Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 8 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438580--4693-2444593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUDElHE MUHE ISS NFJTIDNFIL -JÜDI5HHE5 ORBFIN »gg rmrrm Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ^uWTWTl ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnatane: Wien, II., Zirkusgaase Nr. 33. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnemenstspreise: Für Oester- ■ reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. B Nr. 8, Wien, Freitag, den 25. Februar 1916 — 21. Adar 5676. X. Jahrgang. gllllllllllinilllliinillllllllilBllllliimiltllllllllllHIHlllllllHIIIlllillllHilllllllHIlilllllllHIKilllilllllllillHilllllllüillllllinilllUlllBlllllllHIHlltilllililllilllül 'IHliillilllliMlIlllilllMiliilffllllBliBDBlllBMIUillKIllliUniiilDiBHlliHlMniillliGllliMUiiilMDIliilDlIlBffiillliMlliilllfflliliHllllllllllii^ | <$ Zionistischer Zentralerem in Wien, II. Bezirk, Zirkusgasse Nr. 33 ... 1 Samstag, 26. Februar | VORTRAG I Hotel CONTINENTAL j jj 1916 I liiifliiiEiuiiiiiiiniiiiiiuiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiDiiiiisiiiiiiiiüiiiii | Taborstraljc 4 1 | | des Herrn Dr. ARTHUR HANTKE (Berlin) j ’ | m | Mitglied des Engeren Aktionskomiies der Zionistischen Organisation | ■ 1 8 Uhr abends: 1 über: | Regiebeilrag 40 Heller jj s iiiBiiiniiiiil Juden und derWellkrieö* i™»™»™ m üi'iiiiii!i!!l!l!!l!!II!lll!!li [g!l!IIIIllül!HDI!il!U m i!!BI!l!H!!Ui!i!l!l!!Si!II iSiMI«! Eine Gegenwartsfrage. Von gutjüdischer Seite im österreichischen Okkupationsgebiete kommt die Anregung betreffs der Herbeiführung pines engeren Zusammenschlusses beider Teile der Judenheit, den Galiziens und jenen des österreichischen Okkupationsgebietes in Rußland. Diese Frage verdient unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, so daß ein näheres Eingehen auf den Grund ihrer Entstehung, sowie die Möglichkeit einer günstigen Lösung, nicht unangebracht zu sein scheint. Denn obgleich' das Ende dieses blutigen Völkerringens (noch unabsehbar ist, die gegenwärtigen Zeitumstände und die in ihrem Zeichen stehenden politischen Verhältnisse für eine großangelegte, umfassende Aktion nicht genügend erklärt seien, wäre doch der Gedanke selbst, hinsichtlich des vielverheißenden Fak-* tors, den eine glückliche Verwirklichung dieses Planes in der künftigen politischen und kulturellen Neuregulierung der Völker zu spielen berufen ist, von unübersehbarer Tragweite, wodurch allein er allen Anspruch auf eine ernste und sachliche Diskussion erheben darf. Ueberdies ist die unerläßlich notwendige Stellungnahme zu dieser Frage auch noch1 durch einen anderen Umstand begründet. Die Polen, welche sich in diesem Kriege der gesündesten politischen Orientierung nicht izu rühmen vermögen, erfaßten diesmal (sehr rasch den Emst der Lage und vollzogen in bemerkenswertem Tempo die Vereinigung der bislang staatlich getrennten Teile ihres Volkes. Die Wirkungen dieses Zusammenschlusses machen feich1 bereits im jüdischen Leben jenseits der alten Reichsgrenze fühlbar. Und sollen Wir auch weiter ohne jede Repräsentanz und engere Verbindung bleiben, so dürfen wir voraussichtlich der systematischen Uebertragung des ansehnlichen polnischen Einflusses in Oesterreich nach den neuen Verwaltungsgebieten gewärtig sein, vor dem in Hinkunft jegliche jüdische Tätigkeit in den Hintergrund wird zurücktreten müssen. Aus diesem Gesichtspunkte nun, ist es nicht nur nicht verfrüht, {sondern vielmehr eine gute Weile zu spät, erst beute an die Erörterung dieser Frage zu schreiten. Zumal, wenn auch den Polen aus diesem Umstande, daß sie sich unsere Ohnmächtigkeit durch einen klugen1, politischen Utilitarismus zu nutze zu machen wissen, kein Vorwurf erwachsen könne, So ist es gleichwohl unsererseits die leichtfertigste Unverantwortlichkeit, unsere dortigen Brüder in der entscheidensten Stunde im Stiche..zu.fassen- „ ■ Hiebei ist insbesondere nicht außeracht zu lassen, welch dankbares jüdisches Material