Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438588--4774-2444682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 17 allen anderen Ländern betr. der Förderung des Kongress-Programmes. 4. Der Kongreß beschäftigt sich mit der. Frage der Schaffung einer Kommission, welche die Beratungen des Kongresses der Friedens- Konferenz unterbreiten soll;. 5. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Zweckmässigkeit, einen Kongreß als eine permanente Institution einzusetzen. 6. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemen wirksamer Hilfeleistung in den Ländern, die vom Kriege betroffen sind. 7. Der Kongreß beschäftigt sich ' mit den Problemen der jüdischen Wanderung in allen ihren Formen. 8. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der finanziellen Verpflichtungen,. welche aus der Kongress-Bewegung entstehen. II. Datum des Kongresses. 1. Es liegt im Sinne dieser Konferenz, daß der Kongreß, So schnell es ausführbar ist, zusammenberufen werden' soll. 2. Das Executiv-Comite soll sofort dazu schreiten, die nötigen Vorbereitungen für die Zusamtnenberufung des Kongresses zu treffen; Diese Voibereitungen sollen am 3. September 1916 durchgeführt und beendigt Sein. 3. Vom Executiv-Comite wird verlangt, den Kongreß für ein/1 Datum zwischen dem‘ 3. September und 31. Dezember 1916 einzuberufen. 4. Der Kongreß Soll un+er keinen Umständen später als am 31. Dezember 1916 abgehalten werden, 9ofem nicht der Executiv- Council mit dreiviertel Majorität seiner Mitglieder einen entsprechenden Beschluß faßt. 5. Im Dringlichkeitsfall ist das Executiv- :Comite berechtigt, den Kongreß innerhalb von 30 Tagen nach seiner Ankündigung einzuberufen. . III. Ort des Kongresses. Es wurde einstimmig beschlossen, den Kongreß in Washington abzuhalten. IV. Die Wahl der Delegierten. - 1. Die Konferenz akzeptiert daS Prinzip eines demokratischen iund allgemeinen Stimm1redhts in bezug auf den Jüdischen Kongreß una che Wahl hierzu.: ' * 2. Die Mitgliedschaft eines jeden jüdischen Mannes oder einer ieden jüdischen Frau in einer lokalen jüdischen Organisation soll ein solches Mitglied zu einem, rechtmässig eingetragenen Wähler machen. Eine jede solche Stimme kann auf Wunsch von Ihm oder von ihr mittels , der lokalen Oiganisatkm abgegeben werden. 3. Das Executiv-Comite ist. berechtigt, Mittel und Wege zu finden, um die Teilnahme an den Kongreß-Wahlen jedem jüdischen Mann und jeder jüdischen' Frau, ' die einer lokalen Organisation nicht angeschlossen sind, zu ermöglichten:; V. Der Executiv-Countil. Der Executiv-Coundl sioll aus 70 Mitgliedern bestehen, außer einem Ehren-Vorsitzenden und einem Sekretär, und nur Bürger der Vereinigten Staaten sollen wahlfähig für dieses Comite sein. Louis D. Brandeis wurde zum Ehrenvorsitzenden dieses Councils gewählt. | Dr. Hemann Hoscowfz. | In der Nacht vom 18. zum' 19. März ist Dr. Hermann Moseovitz im Alter von 47 Jahren einem tückischen Unfall zum Opfer gefallen. Er war von der Kolonie Rechoboth, in der er als Arzt tätig war, zu einem Kranken in die Farm Benschemen gerufen worden. Er .war hingefahren, obwohl den ganzen Tag ein fürchterlicher Regen herniederging. Als er Benskthtemen verließ, war es Nacht geworden. Man bat ihn, wegen des schlechten Wetters die Nacht dort zu bleiben. Aber die Rücksicht auf einen schweren Kranken