Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 15-16 (14.4.1916)
- Date
- 1916-04-14
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i4 R. LÖWIT VERLAG Wien, I. Wollzeile 6 — I. Rotenturmstr. 22 In meinem Verlage sind soeben folgende Neuigkeiten erschienen: Die Entstellung des semitisdien Spradilypus Ein Beitrag zum Problem der Entstellung der Sprache von Or. Harry Torczyner Privatdozent an der k. k. Universität Wien 300 Seiten — Preis K 16.— Ein monumentales Werk.der Sprach* Wissenschaft Mausdielpreöigf eines Fanatikers von Abraham Schwadron Bibliophile Ausstattung! — Preis K —.80 Seit Herz] ist noch nicht so fürchterlich ins Gericht gegangen worden mit allen Halbjuden und Unjuden. Diese Schrift muß in die jüdischen Massen dringen. (das sind Ostjuden 1 von Or. Nathan Birnbaum Preis K —.30 Hier gibt der g-oß; Führer der Ostjuden eine informative Darstellung des ostjüdischen Wesens. . ' - V Ueber den Verlauf des von uns bereits gemeldeten Jüdentages berichten die Zeitungen folgende Einzelheiten: Unter den Leuten, die das Sammelwerk mit großem Eifer besorgten, sah man auch zahlreiche Nichtjuden der vornehmsten Gesellschaft. Die Geistlichen aller Kirchen predigten von der Kanzel herab und alle Zeitungen feuerten in Leitartikeln zu reichlichen Gaben an. Der Aufruf Wilsons wurde in Hunderttausenden Exemplaren verbreitet und überall öffentlich verlesen. Auch Studenten und Arbeiter gingen unter die Sammler. Letztere erhielten Arbeitsfreiheit bei völliger Auszahlung) des Tageslohnes. , Es wurden von den Sammlern Fähnchen und Abzeichen mit einer hebräischen Inschrift verkauft, womit sich Juden wie Christen schmückten. Auch Präsident Wilson, der diesen Tag in Newyork weilte und dem jüdischen Viertel einen Besuch abstattete, warf reiche Spenden in die Sammelbüchsen und schmückte sich mit dem jüdischen Abzeichen. Er wurde überall mit stürmischen Begrüßungen empfangen. Zu Gunsten der vom Kriege betroffenen notleidenden Juden .Rußlands sind bis Februar 1916 folgende Summen aus dem Auslande eingelaufen: Aus England:, durch das Central-Committee for Relief of Polish Jews in London. 134.500 Rubel und durch den Russian Jews Relief Fund in Edinburgh 88:492 Rubel. Aus Südafrika .durch den Russo-Jewish War Relief Fund in Cape Town 188.070 RbL, durch die Whitewatersrand* Hebrew Benevolent Association in Johannesburg 7840 Rubel, durch den JewishWar Fund in Johannesburg 1677 Rbl. Außerdem kämen noch aus Kanada und Nordafrika durch verschiedene Komitees in London 200.000 Rubel. Die Moskauer Gesellschaft zur Förderung der hebräischen Sprache („chowewe sfat ewer“) wandte sich.an die Leitung der Jüdischen Kriegshilfsorganisation mit einer vom Vorsitzenden der Gesellschaft, Rabbiner Dr. Mase und'dem stellvertretenden Vorsitzenden Najditsch , Unterzeichneten Bittschrift, in der verlangt wird, daß die von ihr für Flüchtlinge gegründeten Schulen die das Hebräische zur Unterrichtssprache haben, durch die Selbstbesteuerungsgelder der Flüchtlingshilfe subsidiert werden. Die Bitt - schritt teilt mit, daß in den Schulen der Gesellschaft ca. 1000 Kinder und Erwachsene. Unterricht erhalten. Mehrere Mitglieder der. Leitung sprachen. sich gegen die Subventionierung aus. Herr Dr. Tschlenow hielt eine längere Ansprache, die besonders überzeugend wirkte. Unsere Stellung zu Hebräisch, sagte der Redner, muß dieselbe sein, wie die zur jüdischen Religion. Als Privatmann kann jeder über ihre Bedeutung seine eigene Meinung haben, keine jüdische Institution hat aber das Recht, die jüdische Religion und die hebräische Sprache zu bekämpfen. Wir sind dazu berufen, nicht über die Flüchtlinge zu regieren, sondern ihren Interessen zu dienen. Die Flüchtlinge sind, keine Bettler, und wir keine Philanthropen. Durch unsere VermittjDDISCHE ZEITUNG Nr. 15/16 lung hilft nur ein Jude seinem in Not geratenen Bruder. Die Bedürfnisse dieser Flüchtlinge und nicht die Wünsche ihrer Versorger -.dürfen für uns maßgebend sein. Das Volk weiß, .daß die hebräische Sprache eine Säule seiner nationalen Existenz ist und es wäre ein Verbrechen, gegen sie zu kämpfen. Nach langen Debatten wurde die Resolution Dr. Tschlenow's mit acht gegen fünf Stimmen angenommen. Sie lautete: ,,Die Verwaltung hält sich für verpflichtet,- die Kulturanstalten der „Chowewe sfat ewer“ zu subventionieren.