Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 18 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■ Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNO Seite 5 Das ist bis jetzt die größte Spende, die von einer Stelle für jüdische Kriegsopfer gestiftet wurde. * Im Grand Central Palace in Newyork wurde Anfangs April ein großer jüdischer Bazar eröffnet, dessen Ertrag den vom Kriege betroffenen Juden in Europa und Palästina zufließen soll. Der vom Völks-Unterstützungs-Komitee geschaffene Bazar ist ein Unternehmen großen Stils. Gegenstände im Werte von 150.000 Dollar sind ausgestellt. Eine besondere Anziehungs) - kraft übt eine Sonderausstellung „Straße in Palästina“ auf die Besucher aus. Hier sind landwirtschaftliche Instrumente, Schmuckstücke, Musikinstrumente, rituelle Geräte und Kostüme aus biblischen Zeiten ausgestellt. In typischen Straßenszenen zeigen sich jüdische Damen in biblischen Gewändern. Die Sammlung ist in Palästina zusammengestellt worden und war ursprünglich für die Weltausstellung in San Francisco bestimmt. Eine „Bazarzeitung“ erscheint m jidischer umT englischer Sprache. Rudi aus der jüdischen Welt. „Große Damenkomiteesitzung . . . Frau Hofrat Amelie Oser, A u r e 1 i e Glaser, D a i s y Szterenyi, ’Morpurgo, Direktor von Krassny, R aj a Wolken, Mautner von Markhof, R i s a Thalberg, von Redlich . . . Hierauf ergrift Frau Berta Frankl- Scheiber das Wort und teilte mij, daß Frau Elsa Bland-Bartelmus (Tochter des Kantors Rüben Blatt) sich bereit erklärte, bei dem er-' sten Kinoabend .... das ,A v e Maria1 von Gounod mit Harfen- und Ceilobegleitung zu singen.“ » „Im Freiherr v. Königswarterschen Spital versammelten sich zur Festmesse die verwundeten Offiziere, die Aerzte, die freiwilligen und 'B.erufspflegerinnen, sowie die Familien- und die Hausangehörigen .... Medizinalrat Dr. Schneyer, Inspektionsoffizier Professor Dr. P o 11 a k, sowie die Spitalsinhaberin und Oberschwester Margarete Freiin v. Königs warter-Formes, die freiwilligen Pflegerinnen und Helferinnen Frau Dr. Margot Schneyer.. Frau N i n i Hermann. Frau . . . sang das ,Ave Maria'.“ „Generalversammlung des Vereines .Freie Schule*. . . . Die Versammlung genehmigte die Bildung eines eigenen Schulreformfonds, der diese Mittel bereitstellen soll. Sekretär Speiser berichtete, daß die Vorarbeiten für die neue Bewegung bereits im Gange seien, zahlreiche Mitglieder strömen dem Vereine zu. Herr Robitschek regte an . . . Universitätsdozent Dr. Ludo M. Hartmarin führte aus, das ungeheure Erlebnis des Weltkrieges habe so stark auf uns eingewirkt . . .“ Auch einer: „Vor dem Ausnahmsgerichte hat sich heute der 27jährige Friedrich Guigue de Champoans wegen Betruges Zu verantworten, weil er dem Privaten Artur Schütz (Bankdirektor i. P., Ritter des päpstlichen Ordens vom heiligen Grabe, des Großoffizierskreuzes des Roten Sternes von Marokko etc. etc — aber in den Wählerverzeichnissen der Israelitischen Kultus-: gemeinde Wien der letzten Jahre nicht enthalten) unter der Vorspiegelung, er werde ihm das Kom,- turkreuz des Franz-Josefs-Prdens und das Generalkonsulat von Venezuela verschaffen, hohe Beträge für Taxen und Gebühren herausgelockt haben soll .... Der Beschuldigte hieß ursprünglich Friedrich H ahn und trat im Jahre 1904 zur katholischen Kirche über. Sem Taufpate war Graf.... Dadurch kam der junge Mann in adelige Kreise und erhielt auch das’päpstliche Ordenszeichen. . . . Angeklagter: ,Ich hatte den Auftrag von der Nunziatur, für die unterdrückten Katholiken in Amerika zu wirken*.“ Militärlieferungsprozeß gegen den ungarischen Abgeordneten v. Ivanka und Genossen: Der Angeklagte Propstpfarrer Alois v. Rudnaysagt: „Ich reiste nach Wien zur Intendantur, wo der Generalintendant mir mitteilte, es sei ganz richtig, daß auch das christliche Eiern ent an der Versorgung des Heeres teilnehmen müsse. . . Monatlich erhielt 'ich 4000 Kronen . . .“ Derselbe' schrieb an Alexander Rotmüller, den Sekretär des Abgeordneten Ivanka: „Wenn Sie mir Geld schicken, lieber Rothmüller, taufe ich Sie ..meinetwegen mit Tokajer Wein.