Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 21 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438592--4817-2444729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 21 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Aus der jUöisAen Welt. Beim Generalgouvernement des österreichischen Okkupationsgebietes in Lublin wurde ein Dezernat für jüdische Angelegenheiten errichtet. Wie die Warschauer jüdischen Zeitungen berichten, ist Dr. Tobias Asch kenase, der Präsident der Advokatenkammer in Lemberg, zum Referenten für die allgemeinen jüdischen Angele-* * * * genheiten und Professor Dr. Meier Balaban in Lemberg zum Schulreferenten ernannt worden. « Der neue Generalgouverneur des österreichischen Okkupationsgebietes, General Kuk, empfing am 10. d. M. eine jüdische Deputation bestehend aus dem Rabbiner Klatzkin und drei Mit-; gliedern der Lubliner Kultusgemeinde. Die Deputation schilderte dem Generalgouverneur die Lage der Juden. Er hörte ihren Ausführungen mit sichtlichem Interesse zu und ersuchte sie, in allen wichtigen Fällen und Fragen, die die gesamte jüdische Bevölkerung angehen, sich direkt an ihn zu wenden. * i Eine Verhandlung in „Jiddisch“ gab es in der letzten Sitzung der zweiten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichtes. In dem dort verhandelten Prozeß einer Lageristin Glatt gegen den Eierhändler Glaß waren nicht nur die Parteien nebst den erschienenen Anverwandten, sondern auch die zahlreichen Zeugen nur in beschränktem Maße der deutschen Sprache mächtig. Die Beteiligten sind seit längerer Zeit in Berlin ansässige Juden russischer Staatsangehörigkeit, die . sich fast nur in Jiddisch verständigen können. Die Jargonaussagen ins reine Deutsch zu übertragen und so dem Protokollführer zu diktieren, bereitete dem Vorsitzenden keine geringen Schwierigkeiten. Besonders bei der Vernehmung der halbtauben, fast 70 Jahre alten Cypra Wolf steigerte sich die Schwierigkeit so, daß der Verhandlungsleiter erwog, einen Dolmetscher hinzuzuziehen. Man kam aber doch noch (ohne diesen aus- und nach langem Hin und Her gelang es dem Gericht sogar, die lebhaft streitenden Parteien zueinigen. Noch im letzten Augenblick drohte übrigens der Vergleich daran zu scheitern, daß sich sowohl die Lageristin wie der Eierhändler weigerten, wegen des Feiertags das Vergleichsprotokoll zu unterschreiben. Der Gerichtshof sah aus diesem Grunde von der Unterzeichnung ab. * Der Bischof von ShelmSford beantwortete in einer Predigt in St. Paul die Frage, weshalb nicht der Sieg die Waffen Englands und seiner Alliierten gekrönt hat. Ohne im geringsten den Sieg m Zweifel ziehen zu wollen, müsse er doch sagen, daß alle Nationen in irgend einer Weise Gott vergessen haben. Rußland besonders durch seine schmachvolle Behandlung der Juden. * Aus Italien berichtet man dem Züricher „Isr. Wochenblatte“ folgendes: Die jüdische Gemeinde in Florenz hat sich der dort internierten jüdischen Kriegsgefangenen angenommen und ihnen mit Bewilligung des Festungskommandos ermöglicht, das Pessach- C fest zu feiern. 