Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 23 Die Lage der Juden in Cholin. Die Bevölkerungszahl der Stadt Cholm, - die vor Ausbruch des Krieges 35.000 betrug, ist jetzt auf 16.000 gesunken Obwohl Sich darunter 12.000' Juden befinden, sind sie von der Stadtmiliz, die während der Invasion von den Juden gegründet wurde, völlig ausgeschlossen. Das Bürgerkomi-i tee besteht aus 23 Polen und 7 Juden, und das Personal des Magistrats —. vom Bürgermeister bis zum. feubalternsten Beamten — besteht ausschließlich' aus Polen. Die Armut der iüdischen Bevölkerung nimmt mit liedem Tag 'zu.- 'Die Handwerker and arbeitslos und die Kleinhändler völ-, lig ruiniert. Jüdische Schulen wurden vorläufig noch nicht eröffnet. Die alten, von der Gemeinde erhaltenen sind geschlossen. Ein seltener Fall. Russische Blätter melden: Der Kommissär Kärpenko, welcher während der russischen Invasion in S tan isla u ''Galizien! den Einwohnern; vorwiegend Juden, systematisch Geld erpreßte, indem er ihnen mit dem Arrest und der Beschlagnahme’ des Vermögens drohte, wurde vom Kriegskreisgericht zu sechs Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Karnenko pflegte unter anderem an Samstagen die Synagoge aufzushchen, alle dort Anwesenden zu verhalten und sie erst nach Erlegung einer bestimmten Geldsumme freizulassen. Daß die jüdische Bevölkerung Galiziens von den russischen Tsdhinowniks geplündert wurde, war zur Zeit der Invasion eine alltägliche Erscheinung, daß aber einer dieser Plünderer nun dafür verurteilt worden ist, bildet einen äußerst Seltenen Fall, der nicht unerwähnt bleiben' darf. Zwei Millionen für jüdische Kriegshilfszwecke. Die jüdische Kriegshilfsorganisation hat dem Ministerium des Inneren sein Budget für die nächsten drei Monate vorgelegt. Es beläuft sich auf 2.800.000 Rubel. 2 Millionen Rubel wurden bewilligt. David Feinberg gestorben. Am 11./24. Anril verschied in Petersburg im Alter von 76 Jahren infolge einer Gehirnerschütterung der Vertreter der JCA für Rußland* David Feinberg. Der Verstorbene war einer der bedeutendsten Organisatoren der iüdischen Kolonisationsbewegung in Argentinien und . seit 1892 Gründer und Führer des russischen Zentralkomitees der jüdischen Kolonisationsgesellsch'aft (JCA). Seit Aufbruch des' Krieges war der Verstorbene einer der Leiter der iüdisichen Kriegshilfsorganisation, besuchte noch persönlich im Namen dieser Organisation während der Rnssenzeit Galizien, wo er große Summen an die; jüdischen Notleidenden verteilte. Tn des Vaters Fußstapfen. Die Verwaltung des Suworintheaters in Petersburg hatte ein Theaterstück des jüdischen Dramaturgen Jacob Gordin zur Aufführung empfohlen. Gegen diesien Beschluß eih'ob die Tochter des' bekannten verstorbenen Antisemiten Suworin. die eine maßgebende Persönlichkeit in der Theaterverwaltung bildet, Einspruch', mit der Begründung, daß im Suworintheater jüdis'che Stücke nicht aufgeführt werden dürfen. Ein*; sfersiatkmelle Nachricht. Dem Züricher ,.Isr. Wochenblatt“ entnehmen' wir folgende (Sensationelle und m5t großer Reserve aufzunehmende Nachricht: Der Korrespondent der „Times“ depeschiert aus Newvork den Inhalt einer Rede, die der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel!, Herr Henry Mergenthau, am 22. Mai in Cincinnati hielt. Herr M. berichtete keinen