Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr; 26 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 sten. Auch sie gehen nicht in die Kirche, haben aber eine tiefe Achtung vor dem Geist de9 Christentums und können daher ohne jede Gewis's'ensverwirrung ihre Kinder durch die Taufe in die Kirche aufnehmen lassen. Durch den Religions- und Konfirmationsunterricht wird ihnen später der Inhalt der christlichen Religion vermittelt, und dann mögen sie selbst sehen, was sie für eine Stellung zu ihr einnehmen werden, ob eine kirchlich gebundene oder eine freie. Jedenfalls aber tnuß dem Kind Gelegenheit gegeben werden, die Grundlagen dieser Religion genau kennen zu 'lernen. Was würde nun von den jüschen, aber nicht mehr an ihrem Glauben hängenden Eltenn anders verlangt, als das, was so viele nicht mehr kirchengläubige christliche Eltern tun, indem sie ihre Kinder durch die Taufe in die' Staatsreligion aufnehmen lassen? Da antworten denn die Juden: „Nie und nimmermehr werden Wir der Ueberlieferung unserer Vorfahren untreu. Wir sind Juden und wollen es bleiben.“ Gerade der Deutsche achtet einen solchen Standpunkt und hat darauf nichts zu erwidern. Aber man frage noch einmal, was denn "das eigentlich' ist, was jene weder rechtgläubigein noch zionistischen Juden unter der‘Ueberlieferung ihrer Vorfahren verstehen; da kommt man 'denn bei naher Prüfung dazu, daß es ‘eigentlich gar nichts mehr ist als das Wort: Jude. Sie täuschen sich selbst, wenn sie meinen, daß das,: was Sie so hartnäckig festh'alten, hoch irgendeinen solcher Hartnäckigkeit würdigen Inhalt habe. Daß sie von Juden abstammen, ist nicht bedeutungsvoller, als daß mancher gute Deutsche englische oder französische Ahnen hat. Er wird sich ihrer gern als einer Besonderheit erinnerii. aber nur ganz verwirrte Menschen werden auf Grund solcher Abstammung etwa in Kriegszeiten behaupten, sie könnten ihr Franzosen- oder Engländertum nicht ganz aufgeben und einem Krieg gegen Franzosen und Engländer infolgedessen ihresBlutes wegen nur bedingt zustimmen. Einige solcher Doppel rassigen haben derartige Reden allerdings während dieses Krieges versucht, aber man hat feie ausgepfiffen, denn es ist nichts anderes als Literatur. Wie viele Offiziere mit französischen Namen hat das deutsche, wie viele mit deutschen Namen das französische und das russische Heer aufzuweisen! Jene Juden nun, die von dem Judentum nichts anderes mehr bewahren, als den Namen und das Gedächtnis an ihre Vorfahren, befinden sich in einer Verderblichen: Selbsttäuschung, wenn feie deswegen ihre Kinder nicht taufen lassen wollen. Man müßte ihnen recht geben, wenn sie irgend etwas Vorbringen könnten, was Sie aufgeben müßten, wenn ihre Kinder getauft wären. Ihr Judentum ist nichts anderes als eine Erinnerung, die ihre Nachkommen als etwas Ehrwürdiges pflegen können, auch wenn sie getauft sind. Dadurch stehen feie in vollkommenem Gegensatz zu den rechtgläubigen und den zionistischen Juden, für die das Judentum tatsächlich etwas anderes ist als ein Name. (Schluß folgt.) Gemüsebau in Palästina. Die große Lebensmittelknappheit und die Geldknappheit haben während des Krieges mehr alfe jemals den Kolonisten zum Bewußtsein. gebracht, welche hohe Bedeutung die eigene Erzeugung von Lebensmitteln für den Landwirt hat. In allen Kolonien sind die Vorgärtchen, die in früheren 'Jahren als unbebaute 'Bauparzellen