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Jüdische Zeitung · 1916-08-25 · 34 (25.8.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 vagen Imponderabilien von Ideal und Wunsch; überall, wo jetzt in äußeren maßgebenden Kreisen der Zionismus als weltpolitisches Problem, wo Palästina in der nichtjüdischen Publizistik als' Siedlungsgebiet für Millionen Juden in Betracht gezogen Wird — wo ja, wie bei Prof. Ballod z. B„ mit der Erfordernis von vielen Mifliarden kalkuliert wird — werden doch' i n erster Linie die bisherigen Leistungen der Zionisten in Palästina hervorgehoben, dieses an sich und relativ sicherlich so kleine und schwache Werk, das aber als reale Grundlage nationalen Tatwillens und als Beweis unserer erneuerten volksethischen Kraft so unendlich, so absolut wertvoll ist. Dieses Werkes aber vergessen wir jetzt; jetzt, da die „materielle Kriegsnot unsere Siedler, Arbeiter, Lehrer und Schüler zu vernichten droht“, — sie, mit deren Pionieropfern una Idealismus, wir unverdienter weis e immer stolzieren, wir, die wir uns kostenlos ,.begeistern“ und Phrasen machen, während jene dort sich abmüher, leiden. Sind wir nicht verpflichtet, ihnen unseren süßen Stolz auf sie zu entlohnen? Später jedoch' werden wir auf Kongressen una Konferenzen so sdiön reden, so heftig und mit Emphase der Leitung Vorwürfe machen können, daß sie den großen, den historischen, den nie wiederkehrenden Moment verpaßt hat, oder wie dergleichen Phrasen pathetischer Nichtstuer schön gewöhnlich lauten (Ich finde überhaupt,' daß bei uns von Anfang an die Führer noch immer besser warer, als die Geführten, daß die Bewegung immer noch leidlich war und. nur die Bewegten zu nichts taugten) — dieses Palästinawerk .aber, das irgendwie und irgendeinmal wirklich die Grundlage für die Ausnützung eines großen Moments abgeben könnte, lassen wir vom Hunger bezwingen. In Deutschland brachte das Palästinahilfswerk bis jetzt etwa 202.000 K, bei uns 29.000 K! Wohlan denn: die bisherige Sammlung für das Palästinahilfswerk, wo jeder von uns ausnahmslos weniger gegeben haf, als er hätte Sollen — dite Streiche jeder aus seinem Gedäditnis una eine frische, neue, d. h. erneuerte beginne! Un.a_ man bedenke: gegen eine einmalige Not genügt eine einmalige Spe ide; gegen einen Hunger, der Iso lange dauern müß, soTange der Krieg, dauert, ist für niemanden eine andere Form gegeben, als die der Selbstbesteuerung. Klein oder groß; je nachdem einer eff kann, aber nicht niedriger. Legen Wir Selbisibesteue-: nungsKsten an und sehe jeder, wer auff seinem zionistischen Bekanntenkreise in diesen noch fehlt! Einige, wenige zionistische Zirkei haben ja schon die Selbstbesteuerung durchgeführt, aber wie beschämend wenige! Es schäme sich von nun an jeder.Zionist, der nur einmal gespendethat; d azu veranlasse er den N i c h t z i o n i - s:te ml Und haben wir das in großem Maße getan, und haben wir 100.000, haben wir 200.000 K zusammengebracht, so wird unsere Leistung noch lange der Größe der Pflicht nicht entsprochen haben, die auf uns lajstet. A. Sch. Das jnüisAe ReAfssAulzbirai iR Mer;. Kurz nadh der Widerbesetzung der Landeshauptstadt durch unsere Truppen wurde im Anschlüsse an das noch während der Invasion gegründete Jüdische Rettungskomitee .ein dessen Leitung untergeordnetes Redhtsschutzbureau ins Leben gerufen, das sich durch eine zielbewußte, intensive und weitausgreifende