenheit der Kongreßbewegung in Amerika, das mit folgendem Resolutionsantrag •schloß, der einstimmig angenommen wurde: „Das Exekutiv-Komitee der Zionisten Oesterreichs als die derzeitige Repräsentanz der österreichischen zionistischen Gesamtorganisation begrüßt die Bewegung der jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten, eine Volksrepräsentation zu schaffen, die unsere t Forderungen •der gleichen Rechte und der .freien Einwanderung nach Palästina .und anderen Ländern vorlegt auf das sympathischeste. Das Exekutivkomitee der Zionisten Oester- ■ reichs gibt seiner freudigen Genugtuung ihsj •besondere darüber Ausdruck, daß auf der Tagung der national-jüdischen Organisationen zu Newyork vom 18. Juli 1916 zwischen den Vertretern der Konferenz und den Repräsentanten des Kongreßkomitees, eine Einigung dahin. er- _ zielt wurde, daß ein jüdischer Kongreß in Washington in der Zeit zwischen dem 1. September und dem 31. Dezember 1916 abzuhälten Sei.“ Uns Jer jüdischen Wolf. Die russischen Juden in England. Die gesetzestreuen Rabbiner Englands mit dem zurzeit in London weilenden Jaffaer Oberrabbiner, Rabbi Abraham Jizchak Kuck, an der Spitze, überreichten dem Ministerium des Innern ein Denkschreiben, in dem die politische und ethische Seite der Auslieferung der militärpflichtigen russischen Juden an Rußland beleuchtet wird und die Bitte enthalten ist, von dieser ungeheuerlichen Maßnahme im Sinne des Schriftsatzes: .Liefere nicht den Knecht an den Herrn aus“ abzusehen. Ein ähnliches Memorandum überreichten auch die jüdischen Studenten an mehreren Universitätsstädten Englands. Wie bereits gemeldet, ist die Abschiebung vorläufig aufgehoben worden. Laut Erkläungen des Ministers Samuel im Unterhause ist mit dem Ausschuß der russischen Juden eine Vereinbarung getroffen worden, wonach diejenigen, die dienen wollen, innerhalb dreier Monate als Briten eingebürgert werden. Die Werbung soll bis Ende September für sie offen sein. Einige Mitglieder, die für einen Zwangsschub der russischen Juden in ihre Heimat sind, ersuchten daraufhin, die Angelegenheit bis nach den Parlamentsferien zu vertagen. Russische Juden und die englische Marine. Das Unterhausmitglied King hatte vor kurzem mitgeteilt, daß verschiedene russische Juden sich r zur Marine' gemeldet hatten, jedoch zurückgewiesen worden seien. King fragte, ob diese Leute nicht in die Marine aufgenommen werden sollten, da ihnen sonst nach den bereits, bekannten englischen Verfügungen die Verschickung nach Rußland bevorstände. Für die Marine antwortete Maf Namarä, daß diese Leute*nicht zur Marine zugelassan. werden könnten, da ausschließlich englische Untertanen für den Dienst bei der Flotte angenommen würden. Der russisch-amerikanische Handelsvertrag. Nach den Meldungen der jüdischen Zeitungen in Amerika geht die Paßfrage, die vorübergehend zu einem Handelskonflikt zwischen Rußland und Amerika geführt hat, ihrer Lösung entgegen. Einzelheiten sind nicht bekannt. So viel steht aber fest, daß Rußland^gar keine Neigung hat, die amerikanischen Juden in Rußland von den Paß-Schikanen zu befreien, und Amerika den nachgebenden Teil bilden wird. Die jiddische Presse in Amerika. Nach einer neuerdings veröffentlichten Zusammenstellung erscheinen in Amerika zurzeit nicht weniger als 55 Zeitungen in jiddischer Sprache, die über eine Gesamtauflage von 1,625,748 Exemplare verfügen. Man