für eine große, gemeinsame jüdische Aktion in unserem russischen Okkupationsgebiete vorhanden ist und welche gesunde, wohltuende Metamorphose aus dieser Vereinigung für das gesamte österreichische Judentum zu gewärtigen wäre, Das russische Judentum bildet in seiner großen Mehrheit eine geschlossene, fest gefügte nationale Einheit. Die Assimilation ist im österreichischen Maßstabe vollends unbekannt und als tiefergehende national-soziale Erscheinung kommt sie kaum1 noch ernstlich in Betracht. Namentlich im österreichischen Verwaltungsgebiete ist dieser die allergeringste, untergeordneteste Bedeutung beizumessen. Spielen sich doch dort selbst die diversen, scharfen Parteireibungen aut nationaler Grundlage ab, da sie doch erst bei der weiteren Differenzierung zwischen Nationaljudentum und Zionismus zutage treten, wogegen die kleinen Unterströmungen, jwie der „Bund“, „Sejm“ und dgt. ganz und gar vollends in den Hintergrund treten. Diese vorzüglichen national fühlenden und bewußten Massen aber sind von uns bis heute nahezu ignoriert worden. Denn, daß unsere Brüder dort aus naheliegenden Gründen un.ter den gegebenen Umständen nichts unternehmen können, ist mehr als selbstverständlieh. Sie sind dort, gegen ihr bestes Wollen und Können, zum teilnahmslosen Zuschauen verurteilt Was immer sie noch zu leisten vermochten, haben sie auch nimmer und nirgends unterlassen, indem doch die Wiederbelebung der mannigfachen Kultur- und Turnvereine ausschließlich' Ihren regen und mühseligen Anstrengungen zu verdanken ist. Auch die Hilfsaktion forderte von ihnen vielfach größere Mühe und Opfer als bei uns in Oesterreich, zumal die Wunden, welche die russische Kriegführung dort geschlagen hat, unvergleichlich härter und grausamer waren, als selbst die heimgesuchtesten, aller österreichischen Kronländer in Galizien. Und doch mußte selbst dieses Vereinigungsprojekt erst aus ihrer Mitte kommen. Was Wunder also, wenn sie sich nun bemüßigt sehen an uns zu appelieren, daß wir, vermöge unserer größeren Bewegungsfreiheit an die Erörterung, bezw. Verwirklichung dieses Vorschlages schreiten möchten. Unser ist jetzt die Pflicht, die Sache mit vollem Eifer und heiligem1 Ernst zu ergreifen. Freilich muß dieser geplanten Vereinigung die unumgängliche Verständigung vorausgehen. Die Basis für diese Verständigung ließe sicht sehr leicht finden. Die ehebaldigste Einsetzung einer fachmännischen, arbeitslustigen, von beiden Teilen zusammengesetzten Kommission, behufs unverzüglicher Ausforschung der kulturellen, ökonomischen und politischen Zustände der dortigen Judenheit; eine genaue verläßliche Feststellung ihrer, sowie unserer spezifischen Interessen und Bedürfnisse und — was hauptsächlich für unseren Plan in Betracht kommt — eine nicht minder genaue Umschreibung der gemeinsamen Interessen und Wünsche, — dieses Material würde den richtigen Untergrund für eine zufriedene, produktive Arbeit bilden. Schließlich wären auch schon die Vorarbeiten zu einem guten Teile geeignet, der neuen Organisation ein festes Rückgrat und ein beträchtliches Mab repräsentativen Einflusses zu verleihen. Ob die Organisation unter den gegenwärtigen Umständen auch ausgesprochene politische Grundsätze in ihr Programm, bezw. Statut aufnehmen dürfe, dies möge von berufener, fachmännischer Seite erwogen werden. Hauptsache sei, daß das Organ geschaffen werde und daß es betreffs Repräsentation und Leistungsfähigkeit aut die Höhe seiner Aufgabe stehen soll. Repräsentativ nach Außen und mit dem besten Arbeitswillen nach Innen beseelt — das sind' die Grundsätze, von denen man sich bei der Wahl der Exekutive wird müssen leiten lassen. Damit wären unsere Ausführungen über die Notwendigkeit und Möglichkeit dieser neuen Gründung so ziemlich erschöpft. An unsere Tatkräftigen ergeht nun der Appell, die Sache in ihre Hand zu nehmen und sie solange nich]b aus ihrem Gesichtskreise zu weisen, als bis sie getan und vollzogen ist. M. A. Tennenblatt. Die „Jüdische Zeitung“ ist in allen Verschleißstellen zu haben.