Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ■JÜDISCHE ZEITUNG Nh 22 U 10. Ausweis. Sammlung Frau Berta Rappaport Wien 213.— (s. Spezifikation unten), Eingegangen beim Jüdischen Nationalfonds 190.20 (s. Nr. 21 d. „jüd. Ztg.“), Sammlung Josef Frey, Oswiecim-Bahnhof 158.— (s. Spezifikation unten), Ertrag des Wiener Jüdischen Liederabendes (2. Rate) 127.92, Jüdische Jugend aus. Czemowitz durch Schächter 100—, Leib Steinmetz, Czemowitz 50.—, B. Fett, Debica, für verkaufte Kokarden am Lag b’omer 50.—, Lt Dr. Aiidor Aczöl zum Andenken an seinen_,verslorbenen Bruder Josef Aczel 40.—, Klara Rudy, Bielitz 20.—, Sammlung San.-Kad. Dr. Samuel Rubin, Wien: E. Fr. med. Julius Schoss 10.—, Feldw. Blumengarten 2.—, zus. 12.—, Sammlung Abraham Zahler, Kolomea 11.— (s. Spezifikation unten), Oblt Dr. M. Hauer, Lemberg 10.— , Kad. David Chalfon 5.—, Dr. Viktor Altar 2.—, Siegmund Siebenschein, Wien 2.—, Summe 991.12. Gesammelt durch das Zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag: Bilin 21.—, Brack a. L. 22.2U, Budweis 475.—, Dobrfe 124.—, Eger 5.—, Jungbunzlau 5.—, Komotau 105.—, Kralup a. Mr5.~, Ober-Rochlitz 8.—, Olmütz 10.—, Pardubitz 20.—, Patzan 2.—, Pilsen 25.—, Posteiberg 5.—, Prag 499.—, Reichenau a. K. 1.—, Sigmundsherberg 10.— (s. Spezifikation in Nr. 20 der „Selbstwehr“), zusammen 140220. __ Summe K 2.393.32 Hiezu früherer Ausweis „ 19.220.26 Somit bisher K 21.613.58 Sammlung Frau Berta Rappaport, Wien: Frl. Lola Dattner, kais. Rat Dattner je 50.—, Norbert Rappaport, Nathan Albrecht aus Jassy, A. T. Schoner aus Bukarest je 20.—, Frau Dr. Robinsohn, Dr. Heia Grübel, Leon Steiner je 10.—, Frau Gisela Rintzler, Frl. Lola Halberthal, Fränkel, N. N. je 5.—, S. Mariller 3.—, zus. 213.—. Sammlung Josef Frey, Oswiecim, Bahnhof: Emil Haberfeld, Fanny Schänker, Joachim Liebermann je 20.—, Sigmund Wasserkrug, Josef Frey, •Dr. Richard Wolf, Anna Wulkan, Simche ß. Lichter, Samuel Weinberger, Joachim Adler, S. Zeiting, M. Wasserberger je 10.—; Hans Löw 5.—, S. Rauchmann 3.—, zus. 158.—. Sammlung Abraham Zahler, Kolomea: Scheindl Wachs 5.—, Salomea Ellenberg 2—, Aron Zimet, Malda Borten, Scheindl Blitz, Rözia Elster 1.—, zusammen 11.—. ' Bus 0er jüöisdieo Keil. Amerikanische Zeitungen berichten: Auf dem jüd. Hilfsbazar in New-York, der bestimmt war, die Sammlungen für die infolge des Krieges notleidenden Juden in Osteuropa zu unterstützen, erschien auch Roosevelt und hielt eine Rede, in der er dem Ztwecke des Bazars seine Anerkennung zollte. . Nach dieser Rede, die mit unendlichem Beifall aufgenommen swurde, machte Roosevelt ei- ’nen Rundgang durch die Säle und stieß dabei auf einen fünfzehnjährigen Jungen, der seine Wut dadurch erregte, (daß er ein kleines deutsches Fähnchen an der Brust geheftet trug. Roosevelt vergaß sich soweit, ihn darob zur Rede zu stellen; obgleich ihn das doch nicht das mindeste anging. Herrisch fuhr er ihn. an: „Ich denke, daß dieser Platz ein neutraler Boden ist“, worauf der Junge die treffende Antwort gab: „ Der Platz schon, pber nicht ich “. Erzürnt drehte Roosevelt1' sich um und ging „weiter. * Nach einer Mitteilung des “Jewish! Exponent“ hat das „Provisorische Exekutivkomitee für zionistische