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Jüdische Zeitung · 1916-07-07 · 27 (7.7.1916) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 sich Kapitalismus, d. h. Geschäft, und Presse zu einem teuflischen. Bunde miteinander vereinigen können. Zionistisdie Bewegung. Rumänien. Nach dem Zionistischen Delegiertentage in Galatz sind, besonders in iden Provinzen an der Moldau* eifie ganze 'Reihe neuer Ortsgruppen gegründet worden, die befriedigend arbeiten. Die Föderation hat beschlossen, einen leigenen Verlag für zionistische Schriften zu gründen. AIS erste Broschüre ist Nahum SokoloWs programmatische Rede „Was wir wollen“ in rumänischer Sprache erschienen. Das offizielle Organ der rumänischen Zionisten, die „Hatikwah“, hat seinen ersten Jahrgang mit (der Pessachnummer (20/21) abgeschlossen. In Galatz und Bukarest haben die zionistischen /Vereine „Herzl“, „Hatikwah“, ,,Saron“ und „Sinai“ eine Reihe von Versammlungen und Kursen veranstaltet. Aber auch in den kleineren Städten Rumäniens ist das zionistische Leben reger geworden, ln Konstanza wurde eine Ortsgruppe gegründet,. in Crajowa hat der neugewählte Rabbiner der Gemeinde die Initiative zur Gründung einer zionistischen Ortsgruppe ergriffen. ' f » : I i! ■ Skandinavien. In letzter Zeit hat sich auch in Norwegen ein stärkeres zionistisches Leben entwickelt. In Kristiania hielt Herr Dr. S. Bernstein, einen Vortrag über das Thema „Unsere Pflichten, gegenüber dem jüdischen Volke“ und sprach zwei Tage im dortigen Jugendvereine [über „Die Aufgaben der jüdischen Jugend nach dem Kriege“. Die von ■ Herrn Dp. Bernstein ins Leben gerufene Sammlung für die notleidenden Juden in Palästina hat bisher 1000 Kronen ergeben. Auch in Trondhjem wurden 400 Kronen für Palästina gesammelt. DeriPalästinaabend, den die zionistische Ortsgruppe Sto ckholm unter größerer Beteiligung aller jüdischen Kreise der Stadt Veranstaltete, ergab einen, Reingewinn von 050 Kronen. Der Redner des Abends war Herr Oberrabbinen Dr. Ehrenpreis!, der über „Palästina iml Gefühlsleben des jüdischen Volkes“ referierte. In Kopenhagen ist in zionistischen Krei- . sen eine monatliche Selbstbesteuerung zu gunsten Palästinas durchgeführt worden, die für die beiden ersten Monate den Betrag von ca. T000 K ergeoen hat. Südafrika. Das Exekutiv-Komitee der südafrikanischen Zionistenförderation hat einen Tätigkeitsbericht für die Zeit vom 1. Jänner 1913 bis 31. März 1916 veröffentlicht, der interessante Daten über die zionistischen Sammlungen in Südafrika enthält: Schekelverkauf 1410, Jüdischer Nationalfonds 3172, Zentralfonds 1972, Palästina- Hilfsfonds 575, Agudath Netaim 1407, Zionistische Banken 761, Legat des Herrn Popkin für verschiedene Institutionen in Jerusalem 1000, verschiedene ändere Sammlungen 2053, zusammen, 12.350 Pfund Sterling. Dazu kommen nach ca. 1500 für organisatorische und propagandistische Zwecke. Argentinien. -Die von der Zionistischen Föderation in Argentinien ins Leben gerufenen Hilfssammlungen für clie notleidenden Juden haben bisher 31.000 Dollar ergeben, von denen je'35% für das Hilfswerk in Rußland und in den okkupierten Gebieten RusSisch-PoIens, “10% für Galizien und 20 % für Palästina bestimmt wurden. Brasilien.. Der Verein Tifereth Zion in