“ Die Verwaltung beschloß, der Gesellschaft die monatliche Subvention zu gewähren, vorbehaltlich des Rechtes,' auch auf der nächsten Sitzung der Verwaltung diese- Bittschrift behandeln zu können. # Herzen aufzurichten und unsere ermatteten Seelen für den weiteren Kampf im Frieden zu stählen. Vielen Beifall fanden . die hebräischen Gedichtsvorträge des jungen Lasar, wie auch 'der Chor des jüdischen Turnvereines. Den Schluß der Veranstaltung bildeten turnerische Vorführungen unserer jugendlichen Scout$, jfje durch ihr hebräisches Kommando, ^owie die Exaktheit der Ausführung ein allgemeines „Jejascher Kochacho“ auslösten.' * „Hatechijah“, Wien teilt hierdurch mit, daß ihr Bb. Schmuei Schweig, auch Mitglied der „Makkabäa“, Lemberg, am' 4. April d. J. zumi Doktor der Medizin promoviert wurde. Angesichts der Berichte über den noch» immer sich verschärfenden Notstand im heiligen Lande hat die „Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung“ auf, Anregung führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen der deutschen Judenheit beschlossen, die jüdischen Gemeinden wiederum wie im vorigen Jahre zur Veranstaltung eines Palä stinatages am bevorstehenden Pes sachteste — und zwar insbesondere an den beiden letzten Feiertagen — aufzufordern. Eingesendet. Der Verlag R. Löwit in Wien gibt bekannt, daß durch unvorhergesehene Zensurschwierigkeiten das Erscheinen der für Anfang April angekündigten neuen Zeitschrift „Der Jude“ eine kleine Verzögerung erleiden muß, daß aber die erste Nummer ganz bestimmt Mitte April zur Versendung gelangt. Anzeigen unö Korrespondenzen. Vortragszyklus über neuhebräische Literatur. Der junghebräische Dichter Abraham Sonne hält einen Zyklus von vier Vorträgen ln deutscher Sprache: „Zur, neuhebräischen Literatur“. (Ueber den Geist der neuhebräischen Literatur in Charakterbildern: 1. ~M. I. Berdyczewski, 2. Ch. N. Bialik, 3.' I. Ch. Brenner, 4, SaulTschernichowsky.) Die Vorträge finden im Saale der Literaturfreunde, I„ Röstgasse 13, am 20. und Vom Büdicrtisdi. „Tydho Brahea Weg zu Gott.“ Ein Roman von Max ßrod. Leipzig, Kurt Wo.Iff Verlag 1916. Der Prager jüdische Dichter, der in seinem Oesterreich so wenig gekannt, aber in dem Reiche draußen hochgeehrt wird, hat mit diesem neuesten Werk der landläufigen Auffassung von der Kunstform des Romans sicherlich nicht Genüge geleistet; die Zünftigen werden nach bunterer, gegliederter Handlung rufen. Wer aber dem Aufsteigen des Romans aus der wirrsten Abenteuerhäufung etwa im 17. Jahrhundert nachgegahgen ist und dem Ausreifen und Ausfeilen dieser poetischen Gattung zugesehen hat, wird in Max Brods jüngstem Buche eine höhere, wertvolle Stufe erkennen, die nicht mehr 'dem Unterhaltungsbedürfnis des sensationswilligen Lesers dienen möchte, sondern die tiefsten seelischen Entwicklungen großer Persönlichkeiten aufdekken muß. Der bittere Leidensweg, den Tycho Brahe zu Gott geht, ist das Schicksal so vieler Echten und Ehrlichen in Israel, äh derer, die nicht die Sicherheit der in ihrem festgefügten Achsenlager ruhenden Selbstsicherheit Johannes Keplers und nicht die tierisch dumpfe Beschränktheit Tengnagels besitzen. Wir Juden sind Tychos Persönlichkeit näher, ihrem Sich-selbst-nkht-genügen und Herausstreben, ihrer beweglichen Viel: seitigkeit und bitteren Zerrissenheit; aber darum eignet uns auch ungestümes Aufwärtsstreben nach Vollendung und Einheit und lechzender Durst nach Gerechtigkeit und nach1 Harmonie mit dem-AU, mit Gott und wenig ist uns logi-: sches Wissen um Kausalität. Vom Lichte unentreißbarer, innerer. Gewißheit umflossen, steht am Ende von Tychos schmerzensreicher Bahn die hohe Sagengestalt des Rabbi Löw ben Bezälel, die der seelischen Handlung einen fast monumentalen Abschluß gibt. 26. April und 3. und 6. Mai, präzise halb 8 Uhr abends statt. Karten (für den ganzen Zyklus K 3,—, Stu-, denten K 2.