mitunter einen recht schlechten Eindruck gemacht haben, jetzt mit ifrisdiem Gemüse bebaut. Besondere ■Pflege konnte dem Gemüsebau in den ^Kolonien gewidmet werden, die eine eigene Bewässerungsanlage haben. Große Sorgfalt wenden auch die Arbeiter, d'ie sich zu diesem Zwecke zu Gruppen zusammengetan haben, diesem Wirtschaftszweig zu. In erster Linie wurden Arbeiterinnen für den Gemüseanbau herangezogen, die besser als die 'männlichen für den Gartenbau nassen, die dagegen für die Schweren landwirtschaftlichen Arbeiten, wie die Hackarbeiten, nur selten geeignet sind, und deshalb auch in der Zeit zahlreicher Arbeitsgelegenheiten in den Pflanzungs- Kolonien ohne Beschäftigung bleiben. In der Hauptsache sind es in Petach-Tikwah drei Mädchengruppen, die sich mit dem Gemüsebau beschäftigen: Die eine Gruppe wohnt in Petach-Tikwah und bearbeitet den Garten von 3.1/2 Dunam, der an das Arbeiterhau9 des Jüdischen Nationalfonds sich anschließt. Die zwei anderen Gruppen sind in Ein-Ganim, wo sie in zwei Häusern wohnen und die Gärten, die die beiden Häuser umgeben, bearbeiten. Die eine Gruppe hat bisher nur zwei Dunam bestellt und beabsichtigt, weitere 5 Dunam mit Sommergemüse zu besäen, während die' zweite Gruppe bi-her Sthon ca. 4 Dunam bepflanzt hat und außerdeml 7 Dunam mit Mais bestellt hat. Sie beabsichtigt insgesamt 19 Dunam mit Gemüse zu besetzen. In der Hauptsache wurden: Tomaten, Gurken, "Zwiebeln, Salat, Bohnen, und Kürbis als Winterfrucht angeuauf, währentT'der Sommerfrucht: Pfeffer, Tomaten, IVIa’is, Eierfrucht, und Gurken gesät wurden. Die Arbeiten Sind ja Ile mit Fleiß und Verständnis ausgeführt. Schade ist nur, daß der: mit Gemüse bestellte Boden zum großen Teile aus Mangel an Mitteln nicht genügend gedüngt werden konnte, was auf die zu erwartenden Erträge eine Nachteilige Wirkung ausüben wird'. Die''Arbeiterinnen haben in ihren Häusern eiine geordnete Hauswirtschaft mit jgemeinsamer Küche eingerichtet, und die Zimmer machen einen netten und sauberen Eindruck. Die Mädchen sind insbesondere von den Kolonisten von Ein-Ganim im Gartenbau unterstützt worden. Die Kolonisten, die den hohen Wert des Gemüsebaues anerkannt und auch während ruhiger Zeiten diesem Wirtschaftszweig ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, wollen etwa 50 Du-i nam mit Sommergemüse bestellen und haben den Boden hierfür bereits vorbereitet. Die Ein-Ganimer-Kolonisten, die an die Arbeit gewöhnt sind, widmen sich dieser Sache mit (großem Fleiß una Interesse. Es ist ihnen auch gelungen, ihre. Orangengärten, trotz ihrer schweren Lage gut zu bearbeiten, pnd die ganze Kolonie macht jetzt einen hoffnungerweckenden pindruck. Mit besonderem Fleiß und Verständnis haben sich die Schüler der Landwirtschaftlichen Schule in tPetaCh-Tikwah, die .unter Leitung Von Herrn Dr .Pickholz steht, an den Gemüsebau gemacht. Sie haben im Norden Von iPetach-Tikwah 'auf dem Boden der Bewässerungsgesellschaft „Palästina“ (Leiter: Herr Bezalel Jaffe) in „Mir“ eine größere Bodenparzelle auf ein Jahr gepachtet und beschäftigen sich hier mit dem Gemüsebau irr größerem Maße. Bisher wurden 11 Dunam bestellt, weitere fünf Dunam werden in diesen Wochen mit Gemire bepflanzt werden, sodäß sich die bestellte Fläche auf insgesamt 16 Dunam belaufen Wird. Die Arbeit in '„Mir“ ist (recht schwierig, weil der Boden längere Zeit b-ach lag, deswegen stark verunkrautet und außerdem