kann sich vorstellen, welchen Einfluß eine derartige Presse auszuüben vermag. Die Stadtratwahlen in Petrikau und die Juden* Nach Zeitungsmeldungen aus Petrikau fand dort eine Versammlung der jüdisch-nationalen Vereinigungen in Angelegenheit der Wahlen statt, bei der beschlossen wurde, die Einigung aller jüdisch-nationalen Zirkel nach dem Muster der Warschauer Volksgruppe gemäß deren Programm durchzuführen. In einer andern Versammlung kam es zu einer Einigung der nationalen und der demokratischen Gruppen auf Grund einer Vereinbarung, daß nur solche jüdische und christliche Kandidaten für den Stadtrat .aufgestellt und unterstützt werden, die öffentlich und schriftlich die Erklärung abgeben, daß sie die Rechte der jüdischen Minderheit in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht verteidigen werden. Es wurde auch beschlossen, eine Konferenz der jüdisch-nationalen Führer in Angelegenheit der Wahlen nach Lublin einzuberufen. s R. Löwit Verlag Abt. „Oer Wien, I. Wollzeile 6 Seitens des „Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina“ erhalten wir folgenden AUFRUF zur Veröffentlichung. Glaubensgenossen! Tausende Jüdischer Kinder in Galizien ha- ben durch den Krieg, durch Seuchen, Flucht und Verschleppung’ ihre Eltern verloren; völlig verlassen, ganz schutzlos, Verhungern, verkommen sie elend in Kellern, Erdhöhlen, auf der ‘Straße. , Hier zu helfen, solange Hilfe noch möglich,. ist Ehrenpflicht jedes Juden, jedes Menschen,’ jedes Einzelnen, der vor gleichem Unglück bewahrt ist. Deshalb haben wir vor Wenigen Monaten den Verein zur Rettung, verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina *) gegründet, der den Zweck hat, dazu beizutragen, die verlassenen jüdischen Kinder zu sammeln, in .Heimen unterzubringen, 'vor dem Hungertode, vor geistiger und sittlicher Verwahrlosung zu schützen. - -• Wir rufen alle Glaubensgenossen auf. Wir bitten unserem Verein als Mitglieder und Spender ..beizutreten und dense’ben' durch Werbung weiterer Mitglieder werktätig zu fördern. Jede, auch die kleinste Gabe, wird dankbar angenommen, öffentlich ausgewiesen und verrechnet und ihrem Zwecke der "Milderung dieses fürchterlichen Kinderelends, zugeführt. Spendet Geld, uni den verlassenen Kindern Nahrung und Obdach zu geben, snendet Kleider, Wäsche, Stoffe, um sie zu kleiden! Jeder aber gebe nach seiner Kraft, mit war-: mer, offener jüdischer Hand! Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina Wien, IX/3, Universitätsstraße 4. Oest. Posfsparkassen-Konto 151.857. Präsidium: Dr. S. Ehrmann. k. k. Universitäts-Professor,' Vizenrärident; Frau Listetije Gelber, Vizepräsident: D-. Edmund Kolm, Vizepräsident; Dr. Arnold Ascher, Käiserl. Rat Generalsekretär der Baron Hirsch-Stiftung, Schriftführer; Ernst Simon, Kassenverwalter; Rudolf Kohn, KasSenverwalter; Exekutivkomitee: Alexander Hecht, Direktor; Eveline Klärmann, Dr.-Josef Löwner, k. k. Hofrat; Heinrich Mendl; Dr. Jakob Nirenstein, Hofu. Gerichtsadvokat; Dr. Moritz Schnabl, Hofu. Gerichtsadvokat; Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. Hofu. Gerichtsadvokat, 'Gemeinderat d. Stadt Wien; Dr. Alfred Stern, Präsident der Isr. Kultusgemeinde, Wien; Alexander Weiner, Direktor der Bodenkreditanstalt; Dr. Julius Zappert, k. k. Universitätsprofessor. Vorstand: Rudolf Bo-ges; Jaques Brichta, Direktor; Karl Freund; Dr. Ludwig Gelber, Hofu. GerichtSadvokat; Heinrich Glücksthai, Domänen-Direktor; Leopold Jerusalem, Prag;/ Prof. Dr'. Wilhelm Jerusalem, k. k. Regierungsrat: Jaques Karpeles; Dr. Wilhelm KnöpfmaCher, Hofu. Gerichtsadvokat; Pbi'ioo Kohn, Kgl. ung. Kom.