Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 45 (12.11.1915)
- Date
- 1915-11-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45;ÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 rung, mit Ausschluß der Kultusgemeinde, als antidemokratischer Organisation. * Der Warschauer Generalgouvemeur erläßt folgende Bekanntmachung: „Es ist darüber Klage geführt worden, daß die jüdische Bevölkerung an einigen Orten gezwungen werde, an ihren Sonn- und Feiertagen die Geschäfte auch für Privatpersonen zu öffnen. Die jüdische Bevölkerung darf in ihrer Religionsübung wie in der Gemeinschaft vorgeschrieben, nicht beengt werden, soweit es die Kriegsnotwendigkeiten zulassen.“ * Von welchem Gerechtigkeitsgefühl sich die deutsche Regierung in den neubesetzten Gebieten Russisch-Polens gegenüber der jüdischen Bevölkerung leiten läßt, erhellt aus einer Nachricht polnischer Blätter. Die Regierung hat die Organisierung einer obersten Schulbehörde in Warschau angeordnet, die dem Polizeipräsidenten untergeordnet, den Namen Schuldeputation führen! und die Beaufsichtigung der Volks- und mittleren , Lehranstalten besorgen soll. Dieselbe wird aus fünf Mitgliedern bestehen, hievon zwei Katholiken, ein Protestant und zwei Juden. Diese Verfügung ist ebenso erfreulich wie jene, kraft der in den meisten Stadtgemeinden ein Drittel der Gemeinderäte der jüdischen Bevölkerung entnommen wurde. * Unter der deutschen Herrschaft in Lodz lebt auch wieder das jüdische Vereinswesen auf, und es erwacht auch das Interesse für die hebräische Sprache. Die Vereinigung der jüdischen Lehrer veranstaltet hebräische Kurse, die großes Interesse erwecken. * Von der Sektion der obdachlosen Juden wird der „Deutschen Warschauer Zeitung“ mitgeteilt: Am 30. September befanden sich in den noch geöffneten Heimen 773 Personen; davon 412 aus Warschau und 351 auswärtige. Seit ihrem Bestehen hat die Sektion 401.733.22 Rbl. vereinnahmt und 39S.257.0S Rbl. ausgegeben. In der Zeit vom 15. bis 30. September wurden 35.283 Portionen und 11.761 Nachtlager abgegeben. Seit ihrem Bestehen verteilte die Sektion 4,111.490 Speiseportionen und gewährte 1,259.733 Nacht-i lager. * Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt der „Rjetsch“ zufolge aus Brarisk folgende Mitteilungen: Einem' von Roslaw kommenden jüdischen FlüChtlingszuge, der in Sett schinsk Halt machte, brachten die dortigen Juden : Lebensmittel als Liebesgaben. Die russischen Beamten verboten aber nicht nur, die armen Flüchtlinge zu speisen, sondern sie warfen alle Lebensmittel, die gebracht wurden, weg oder vernichteten sie. Die jüdischen Frauen, die ihre Abteile verlassen wollten, um für ihre hungrigen Kinder auf dem Bahnhöfe etwas zu kaufen, wurde das Aussteigen verboten mit der Begründung, man glaube glicht an diese Art von „Ausreden“. Auf diese Weise blieben die Säuglinge ohne Milch und alle Flüchtlinge mußten hungern. Aus Iwan-Wosnesjensk berichtet „Rjetsch“ weiter, daß unter die Bevölkerung vieler Städte antisemitische Flugschriften verteilt werden, in denen zu Pogroms gehetzt wird. * . Der Petersburger Bürgermeister Graf J. Tolstoi unterbreitete dem Ministerium des Innern eia GeSuch, in dem auf die Notwendigkeit hingewieSen wird, die für die aus dem Kriegsgebiet nach Petersburg kommenden jüdischen Flüchtlinge geltenden Beschränkungen aufzuheben. Der neue Vize - Minister Fürst Wolkowski hat dieses Gesuch dahin beschieden, daß Zwar auf Grund der ministeriellen Rundverfügung vom 17. August die Juden sich' außerhalb