recht schwer ist. Die Schülergruppe wohnt in einem besonderen Haus unmittelbar an dem AudScha-Flüß, wo sie einen eigenen Haushalt führt. Neben diesen Parzellen in Mir hat die Schülergruppe bereits früher auf einem kleinen Terrain in der Kolonie Petach-Tikwah 'einen Gemüsegarten angelegt, der schöne. Erfolge brachte. Der Boden war gedüngt und hat sich besonders für den Gemüseanbau geeignet und deswegen erzielten die Schüler Bruttoeinnahmen in der Höhe von 310 Fr Cs. von einer kleinen Parzelle von i/2 Dunam und bei kurzer Arbeit oder netto 190 Frcs1. Mit diesem Gemüse konnte die Schülerküriie der Landwirtschaftlichen Schule etwa sechs Monate versorgt werden. Hus Ser litten Welf. Keine Ernennung Dr. AsthkenasJes. Wir brachten vor kurzem die -Meldung der Warschauer jüdischen Zeitungen betreffs der Ernennung des Dr. Tobia s Aschkenase zum Referenten für diejüdischen . Angelegenheiten beim Generalgouvernement des österreichischen Okkupationsgebietes. Wie Wir nun von offizieller Seite erfahren, beruht diese Nachricht auf Unwahrheit. Eine Solche Ernennung des 'Dr. Aschkenase ist nie erfolgt. Schulwesen im österreichischen Okkupationsgebiete. Das: Armeeoberkommando hat gemäß den Anträgen des Militär-Generalgouvernements Lublin die Schaffung eines Gouvernementssch ulrateS für das okkupierte Gebiet genehmigt In diese Körperschaft, welcher die Beratung des Militär-Generalgouvernements auf dem 'Gebiete des Unterrichts- und des Erziehungswesens sowie der Schulaufsicht zur Aufgabe gestellt ist, sollen außer den amtlichein Funktionären unter [anderen Vertreter der jüdischen, katholischen und protestantischen Religion, Delegierte der zu Schaffenden Stadtgemeindevertretungen sowie des Vereines „Polska Macierz Szkolna“ berufen werden. Wie nun das „Warschauer Tageblatt“ ‘meldet, soh der Rabbiner Klatzkin in Lublin zum Mitglied dieses'Gouvernementsschulrates ernannt worden sein. Zum Verbot der hebrärchen Schriftzeichen. Wir berichteten unlängst von einem Memorandum, das mehrere jüdische Organisationen in Oesterreich an das Armeeoberkommando und an das Handelsministerium zugunsten der Zurücknahme des Verbotes der hebräischen Schriftzeichen und der jidischen Sprache im Postverkehr gerichtet haben. . Die jüdischen Zeitungen Warschaus bringen nun diese (vom Korrespondenzbüro B. W D. weitergegebene Nachricht, wobei sie im Namen dieses Büros von der Berücksichtigung ‘des erwähnten Memorandums seitens der obigen Stellen zu melden wissen. Wir sehen uns daher veranlaßt, wahrheits-i getreu festzustellen, daß diese letztere Meldung den Tatsachen nicht entspricht, mindestens der jüdischen Oeffentlichkeit in Oesterreich von einer Zurücknahme dieses Verbotes nich ts be- ■ k an n t ist. Hans HerzI vor der Rekrutierungskommission. Den „L. V“ wird aus Kopenhagen gemeldet: Hans HerzI, der einzige Sohn Dr. Theodor Herzls, lebt (gegenwärtig in England, woselbst er bereits naturalisiert ist. Als er vor einiger Zeit vor der Rekrutierungskommission erfechten, wurde an ihn die Frage gerichtet, ob er in Oesterreich geboren sei, „Ja, ich bin in Wien geboren“ — lautete die Antwort. Auf die weitere Frage, wo denn seine Eltern seien, antwortete der Befragte, daß sne tot sind „Ihr Vater war der Führer der Zionisten“ — fragte den Kommissions-tVorsitzende. Darauf die bejahende Antwort Hansens. Schließlich wurde er als zum Militärdienst ungeeignet erklärt. Die