Zuhörern. daß er der türkistehten' 'Regierung den Rat erteilt habe. Palästina nach dem Kriege an die’Zionisten zu verkaufen. Die türkischen Minister, sagte M., haben diesem Pro-! jekte eifrig beigestimmt. Sie behandelten' mit ihmden Gegenstand Und erwogen, ob Palästina in eine Republiknn mgewandelt werden sölf. „Ich tagte ihnen“, führ IM’, fort, „daß, wenn in Jaffa Häfen erbaut würden, jährlich Wohl % Miliiohl Besucher von Jerusalem angezogen werden würden^ von denen jeder wohl 20 Pfund, dpS ist' 500 Franken dem Lande einbrächte. Warum wob len Sie warten* bis Sie .'das Geld aufgebracht haben?“ — wurde mir entgegnet — »Wir wollen Euch schon ietzt die Konzessionen bewilligen* fangt an jrnd baut Eure Häfefn und Hotels1“:. Herr Mergenthau fügte hinzu, "daß die Türken ernstlich erwägen, den Großrabbiner der Türkei, Naboum, aJS Botschafter nach Amerika zu schicken. Die englischen Zeitungen „Daily Chronide“ und „Notiingham Guardian“ begrüßen dieses Projekt, auch de- Paust soll sich geäußert Manen, daß eine weitsichtigere Auffassung der religiösen Freiheit nicht besser ins Auge gefaßt werden kann, als durch die Errichtung eines jüdi-c sehen Staates. Jacob Schiff und die jüdische Landwirtschaft. Jacob Schiff bat auf der 7. Jahresver-, Sammlung der jüdischen Landwirte die Festrede gehalten. Er sprach darin als seine Ansicht aus, daß die künftigen jüdischen Einwan-< derer sich der Landwirtsschaft zuwenden müssen. Die erste Aufgabe Sei, sie zu guten Amerikanern zu machen, und das ist in den überfüllten Hafenstädten sehr sdnver. Deshalb müssen sie sichrer Landwirtschaft zuwenden. Auch sei anzunehmen, daß wenn sich der Jude, wieder dem Ackerbau, der ursprünglichen Beschäftigung des jüdischen Volkes, widmen würde, ihm dann auch die Religion, des Volkes größter Schatz, ein Quell der Begeisterung und des Idealismus sein werde. Eine Preisausschreibung. Mr. Louis D. Brandeis hat der amerikanj-r Sehen Zionistenföderation den Betrag von 100 Dollars für das beste Essay eines Studenten an! einer Universität in den Vereinigten Staaten oder Kanada zur Verfügung gestellt. Als Themata kommen in Frage: „Demokratische Tendenzen im jüdischen Leben seit der französischen Revolution“, „Nationalismus, Internationalismus und Kosmopolitismus in ihrer Bedeutung für die jüdische Frage“, „Jüdische Erziehungsinstitute in Palästina“ und ähnliche mehr. Preisrichter sind die Herren Judge Julian W. Mack, IJrof. Rieh. Gottheil und Prof. Felix Frankfurter. Die Arbeiten müssten bis zum 1. Dezember 1916 eingereich sein. Nähere Auskünfte erteilt die Federation of Amerikan Zionists, 161 Devoshire St., Boston. 4 Hebräisches Meeting in Bombay. Vor kurzem fand in Bombay ein Meeting der Magen David Kongregation Statt, das besonders deswegen bemerkenswert war, weil die ganzen Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt wurden. Sir Jakob Sassoon, Bart, wurde zum Präsidenten wiedergewählt. Mr. A. Jakob Raymond wurde Vizepräsident. Der Vorsitzende des Meetings Mr. E. S. Gareh rühmte in einer Schwungvollen hebräischen Ansprache die großzügige philanthropische Tätigkeit von Sir Jacob Sassoon. Anzeigen und Mitteilungen. Wien. Der nächste Vereinsabend des ■ Mädchenvereines! „Moriah“ (9. Bez., ServitengaSse 10) findet Mittwoch, den 14. d. M. präzise halb 8 Uhr labendS