Angelegenheiten“ in New York von dem Jüdischen Hilfsfonds in Südamerika einen Betrag von 330 Pfund zur Unterstützung der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Palästina bekommen. Das Hilfskomitee hat eine besondere Erlaubnis der Südafrikanischen Regierung zur Ueberweisung der Hilfegelder nach Palästina erhalten. * Im großen Rat des Kanton Bern kam letzthin eine Teuerungsinterpellation zur Verhandlung. Der freisinnige Regierungspräsident, welcher als Vertreter der bemischen Regierung die Interpellation beantwortete, leistete sich dabei folgendes: „Wir (die bemische Regierung) sind gewissenhaft auf der Hut, daß Leute, deren Heimat inj Palästina ist und die den Handel jn den großen Häusern in Berlin, Paris oder Wien gelernt, sich jetzt bei uns nicht auf Kosten unseres Volkes breit machen.“ Es sei bemerkt, daß. im Ratssaale sich' niemand fand, der gegen diese Verleumdung protestierte. < Leider ist dies nicht das einzige 'Symptom' von offiziellem Antisemitismus. Es dürfte noch in aller Erinnerung Sein, daß ein jüdischer Unteroffizier auS der schweizerischen Armee ausgeStoßen wurde, weil er sich über seinen Vorgesetzten, der sich in Beleidigungen gegenüber dem Juden verging, beschwert hatte. Für das vaterländische Verhalten der Schweizer Juden ist es immerhin ein merkwürdiger Dank. Im „Corriere della Sera“ vom 21. Mai veröffentlicht Luigi Luzzatti einen Aufsatz über die Religionen in Italien. JJnter anderem ist darin folgendes enthalten: „Die Protestanten nehmen zu, die Juden nicht; Sie nehmen sogar ab, denn sie waren 35,6l7 im Jahr 1901, zehn Jahre später nur 34,324 Seelen. Ein Teil ist j sicher zu den Religionslosen gewandert; ein -Teil hat vielleicht seinen Glauben nicht angegeben, aber es muß doch mehr Juden in Italien geben. Warum verstecken sie sich? Es gibt Juden, die sich schämen, Juden zu sein. Ich hoffe, nicht der einzige zu sein, der, obwohl durch tiefe Ueberzeugung dem väterlichen Glauben entfremdet, 'wieder Jude wird, wenn es sich darum' handelt, sich kleinen Gefahren oder der Geringschätzung, die nie fehlt, entgegenzustellen, oder ,an die Seite der Bedrückten zu treten/ Dieses unsterbliche Volk hat sich durch die Verfolgungen selbst gerettet; aus aus diesen schöpfte es die Macht der Erhaltung und der ewigen Jugend.“ * Die italienischen Blätter „Messaggero“ und „Lavoro“ nehmen dagegen Stellung, daß zahlreiche russische Flüchtlinge, besonders Juden, nunmehr gezwungen werden söJIen, Italien zu verlassen, weil sie Rußland für den Dienst im Heere reklamiert. „Auf keinen Fall“, sagt der „Lavoro“, dürfe auch nur ein einziger politischer Flüchtling in den Rachen der zarischen Kerker zurückgeschleudert werden. V ■ *. Ende Dezember 1914 wurde in Janow Gouv. Noworadomsk iein fürchterlicher Pogrom gegen Juden (inszeniert, von dem jüber .60 jür dische Familien gelitten haben. Der Sachschaden betrug mehr als .150000 Rubel. Die russischen Behörden haben nichts unternommen, die Pogromstifter zur Verantwortung zu ziehen. Nun hat der österreichische Justizminister die Einleitung einer diesbezüglichen energischen Untersuchung angeoränet. * In Warschau fand dieser Tage eine K.onferenz deröstlichen Feldrabbiner statt, an der sechs