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Jüdische Zeitung · 1916-07-14 · 28 (14.7.1916) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Von der UahlEtampagne in IMian. Zu den Mitteilungen in Angelegenheit der Warschauer Stadtwahlen in Nr. 25 unseres Blattes, sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen : Die rechtsstehenden polnischen Parteien, von den „Nationaldemokraten“ bis zum „Progressiven Verband“, schlossen sich zu einem „Z e tral en Nationalen Wahlkomitee“ zusammen. Die' demokratischen polnischen Kreise bildeten im Gegensatz zu diesem lein zweites „Demokratisches Wahlkomitee“, das sich auch zentral nannte. Es mangelte wohl auch nicht; an offener antisemitischer Agitation. Die Führer der. „Vereinigung“ der Stadtbürger, die im „Demokratischen Wahlkomitee“ vertreten sind, veröffentlichen in den „Przgelod Poranny“ ihr Credo, in dem unter anderem unzweideutig 'erklärt wird: „Wir, die die Interessen/ Anschauungen und Ideale des polnischen Mittelstandes vertreten, sind vom reinsten Patriotismus beseelt. Wir find nicht gegen die Religion und njcht gegen eine bestimmte religiöse Gemeinschaft jWir wollen aber gegen die Gefahr der jüdischen Litwaki kämpfen und alles unterstützen, was polnische Industrie, polnischer Handel, polnische Wissenschaft und Kirnst pflegt und fördert_ Die zweite Aufgabe der „Vereinigung“ des Bütgerstandes muß der Kampf gegen die Gefahr der jüdischen Sozialdemokratie werden ...“ Die „Christlich-soziale Partei“ erklärte in einem öffentlichen Aufruf an die Wähler: „Es wird eine Schande gein für euch, polnische Arbeiter und Christen, wenn durcheure Nachlässigkeit als Vertreter der polnischen Arbeiter die Juden und ihre Diener gewählt werden sollten“. Die Juden bildeten, wie bereits mitgeteijt, ein zentrales jüdisches Wahlkomitee, dem all e jüdischen Parteien, die sogenannten N eo-ASsimilatoren inbegriffen, beitraten. Von einer Teilnahme an demselben enthielten Sich' nur der „Bund“, der sich mit dem! linken Flügel der P. P. S. vereinigte, und die extremen Assämilanien, die am Morgen nach der Gründung des jüdischen Wahlkomitees in den polnischen Zeitungen mit der Unterschrift von zirka hundert Assimilanten eine Erklärung abgaben, 'in der sie im Namen des polnischen Patriotismus gegen eine besondere jüdische Wahlkampagne protestierten, da die Wahlordnung nicht auf nationale Kurien aufgebaut sei. Jeder Jude habe nur für die Liste jener allgemeinbürgerlichen Gruppe zu stimmen, die seinen’ sozialwirtschaftlichen und politischen Ueberzeugungen entspricht. Das! Vereinigte jüdische Wahlkomitee nahm seine Arbeit unter dem Wohlwollen und der direkten Unterstützung der gesamten jüdischen Tagespresse Warschaus auf. Das "Komitee eröffnete 30 Bureaus in den verschiedenen Teilen der Stadt,, um den jüdischen Wählern die nötigen Informationen und Ratschläge zu erteilen. In vielen Vereinen und "Gesellschaften wurden vom Komitee Vorträge zur Aufklärung über die jüdischen Bürgerrechte veranstaltet. Dank dieser unermüdlichen Tätigkeit und der Agitation der gesamten jüdischen Presse beteiligten sich die jüdischen’ Wähler eifrig an der Eintragung in die Wählerlisten. So beträgt die Zahl der eingetragenen jüdischen Wähler in der ersten Kurie 1861 (Gesamtzahl: 5732), in der zweiten Kurie '447 (Gesamtz. 