Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1916-08-25 · 34 (25.8.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2438141-2438572-2438605--4930-2444855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NRTIDNRL -JÜDISCHES ORGRN Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS« ■ Erschekit .wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II.r Zirkuagaase Nr. 33. — Sprechstunde» | -. täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellL — Abomemenstsprefce: Für Oester- _ “ Teich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. “ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 49.32S. Ji Nr. 34 Wien, Freitag, den 25. August 1916 — 26. Ab 5676. X. Jahrgang. Die ostePFeidiisdie Jutariiaif. Unter den Schlägen, dieses Weltkrieges hatten die Juden Galiziens .und der Bukowina schwer zu leiden. Sie, die Geplünderten, Mißhandelten. Flüchtigen, hieltän. vergebens nach dem tröstenden Rückhalt, nach dem machtvollen Schutz einer „österreichischen Judenschaft“ Ausschau. Eine solche Organisation gab und gibt es einfach nicht. Die Vorstände so mancher Kultusgemeinde Westösterreichs erinnerten sich wohl ihrer Bruderpflichten und erfüllten sie laut der Vorschriften ihres Herzens und mit Hinwegsetzung über die Kultusstatuten, welche die jüdische Gemeinde zu bloßen religiösen Lokalvereinen herabdrücken möchten und die Regierung, welche doch jene Statuten bestätigt und sie zu überwachen hatte, wußte jenen Vorständen nur warmen Dank. Doch die-Großgemeinde Wien versagte und eine alle Gemeinden zusammenfassende, staatlich anerkannte Reichsorganisation gab es nicht. Gab es nicht, obgleich schon am 27. und 28. April 1908 ejn großer jüdischer Gemeindetag in Wien sich für ihre Gründung ausgesprochen und obgleich’ der folgende Gemeindetag vom 4- Mai 1909 den Statutenentwurf selbst beschlossen' und dem „Allgemeinen Oesterreichischen Israelitischen Gemeindebund“, der schon damals unter der Leitung des Wiener Kultuspräsidenten, Dr. Alfred Stern, stand, zur Befürwortung bei der Regierung und zur Ausführung anvertraut hatte. Wieder einmal hat ein großer Moment unter un^ Juden ein kleines Geschlecht gefunden. Die buntscheckige Opposition, welche schon zwischen demersten und zweiten Gemeindetag eingesetzt hatte, konnte sich nicht genug tun, den Organisationsplan zu bekämpfen und vor der Regierung als unmöglich zu verschreien. In Galizien, dem der Segen der Reichsorganisation zunächst blühen sollte, verbanden sich die assimilatorischen Vertreter der Großgemeinden, Welchen jede Kontrolle seitens der „deutschen“ Juden unannehm¬ FEUILLETON. Eil Miiäum Oer hebräisifien Literatur. (Zum- 25jährigen Jubiläum Ben-Awigdors.) Am 20. Ab '(19. August) feierte die h e b r.ä't - sche-Literatur einen historischen Gedenktag:' vor 25‘ Jahren erschien an diesem Tage das erste Hfeft der „Sifre Agorah“ (Kopekenbibliothek) eine Publikation, die einen Merkstein bildetin der Geschichte der neuhebräischen Literatur. Sie trat damit eigentlich in ihr modernes Stadium, und nahm ihre wahrhaft moderne „europäische“ Form an. Und zwar gilt dies in einem doppelten Sinne: äußerlich bedeutete die Herausgabe dieser Kopeken-Bibliothek die erste auf gesunder Basis angestrebte Popularisierung der hebräischen Literatur, den ersten großzügigen Versuch; sie in die breitenjüdischen Volksmaslsen-zu-tragen; innerlich war aber diese Publikation von richtungweisender Bedeutung, weil sie alserstes Büchleindie schnell berühmt gewordene Erzählung „Lea mochereth hadagim“ (Lea, die Fischverkäuferin) brachte, eine der ersten realistischen Erzählungen der neuhebräischen Literatur, die schon in ihrer künstlerischen Form bar sichien, mit fanatischen oder verängstigten Orthodoxen vieler Kleingemeinden, welche eine Majorisierung und Vergewaltigung ihrer religiösen Gefühle befürchteten, zu einem befremdlichen Bunde und die Wiener „Schiffschul“ mühte sich ihrerseits, ein Werk der Einigung zu stören. Diesen Treibereien gegenüber zeigten die Herren vom Gemeindebund nicht dje genügende Tatkraft. Fünt Friedensjahre ließen sie verstreichen, ohne etwas Rechtes zur Ausführung des übernommenen Auftrages zu tun; wenn überhaupt etwas geschah, dann hinter den Kulissen, statt daß man den gesunden Lebenswillen der breiten jüdischen Volksmassen auf- und dem großen Werk zu Hilfe gerufen hätte. Nun hat der Krieg Wunder gewirkt. Der „Gemeindebund“ griff den verschollenen Plan wieder auf und die Regierung soll seiner Ausführung geneigt sein. Ein „revidierter“ Organisationsentwurf ist mit. der Befürwortung . des Wiener Kultusvorstandes an die übriegen Kultusgemeinden verschickt worden, damit diese sich bis 15. August der Aktion anschließen. Wir kennen den Bntwurf und wir wissen, daß er trotz unserer seinerzeitigen eindringlichen Vorstellungen jede Rücksichtnahme auf die demokratischen Grundsätze des Judentums vermissen läßt, ja wir -wissen, daß er sich über die bindenden Beschlüsse des Gemeindetages vom Mai 1909 hinwegsetzt. Wir wissen das altes und versagen uns dennoch in diesem