—, für je einen Einzelvortrag Kl.—) sind zu haben im Zionistischen Büro, II., Zirkusgasse 33 und in der Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmstraße 22. Budapest. „Das jüdische öffentUche Leben in Ungarn,“ Mit dieser Tagesordnung fand am 8, d. M. ein von der „Makkabäa“ in Budapest veranstalteter Vortragsabend der Pester israel. Kultusgemeinde statt: Es referierten Dr. Nikolaus Hajdu, Redakteur einer Budapester Tageszeitung, und Gg, Dr. Josef Schönfeld. Beide geißelten in geistvollen' und scharfen Worten das versumpfte und korrupte jüdische öffentliche Leben in Ungarn. Auf diesen Vortragsabend, der in Budapest allgemeines Aufsehen erregte, werden wir in unserer nächsten Nummer zurückkommen. Krakau. Zum zweitenmal in diesem Winter luden die jüdischen Frauen Krakaus die rekonvaleszenten jüdischen Soldaten der Festung zu einer Jause ein, die als Purimfeier im1 großen Sitzungssaale der jüdischen Gemeinde am' 19. März stattfand und einen nach jeder Richtung hin glänzenden Verlauf nahm. Es waren über 300 Soldaten erschienen, außerdem Delegierte der hiesigen Festungsspitäler und -Kommanden, sowie zahlreiche Gäste, darunter 'der Präsident der jüdischen Gemeinde Dr.Tilles und Dr.Osias. Thon. Nach warmer Begrüßung seitens des Gg. Dr. Feldblum hielt Feldrabbiner Dr. Templer eine an Purim anknüpfende Ansprache, Die gesanglichen Darbietungen des Berliner Hofopemsängers Walter Demar (Dembitzer) bildeten den Glanz der. Veranstaltung. Vielen Beifall fand ’ Frl. Gusti Lindenbaum mit dem Vortrag von „El mole rachamim“ (Gomulicki), sowie Beda’s „Meschumed“. Während der folgenden Pause wurden alle Soldaten reichlich bewirtet und nach altjüdischer Purimsitte beschenkt, worauf Gg. Dr. Osias Thon eine Ansprache hielt, die vom Herzen zum Herzen drang. Er pries! die Tapferkeit des jüdischen Soldaten, der einen doppelten Kampf kämpft, den fürs Vaterland und den für die Ehre und Zukunft des jüdischen Volkes, dessen Aufgabe erst nach ehrenvoller. Beendigung des Krieges beginnen wird: unsere gebrochenen Abraham Schwadron: Mausthet-Predigt eines Fanatikers. Verlegt zu Wien durch R. Löwit 1916. Preis 80 Heller. _ Eine glühende Anklage all der Leerheit und Lüge, die .in den Seelen der Vielzuvielen unseres Volkes thronen. Wie die Stimme des .Rufers in der Wüste, so schallen diese Worte, die reinste Ehrlichkeit geboren. In fast visionhafter Form wütet der heilige Zorn eines Ganzen und Unbedingten, der die Sprache in ihrer ganzen Fülle meistert und einen Reichtum an Bildern und selbsterworbenen Erlebnissen der Wirklichkeit besitzt, wie er nicht genug gerühmt werden kann. Und jeder von uns, der es aufrichtig mit seinem Volke meint und mit ihm den Weg der Wahrheit gehen möchte, wird beglückt sein von der Reinheit und Innigkeit dieses aus. tiefster Seele Zürnenden, weil aus reinstem Herzen Liebenden. — Die eigenartige, dem Inhalt sich anpassende Ausstattung macht dies Werkchen auch' buchgewerblich1 wertvolL w. st. Sport. Hakoah: Blue Star 5:1. Hakoah ist seinem Gegner technisch und taktisch hoch überlegen. Besonders das Stürmerspiel des Siegers war imponierend.' Egon Juhn war der beste. Die Halfreihe, in derNußbaüm hervorragte, befriedigte vollkommen. Die Verteidigung war vor keine schwere Aufgabe gestellt. Der rechte Back Spitzer entwickelt sich zu einer recht verwendbaren Kraft Der Gesamteindruck der heutigen Hakoahmannschaft ist ein sehr guter. Die Spieler sind, trotz ihrer Jugend groß und kräftig, haben sich ein einfaches - aber zweckentsprechendes Spielsystem . zu Grunde gelegt und verfügen auch über 'die technischen .Fähigkeiten, es durchzüführen. Hakoah II : Blue Star II 3:0.. Auch in diesem Wettspiel blieben die Hakoahner Sieger. Gusti V* und Rosner waren die besten. ' ,• Hakoahjungmannschaft : Astoriajungmannschäft 2:1. Die Jüngsten erfochten auf der Hohen Warte gegen ihren Gegner einen schwer errungenen Sieg. ' ■ 1 ,