Rio de Janeiro entfaltet eine rege Wirksamkeit. Er veranstaltete am 16. April einen Flaggentag, der 1500 Dolljar für das allgemeine jüdische Hilfswerk ergab. Das Ergebnis der diesbezüglichen! Schekelsammlung wird aller Voraussicht nach das Resultat der früheren.' Jahre bei [weitem übertreffen. Tripolis. Der Zionistische Verein in Tripolis hat in letzter Zeit eine rege Tätigkeit entfaltet. Es wurden über 200 Schekel verkauft und die jüdische Bibliothek wurde durch eifrige Sammlungen [erheblich vergrößert. Die Adresse der Zionistischen Ortsgruppe lautet: Elia Nhaisr, Sciara Espagnol Nr. 36, Tripolis!. England. Von den Herren H. Sacher, L. Simon und S. Landmann in London wird seit einiger Zeit eine Serie Zionistischer Broschüren publiziert. Bisher sind folgende erschienen : Nr. 1. Der Zionismus und das Jüdische Problem, (Leon Simon); Nr. 2. Zionismus und Jüdische Kultur (Norman Bentwich); Nr. 3. Geschichte des Zionismus (S. Landman); Nr. 4.- Eine hebräische Universität in Jerusalem (H. Sacher); Nr 5. Zionismus und der Staat (H. Sacher); Nr. 6. Zionismus und Jüdische Reifeion (F. S, Spiers), Nr. 7. Palästina und die Wiederbelebung des Hebräischen (E. Miller); Nr.. 8. Hebräische Erziehung ini Palästina (Leon Simon); Nr. 9. Jüdisthe Kolonisation'in Palästina (Israel M. Schiff). Zionisten im Felde. Während der. jüngsten Kämpfe starben den Heldentod unsere Gg. Lt. Samuel Reissberg aus Dornawatra,, 23 Jahre alt, Besitzer beider silbernen Tapferkeitsmedaillen, Lt. Markus S c h a p i r a aus Sereth und Kadettaspirant Moses Pich 1er aus Kimpolungt. Gg. Dr. Alexander Haus mann, Mitglied des Zentralkomitees der galizischen Zionisten, der Seit Kriegsbeginn im Felde steht und vor kurzem zum Oberleutnant ernannt wurde, geriet am 22. v. M. gelegentlich einer feindlichen Attacke bei Radziwilow in russische Gefangenschaft. Gg. Verpflegsoffizial Dr. Emil M a r g u 1 i e s erhielt das Ehrenzeichen vom Roten Kreuz II. KV. mit Kriegsdekoration-. Bus ücp jüöisdien Heit. Wechsel in der amerikanischen Botschaft in Kornstantlnopet. Wie von authentisch unterrichteter Seite mitgeteilt wird, wird der bisherige Botschafter' der Vereinigten Staaten in der Türkei, Henry M o rgent hau, nach Konstantinopel nicht zurückkehren. Zu seinem Nachfolger ist der jüdische Rechtsanwalt Abraham J. EI k u s ernannt, dessen warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten bekannt ist. Es ist zu hoffen, daß das Wirken 'd.es neuen Botschafters sich in dem gleichen Bahnen bewegen wird, in denen Henry Morgenthau teich so große Verdienste erworben hat. ~-' Die Kundmachung eines Kreiskommandos. Der „Mysl Zydowska“ zufolge ließ das k . u. k . Kreiskommando in C h e 1 m folgende Kundmachung öffentlich affichieren: „Da.die jüdi sehe Bevölkerung zu Spekulationszwecken beunruhigende .Nachrichten über militärische Bewegungen verbreitet, bringt das .Kreiskommando zur. allgemeinen Kenntnis, •daß jeder ,der sich dessen schuldig machen wird, streng bestraft, überdies der israelitischen Kultusgemeinde eine Kontribution von K 25.000 auferlegt werden wird.