Rabbiner, die ihr Domizil in Wilna, Pinsk, Libau, Kowno, Bialystok und Wart schau haben, teilnahmen. Den Vorsitz führte Gg, Dr. Arthur Levy. Die Verhandlungen dauerten zwei Tage und bezogen sich vornehmlich1 auf die Abhaltung von Gottesdiensten und andere Punkte der Seelsorge. * Auf Grund einer Verordnung. deS Schulinspektore am Kreiskommando in Rado m wurden sämtliche jüdischen Chederschulen in Radom geschlossen, da sie ihren- Aufgaben Weder inl sanitärer Beziehuhg'noch mit Rücksicht auf ihr wissenschaftliches Niveau entsprechen. An Stelle der geschlossenen Chederschulen werden Schulen neuen Typs, die sich dem Typs der konfessionellen Schulen nähern, mit polnischer Vortragssprache und mit Berücksichtigung talmudischen Wissens errichtet werden. flnzeigen und Mitteilungen. . Wien. Hatechijah. Sonntag, den 4. Juni Schawuoth-Ausflug nach Mauer. Zusammenkunft *3/42 Uhr nachmittags Haltestelle deS M-Wagen, Franz Josefs-Kai—Schottenring. Abfahrt 2 Uhr nachmittags. # Wien. Der nächste VereinKabend des jüdischen. Mädcherivereines „Moriah“ (9. Bezirk, Servitengasse 10) findet Mittwoch, den 7. Juni präzise 1/2& Uhr abends statt Herr Dr. Wilhelm Stein wird über „Aütoemanzipation“ von Pinsker sprechen. Wien. (Jüdischer Handlungsigehilfenverband.) Montag, den 5. Juni .findet im Verbandslökal, II., Obere Donaustraße 65 eine Vorlesung des Herrn Dr. Max Präger auö Schalom.- Ale je hem's Werken (in deutscher Sprache) statt. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Die 43. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien“ findet Montag, den 5. 'Juni 1916, abends 6 Uhr, im Saale der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4 statt. Tagesordnung: 1. Bericht über .die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1915; 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1915; 3. Kooptation eines Vorstandsmitgliedes; 4. Wahl von. 5 Vorstandsmitgliedern'mit vierjähriger Funktiensdauer an- Stelle der turnusmäßig üusscheidenden Mitglieder; 5. Etwaige Anträge der p. t. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der 'Jahresbericht Wird in den nächsten Tagen an. die Mitglieder in Wien direkt, an die auswärtigen Mitglieder durch Vermittlung der. Leitung der Filialen und Vertrauensmänner übersandt. Für die außerhalb Wiens wohnenden Mitglieder gilt die Bekanntmachung in den Blättern zugleich als Einladung und die Mitgliedskarte als Legitimation. Triest. Zu Gunsten des österr. roten Kreuzes fand hier im Sitzungssaale der isr. Kuitusge-, meinde eine Lag-bomer-Feier Statt, die von einem zahlreichen Publikum besucht war. Oberrabbiner Prof. Chajes Wies in seinen Begrüßungswbrten auf die Bedeutung des Lagiomer-Festes hin una berichtete von der Art, Wie dieses gegenwärtig in Palästina gefeiert wird. Hierauf trugen iejinige Kinder aus dem jüdischen Kinderasyl in hebräischer Sprache kurze Erzählungen aus dem Gedankenkreise der Kinderwelt vor und gerne können wir feststellen, wie trefflich sich die Jbrith-be ibrith-Methode schon in kurzer Zeit bei unseren Kleinsten bewährt. In erster Reihe gebührt hier- Dank den Bemühungen des fjreefflichen Lehrers Herrn J. Dlugacz. Mit skhöner Stimme sang Herr Oberkantor R o s i n vier hebräische