statt. Vortrag des Herrn Adolf Stand über: Zionismus. Gäste herzlich will-» kommen. * Ha fehl iah. Sonntag, den 11. Juni Ausflug nach Grinzing. Zusammenkunft: Schöttentor, 3/i2 Uhr nachm. Abfahrt 2 Uhr nachm;. , Wien. DaS „Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen“ veranstaltete Mittwoch', den 31. Mai, im Festsaah des Ingenieur- und Architektenvereines eine Gedenkfeier für Schalom Alejchem'. . Dr. Nathan iß i r n b a u m leröffnete den Abend mit einer inhaltsreichen, formvol'endeten Ansprache. Er charakterisierte den osti'üdischen Humor, wie er Bich' in den' Werken des toten Dichter^ Spiegelt und dankte Schalom Aleidiem' für das! helle, beglückende Lächeln, das er seinem Volke Schenkte. Löbl Taubesl 1aS hierauf in Jüdischer Sprache die ergreifende Erzählung „Lefcht .war ihm’s Fasten“, welche einen tiefen Eindruck hinterließ. Regisseur Egon Brecher, der ausgezeidVnete Interpret jüdischer Dichtung, beschloß den Abend mit dem Vorträge d«*- berühmten Skizzen „Es ist eine Lüge“ und „Die Trambahn“ in deutscher Uebertra'nm" von Birnbaum und ern tete stürmischen Beifall. ES war eine schöne und würdige Feier. Der vom ,Xj a 1 i z i S c h e n H i 1 f s v.e r »• i n“ in Wien erridrie'-e unentgeltliche Kurs üb er G e f I ü 'r e 1 h a 1t u n nr beginnt Dienstag, am 13. 'Juni d. J ym' 4 Uhr nachmittags und wird Donnerstag'. 15. luni, Dienstag, 20. Juni; Donnerstag, 27. Juni, dann am Dienstag, 4. Juli und Donnerstasi 6. Juli, mdesmal von 4 bis 6 'Uhr nadimiHa<rsl fcu'+gpse^L Vortragender: Herr Georg Wieninger. Konsulent im k. k. Ackerbau- Ministerium. Vortra-rssprarb": Deutsch, wenn nötig, piit gemeinverständlichen Erklärungen. Der Kurs) findet im Saa'e der g-vnheehalle (20s Bez , Denisgasse 331 statt. Anme'duncren sind schriftlich oder zwischen Q bis 1 Uhr mündlich an das Büro d»s Galizbchen Hpfmerefne1:. 9. Bez.„ Berggasfee "T. und zwar behufs Anweisung Tier Sitze, möglichst bald zu richten. Dnohobycz. Allmählich beginnt das jüdischnationale Leben unsterer Stadt wieder rege zu werden. Auf Initiative' des hiesigen akad. Vereines ..Makkabi“ fanden letztens zwei Abende statt, deren Reinerträgnis fü-s Palästinahilfswerk bestimmt war. Derselbe Verein veranstaltete einen „Abend“ mit demse'ben Programme und gleicher Zweckbestimmung auch in Boryslaw.; Die hiesige hebräische ScV.de hat nunmehr ihre Tätigkeit unter Leitung des Lehrers Herrn Kra-i m arisch wieder aufgenommen und entwickelt Sich zufriedenstellend. A>""h die arbeitsfröhen }>(Zeire Zion“ und der fleißige Damenzirkel „Haor“ haben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Sämtliche Mitgliederinnen des Letzteren lernen intensiv hebräisch und jüdische Geschichte. Der Tod von Schalom Aleichtem versetzte die nationale Judenheit unserer Stadt in Trauer. Die Jugend veranstaltete Sofort eine Vorlesung über.den verstorbenen Volksdichter, die mit einer Baumspendensämmlung schloß. Sanok. Dank den Bemühungen unseres Gg. Schift hat die zionistische Arbeit in unserer1 Stadt, die vor Kriegsausbruch für unsere Sache viel geleistet hat. wieder eingesetzt. Fs wurde neuerlich eine NF-Kommission — bestehend hauptsächlich aus weiblichen Kräften — gebildet, die in kurzer Zeit ca. 400 X für N. F. und über 50 Schekel gesammelt Trat. ES werden auch Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der