in Rechoboth veranläßte ihn, doch1 nach Rechoboth zurückzukehren. Unterwegs blieb der Wagen in einem vom Regen ängesdiwollenen Wadi stecken. Während die Pferde versuchten, den Wagen herauszuziehen, kamen plötzlich' große Wasfeermasseri heran, una warfen den Wagai um. Was sich weiter in der Dunkelheit an Schrecklichem abspielte, ■wird wohl ewig unaufgeklärt bleiben. Der Kutscher rettete sich. Dr.Moseovitz dagegen wurde am nächsten Tage, als auf die - Kunde von dem Unglück die Kolonisten von Rechoboth bis auf den letzten Mann an der Unglücksstelle erschienen und den Wadi absuchten, an einer weit entfernten Stelle tot aufgefunden. Nicht weit von ihm fanden sich die Reste des zertrümmerten Wagens mit den ertrunkenen Pferden. Die ganze Tragik dieses Unglücks läßt sich' mit Worten nicht beschreiben. Hätte sich das Schicksal zur Aufgabe gemacht, 'einen Menstehten zu vernichten, durch dessen Tod möglichst viel gute andere Menschen aufs schwerste betroffen würden — hier hätte es sein Ziel trefflich1 erreicht. Um Dr. Moseovitz trauert nicht nur die beste Gattin mit ihren Eltern und fünf unmündigen Kindern, nicht nur die Kolonie Rechoboth; der' er sechs Jahre lang Arzt,' Berater 'mid Freund gewesten ist — um ihn trauern wir alle, in Palästina, die wir uns an der Mitarbeit dieses treuen unermüdlichen und aufopfernden Kämpfers für unsere Sache selbst aufrichteten, um' ihn trauern gewfß nicht zuletzt seine vielen'Freünde unter unsem Gesinnungsgenossen In Rumänien und der übrigen Welt. Sechs Jahre hat er hier unter uns. geweilt. Er hat auf seinem Posten ausgehalten, trotzdem bei seiner schwankenden: Gesundheit die Aufgabe über seine Kräfte ging und trotzdem' er materiell schlechter gestellt War, als der geringste Dorfarzf* in Europa. Noch in der letzH ten Zeit, als ihm von verschiedenen Seiten iri Palästina verlockende Anbietungen, gemacht wurden, hat er sie ausgeSchlagen: „Ich1 kann Rechoboth in dieser Zeit nicht verlassen“. Und nicht nur als Arzt hat er Rechoboth' die Treue gehalten. Weit über seinen ärztlichen Wirkungskreis hinaus erstreckte sich seine Fürsorge: Die Darlehenskasse, die Unterbringung der Jemeniten, die ökonomische Lage der Kolonisten — für alles hatte er Interesse und tätige Hilfe. Neben ihm stand seine Frau als Vorbild einer Hausfrau, die auch unter den schwierigsten Verhältnissen ihr Heim zu einem Muster von Ordnung und Behaglichkeit auszugestalten wußte. Und wie die Gattin, eine geborene "Straß, So waren, auch ihre Eltern, als sie einige Jahre nach ihrer Tochter aus Rumänien nach Palästina übersiedelten und sich in Tel-Awivv niederließen, eine wirkliche Bereicherung für unseren Kreis. Und h,un sind alle diese lieben Menschern in so-unsägliche Trauer versetzt! 7 Treue in Erfüllung seiner Pflicht war der Anlab zu seinem Tode.' Treu wie im Leben hat er Sich auch im Tode bewährt. So werden -auch wir ihm die Treue halten und Seinen Namen und Seine Arbeit nicht vergessen, solange wir Selbst an. dem Werke arbeiten, dem der Entschlafene bis zu seinem letzten Atemzuge seine Kräfte weihte. Jerusalem, 24. März 1916. Dr. Arthur’Rü p p i n. Brief aus Krafiau. (Von unserem Korrespondenten). Eia Fremder ,der nach Krakau kommt und sich über das jüdische Leben. im Kriege infor-r mieren will, stößt auf eine charakteristische Erscheinung: außerhalb des Zionismus