'Sie wurden mit Mazzoth versorgt^ konnten an den beiden ersten Abenden den Seder abhalten und an den Feiertagen die Gebete ver-> richten; zu diesem Zwecke wurde ihnen ein Sefer Thorah und ein Vorbeter zur Verfügung gestellt. .; , : i :; i - * Das in Siena erscheinende Wochenblatt „Israel“ stellt an seine Leser und Freunde mehrere Fragen über, die Zukunftsschicksale des Judentums und insbesondere der italienischen Judenheit. Das Blatt vom 4. Mai veröffentlicht einige Antworten. Darunter befinden sich einige von Christen, diejenigen von Max Nord au und den Rabbinern Al a r g u I i e s (Florenz), C a m erini (Parma) und Colombo (Livorno). Alle sina der Ansicht, daß für das Judentum eine Schwere Zeit gekommen sei, daß es sich aber retten wird. Dann soll aber sein ,Ziei sein, Einheitlichkeit zu erreichen; beim Friedenskongreß müsse es seine Stimme hören - lassen. Am 14. April verschied in Padua plötzlich im Alter von 72 Jahren Rabbiner A. Zamatt o, ein Schüler des berühmten Schdal (Samuel David Luzatto). Er hatte eine Nichte seines Lehrers geheiratet und wirkte seit 1903 am rabhinischen Seminar in Padua. Er hat sich hoheVer-> dienste um die Hebung und Regelung der wohltätigen Stiftungen erworben. Bnzeigen unfl nitleilangen. Die ordentlichen Sitzungen des Exekutiv-Komitees der Zionisten Oesterreichs finden nach wie vor jeden Montag um S Uhr abends im Zionistischen Büro (II., Zjrkusgasse 33J statt. Das „Komitee zur Aufklärung über ostjüdische Fragen“ veranstaltet anläßlich des Ablebens Schalom Alejchems nächsten Mittwoch, den 31. d. M., um halb 8 Uhr abends, im Saale des Ingenieur- und Architekten-Vereines einen großen Gedenkabend. Die Gedenkrede wird Herr Dr. Nathan Birnbaum halten. — Näheres in den Tageszeitungen. Hatechijah. Wien. Sonntag, den 30. Mai 1916 Ausflug nach Mauer-Kaltenleutgeben. Zusammenkunft drei Viertel 1 Uhr nachmittags. Schottentor. Abfahrt 1 Uhr nachmittags. Hebräisch sprechende Teilnehmer willkommen. * Der Zweigverein Wien-Leopoldstadt des Patriotischen Hilfsvereines vom Roten Kreuze für Niederösterreich schreibt uns: Die durch ihre vorzüglichen Darbietungen bestens bekannte und nahezu allabendlich ausverkaufte „Jüdische Bühne“ in Wien, II., Taborstr. 12 (Hotel Stefanie) veranstaltete Montag, den 15. d. Al. eine Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten des Zweigvereines Wien-Leopoldstadt vom Roten Kreuz. Da die mitwirkenden Künstler an diesem Abende auf jedes Honorar verzichteten und sohin nur die allgemeine Tagesregie zu decken war, ergab sich für den genannten Verein der nicht unbeträchtliche Reinertrag von Kronen 501.74. Die Vorstellung ,— das patriotische Charaktergemälde „Herz und Hand fürs Vaterland“ von Meisl, Musik von Wolfstal — wurde ausgezeichnet gespielt und haben sich um den großen Erfolg außer dem Direktor S. Podzamcze, dem Regisseur J. Reissmann und den Damen Elise Graf- Weintraub, Paula Dreiblatt und Toni Reissmann, sämtliche Mitwirkende verdient gemacht. * Der Galizische Hilfsverein in Wien hat eine Aktion in Angriff genommen, die geeignet er-?1 scheint, einer großen Anzahl jüdischer Familien in Galizien ein Nebeneinkommen zu verschaffen, ohne daß dabei die Betätigung im Hauptberufe irgendwie Abbruch erleidet. Es handelt sich darum, die Juden Galiziens, insoweit ihre Wohnverhältnisse es gestatten, zur Haltung von Geflügel anzuleiten, um ln erster Reihe Eier zu produzieren. Dadurch bietet sich eine erwünschte Gelegenheit, den Juden Galiziens eine neue Erwerbsquelle zu eröffnen, die sie als Zweig der Landwirtschaft der Natur näher bringen und umso reichlicher fließen wird,wenn durch Züchtung