1044), in der vierten Kurie 9543 (zus. 16.126) und in der fünften Kurie 3201 auf 6301 überhaupt. Die extremen Assimilanten veröffentlichten am 29. Juni in: den polnischen Zeitungen einen zweiten Aufruf, in' dem sie gegen die Bildung eines jüdischen Komitees, das zu religiöser Separierung führe und dem StaatSgedanken und Liberalismus widerspreche, Protest erhoben und die jüdischen Wähler aufforderten, nur für die Listen zu stimmen;, die ihren allgemein polijtisdhen Ansichten entsprechen, ohne Rücksicht auf nationale Interessen, Auch innerhalb der jüdischen nationalen Parteien wurden von verschiedener Seite Stimmen der Unzufriedenheit über daS „Vereinigte 'jüdische Wahlkomitee“ laut, in dem die Verteidigung der nationalen Rechte, den Neuassimilanten zuliebe, angeblidi vernachlässigt würde. Diese Stimmung führte zur Bildung eines zweiten jüdischen Wahlkomitees, das sich „Volkskomitee“ nennt und das von den. jidisichen Schriftstellern N. Pr iluzky, H D. Nomberg, Sch1. Hirschhorn u a. angeführt wird. Auf Drängen dieses „Volkskomitees“ sah sich das „Vereinigte jüdische Wahlkomitee“ zur Abgabe einer Erklärung genötigt, Wonach' die assimilatorischen Mitglieder dieses Komitees sich gegen eine ZwangSassimilation der Juden, als mit ihrer nationalen Würde unvereinbar, ausspredhen. “Das „Volkskomitee“ gab sich mit dieser Erklärung, die die Hauptforderung dieses Komitees bildete, zufrieden und nahm von der Aufstellung eigener Kandidaten in den erwähnten Kurien Abstand. Aber auch zwischen den, beiden polnischen Wahlkomitees, dem ^nationalen“ .und dem „demokratischen“, und dem „Vereinigten jüdischen Wahlkomitee“ kam es zu einer Einigung hinsichtlich der Verteilung der Mandate und Bestimmung der Kandidaten in den einzelnen Kurier Auf einer Beratung der Vertreter dieser drei Komitees soll am 30. Juni folgende Vereinbarung über die Verteilung der Mandatenzahl getroffen worden sein: das polnische nationale Komitee erhält 26 Mandate, das' polnische demokratische .19; die Juden erhalten 15 Mandate,, von denen auf das „Vereinigte jüdische Wahlkomitee“ 12 und auf die sogenannte „Gruppe des Herrn Boleslaw Eiger“, (eine Zwischenschicht zwischen den Neo-Assimilaiiten des jüdischen Wahlkomitees und den extremen Polen mosaischer Konfession, die die bekannte Erklärung mit den; 103 Unterschriften veröffentlichten) 3 entfallen. Hinsichtlich der sechsten allgemeinen Kurie, wo die Juden eine stark überwiegende Majorität besitzen1, bestehen keinerlei Abmachungen. In dieser Kurie tritt auch das „Volkskomitee“ mit einer eigenen Kandidatenliste auf. Man darf auf den Ausgang des Wahlkampfes in dieser Kurie gespanint sein. Der 10. Juli wurde als erster Wahltag festgesetzt. MMriMerenz in Chicago. Vom 26. bis 30. Mai fand in Chicago die dritte Jahreskonferenz der amerikanischen Misrachisten statt, die aus allen Teilen des Landes beschickt war Dem Misrachi in Amerika sind' jetzt 103 Vereine und 24 Synagogen angeschlossen .Die Zahl der eingetragenen Mitglieder des Misrachi in den Vereinigten Staaten beträgt 6000. An der Konferenz nahmen die leitenden Rabbiner, sowie eine Reihe einflußreicher Persönlichkei - ten des orthodoxen Judentums teil und der glänzende Verlauf der Konferenz berechtigt zu der Annahme, daß der Misrachi im kommenden Jahr eine große Anzahl neuer Mitglieder gewinnen1 und positive jüdische Arbeit in größerem Maßstabe als bisher leisten wird. Pie Jahreskonferenz hat einen Etat von 21.000 Dollar