“ * Urania. „Polnischer Abend“: Einleitender Vortrag: Dr. Elsa Bienenfeld. Mitwirkend: ., Marianne Lederer, . , Josef Zimbler una Dr. Karl Lilienthal. » In der „Israelitischen Abteilung“ waren in letzter Zeit zu finden: Sarolta Loewensohn; Esm e, Tochter der Margot Jellinek; Daniel Rischawy, Vater der Sigrid, Marion und Dorothea, und James Hirsch, Gründer und Obmann der humanitären Tischgesellschaft ohne Unterschied der Konfession „Die Tigerhöhle“. * „Fabrikant, allererste Familie, umfassende Bildung, fr ei denkend, weitgereist, 11 Sprachen, sehr repräsentabef, unprononziertes Aussehen... sucht streng modern erzogenes Mädchen, möglichst Israelitin . mit hohem Vermögen .... Unter: ,Gesund und untauglich* an .“ * Aber aus der n i ch t -jüdischen Welt: „Biblischer Vortrag. In der Baptistenkapelle (Budapest) hält Prediger Robert Feinsilber heute abend um 8 Uhr einen Vortrag über das Thema: „Was bedeuten Chomez und Mazes?“ (Aus der Sammlung A. Sch.) wie das bekanntlich aufgehobene Bürgerkomitee, antwortete, daß diese Bitte nicht erfüllt werden könne. * Am 24. März fand in Warschau die Generalversammlung des neugegründeten Vereines jüdischer Schriftsteller und Journalisten statt, an der sich gegen 60 Mitglieder beteiligten. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: J: Dinesohn (Vorsitzender), L. Schalkowicz (Ben-Avigdor), Sch. Hirschhorn, J. Heftmann, B. Karlinius, D. Druck, M. Kipnis, I. Ch. Zagorodski und H. D. Na umberg. * In Amerika wurden 13.661 M zugunsten der in Not geratenen jüdischen Schriftsteller in Warschau gesammelt. Das Geld wurde dem jüdischen Schriftsteller Jakob Diene sohn übermittelt. Die in Warschau durch die Organe der Regierung vorgenommene Zählung der Bettler zeigt folgendes Ergebnis: In der Stadt befinden sich 1809 Angehörige dieser „Gilde“, darunter sina 1383 Katholiken, 387 Juden, 16 Evangelische und 23 Griechisch-Katholische. ■ * Der sogenannte „progressive Block“, der gegenwärtig die Mehrheit der Duma umfaßt, schlug den jüdischen Abgeordneten vor, der Duma ein Gesetzesprojekt über die Erweiterung der Prozentnorm für die. Aufnahme der Juden an den russischen Bildungsanstalten zu überreichen. Die jüdischen Abgeordneten hielten es mit der Selbstwürde des jüdischen Volkes nicht vereinbar, eine — wenn auch erweiterte — Prozentnorm zu verteidigen und lehnten den Vorschlag a b. Von demselben Gesichtspunkte wiesen sie auch einen zweiten Vorschlag des Blockes über die Aufhebung einiger Beschränkungen für die jüdischen Teilnehmer des Krieges zurück, indem sie erklärten, daß sie gegen jede Beschränkung der Juden seien. Es scheint beinahe, daß Frankreich, sich von der Regierung des Zaren den Antisemitismus aufdrängen läßt. Unter der Ueberschrift : „Ist es wahr?“ erzählt die „Humanite“: „Alls) die serbische Armee sich auflöste, wünschten mehrere russische Aerzte, die sich in Serbien engagiert hatten, in der französischen Armee weiter zu dienen. Der französische Minister antwortete hierauf: „Entsprechend den Wünschen der russischen Regierung werden die orthodoxen Russen in der französischen Armee zugelassen; die politischen Flüchtlinge werden, je nach dem einzelnen Fall, zugelassen oder nicht: die russischen Juden können in keinem Fa, 11 aufgenommen werden.“ — Ja, wer sich mit Rußland verbündet, ist der Reaktion verfallen. * Welche ethische Früchte da.s Bündnis mit Rußland trägt, das zeigtauch folgende Nachricht: Die Israelitische Gemeinde in Liverpool hat ihren Rabbiner Harris, der 'mehr als zwanzig Jahre sein Amt bekleidete, weil er sich mißbilligend über den Krieg und das englisch-russische Bündnis ausließ, seines Amtes entsetzt. In der Schweiz hat sich vor kurzem unter dem Titel Pro causa judaica ein Komitee gebildet, das, ähnlich wie in Amerika, eine TäJ tigkeit zum Schutze der Juden entwickeln soll. Das Komitee hat vorerst einen Aufruf an die hervorragendsten politischen und intellektuellen Persönlichkeiten der Schweiz gerichtet, der bereits weit über hundert Unterschriften gefunden hat. Nach dem diesjährigen Rechenschaftsbericht des Kgl. Statistischen Landesamtes sind 45.6 Prozent der bayerischen Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt; von der jüdischen erwerbstätigen Bevölkerung sind es nur 2.6 Prozent. Dagegen