reichlich Eier legender Hühner zugleich die Qualität und Quantität verbessert wird. Auf Ansuchen des Hilfsvereins hat das k. k. Ackerb au-Alinisterium mit Erlaß vom 27. April d. J. bewilligt, daß sejn Konsulent für Geflügelzucht Herr Georg Wieninger in einem vom Hilfsvereine für die in Wien weilenden galizischen Flüchtlinge errichteten Kurse Vor-, träge über Geflügelhaltung abhalte. Die Vorträge finden im großen Saale des Josefine-Alendl- Wohlfahrtshauses (Toynbeehalle) 20., Denisgasse 33 am 13;., 15., 20. und 27. Juni, sowie am 4. und 6. Juli d. J., jedesmal von 4 bis 6 Uhr bei freiem Eintritt gegen vorherige Anmeldung im Büro des Hilfsvereines, 9., Berggasse 4y statt. Selbstverständlich bedeutet die Abhaltung] des Kurses bloß den Anfang der vom Hilfs-J verein geplanten Aktion. Ihre Fortführung ini Galizien wird nach Maßgabe der Verhältnisse erfolgen und dürfte mit der Errichtung einer eigenen Geflügelzuchtanstalt ihren Höhepunkt erreichen. R. Löwit Verlag Wien, I. Wollzeile 6 Der Jude Eine Monatsschrift Geleitet und herausgegeben von Martin Buber Heft 2 (Mai) ist soeben erschienen! Inhalt: Max Mayer, Rivalen oder Verbündete . Martin Buber, Das Gestaltende . R. Salman, Die jüdische Selbstverwaltung im Polnischen Staate . Lazar Abramson, Die ostjüdische Gemeinde. Hillel Zeitlin, Aufgaben der polnischen Juden . Adolf Böhm, Jüdische Positionen in Palästina. Oskar Epstein, Grundsätzliches zur zionistischen Gegenwartsarbeit . Salomon Lehnert, Jüdische Volks- . arbeit. Arno Nadel, Jüdische Volkslieder: Religiöse Lieder I. Martin Buber, Chassidisches . . Bemerkungen: L. H., Interessenten / Max Brod, Briefe an eine Schülerin nach Galizien / S. Niger, Die Insel / H. G., Probleme des Ostens / B., Ein Dankeswort / S„ Der Lehrstuhl / Albrecht Hellmann, Alahnung / Hugo Bergmann, Max Brods neuer Roman. Der Jahrgang K 14.— , nVaic i Das Halbjahr K 7:— •****'" . Das Vierteljahr K 3.50 Das Einzelheft K 1.40 Prospekte stehen gratis zur Verfügung. Wir bitten um Adressen, an die wir Abonnement - Einladungen versenden können. Juden! Werbet für den „Juden“! Tua res agitur! R. Löwit Verlag. U||[|| Cafe „Marienbrücke“ niLlli I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN ■ nra; RESTAURATION ■ „zup Fumänifdien Küdie“ ■ Ch. Weiß vorm. Korn * Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. _ Anerkannt vorzüglichepolnische u. rumänische Küche- 4 s ZIVNOSTENSKA BANKA FILIALE WIEN l.. Herrengasse 12 Wechselstuben in Wien: I., Graben 15, I., Herreng. 12, II., Praterstr. 24, III., Land •traße Hauptstr. 88, IV., Favoritenstr. 4, V., Margaretenstr. 71, VI., Gumpendorferstr. 100, VII., Mariahilferstr. 84, VIII., Jösefstädterstr. 103, IX., Porzellangasse 9, X., Favoritenstr. 95, XII. ’Meidlinger Hauptstr. 15, _XXL, Am Spitz 15._ Kulante Besorgung aller Bank» und Börsentransaktionen. Aktienkapital u. Reserven: über K 103 Millionen. E|N|-AGEN Zentrale m Prag, gegründet 1868. Filialen: Brünn, Budweis, Friedek-Alistek, Iglau, Karlsbad, Klattau, Königgrätz, Krakau, Lern berg, Alelnik, Olmütz, Alährisch-Ostrau, Pardubitz, Pilsen, Pisek, Prossriitz, Reichenberg, Tabor, Triest. Stahlkammer mit vermietbaren Safes Abonnement von K 7-— an. Herausg. Alexander Geller, verantwortl. Red. David Nebenzahl. — „Adria“ Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H. (verantw. Karl Karner), Wien, II.