Tätigkeit den wärmsten Dank vieler Tausende unserer Volksgenossen in Galizien erworben hat. Der Leiter des Rechtschutzbureaus Gg. Dr. Israel Rath hat nun bei einer der letzten Sitzungen des Komitees einen Bericht über die einjährige Tätigkeit des Bureaus erstattet, den wir nach dem Berichte .des „Lemberger Tageblattes“ hier wiedergeben. In der ersten Zeit war es nötig, eine große Anzahl von Flüchtlingen, die 6ich zur Zeit der Invasion in Lemberg aufgehalten hatte, in ihre fraiheren Wohnsitze zu repatriieren. Das Stadtkommando hat dem Rechtsischutzbureau in dieser Hinsicht das weitgehendste Entgegenkommen bewiesen, so daß die Aktion bald flott vonstatten ging. In weiterer Folge hat das Bureau in einer Reihe von Fällen, in denen Juden, wenn auch nicht als Soldaten, so doch indirekt infolge des Krieges physisch erwerbsunfähig geworden, denselben die materielle Unterstützung seitens des Staates erwirkt Eine Ries'entätigkeit eröffnetje skh de,m Bureau in dem Bestreben, unzähligen Frauen und Kindern, deren Ernährer Kriegsdienste leisten, zu den staatlichen Unterhaltsbeiträgen zu verhelfen. Hier handelt es' sich vor allem um jene leider unzähligen Glaubensgenossen, die infolge seinerzeitigen Eingehens von rituellen Ehen bei der Geltendmachung ihrer Ansprüche auf scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten stießen. Dieselben waren in einzelnen Fällen so groß, daß deren Beseitigung eine Frist JÜDISCHE ZEITUNG Nh 34 von 2—3 Monaten erforderte Hier handelte es sich auch um jene aus gesetzlichen Ehen stammenden Kindern, die aus' Nachlässigkeit nicht in die Geburtsmatriken eingetragen und deren Legitimität nachträglich nachgewieffen Werden mußte, in vielen Fällen befand Sich der Gatte bereits im Felde und mußte die gesetzliche Eheschließung durch einen Bevollmächtigten erfolgen. Bisher wurden 300 ähnliche Angelegenheiten zufriedenstellend erledigt Viel zahlreicher waren die Fälle, in denen im Wege von Rekursen an die Unterstützungskommissionen und höheren Instanzen wegen unzulänglicher Bemessung des Unterstützungsbeitrages eingeschritten werden mußte. Das Bureau hat bisher in mehr als 2000 Fällen dieser Art interveniert und bei 80 Prozent günstige Erfolge erzielt. In vielen Fällen mußte auch' ein Vormund für die in Betracht kom-‘ menden Kinder ausfindig gemacht werden. Zu Ende des Jahres 1915 erwuchs dem Bureau ein neuer Agendenkreis, da es sich um die Anmeldung der KriegäSchäden handelte. Bisher sind seitens des Rechtsschutzbureaus 300 solcher Angelegenheiten erledigt ffvorden. Ueberaus häufig wird die Hilfe des Bureaus angerufen, wo es sich um Nachforschung über die im Kriege verschollenen jüdischen Soldaten, wie auch die nach Rußland verschleppten Geiseln handelt. Hier galt es im Wege einer ausgedehnten Korrespondenz mit den in Betracht kommenden- Instanzen, zum Teile auch im Auslande, so mancher schwergeprüften Familie Beruhigung zu verschaffen, es gelang zunächst in 150 Fällen. Das Bureau hat auch' in zahlreichen Fällen die Erlaubnis zur Exhumierung und Ueberführung gefallener jüdischer Soldaten erwirkt. Die Gesamtzahl der seit Beginn erledigten Angelegenheit beläuft sich auf 2800. In den letzten Wochen hat das Bureau eine Aktion zwecks Behebung dar sanitären Uebelstände in dem jüdischen Stadtviertel Lembergs in die Wege geleitet. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, dab das jüdische Rechtsschutzbureau in 200 Fällen auch christlichen Parteien an die Hana gegangen ist. : ■ i üaläslinahilfsuerh [fir öit jüöisdien Kolonien.’) 15. Ausweis. Sammlung Julius Singer, Sarajevo 117.— (S. Spezifizierung unten), Eingang bei der Sammeletelle Oesterreich1 des Jüdischen Nationalfonds 70.50 (s. Nr 32 der Jüdischen Zeitung), Rechungs-Unteroffizier Efraim Gottlieb im Felde für an Max Hd. erwiesene Gefälligkeit 50.—, ‘Jüdischer Pfadfinderbund Kadimah in ‘Budapest 32.—; Sammlung Dr. Chaim Tartakower im Felde 53.— (s. Spezifikation unten), Sammlung Läufer und Neck er, Uipest 9.60 (s. Spezifikation irnten), durch' Zugsf .Pinkas Melzer im Felde anläßlich' des 12. Todestages Herzfs: Inf. Za* mojra 1.—; Störper 2.—, ‘Schieber 2.—, zus.'*5.—, Klara Starer, Vösler 5.—. ’Salomon ‘Oberländer Wien 4.—, Dr. ‘Otto Wertheimer, Wien 3.—, C. K. S. 2.—. Selbstbesteuerung: für April und Mai, gesammelt durch' Frl. Rosa;Mever '99.— (s. Spezifikation unten!, Sammlung Dr. 'Chaim Tartakower im Felde 28.—, P. Spezifikation unten), Oberarzt 'Dr. "Emil Stein im Felde 10.— Summe K 493.10 Gesammelt durch 'das Zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag (S. Nr. 29, 30. uno 31, der „Selbstwehr“) . 741'.— Summe *K 1234.10 Früher ausgewiesen K 28.259.37 Somit bisher K 29.493.47 8.—, Louise Kraft (Juni, Juli) 7.—, Kremper 3.—, L. Kraft. 2.—, Blitz, L. Krdft, Gruberg; med. Oesterreicher, Oesterreicher je 2.—, med- Sa’myn Dick, med vet. Moses Frösch 1.—, nied. Hirsch Krem er, med. Isiu Selzberger, med. vet. Sommer, phil.' Eitel. Lustig, Julius Schatz, phil. Ueberall. med. vet. Isak Lis, med. Jonathan, med. Schmaiuk, med. Elia Messer, med. Meier Cottheb. Scheindlinger, med. Branawem, men. Abrahamowicz, med. Trierau, Friede!, Czaczkes, mea. Nagelberg, Oehlenberg. med. Pömeranz, Scheindlinger. med. HirSch Kremer, med. Ehrlich. med .Ehrlich, med. Agdern. med. Agdern, med Dick, med' Schmajuk, med. Josef Kling- Ier, Josef Klingier, med. J. B’-andwein, Holländer, Holländer je 1.—, zus. '99.—. Selbstbcsiteuerunff. gesammelt durch E.-Fr. Korp. Dr. Ch. Tartakowpr im Felde: Feldwebel Abr. Papo 10.—, Feldw. Isak Abinun 5.—, E.-Fr. Korp. Dr. Ch. Tartakower 4.—, I-ak Kaminer 3.— Zgsf. Meir Altarac, Zgsf. Levi Hajon 2.—, E.-lFr. Ignaz Klein je 2.—, zuS. 28.—. Ans Der pisAen Nell. Sensationsnachrichten. In Nr. 23 unseres Blattes brachten wir die sensationelle Nachricht der Londoner „Times“ über angebliche Reden des früheren amerikanischen Botschafters in Konstantinooel, Henrv Morgenthau, unter ausdrücklicher Betonung, daß sie mit großer Reserve aufzunehmen s'ei. Diese kurze Meldung der „Times“ ist seinerzeit von fast dei geffamten englischen und französischen Presse Wiedergegeben wo-rien und auch in die Presse 'der neüt-alen Länder gekommen. Seit <»iniTer Zeit macht rie ihre z\vejfe Runde durch' Europa. Fs erübrigt sich, auf diese Einzelheiten ein. zugeh''n. Sie t-ag-m deutlich genug den Stempel der Mystifikation. Jedenfalls läßt s:ch äi’en diesen Meldungen nicht entnehmen we’che Reden Herr Moi-crenfliau wirklich gehalten hat. Wenn zuverlässige 'TWiehte eint-effen, wc-dr'fi wir unseren Lesern Mitteilung machen. SelhRtverW/v’ir ’•-* im FsVr\ Okkirr.Tipnisg'dji'itc. Der von Oesterreich okkupierte Teil Russisch-Polens crhä't d"mnäehst cf;jdtt<—Seifet.. Verwaltung; Die Wahlen werden auf Grund den Kurinlsvgipjns dn-rhp°f5hrt werden-. Die j n d i -rlir Rp„ßlkeniug