-Rat: Robert’-KolisCh. Börserat: Dr. Emii Krasny, Hofu. Gerichtsadvokat; Dr. Moritz Laub; Frau Emma Lilien, Lemberg; Edmund Melcher, Architekt, Stadtbaumeister, Gemeinderat der Stadt Wien." Wilhelm Paopenheim; David Rotter, Vertreter der J. C. A.; Dr. Felix Schiff; Hugo Winter. Der Jude Eine Monatsschrift Herausgeber: Martin Buber ' Heft 6 erscheint als Sonderheft: i Achad Haam Inhalt: Buber, Der Wagende AchadlHaam, Ost und West Bergmann, Die nationale Bedeutung Aichad Haams Ehrenpreis, Achad Haam als Erzieher Schear Jaschub, Der Zionismus Achad Haams Bantsch, Die Juden des Westens im Urteil Achad Haams Robinson, Priester ohne Volk Salomon Schiller, Der Kämpfer Jakob Klatzkin, Einige Striche zum Bildnis Achad Haams R. Seligmann, Ein Wort über Achad Haam ' Schwadron, von unserer Selbstbewertung J. Kaufmann, Die hebräische Sprache und unsere nationale Zukunft Arno Nadel, Das Wesen des mosaischen Sittengesetzes. Preis des Sonderheftes K 1.40, Vierteljahrsabonnement K 3,50 exklusive Porto.; Bestellungen sind, da das; Heft sehr bald vergriffen sein wird,/.umgehend an den Verlag zu richten. R. Löwit Verlag Aöt. „OEr Jude“ Wien, I. Wollzeile 6 Für die Werbetätigkeit in den Kronländera Böhmen, Mähren und Schlesien sind Landeskomitees in Bildung begriffen,' denen beizutreten,' die hervorragendsten Persönlichkeiten ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen haben. Anläßlich des bevorstehenden Neujahrsfestes bitten wir, unserem Vereine Gratulationsablösungs-Beiträge zu widmen. Die „Jüdische Zeitung“ ist gerne bereit, solche Spenden entgegenzunehmen und auszüweiSen. *) Jahresbeitrag mindestens K 5.—, Gründerbeitrag mindestens K 1000.—, Eventuell in 5 Jahresraten, Stifterbeitrag mindestens K3000.—. Eventuell ln 5 :Jahrehraten. Anzeigen uni Korrespondenzen. . Wien1. Der . Galizische Hilfs!verein eröffnet demnächst in Wien eine Arbeitsstätte für Flüchtlingsfraüen und -Mädchen, die in der Erzeugung vo.i F i 1 e t s p i t z e n Unterricht erhalten. Der Unterricht dauert nur einige Wochen und es ist. dafür gesorgt, daß die ausgelernten Arbeiterinnen, soweit das vorhandene Material reicht, fortgesetzt Beschäftigung erhalten,, die um so lohnender ist, je mehr Uebung die Arbeiterinnen in der Herstellung dieser Spitzen 'erlangen. Anmeldungen für diesen Unterricht werden im ’Büro des Hüfsvereines, 9. Bezirk, Berggasste 4, I. Stiege,. Tür 14, in den Vormittagsstunden entgegengenommen. Ausserdem hat" der Galizische Hilfsverein die Absicht, solche Arbeitsstätten auch in denjenigen KultuSgemeinden zu errichten, wo sich derzeit eine größere' Anzahl' Flüchtlinge aus Galizien und: der Bukowina aufhält.- Es ist bereits von einigen; KuUusgemeinden (Gewitsch, Lundenburg, Schaffa, Ung.-Brod) an den Hilfsverein mit der Bitte herangetreten worden, den dortigen Flüchtlingen Arbeit und Verdienst zii schaffen, und er hat sich gerne ‘dazu gerne bereit, erklärt. Er läßt jetzt, eine Anzahl .tüchtiger Frauen und Mädchen^ aus Flüchtlingskreisen in der k. k. Anstalt für Frauen-Hausmdustrie in Wien, zu Lehrerinnen in der Filettechnik heranbilden und beabsichtigt, nach Ab-

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