hebräischen Schule gemacht. Ein rühriges Sch'ulkomitee mit den Herren Prof. Annel und’Zäs'ar Kr am in er an der Spitze ist energisch an der Arbeit. Der hebräische Schulverein ./Sofa1’ Brurali“ wurde neu be'riif. Ueber hundert Schüler sinn "bereits eingeschrieben und zwei emröbte Lehrkräfte engagiert. Die Kultus'gemeinde bewilligte über Intervention des' Herrn Kra.miner eine vorläufige Subvention von K 200 zur Deckung der ersten Ausgaben. * W^g'-heid bei Lmz. Dank f'e- Bemühungen deS Gg Dr.' Glasbcr g waren die im k. u .k. Kriegsgefanirenen-Lan-pr Wegscheid bei Linz dienenden iüdir|~hen Soldaten in der Lage, das PeSsach-Fest zu feiern. Das Lagerknmmando stellte der iüdischen Mannschaft die entsprechenden Räume zur Verfügung, So eine Küche, eine große Speisebäracke. In der le+zteren fand während ätier 8 Tage — vir dem' Eristen — der Gottesdienst statt, an welehem sich die Mannschaft fast vollzählig beteiligte. Das Entgegenkommen des Lanerkommandanfnn, Hrrrn Generalmajors Nottes und der üb-ir»n Offiziere muß dankend hervorgehöb',u werden. * Ctioim ('Polen). A"f Initiative der Vorsteher der TueSinran :üd's~Tien K"l+""gemeinde' fa-d Samstag* den 20. v M. in1 d»r b;'*’si'T»n großen' Svnarmge eine Gedenkfeier zu phren--deS hingst verblichenen VolkSdich+ers Schalom A I e i e h e m statt. Eine kurze Gedenk'—ti» nvit He" Fe;wel Fried. p;" tausendköpfPes Pub'ikum wohnte der Andacht hei. Ausweis. Zentralfonds 1910 IO: Verb „Kadimah“ per Dr. Schubert K 100.—, Pr. Fritz Steiner K 10.—t liidischpr Mädchenverein AWiah“ dankt Herrn Dr. Emil Stein für seinen Brief 20.—, für Schulwerk Nada Albinum. Sareievo 50.—. Z°utralfonds 191« Bukowina" Dr. Leonhard Eckstein 10.—. Prof. Dr. Hermann Dlaser 5.—. Dr. Theodor Weisseiberger 5.—, Prof. David Leszczer 5.—, Hermann Schäfer 8.—. Dr S. Stecher 2.—. Zionistischer Stammtisch in Czernowitz 53—, (darunter Ldst.-Offizial Dr. Env! Margulies 20.—.1 Zentrplfonds 1916 Galizien : S Rehhahn (Agudath Herzl, Przemysl) 5.—, lüd. lit. Klub, Wien, 5.—. Schekel 5676 TO; S. Picker 12.—, bereits ansg. 134 40, zus. 146.40. Schekel 5675 Galizien: Ohlt. I. Barbag, zur Zeit im Fetde, K 5° 60. H. Gabel K ,3.60. Schekel 5676 GalMen: S. Rehhahn (Agtidafh Herzl, Przemysl! 7.20. A. Rlaustein 12.—. Dr. Fe'dhlum. Krakau 36— (zus 192.—), Kosch'tzky. Oswiecim 19 20. Fri. Tannnas 12.—. j.Frey, Öswiecim- Rahnhof 15.60. A. Potienherg- 12.—. aus dem Felde Hauptmann 12.—, Stern 4.80. Dr. Rubin 28.80, EF. Kom. S. Schirr 12.—, zus. 171.60, bereits ausg. 447.60, zus. R19.20. Schekel 5675 Bukowina: Sigmund Jnlles, Czernowitz 12.—, Dr. Körner 8.40, Weidenfeld, Radautz 36.—, zus. 56.40, bereits ausg. 235.—, zus. 291.40. Schekel 5675 Bukowina: Möses Abisch, Storozynetz 36.—. Schekel 5676 Böhmen: Verein Zion, Teplitz 300.—. Schekel 5676 Polen: B. Krakowsky, Skala 12.—, ber. ausg. 48.—, zus. 60.—. Parteisteuer 10: S. Picker 5.—, ber. ausg. 139.50, zus. 144.50. Parteisteuer Galizien: S. Rebhahn 3.—, A. Blaustein 5—, Hauptmann 5.—, Stern 2.—, Koschitzky 8.—, Dr. Rubin 12.—, Frl. Langnas 5.—, A. Rottenberg 5.—, S. Schorr 5.—, zus. 50.—, ber. ausg. 79 —, zus. 129.—. . Parteisteuer Polen: Krakowsky, Skala 5.—, ber. ausg. 20.—, zus. 25.—. ' Wiener Zionistisches Büro. Cafe „Marienbrücke“ R . I., Rotenturmstraße 31. :-: RENDEZVOUS DER ZIONISTEN