wjrd nnrh dem ..Wn.rsr4i, Tanhlatt“ den Kurien de"- Kleinhändielinn Handwerker musretejlt werde"1. Gemäß der Wahlordnung selten di° Tuden 2fl0/o der Vertreter der künftigen Selb -tve-waUnn" erhaben. Bestrafung der Pogronrnstifter in Jnncnv. Wir berichteten seinerzeit über die seitens der o'is-‘errri~his('h"n Okhunatiorss'ern'a'tnng gegen m°kr als1 100 Bauern d™? Ortes I a n n w eingeleitete Untersuchung Hie sich der Teilnahme an einem Posmm gegen die luden gelegentlich der von den Rirson angeordng+en Evakuierung schuldig maeh+c-i. Vo-|gi> Worhe fand in lanow bei geschlossenen Türen d>e Vor. handiiing statt, zu weicher die oe.ffterr. Militärmacht. mehrere Richter, eireu Staatsanwalt und zwei Advokaten delegierte. 130 Zeugen wurden vorgelade”. In der Verhandlung, d>e drei Tage währte und rieh vorläufig nur auf einen Teil der Angeklagten erst-nckte. wigden 27 Angelegte. darunter einige Frau an. 7« Ke'kerstrafen von 3 btg 18 Monaten vnrn-taiit. nie Fortsetzung dpverliänd!ung soll innerhalb eines Monats stattfinden. Die ru'tecffdken Juden in England. Spezifikation: Sammlung Julies1 Singer, Sarajevo: Leo Sperling, Visegrad 47.—, David Kohn, Mostar 30.—, Katica Fröhlich, Zagreb, s+a't IO anzablösüng für Frau Ella Neumann 23.—, Irak Abinun und Moriz Kleie, Sarajevo a ‘10.—, zuff. 717.—. Sammlung E.-Fr. Kom. Dr. Chaim Tartakower im Felde: Dr. Ch. Tartakower 20.—* Gft. Leon Papo 15.—, A. Groismann 4.—, Feldwebel Jovicic 3.—, U. Eckhäuser, Feldw. Tancic, Chäna Groffstnann, Bahar Atthias je 2.—, Albert Abinun, Aron Kawiner, Abr. Papo je 1.—, zus. 53.—. Sammlung Läufer und Nocker in UiDe.st: Fabian, Putz. Läufer je 2.—, ’Schäpira, Necker je 1.—, Ltiwisch, Braünfeld. Aksmann, ’Rosner je —:50, div. —.60, züs. TöO. Selbs'b'steuerimff gesammelt durch Frl. Rosa Meyer: stud. med. A. Frisch (Mai, Juni, Juli1, Aug., Sept.) 20.—, Dr. TSifterowa (Mai, Juni, Juli) 10.—, Rosa Meyer (April, Mai, Juni, Juli) *) Geld- und Briefsendungen sind zu richten an; Palästinahilfswerk für die iüdischen Kolonien, Wien. 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzah-Jjj lungen im Wege der Postsparkasse bediene manjjl sich mit entsprechendem Vermerk der Erlag-fli scheine des Verbandes „Zion“ Nr. 47115. ■ Die ..M .N. N.“ erhalten auff dem Haag folgende Drahtmeldung: Minister Samuci hat unter d^r« sriiärfston Druck sejno- Glaubensgenossen den 'Ahrrivub dein Großbri‘i"ien" wohnenden r ui1 s“ p ch « n funen nac" R ußiand eivgecteflt. Wer von ihnen den Eintritt ->uch In die britische Armee verweigert, oolt Hg-m b-itischen Staat nunmehr wenigster«; auf ir,v"'«] einenj]'Ie"e Weise Dtennte leisten. Das h.Rg~h.t. ’l,J«rS\voh!n .aumvandern zn -‘ürfen, ve-weigert ihnen Samuei wie ein zwri'er Pharao. Eine Spende für indtsKäre Kriegsgefangene in Rußland. Das ..American fewisch -War Relief Committee“ in Newvork hat in seiner bängsten Sitzung für die iJnters'hätzung denotleidenden deidschcn und österryiehiseh-unga-isehen Kr’egs- "efangenen indischen Glaubens in Rußland 5(1.000 Dol'ar bewilligt. Pie Vertreter Hies'ls Aur=chusces in Petersburg wurden angewiesen, sofort mit der Verteilung des Be’t-agen zu b“ginnen. Die Anweisung dieser Swwde '.ist auf Veranlassung eines Komiteemi+gliedes der Kriegsgefangenenfürsorge Newvork nach Vorlegung verschiedener .Dokumente über die Lage der Gefangenen in Sibirien erfolgt. .

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