Evelina von Rothsichild-Schule in Jerusalem. Auf der letzten Sitzung der Anglo-Jewish' Association in London teilte der Vorsitzende mit, dab die frühere Leiterin der Evelina von Rothschild-Schule in Jerusalem, Frau Landau, die zur Zeit eine Schule palästinensischer Flüchtlinge in Alexandrien leitet, 200 Pfund für die Versorgung der Schülerinnen der Jerusalemer Schule gesammelt habe. Da» Foreign Office 'hat nunmehr die Erlaubnis erteilt, diesen Betrag nach Palästina zu überweisen .Das Foreign Office erteilte ferner die Erlaubnis zur Annahme eines Anerbietens seitens eines Freundes der Schule in Jerusalem, der bereit ist, die zur Finanzierung der Schule notwendige Summe für die Dauer des Krieges vorzustrecken. Hierdurch wird voraussichtlich die Wiedereröffnung der Schule möglich werden. Gemeindewahlen in London. Am 14. Mai fanden in London die Wahlen der. Gemeindevorstände statt, die jedoch ohne Kampf und besonderes Interesse verliefen und hauptsächlich, mit der Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder endeten. „Jewish World“ bemerkt dazu: „Es ist unmöglich, nur eine leichte Bewegung in den trockenen Knochen des „Board of Deputies“ zu entdecken“. Die schlechte Behandlung der Juden in der englischen Armee. Wie aus London berichtet wird, sind viele Juden, die Sich für das Heer anwerben ließen, als Katholiken oder Protestanten in die Armee eingetreten. Diese Nachricht bestätigt die seit längerer Zeit sich wiederholenden Klagen über die schlechte Bechandlung der Juden in derenglischen Armee. Papfeinadiridtten. Herr Dr. Arthur Hantke, Mitglied des E A. C., unternahm jetzt, schon zum zweiten Male in 'diesem (Jahre, eine Reisie nach Oesterreich,, wo er in den größeren Städten mit den Gesinnungsgenossen Konferenzen abhält, sie über die Lage und Tätigkeit der Leitung informiert und. ihre Meinungen und Wünsche entgegennimmt. Auf dieser seiner Reise hielt sich Herr Dr. Hantke vorige Woche auch in Wien auf, woselbst er vom' 19. bis inklusive 23. d. M. weilte. Während dieser wenigen Tage hatte er Gelegenheit, Sitzungen 'mit dem Exekutiv-Komitee der Zionisten Oesterreichs, sowie eingehende Besprechungen 'mit den bewährtesten führenden Gg. abzuhalten. Er Sprach auch in einer Vertrauensmännersitzung, am der eine große Anzahl von Gg. aus Westösterreich, Galizien und der Bu-i kowina, feWie Delegierte des ungarischen zionistischen Landeskomitees in Budaoest teilnahmen. Mittwoch1, den 21. d. M., fand im großen Saale des Hotel Continental eine von ungefähr tausend Personen besuchte, allgemein 'zugängliche Versammlung statt, in der Herr Dr. Hantke über „Der Zionismus während des Krieges und nach dem Kriege“ sprach und großen Beifall fand. Anzeigen nnö nilteUangen. Der nächste Vereinsabend der jüd. Mädchenvereinigung „Moriah“ findet Mittwoch den 5. Juli präzise 1/28 Uhr abends (IX.; Serviten-i gasse 10) statt. Herr Adolf Stand wird über Zionismus sprechen. Gäste willkommen. * Tamow. Sonntag, den 11. d. M. veranstaltete die zionistische Ortsgruppe einen Propagandaabend, (der zahlreich besucht und von günstigem Erfolge ‘begleitet war. Gg. Dr. Spann eröffnete den Abend und erteilte das Wort dem Dp. Simon Feldblum aus Krakau, der in einer längeren [Rede die Notwendigkeit der jetzigen Arbeit darlegte. Er schloß mit einen Appell an die Zuhörer, in dem er (sie zu intensiver Arbeit aufforderte. Seine Rede übte auf das Publikum