schicksalsschweren Augenblick Kritik, Tadel und Abrechnung. Mögen jene, die sich an das Ohr der Regierung heranzudrängen wußten, es mit ihrem Gewissen vereinbaren, daß sie in einer Sache, wo es das Wohl Alljudas gfilt, ihre Gruppeninteressen verfolgt haben! UnS Nationaljuden geht es um das Ganze. Unsere Stellung ist durch jene denkwürdigen Thesen festgelegt, die schon 1903 der 3. Parteitag der österreichischen Zionisten zu Wien und uno Gesinnung das Stadium der „Haskalah“ und den Stil der „Haskalah“, die unnatürliche, gespreizte, gewaltsam gewollte „Melizah“ ganz überwunden hatte und mit wuchtiger Kraft der hebräischen Belletristik den Weg wies, eine moderne, im Leben wurzelnde, natürliche Literatur zu werden. Sucht man daher nach irgend, einem Datum, mit dem man die neueste, wahrhaft moderne Epoche der hebräischen Literatur beginnen lassen will, dann muß man den 20. Ab des Jahres 1891 wählen, und die neuhebräische Literatur dürfte so heute in einem gewissen Sinne ein 25jähriges Jubiläum feiern. Der vor 25 Jahren das erste Büchlein der „Sifre Agora“, herausgab, war ,B e n Awigdor“ (L. Schalkowitzj, der mit „Lea, der Fisch-, Verkäuferin“ steine erste belletristische Schöpfung publizierte. Und so wie dies) sein erstes Auftreten in der neuhebräischen Literatur ein historisches Ereignis, den Beginn einer neuen Entwicklungsform derselben darstellt, so blieb er bis zum heutigen Tage so etwas wie der Repräsentant und Träger der machtvollen Entwicklung, auf die die hebräische Literatur in diesen 25 Jahren zurückblicken darf. Das gesamte äußere Gerippe, um das sich diese Entwicklung gerankt hat, hat ihn zum' Mittelpunkt; er war es, der den ers e.i hebräischen Verlag „Achiassaf“ schuf, der da 11 den anderen großen hebräischen. Verlag „Tuscnijah“ in» Leben rief, der dje ersten später 1910 der 2. westösterreichische Zionisfentag zu Wien, letzterer wie folgt, formuliert hatte: „Wir fordern zur Sicherung der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Konfessionsautonomie, zur Vertretung der Juden nach außen und zur Leistung jener Aufgaben, welche die Kraft der Einzelgemeinden übersteigt, deren Zusammenfassung zu einer staatlich — womöglich auch gesetzlich — anerkannten und normierten Reichsorganisation, welche sich in den Einzelgemeinden übergeordnete Provinzgemeinden gliedert.“ Diesen Grundriß gilt es zunächst durchzusetzen! Wir Zionisten stimmen darum dem neuaufgelebten Plan aus ganzer Seele zu und vermeiden es heute, wegen der Details des Entwurfes zu rechten. Zu groß ist unser Vertrauen aut die Lebenskraft der nationalen Idee, als daß uns die Pappdämme slchrecken sollten, die unser Aufkommen in der neuen Organisation zu1 hindern bestimmt .sind. Frei nach Bismarck dürfen wir siagen: „Setzt das jüdische Volk nur in den Sattei, reiten wird es schon selbst können!“ Dr. Egon M. Zweig. Großzügige Paläslinaatbeif. Von Adolf Böhm. Vorabdruck aus dem in. den nächsten Tasen erscheinenden .Jüdischen Nationalkalender 5877“. Nachdruck nur mit , genauer Angabe der Quelle („JQd-.Natfonalkalender 5677“) gestattet-. Zwanzig Jahre sind es, daß Theodor Hcrzi zum erstenmal auftrat und einen gigantischen Plan zur Lösung der Judenfrage veröffentlichte. Er, der nur im Großen denken konnte, wollte auch im Handeln mit dem größten Mäßstab' arbeiten. An den Widerstand der Subjekte und Objekte verblutete er sich Was die, die sich seine nächsten Schüler nennen, den sogenannten praktischen Zionisten, stets vorgeworfen haben, war, daß sie sich mit Kleinigkeiten abgeben und dadurch die Größe des Ziels aus elfen populären hebräischen Büchersammlungen herausgab, der in hervorragender Weise beteiligt war an der Schaffung des neuhebräischen Zeitungssvstems, der in unermüdlicher Produktivität Zeitschriften, Sammelschriften und Bibliotheken publizierte; und man kann heute ohne jede Uebertreibung sagen, daß e9 fast keinen' einzigen hebräif.caen Dichter und Schriftsteller cftr fetzten 25 Jahre gibt, der nicht in den Verlagskatalogen Ben Awigdors verzeichnet war. Was Cotta etwa für die klassische Zeit der deutschen Literatur, was S. Fischer für die neuere, naturalistische Richtung gewesen ist, das ist- Ben Awigaor für die neuhebräische Literatur geworden, das und eigentlich noch viel mehr, da er bia in die letzte Zeit hinein fast der einzige groffe Verleger derselben geblieben ist. Vor allenraber: Er ist nie Nur-Verleger gewesen. Wie sein erstes Hervortreten gleichzeitig verlegerischer und’ literarischer Natur war, so trägt seine gesamte 25 jährige Tätigkeit diesen Doppelcharakter. Er ist immer im tiefsten Grunde hebräischer Schriftsteifer geblieben, einer der innerlich, selbst schäftend und kritisch beeinflussend den ganzen Entwicklungsgang der neuhebräischen Literatur mitgemacht hat und dem seine verlegerische Wirksamkeit nur das Mittel war zur Verwirklichung der Ideen, Aufgaben und Bedürfnisse, die er als M'ftträger der hebräischen Literaturentwicklung für notwendig und zeitgemäß erkannte. Diese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.