des „Ansiedhingsrayon’s“ aufhalten dürfen, aber nicht in den Residenzstädten. Dagegen 'wird das Ministerium dem vorübergehenden Aufenthalt der Flüchtlinge in Petersburg, bis sie nach anderen Orten weitergeschickt werden, keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Die „Times“ gab kürzlich eine scheinbar wörtliche Erklärung Jacob H. Schiffs wieder. Danach habe dessen Firma Kuhn, Loeb u. Co. eine Beteiligung an der Ententeanleihe abgelehnt, weil man ihr die verlangte Zusicherung verweigert habe, daß die russische Regierung nichts von dem Gelde erhalte. Parleiiudiridifeii. Das Bukowinaer zionistische Landeskomitee hielt Samstag, den 16. d. Alts, eine Sitzung ab. Nach den einleitenden Ausführungen des Vorsitzenden Dr. Theodor W e i s selbe r g e r erstattete Gg. Dr. Marcus Krämer, der seit Monaten sich in der Bukowina aufgehaiten hatte, einen ausführlichen Bericht über die derzeitige Lage der Bukowinaer Judenschaft. Hierauf entspann sich eine Debatte über die Wiederaufnahme der zionistischen Arbeit in der Bukowina (wenn auch in beschränktem Maße) und deren Richtlinie für die nächste Zeit. Es( wurde auch der Beschluß gefaßt, ein Hillskomitee für die notleidende jüdische Bevölkerung in Czemowitz und ein Schadenerhebungsbüro zu gründen. Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages des gefallenen verdienstvollen Mitgliedes des Buk. Landeskomitees, des Leutnants Dr. Marcus Schap i r a, wurde unter den Sitzungsteilnehmenden eine Sammlung für die Kriegslandspende veranstaltet und gleichzeitig beschlossen, sich an die Freunde des Verstorbenen mit einem Aufruf zu wenden, sein Andenken durch eine Spende für den obigen Zweck zu ehren. Kadett im 5. - R. Emil Herzig, Mitglied der jüd.-akad. Verbindung „Hasmonea“ in Lemberg, fand in Serbien den Heldentod. Die jüd.-akad. Verbindung „Gamala“ in Göding gibt Nachricht vom Heldentode ihres Erstchargierten cand. jur. Fritz Po eher, Reserve- Fähnrich, auf dessen Namen ein Konto im Goldenen Buche eröffnet wurde. Leutnant Hugo Boj ko, zweiter Sohn der Familie C. Bojko, welcher gleich seinen Brüdern seit Kriegsbeginn im Felde steht, wurde mit dem Signumilaudis ausgezeichnet. Gg. Hans M a r g u 1 i e s, L.-I.-R ' erhielt anläßlich der letzten Kämpfe in Wolhynien die kleine silberne Tapferkeitsmedaille und wurde gleichzeitig zum Fähnrich befördert. In letzter Zeit wurden folgende Mitglieder der jüdisch-akademischen Verbindung „Ivria“ in Wien ausgezeichnet: Staatsbahnrat Ing. Singer (A. H. Mond) erhielt das Ritterkreuz des Franz Josephs - Ordens am Bande des Militärverdienstkreuzes; Leutnant Prof. Spitzer (A. H. Speoji das Signum laudis und die silberne Tapferkeitsmedaille; Leutnant Lindenberger (i. a. B. Fli.\* das Signum Laudis; Oberarzt Dr. Körner (A. H. Klofac) das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille; Fähnrich Schornstein (i. a. B. Schlot) die bronzene Tapferkeitsmedaille. i Insgesamt wurden bisher 20 Ivrianer ausgezeichnet. Gg. Adolf Drange, Leutnant d. R., der seit Beginn des Krieges an der Front war, erhielt die bronzene Tapferkeitsmedaille. Derselbe befindet sich nunmehr in russischer Kriegsgefangen- ] schaft. j Kadettaspirant M. Menkes, Mitglied der ' Verbindung „Judäa“ (Lemberg), erhielt die bron- I zene Tapferkeitsmedaiile. Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Leopold Salvator hat in seiner Eigenschaft als Protektor des Roten Kreuzes in Vertretung des Kaisers dem Gruppenleiter der hebräischen Zensur, Herrn Sigmund Haber für hervorragende Verdienste als Leiter der Zenstfrgruppe das Ehrenzeichen 2. Klasse mit der Kriegsdekoration taxfrei zu verleihen geruht. Dasselbe Ehrenzeichen erhielt auch' von Juden der Oberleutnant Arthur Schütz. Die Silberne Medaille mit der Kriegsdekoration erhielten folgende Herren: Hermann Safier, Jakob Piovati, Heinrich Stern, Dr. Schiffer, Julius Salzer und Isak Gorski. Die Bronzene Medaille mit der* Kriegsdekoration erhielt Frau Pauline Safier. Hnzeigen unfl Mitteilungen. Jüdisches Schauspiel. Die für den 21. d. M. angekündigte Aufführung von „Eisik Scheftel“ in der Residenzbühne mußte aus technischen Gründen bis auf weiteres verschoben werden. Beda-Unterhaltungsabend. Am 23. Oktober veranstaltete der Sportklub „Hakoah“ einen Kriegs-Unterhaltungsabend. Dem Publikum wurde ein reiches Programm geboten. Imi heiteren Teil trugen Künstler wie Lene Land („Apollo“), Dr. Fritz Löhner (Beda) u. v. a. vor und fanden stürmischen Beifall. Aus der Reihe der ernsten Vorträge seien besonders die Beiträge des Herrn Erich Juhn und M. Pfeffer hervorgehöben. Frl. Norden (Gesang) und Frl. Grasgrün (Klavier) trugen ebenfalls wesentlich zum Gelingen desl Abends bei. Am Schlüsse erweckte Herr Paul Morgan durch seine * drastischen Vorträge laute Heiterkeit. Die Begleitung der Gesänge besorgte Herr Max Lampel. R. In Odessa Werden jetzt Vorbereitungen getroffen zur . Herausgabe eines SammelbucheS in russischer Sprache, zu Gunsten der jüdischen l Kriegsopfer. Dem Komitee gehören an Bialik, I Frug, Üssischkin, Jusdhkewitsch u. a. Bekannte . russische Schriftsteller haben Beiträge zuge-> sagt. * I Seit kurzem erscheint in Kopenhagen zwei Mal wöchentlich eine jiddische Zeitung namens „Jüdische Volksstimme“. Zionisten im Felde. Der jüd.-akad. Verein „Emunah“ in Czerno- 1 witz erfüllt die traurige Pflicht, alle Gg. voml j Heldentode seines innigst geliebten Bb. Moritz | B i n b e r, Leutnant im L.I.-R. in Kenntnis) zu setzen. Derselbe ist am 6. November 1915, beim Sturm auf Podkämien an der Spitze seiner Kompagnie kämpfend, durch einen Kopfschuß gefallen. Ehre Seinem Andenken! Am 15. Oktober Starb in einem Wiener Spital Major Dawid Schapira. Er war ein voller Nationaljude und schloß Sich in der letzten Zeit der zionistischen Bewegung an. Gg. Stamberge r aus Andrychau, L.-I.-R., Besitzer der großen und kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille, ist am [12. Oktober d. J., arf der Spitze seiner Kompagnie kämpfend, gefallen. Res. Fähnrich im I.-R. Gg. cand. jur. Georg P o 1 e s i u k, Präsident des „Jüd. Bildungsvereines“ in Rohatyn, ist zufolge Schrapnellschusses auf dem südlichen Kriegsschauplatz gefallen und wurde auf dem Friedhofe zu Gabrija Dolja bestattet. 6. Täligheilsbepiiäl des Armenambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsflüchtlinge, Wien, II., Ta- ■* borstraße 20 a. In der Besuchszeit vom 1. September bis 31. Oktober 1915 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augenkranke 185, 318; Brillenbestimmungen 234, 219; Chirurgie 329, 341; Frauenkrankheiten 426, 538; Haut- und Geschlechts)- krankheiten 231, 237; 1. Interne 135, 232; 2t Interne 184, 268; 3. Interne 390, 391; 1. Kinder 20, 241; 2. Kinder 121, 76; Nase und Kehlkopf 229, 346; Nerven 161, 224; Ohren 163, 171; Orthopädie 146, 191; Zahnheilkunde und Zahnersatz 84, 161. (Die erste Zahl stellt die Anzahl der Patienten im September, die zweite die im' Oktober dar.) Zusammen 6892 Patienten; seit dem Bestände des Ambulatoriums 41.180 Patienten.