aufgestellt^ wovon 5000 Dollar für den Notfonds des Provisorischen pxecutiv Komites bestimmt sind. ES. wurde beschlossen, eine Lehranstalt gesetzestreuer inational-jüdisdier Lehrer zu gründen Unjd daS kürzlich reorganisierte Rabbiner- College zu unterstützen. Dieses ist die einzige! orthodoxe Institution dieser Art in Amerika; an .ihrer Spitze steht Dr .B. Rete 1, der 'ein; eifriger Zionist ist. Einen breiten Raum in den: Erörterungen nahmen die Fragen der jüdischen Jugenderziehung ein, ein Gebiet, dem der MiSradii die größte Aufmerksamkeit zuwendet. Die Konferenz beschloß ferner, das' Projekt des amerikanisch-jüdischen Kongresses mit aller Energie izu unterstützen und Schritte zu seiner Verwirklichung zu unternehmen. Ein besonderes Erez - Israel - Bureau wurde unter dem Vorsitz des bekannten Rabbi I. Lr Fisdhmann geschaffen mit dem Zweck, den Jüdischen Nationalfonds, die Tadikemoni-Schule und den Misrachi-Kolonialfonds zu fördern. Unter dem Namen „Achi-Samadh“ wurde eine heue Organisation ins Leben gerufen^ die den Verkauf der palästinensischen Produkte des alten Jisdiub (Gebetmäntel, Gebetbücher, Bibeln uSvv.) fördern will. Die Jahreskonferenz wählte ein engeres und ein weiteres Executiv-Komite, deren Vorsitzender Herr Meier Berlin, Redakteur des! „Haibri“, ist. An der Konferenz nahmen buch sieben Delegierte der kanadischen Mis'radhisten teil. Hus Palästina. Emfeaussichten in Palästina.. Jaffa. Die diesjährige Einte verspricht gut zu Werden, Falls 'Menschen und Tiere, in genügender Anzahl da sein Werden, um sie einzubringen, Werden die BrotpreiSe in den nächsten Monaten erheblich' sinken, was für die notleidende unbemittelte Bevölkerung des Landes ein großes Glück Wäre. . Neue Opfer. Dem im Lande wütenden Flecktyphus erla- ‘ gen unter anderen* der arabische Oberarzt des Krankenhausles in Jerusalem Dr. Potjos Efendi, der Oberarzt des griechischen Krankenhauses Dr. George, einer der berühmtesten Rechtsanwälte Jerusalems Georg-Effendi Abu-Zachar ia;und der bekannte christliche Ingenieur PaSq ual. , An KehlkopfsdnvinidSüdit starb ein Lehrer der hebräfedhen Mädchenschule in Jaffa, der Seit sechs Jahren in Palästina tätig War, Herr Abraham Lerner aus Dunajewzi (Podolien) und ein Beamter des Gymnasiums in Jaffa, der 24 jährige Jehuda Bregmann. aus .BerditsChew. "Am 14. Mai verschied im Alter von 65 Jahren einer der angesehensten Rabhiner der Sephardischen Gemeinde in Jerusalem Rabbi Mordechaj S C h e r i se 1 i und am' 16. Mai iein junger Rabbiner der asChkenasischen Gemeinde, Rabbi Schelomo iRaw im Alter von 37 Jahren. Am 19.' Nr. 28 desselben Monats unterlag derselben Krankheit der Verwalter der hebräischen Schulen in Safed Jakob Wollmann. In den Synagogen sämtlicher jüdischer Gemeinden Jerusalems würde am 8. und 11. Mai ein Bittgottesdienst abgehalten. Dr. Hillei Jaffa und;Dr. Goldberg veröffentlichen im „Hacheruth“ eine Reihe Maßregeln, die ergriffen werden müssfeh, ,um .die Krankheiten zu bekämpfen. Auf Verordnung der Aerzte wurden vorläufig die jüdischen Schulen in Jaffa geschlossen. Eine Schalom Al&jchem Gedenkfeier. Samstag, den 3. Juni, fand in Jeruselem eine vom Lehrerverband veranstaltete Gedenkfeier zu Ehren Schalom Alejchems statt. Herr K. L. Sil mann eröffnete die Feier und schilderte in kurzen Worten die Liebe des verstorbenen Volksdichters zu Erez Israel und den! Verlust, den .das .jüdische .Volk durch seinein frühzeitigen Tod erlitten 'hat. Dann sprach H, Boruchow über- Schalom Alejchem als Volksdidhter. Hiernach wurden einige Sachen aus den .Werken Schalom. AlejchemS in hebräischer Uebersetzung vorgetragen. Unter den Anwesenden bemerkte man auch orthodoxe Juden in Streimels, die bei derartigen Veranstaltungen fast niemals zu sehen sind, was wohl auf die große Verehrung Schalom Alejchems auch in dieSen Kreisen /zurückzuführen ist. Konzert zu Ehren Djemal-PaSchas. Die Musikschule „Sulaniith“ in Jaffa,, die von Frau Dr. Ruppin gegründet ist, Veranstaltete am 5. Juni ein Schülerkonzert zu Ehren Djemal- Paschas. Pjemal-Pascha, der bereits mittags in Tei-Awiw geweilt hatte, erschien ab'ends zum Konzert in der Musikschule mit seinem ganzen Stabe und -in Begleitung des neuen Jaffaer Kommandanten und Kaimakams. Das Konzert nahm einen sehr günstigen Verlauf und machte einen 'äußerst befriedigenden Eindruck auf die Gäste, Besonders gut fiel das Orchester aus, das unter Leitung von Fräulein Amsel stand. In den Pausen Wurden Erfrischungen an einem Buffet verabreicht und erst kurz vor Mitternacht verabschiedeten Sich jdie Gäste indem Sie dem Direktor der Musikschule, Herrn Hopenko, und Fräulein Amsel für die Leistungen der Schüler Lob zollten und für die gelungene Veranstaltung h’erzlichst dankten. : Paläslinahiliswerh für Sie jöSisdien Kolonien.*) Genau vor vier Monaten haben wir in Oesterreich mit den Sammlungen für das Palästinahilfswerk begonnen und es braucht nicht vieler Worte, um klar zu machen, daß die wachsende Not der Kriegszeit sich fühlbarer als anderswo in einem Lande wie Palästina zeigen muß, das in entscheidenden wirtschaftlichen Beziehungen ein. isoliertes Gebiet darstellt. Wir haben ständig genaue Berichte bekommen, daß ununterbrochene Tätigkeit des Hilfswerkes für Palästina nottut. Noch ist der Not kein Ende. Noch gilt es, auch für die Juden Oesterreichs, der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu einer Zeit zu helfen, die der härtesten Prüfungen voll ist. Viele haben bisher der Gabe vergessen. Der Beitrag zum Palästinahilfswerk ist eine Pflicht! 13. Ausweis. Eingegangen beim Jüdischen Nationalfonds (s. Nr. 26 und 27 der „Jüdischen Zeitung“) 206.02, Sammlung Dr. Markus Spiegel in Krakau 50.—, Noe Sokolowski, Obertyn, dzt. Wien 50.—, Büchsensammlung bei der Hantke-Versammlung in Wien 30.09, Frl. Dr. Schur 30.-, Dr. R.S. 20.—, R.U. O. Kopel Häusler im Felde 15.10, Dr. Otto Wertheimer, Wien 10.-, Hugo J. Kohn 10.—, Dr. T. 4.—, Kadett David Chalfon im Felde 3.—, Otto Wertheimer 3.—, C. K. S. 2.- * Selbstbesteuerung: Oberarzt Dr. Emil Stein durch Zweig 10.—, Leonore Smolensky, Wien, pro Juni 5.—, Sammlung Frau Dr. Rözia Singer für Juni: Frau Weindling, Frau Dr. Rözia Singer, Josef Caracco, Löbl Rakower und Dr. Th. Weisseiberger i 2.-, zus. 10.— Summe 458.21 Gesammelt durch das Zionististische Distriktskomitee für Böhmen in Prag (s. Nr. 23, 24 und-25 der „Selbstwehr®): Aus dem Felde: 22.—, Amschel- .*)' Geld- und Briefseridungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk, für die jüdischen Kolonien, Wien, 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzahlungen im Wege der Postsparkasse bediene man 'sich mit -entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes „Zion“ Nr. '47115.

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