gibt es da keine jüdische Bewegung. Der Zionismus hat die' Probe . auf seine Lebensfähigkeit glänzend bestanden und von allen jüdischen Parteien ist die zionistische Partei ebenso hier, wie in Galizien übeihäupt die einzige — organisierend, helfend und werbend — am Platze geblieben: Es sei mir gestattet, das Wirkender zionistischen Institutionen Krakaus in kurzen Strichen zu skizzieren. "Von einer geregelten - Friedensarbeit kann natürlich in diesen Zeiten keinte. Rede sein,^zumal viele von den hiesigen Zionisten elngeiückt sind. Nichtsdestoweniger ist das % zionistische Leben .während der ganzen Zeit rege geblieben und besorgt ein mehrgliedriges Ärbeitskomitee unter Leitung von Dr. Feldblum die Arbeit-für Palästina-Hilfswerk, Schekel und Zentralfonds. Der Nationalfonds konnte seine regelmässige Tätigkeit erst Mitte März 1915 wiederaufneh^- men und hat in der Zeit bis 31. Dezember 1915 Kronen 1468.77 nach Wien überwiesen (im Jahre 1914 betrag daS Ergebnis in den neun Monaten K 3180.90). Dagegen erreichten die Sammlungen im ersten Qua,rtal 1916 die ansehnliche Summe von K 1019.15. Nationalfondskommissär ist.Gg. Izider Broder. Die hebräisch-polnische Volksschule zählt schon 4 Klassen mit einem, Durchschnitt von 30—40 Schülern. Außer dem in Volksschulen bhligaten Lehrprogramm’werden Hebräisch und Bibel unterrichtet. An die Volksschule sind 2 Fröbelgärten mit je 35 Schülern angegliedert. Der Bau eines eigenen Schulgebäudes . inußte' infolge des Krieges .unterbrochen werden. Um diese Schule haben sich1 besonders die Herfen Salomön Leser und Dr. -Max Lester — Väter und Söhn — große Verdienste erworben. Dieselben sind auch die Seele der einzigen jüdischen öffentlichen Lesehalle „Esra“, die im Kriege ihre Tätigkeit nicht unterbrochen hat. Der hebräische Mäddvenzirkel „Techiiat-hassafah“ zählt in 2 Abteilungen je 25 Teilnehmerinnen. Er besitzt eine eigene Bibliothek und arbeitet mit Erfolg unter der. Leitung von. :N. MI f e I e W. Der'.jüdische Turnverein, hat im laufenden Winter 5 Kurste für Mitglieder, Schülerinnen und Kinder geführt, außerdem einen unentgeltlichen Kurs , für die Pfadfinder mit hebräischem Kommando. Zweimal wöchentlich turnen zusammen in diesen Kursenca. 280 Personen in _ einem eigenen TumSaaf unter Leitung von qualifizierten Fachkräften. 80 Prozent der Mitglieder stehen unter den Fahnen. Eine besondere Sektion des Turnvereines bildet der Pfadfinderzirkel „Schomrim“. Derselbe zählt 120 . Pfadfinder und 30 Pfadfinderinnen (im Alter von 11—T8 Jahren), besitzt einen eigenen Chor und eine Bibliothek. Während der Belagerung der Festung würden . 15 geschulte ältere Pfadfinder dem k. u. k. Festungskommändo in Krakau zur Disposition gestellt, das auch von ihren Diensten am Bahnhof Gebrauch machte. — Die Leitung des Turnvereines und der Pfadfindersektion liegt in den bewährten Händen von Frl. Lindenbaum J und Herrn Siegmund Hochwald. Die im Jahre 1904 gegründete „Toynbeehalle“ steht nunmehr in ihrem 12. Jahrgang und entwickelt -eine segensreiche Tätigkeit auf kulturellem Gebiete. Populäre, wissenschaftliche und allgemein-jüdische Vorträge finden an drei Wochenabenden und Samstag nachmittags regelmäsfeig statt und werden durchschnittlich von 150 Zuhörern besucht. Der Vorsitzende der . „Toynbeehalle“ ist Herr Dr. L. Hoffmann. Der akademische Verein ,,P