sind fast 55 Prozent aller erwerbstätigen Juden in Handel und Verkehr beschäftigt, während die gesamte Bevölkerung in dieser Berufsgruppe lediglich mit 9.6 ' Prozent vertreten ist. In der Industrie sind die Juden mit lediglich 15 Prozent, die gesamte Bevölkerung mit 27.4 Prozent vertreten. In der Lohnarbeit wechselnder Art beteiligen sich in Bayern 1.1 Prozent der Erwerbstätigen, die Juden stellen nur 0.3 Prozent ihrer beruflich wirkenden Bevölkerung. In den öffentlichen Diensten und freien Berufen treffen wir 4.9 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, beruflose Selbständige (Rentner, Privatiers usw.) sind 11.4 Prozent, für die jüdische Bevölkerung ergeben sich 6 Prozent und 21.5 Prozent als Vergleichszahlen. * Nach Blättermeldungen stiftete der bekannte jüdische Philanthrop Nathan Strauß, 350.000 Dollars zu Gunsten jüdischer Kinder in Polen. Herr Ludwig Wittgenstein hat dem Israeelitischen Waisenversorgungsvereine 12.800 Kronen zum Andenken an seine Großmutter Frau Amalia Figdor, dem evangelischen Waisenversorgungsvereine, dessen Obmann er ist, 200.000 Kronen gespendet. * „Dr. Josef 'Bodenstein spendet zur Ehrung des Angedenkens seines hochverehrten Religionslehrers des hochwürdigen Pater Schubert vom Schottenkloster in Wien . . .** (N. Fr. Pr.) * Eine Sternenbahn: Der Schauspieler Siegwart Friedm^nn, der so klein begonnen hatte, daß er als Söhn armer jüdischer Eltern und obendrein in Budapest geboren wurde, hatte das Glück, schon als junger Mann bei der Firma Sigi E ...., Wien, Ze~ linkagasse, in Kondition zu treten. Darum konnte er bald von Bogumif Dawison, dem Warschauer Branntweinschänker-Sohn, dem Kohut*) „slavisch-semitische Abstammung“ nachrühmt, entdeckt werden. Und so hat er jetzt nach einer glänzenden Laufbahn nicht nur einen Sohn Kurt Heinz Friedmann hinter-, sondern auch sich — wie alle beschnittenen Freidenker es turn — im Krematorium zu Dresden-Tolkewitz einäschem lassen. Natürlich hielt Pfarrer Leonhardi die Trauerrede. * *) Dr. Adolph Kohut: „Berühmte israelitische Männer una Frauen“. Dem liberal-leisen Kohut bedeutet wohl „Bogumil“ das sravische una ,"Dawison“ das semitische Blut. In‘diesem Sinne ist dann auch der deutsche Dichter polnischen Herzens, Thaddäus Rittner, der Enkel des Reb Mojsclie, seligen Andenkens, Chirurgen in Burstyn bei Lemberg, slavisch-semitischer Abstammung. Nur nidii jüdisch! Aus B i e 1 i t z schreibt man uns: Die Ostemummer der „Neuen Freien Presse“ brachte einen gefühlvollen Artikel von der bekannten Opernsängerin Selma Kurz über ihren Werdegang.' Darnach war es der evangelische Superintendent Haase, und er allein, an dessen hilfreiches Herz sie, die arme Kunstjüngerin, sich geworfen habe und dessen opferfroher Förderung sie ihre Kariere verdanke. Gewiß, gewiß, Haase war ein braver Mann und überdies den Biciitzer Juden, die ihn lange Jahre ins Abgeordnetenhaus entsandten, seinerseits zu Dank verpflichtet. Aber die Selbstbiographie der Selma Kurz leidet an befremdender Einseitigkeit. Soll dadurch glaubhaft gemacht werden, sie sei als Christin geboren? Nein! Da sind die Daten aus Bedas bekanntem Lied „Die göttliche Selma“ viel zuverlässiger. Selmas' Eltern waren ehrsame Juden, richtiger Jiden in der Bielitzer Kehille: Der Vater Schirmflicker und Minjanmann, die Mutter Dienstvermittlerin, die nebstbei ,,Gäns gestoppt“ — Berufe die sicherlich sehr ehrsam sind und an sich nichts Herabsetzendes haben. Herabsetzung ist hier auch keineswegs beabsichtigt; es soll nur das spezifisch-jüdische Milieu gezeigt werden, in dem Selma geboren und erzogen wurde. Ihre „hellen Triller“ aber hat kein anderer als der noch heute in Bielitz lebende Chasan Ignaz Goldmann entdeckt und das Geld zu ihrer Ausbildung hat nebst dem dortigen Jüdischen Frauenverein der Tuchfabrikant und nachmalige Privatier Dr. Gustav Baum, auch ein Israelite, aufgeweridet. Daran brauchte hier nicht erinnert zu werden, wenn die göttliche Selma nicht so krampfhafte Anstrengungen machte, das Jüdische in ihrem Ursprünge zu verschleiern. Cifhaliol muß von jedem Zionisten bezahlt werden. Die Zionistische WCl tfUlwllCI Organisation muß erhalten und gestärkt werden. — -