Volksweisen, darunter die „Hatikwah“, welche das Publikum stehend anhörte. Auch unser Chordirigent Prof.. Morpurgo erntete mit seinen Violinvorträgen (Kol-Nidrei und Andante von Mendelssohn) den lebhaften Beifall des Publikums. Durch die Veranstaltung der in nationalem Geiste gehaltenen Feier hat sich der unermüdliche Oberrabbiner Prof. C h a j es ein wirkliches Verdienst erworben. - * ' Lemberg. Hiesige Zionisten treffen sich am Sonntag zwischen 3 bis 5 Uhr nachmittags im Cafe „Warszawa“. Gäste willkommen. Vom BäMisdi. „Was sind Ostjuden?“ Von Dr. Nathan Birnbaum. Verlag R. Löwit, Wien. Preis 30 Heller. Im Aufträge des „Komitees zur Aufklärung, über ostjüdische Fragen“ ist als erste Nummer eine:r -herauszugebenden Reihe von Schriften eine kurze Broschüre von Dr. Nathan Birnbaum unter dem Titel „Was sind Ostjuden“ erschienen. Die Broschüre bringt in gedrängter Form das Wesentliche des Ostjudentums zur Kenntnis der öffentliche Meinung. iWir finden dort manche statistischen Daten über die kulturelle und volkswirtschaftliche Lage der Ostjuden. Die exzeptionellen Verhältnisse unter denen die Juden in Galizien und in den neu eroberten Gebieten Königreich Polens leben, werden da von berufener Feder, yon einem Fachmanne ersten Ranges, der sich seit Jahren mit diesen Fragen ausführlich befasst, genau una gewissenhaft geschildert. Mit großem Interesse lesen wir speziell sowohl den volkswirtschaftlichen Teil wie auch die Stelle über den Chassidismus. Der Uneingeweihte bekommt da einen tiefen Einblick in das| originelle Leben der Judenheit im Osten lund lernt diese Judenheit, die viel ursprünglich Jüdisches in sich erhalten hat und die fortwährend jüdische Werte schafft, schätzen und lieben. In aphoristischer Form wird uns auch das Schaffen der großen hebräischen und jiddischen Schriftsteller geschildert. Die Broschüre schließt mit einigen , Betrachtungen über die eigentümlichen Gewohnheiten, Sitten und Bräuche der Ostjuden. Derjenige, der sich genau über das Wesen des Ostjudentums informieren will, erhält auch eine ziemlich erschöpfende Bibliographie, die der Verfasser an der letzten Seite seiner Arbeit bringt Wir legen diese Arbeit mit Befriedigung aus der Hand und können sie ruhig der weitesten Verbreitung empfehlen, weil wir kaum so viel Inhalt una eine solche Summe von Informationen auf so kleinem Raume—die Broschüre zählt im ganzen 16 Seiten—gelesen haben. Das Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen hat sich mit dieser eisten Nummer seiner Flugschriften -ein Verdienst erworben. Wir erwarten mit Ungeduld die weiteren Schriften. Notwendig wäre, eine spezielle gründliche informative Arbeit über das volkswirtschaftliche Leben der Juden desOstens. Wie wir hören, Soll eine solche in Vorbereitung Sein. . Sd. Hatbfrag. Durch Versehen ist in Nummer 15/16 der .Jüdischen Zeitung“ die Bemerkung ausgeblieben, daß Jas in Jer (erwähnten Nummer gebrachte Feuilleton „Ein Rat“ von Schalom Aleichem dem! Sammelbuche „Treue“ entnommen ist und daß die Uebersetzung aus dem Jidischen von Dr. Nathan Birnbaum herrührt, Die Redaktion. Oer Schekel muß von jedem Zionisten bezahlt werden. Die Zionistisdie Organisation muß erbalten und gestärht werden.