r z e d sw i t - Haschachär“ ist durch1 Einberufung von mehr als 80 Prozent seiner Mitglieder und A. H. völlig lahmgelegt (von 160 Wurden 120 einberufen). Er setzt daher seine Tätigkeit im Felde und m den Garnisönen fort. Viele von den Mitgliedern Wurden ausgezeichnet und befördert, einige mehrmals, So die A. H. Gg. Oberärzte Dr. Chaim Hilfstein, Dr. Aleksandrowicz, Dr. ■Schwarzbart, Dr. Turnheim, Dr. Przeworski, Dr. Bieberstein, Jakob Landau, Silberberg, Frl. Dr. Rosenblum, Oberleutnant Osias Schwarz, Leutnant Dr. Leon Landau, Saul Landau, Dr. Cypres if. v. a. Von Studentenorganisationen seien speziell ..Zeire Zion“ und . „Akiba“ hervorpehoben, die fleissig an der zionistischen Heranbildung seiner Mitglieder arbeiten. Zum Schlüsse sei auch unserer Damen gedacht, die die Bildung eines1 weiteren, unter Leitung der Gg. Frau Dr. Wahrhaftig stehenden Komitees in die. Wege geleitet haben. Ueber die beiden, von diesem Komitee veranstalteten Kriegsabende ■wurde seinerzeit berichtet. Gegenwärtig wird ein Hugo-Zuckermann-Abend vorbereitet. Auch beschäftigt sich: dasselbe - mit dem Projekt eines systematischen jüdischen Krieger- Waisenschutz.es. Der Stammiis'ch' im Cafe „Sezession“ (jeden Montag und Donnerstag von 6—9 Uhr abends) erfreut sich eines immer regeren Besuches, snezielF seitens der hier orarnisoiiierendeni sowie 'auf Urlaub weilenden jüdischen Soldaten und Offiziere. „ WenieS. Die OstjuMrage uni) öle jBöisdie Dresse OeutsAlanös. ■Wir haben in der -letzten Nummer Auszüge aus jenen jüdischen Zeitungen Deutschlands gebracht, welchedie nationalen Aspirationen der Ostjuden nicht oder nicht ganz unterstützten. Wir bezeichneten .-diese "Zeitungen als Ausnahmen. Zu den Ausnahmen gehört auch' die Zeitschrift des C e n t r a 1 v e r e in es deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens „Im deutschen Reich“. In Nr." 10/11 (1915) brachte sie einen Aufsatz von Rabbiner Dr. Felix Goldmann-Oopeln, „Deuts hland und die Ostiudenfrage“, der von viel Einsicht und gutem Willen zeugte, wenn auch' manche Voraussetzungen von den unseren abWeiohen. Die Ostjuden' würden, sagt er, einen ..unschätzb-’-cn Stützpunkt für den deutstehen Einfluß, im Osten bilden“. Doch' würde daS Aufzwingen der deutschen Sprache uT den' Schulen einen erbitterten Widerstand hefvorrufen. Daher “darf die Unterriohttfeprache weder die deutsche noch die polnische. Sondern. allein die "jidiSche sein. Er fordert die Verbesserung des LoseS der Ostjuden in ihren" Wohnländerri, denjenigen-aber, die nach Deutschland kommen, müsfee volle Freizügigkeit gewährt werden. Aber, in - dem Januar-Februar-Heft .wendet siotr Dr. Kurt Alexander-Berlin .gegen Rabbiner Goldmanns Forderung der Freizügigkeit. „Unr sere christlichen Mitbürger“, fürchtet Alexander, „werden das sehr übel aufnehmen.“ Er führt u. a. aus!: ■ „Dr. Goldmann versuoht zur Rechtfertigung seines Standpunktes den Nachweis zu führen, daß die - östliahen Juden zum Deutschtum' viele Beziehungen hätten und ihm gewissermaßen Wesens- oder, kulturverwandt seien. Nun, das ist doch nur sehr begrenzt der Fall. Gewiß hat das „Jiddische“ seinen Ursprung in der "deutschen Sprache. Aber gerade dieser Jargon bietet vielleicht, einen der stärksten ■ Widerstände 'gegenüber der Aufnahme der östlichen’ Juden in Deutschland. .Er, ist nicht nur nicht dazu an-