Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG NRTIDNFIL -JUDI5CHE5 DRGRN Wg rmtrrm Mit Benage: „der jüdische nationalfonds“ mmwrwTi JÜDISCHE BK Erscheint wöchentlich. . — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden B _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurikkgestellt — Abonnemenstspreise: Für Oester- ® reieh-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ” | Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Fr cs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 28 Wien, Freitag, den 14. Juli 1916 — 13. Tamus 5676. X. Jahrgang. Rn unsere Leser unö Gesinnung;: genossen. Das E x ek ut i vko m ite e -d er Zionii sten Oesterreichs hat bekanntlich, nach Zuziehung einer großen Anzahl zuverlässiger und sachkundiger Gesinnungsgenossen, den ganzen Komplex der Schulfrage in Russisch-Polen izum Gegenstand einer gründlichen mehrtägigen' Besprechung gemacht und das erfreuliche Ergebnis der erwünschten Einigung erzielt. . Die von ihm gefaßten bedeutsamen Resolutionen sind durch ein K o m raunique zur allgemeinen Kenntnis gebracht worden. Dieses Kommunique nebst einem von der Parteileitung stammenden Kommentar gelangten in der „Jüdischen Rundschau“ (Nr. 27 v. 7. 7.) in der Prager „Selbstwehr“ (Nr. 25 v. 7. 7.) und im Lemberger „Tagblatt“ (Nr. 157 v. 8. 7.) zur Veröffentlichung. In der „Jüdischen Zeitung“ jedoch wurden säe von der Zensur völlig gestrichen. Wir bitten daher alle unsere Leser und pg., die für diese Enunziation Interesse bekunden, solche in den genannten Blättern nachleSen zu wollen. Die Redaktion. Rebtop ROolf SdnoaFZ (zum 70. Geburtstage) von Professor Dr. M. Berkowicz, Bielitz. < Als Gelehrter von Weltruf, als Lehrer zahlreicher Schüler, die nicht allein in der Heimat, sondern auch' in Feindeslanden wirken, feiert 3er Rektor der „Israelitisch-Theologischen Lehranstalt“ in Wieh, Herr Prof Dr. Adolf Sch w arz, am 16. d M. seinen 70. Geburtstag — in einjem wohl engeren Kreise, als es ihm Zu Friedenszeiten; beschieden wäre, da ja der wissenschaftliche Verkehr ebenso großen, oder noch größeren Schaden in dem wütenden Weltbrande gelitten hat, als alle änderen Güter der Menschheit. Um so herzlicher und inniger wird dieses Jubiläum gefeiert und begrüßt Werden von uns allen, die die Möglichkeit haben, sich1 in dieser Zeit zu verständigen. Denn der Jubilar ist unser; unp Juden in der Monarchie wie in Deutschland gereicht er zum Ruhme und zum Stolze. In Deutschland genoß er Seine Ausbildung zu Füßen seines großen Lehrers Zacharias Frankel; dort begann er seine Wissenschaft^ liehe Laufbahn auf dem Gebiete der Talmudforschung und als glänzender Kanzelredner, und bei uns, in seiner eigentlichen Heimat, wirkt er, im Geiste und nach dem Vorbilde seines großen Lehrers, seit 23 Jahren an dem j ü d is'chen Ra b b in er se m i n a r in Wien. Und hier fand er eine Stätte, an ider er seinem! Vorbilde Frankel nacheifem konnte; hier vertiefte und vollendete er seine angelegten „Tosifta“-Studien, die ihm als Grundlage für die Herausgabe einzelner Traktate mit gründlich wissenschaftlichen Kommentaren in hebräischer Sprache diente; liier begann und entwickelte er auch seine grundlegenden .Studien zur „Methodologie“ des Talmuds, von denen bereits mehrere Bände im Druck erschienen, die ersten zwei auch in hebräischer Uebersetzung gedruckt worden sind. Kein Geringerer als Ach ad-ha am hat über das Erscheinen dieser meth odologischen Werke, besonders in hebräischer Sprache, seine Genugtuung und Freude ausgesprochen. Denn die jüdische, d. h. die talmudische Wissenschaft hat dort ihren weitesten Wirkungskreis, wo der Talmud noch studiert wird, wo die hebräische Sprache aus Haus und Gemeinde noch nicht verbannt ist. Daß (Rektor Schwarz von dieser letzteren1, Erkenntnis beseelt und durchdrungen' ist, hatte ich Sehr häufig Gelegenheit, in, langen Gesprächen, die ich die Ehre 'hatte, außerhalb des Kollegs mit ihm zu führen, aus seinem Munde zu hören. Aber auch die Fernstehenden können diese seine Ueberzeugung in den Jahresberichten der verschiedenen Jahrgänge der Anstalt wiederfinden. In diesen erscheint uns Schwarz auf der Höhe eines zielbewußten mutigen jüdischen Streiters, eines Lehrers, der sich nicht mit dem Angestrebten und Geleisteten begnügt, sondern unermüdlich bestrebt ist, den maßgebenden Kreisen und der jüdischen Oeffentlichkeit zu sägen, was sie einer gedeihlichen Entwicklung "des Judehtums, seiner Kultur und Wissenschaft schuldig sind: in erster