“ Keine Hoffnung. Unter '{teu russischen Dumadeputierten, die jüngst London besuchten, befand sich auch der Kadettenführer, Prof. Paul M i i j ük o w, der bei einer Unterredung, die er einem Mitarbeiter der „Jewish Chronide“ gewährte, sich dahin; äußerte, daß< die Aussichten für das jüdische Volk in Rußland keine allzu erfreuliche seien und er keine frohe Kunde von wirklichem Fortschritt geben könne. Im Gegenteil seien die vor einigen Monaten gemachten Konzessionen wieder rückgängig gemacht worden. Armeekommandeure sind;sogar angeregt worden, Informationen zu sammeln, die gegen die jüdischen Soldaten verwendet werden Rönnen, und was die gänzliche Befreiung der russischen Juden anbetrifft, so meint er, sei das heute keine praktische [Politik. Die „Jewish World“ vom 24. Mai 1916 bemerkt dazu: „Bei einer solchen Feststellung kann man nur sehr besorgt sein, und es wäre müßig, sich [darüber hinwegsetzen zu wollen.“ Kerne Rechte für die Juden. Ein pesetzentwurf Maklakows, den er der Reichsduma vorgelegt hat, Stellt die Bauern allen anderen Klassen gleich. Die Kadettenfraktiori hat nun beschlossen, einen Zusatzantrag zu stellen, wonach sämtliche Nationalitäten Rußlands das Recht zum Eintritt in den Staatsdienst erhalten. Dieser Zusatzantrag der Kadettenfräktion hat scharfe Polemiken in der Presse veranlaßt. Die reaktionären Blätter protestieren gegen den Versuch der Kadetten, durch „Schliche“ Rechte für die Juden durchzusetzen. Inzwischen hat auch der Ministerrat zu dieser Frage Stellung genommen. Nach den neuesten Petersburger Blättermeldungen hält man in Regierungskreisen nicht nur den Zusatzantrag der Kadetten, sondern den ganzen Gesetzentwurf Maklakows für unannehmbar. Lehrerberatungen. Anfangs Mai fand eine Beratung der Lehrer und Lehrerinnen der neuen jüdischen Flüchtlings- Schulen in den Gouvernements Poltawa lind Charkow statt, auf der über den gegenwärtigen Zustand der Schulen und ihre hygienischen Verhältnisse .über kl; ie Zahl der Schüler, sowie über Programm und Lehrplan berichtet wurde. Die Beratung bezweckte auch eine Vereinheitlichung deS Lehrplans dieser Schulen. Alle Teilnehmer waren der Meinung, daß diese Volksschulen national Sein müssen. Den Hauptstreitpunkt bildete die Frage, in welchem Umfang die hebräische Sprache gelernt werden müslse. Eine Gruppe Lehrer und Lehrerinnen vertrat die Ansicht, daß man ierst im zweiten Unterrichtsjahr mit der hebräischen Sprache beginnen solle. Nach lebhaften Debatten wurde beschlossen, daß von den 30—33 Wochenstunden 12 Stunden in jeder Klasse dem Hebräischen und der Bibel gewidmet werden. ES wurde folgender Lehrplan angenommen: 12 Stunden hebräische Sprache und Bibel, drei Stunden jidische Sprache, 6 Stunden Arithmetik, 3 Stunden Gespräche über Geographie, Naturwissenschaft und Geschichte in jidischer Sprache, 6 bid 9 Stunden Gymnastik, Handarbeit, Singen, Spiele usw. Eingehend wurden die Schwierigkeiten der iidischen Terminologie und die Frage der jidjschen Lehrbücher für allgemeine Fächer besprochen. Es wurde auch der Wunsch geäußert, auf Handarbeit, Gymnastik, Spaziergänge und Gesundheitspflege (mehr Gewicht zu legen. Die Abendkurse für erwachsene Flüchtlinge müssen einen Lehrplan von S—12 Stunden wöchentlich haben, wobei die russische, hebräische und jidisChe Sprache sowie Arithmetik Vorgetragen werden soll. Jüdische Fröbelschulen. Die Leiterinnen der jüdischen Kinderkrippen in Südrußland hielten eine Beratung ab. Die Berichte gewähren einen Einblick in die großen Leistungen der jüdischen Kindergärtnerinnen in dieser schrecklichen Zeit. Sie schufen eine für die jüdische Erziehung ganz neue Institution, in der Tausende von Kindern jüdischer Flüchtlinge und Reservisten- Pflege und Erziehung finden. Die Kinderkrippen versorgen Kinder im1 Alfer von 3 Jahren an aufwärts. Die Kindergärtnerinnen — Absolventinnen der höheren r röbelschulen — spielen mit ihnen, speisen sie; pflegen sie, wenn sie krank sind, und bereiten die älteren unter ihnen zum Eintritt in die Schule vor. Es wurde beschlossen ,daß die Lehrerinnen nicht nur mit den Kindern, sondern .auch untereinander jidisch sprechen sollen. Ein ausführlicher Vortrag legte dar, welche Bedeutung die hebräische Literatur und ihr unerschöpflicher Sagen- und Märchenschatz für die Erziehung der Zöglinge habe. Im Anschluß daran wurde folgende Resolution [gefaßt: „Um die jüdischen Legenden und die Werte der jüdischen Kultur im Original kennen zu lernen, findet es die Beratung wüjn-. sehenswert, daß die Lehrerinnen die hebräische , Sprache erlernen.“ Zwei Dichter. Das sozialistische Tageblatt von Toulouse „Midi Sociathrte“ gibt seinen Lesern mjt dem folgenden Nachruf Gelegenheit zum Nachdenken: Er hieß Leon Israel und war revolu- ’ tionärer Dichter. Er schrieb proletarische Lieder für die „Guerre- Sociale“, in denen er mit großer lyrischer Begabung die Arbeiter für die Brüderlichkeit der Völker und für den 'Menschheitsfrieden begeisterte. Am Vorabend des Kriegsausbruches beteiligte er sich an der Friedensdemonstration des Pariser Gewerkschaftsbundes. Als a her Frankreich in Gefahr war, niedergeschlagen zu werden, da eilte er zu den’ Fahnen. Er wurde zweimal verwundet, aber er kämpfte Weiter wie ein Löwe, bis eine deutsche Kugel seinem Leben bei Verdun ein Ende machte. 1— Er hieß Maurice BarreS und War Romanschriftsteller. Seit fünfundzwanzig Jahren predigte er die Revanche, den Nationalismus una den Antisemitismus. Er gab Lektionen der Energie an die Studenten, die er jedes Jahr zum Grabmal des Kaisers Napoleon I. und zur Straßburgstatue führte. Er war Präsident des Bundes der Patrioten und seine; Freunde, seine Bewunderinnen und auch seine Gegner zweifelten gar nicht daran, id’aß er als erster ins Feuer gehen würde. Er ging tatsächlich ins Feuer, aber doch nur in die Flammen, die von der Rampe des Theatre Francais ausstrahlten. Jüdischer Feldgottesdienst“ ist der Titel einer Originallithographie, die der bekannte Maler Hermann Struck jetzt hat erscheinen lassen. Das Werk ist eine Stimmungsskizze, und es gibt ein nicht nur äußeres, sondern ein seelisches Bild des Judentums, das sich hier in aller Schlichtheit um 'So inniger und kraftvoller offenbart. Zum Todestag Dr. Denis. Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl, findet Donnerstag, den 20. d. M. (19. Tamuz) tun 8 Uhr abends, im Tempel, II., Tempelgasse, eine Herzlandacht statt Der übliche gemeinsame Gang zum Herzigrabe findet Sonntag, den 23. d. M. statt Treffpunkt: Hochschule für Bodenkultur, punkt 10 Uhr vorm. Ueberdies wird eine große Herzl-Gedenkfeier vorbereitet, über welche Näheres noch bekanntgegeben werden wird.

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