Reihe die Ver brenung der Kenntnis der hebräischen Sprache in Schule, Haus und Gemeinde. Der Stimmungen und Strömungen, gegen die Rektor Schwarz in seinen Enunziationen Zu kämpfein hat, sind gar viele. In manchen Kreisen scheint man noch immer nicht eingesehen zu haben, daß das „Judentum“ nicht eine bloße „Theologie“, sondern ein kompliziertes Volkstum ist, das auf Jahrtausende alten Traditionen beruht, die in einem [überaus reichen Schrifttum zusammengefaßt sind, dessen Verständnis aber auch die eigene, 'die hebräische Sprache bedingungslos voraussetzt. Daher gilt sein Kampfesruf dem Aufleben der jüdischen Schu le von ehemals, die uns fehlt, die aber allein imstande wäre, der krassen Unwissenheit in jüdischen Dingen zu steuern, von der die westlichen Gemeinden verseucht sind. Denn was nützt die ■ Beredsamkeit des Predigers auf der Kanzel, wenn der „jüdische“ Bildungsgrad des Zuhörerkreises ein so tiefer und niederer ist? Wie 'soll jüdischer Geist, jüdisches Bewußtsein in die weiten Volksschichten hineingetragen werden, wenn die Jugend nicht für die ihr fremde,weil hebräische, Welt der Bibel und des Talmud, aus der die Predigt zu ihr spricht, rechtzeitig vorbereitet wird? _ Rektor Schwarz kennt eben die Wurzel des Uebels, an dem das westliche Judentum krankt; deshalb hört er nicht auf, die Gemeinden, besonders die Großgemeinden, welche über genügende Mittel verfügen, zu ermahnen, auch für das niederste jüdische Schulwesen zu sorgen, wenn die jüdischen Hochschulen und Seminarien nicht vergeblich gegründet sein sollen. Nicht bloß der Rabbiner muß hebräisch können, sondern auch die Volks- und Mittelschuljugend, die doch in Zukunft den Zuhörerkreis des Predigers bilden soll, muß jüdisch, d. h. im He-i bräischeni ausgebildet werden. Wir, die Nationalgesinnten, oder sagen wir es offener undfreimütiger, wir Zionisten unter Schwarz Schülern und Freunden, wissen heute an seinem Jubiläumstage ihm nichts schöneres zu wünschen, als daß er in frischer, ungebrochener körperlicher und geistiger Kraft für sein Ideal weiter kämpfen urqd die Früchte Seiner edlen Aussaat zur. Reife gelangen sehen möge. Wir Sind ja die sattsam bekannten Utopisten und Optimisten, denn wir glauben an die Kraft des jüdischen Volkes und an seine Zukunft. Und Rektor Schwarz leuchtet unp hierin als Vorbild Voran. Er, der fast siebzigjährige, hat es vor 2 Jahren n.c.ii verschmäht, anzuerkennen,, dao c»ä Verjüngung allen jüdischen Geisteslebens von den Jungens, der palästinabegeisterten Jugend Europas ausgehen muß und wird. Unsere Alten sagten: „Heil dem Zeitalter, in dem die Großen auf die Kleinen hören.!“ Und nur wenige alte Gelehrte des Westens vom Range des Rektors Schwarz brächten den Mut auf zu einer solchen Anerkennung für die hebräische Kulturbewegung, die mit unserer Arbeit in Palästina so eng verknüpft ist. Der hebräische Kongreß hatte vor dem 11. ZionistenkongreSse getagt; auch an diesem wurde viel hebräisch* * gesprochen. Da erkannte Schwarz, daß es vielversprechende Zeichen der Zeit sind, denen man niefht mit verschränkten Armen gegenüberstehen darf. :Dasi Bild der erschreckenden Nacht und Unwissenheit, die das Westjudentum beherrschen, war vor seinen Augen gewichen und er verkündete laut und freudig: ,jDankbarep Herzens bringen wir es uns zum Bewußtsein', daß bereits im fernen Osten die Morgenröte aufgegangen ist. Das letzte Jahr hat es aller Welt laut genug verkünjdiet, daß das Hebräische aufgehört hat, die Sprache bloß des Gottesdienstes, die Sprache weltfremder Stubengelehrter zu sein, das es wieder die Sprache des lebenden Palästina geworden .Das Hebräische als Unterrichtssprache in allen palästinensischen Volks-, Mittel- und Hochschulen, als Geschäftsuna Umgangssprache der im heiligen Lande lebenden Juden muß zum Verjüngungsquell alten jüdischen Geisteslebens auch in den Ländern unserer Zerstreuung werden Die viertausendjährige hebräische Literatur muß wieder zu Ehren kommen.. Sie Wird kommen — die Verjüngung der hebräischen Literatur und des jüdischen Geistes; das hoffen wir mit Ihnen, verehrter Lehrer und Meister! Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl, findet Donnerstag, den 20. d. M. (19. Tamuz) um 8 Uhr abends, im Tempel, II., Tempelgasse, eine Menlandacht statt Die Gedenk- * rede wird Herr Rabbiner Dr. FUNK halten. Der übliche gemeinsame Gang zum Henlgrabe findet Sonntag, “ den 23. d.'M. statt Treffpunkt: Hochschule für Bodenkultur, punkt 10 Uhr vorm. (Endstation des 40er Wagens.)