Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1915-10-29 · 43 (29.10.1915) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
43 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438521-2438563--4580-2444465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNQ beite 3 mehr russisch ist, will der Minister wohl nicht wahr haben. Sie spotten ihrer selbst und wissen es nicht. * Der Londoner jüdischen Zeitung „Die Welt“ wurde aus Minsk berichtet, der Kommandeur der 11. Brigade habe auf eine Anfrage bei dem Militärinspektor bezüglich der Ernennung von Juden zu Offizieren den Bescheid erhalten, daß auf allerhöchsten Befehl Juden bis in das dritte Geschlecht keine Offiziere in der russischen Armee sein dürfen. * Die Wahl des jüdischen Großkaufmanns und Politikers Weinstein in den russischen Reichsrat, über welche wir in unserer letzten Nummer berichteten, hat in den judenfeindlichen Kreisen Rußlands große Aufregung hervorgerufen. Wie aus Petersburg gemeldet wird, wird in reaktionären Kreisen eine Protestkundgebung gegen diese Wahl vorbereitet. Man wird die Regierung auf einen „Ukas“ von Nikolaus I. aufmerksam machen, demzufolge Personen jüdischer Konfession keine Mitglieder des Reichsrats sein dürfen. * Das Petersburger jüdische Hilfskomitee erhielt eine Meldung aus Nischni-Nowgorod, derzufolge die dort weilenden jüdischen Flüchte linge aus Mangel an Wohnungen in kalten Jahrmarktsbuden hausen müssen, wodurch viele Krankheitsfälle, besonders unter den Kindern, entstehen. Viele Flüchtlinge haben nicht einmal dieses Obdach und lagern in der Näjhe der Bahnhöfe unter freiem Himmel. Die Städte der Umgebung sind bereits von Flüchtlingen überfüllt. « Der russische Minister des Innern richtete, wie die Londoner „Welt“ mitteilt, an sämtliche Gouverneure der dem galizischen Kriegsschauplatz benachbarten Gebiete ein Rundschreiben, demzufolge sämtliche galizisch-jüdischen Gefangenen, die laut Befehl des Hauptkommandierenden nicht nach Galizien zurückbefördert werden durften, nach dem innerrussischen Gouvernement Penza abgeschoben werden sollen. * Wie der Newyorker „Tag“ meldet, überwies das Exekutiv-Komitee des amerikanischen Arbeiter-Rings den erste n Beitrag für die vom: Kriege betroffenen jüdischen Arbeiter irn Betrage von 20.000 Dollar. Diese Summe soll wie folgt verteilt werden: 12.000 D. erhält die 1 A K in Petersburg für die jüdischen Arbeiter in Rußland, '4000 D. der Hilfsverein in 'Berlin für die in Polen und 4000 D. die Israel. Allianz; in Wien für die vom Kriege betroffenen jüdischen Arbeiter Galiziens. * Ein Komitee in London sammelt jetzt Gelder für die jüdischen Schlachtopfer in Rußland und Polen. Der Vorsitzende des Komitees, in dem fast alle englischen Juden von Namen vertreten sind, ist Leopold v. Rothschild, London. Die Firma Rothschild eröffnet die Liste mit einem Betrage von 5000 Pfund. * Die Bewegung für einen jüdischen Kongreß in Amerika hat bereits aus den Vereinigten Staaten nach Canada übergegriffen. Die Leitung der zionistischen Federation Canadas hat in einer Ende September stattgefundenen Beratung beschlossen, für den 7. November eine allgemeine Konferenz der jüdischen Organisationen des Landes nach Montreal einzuberufen, um über das Zusammengehen mit der Judenheit der benachbarten großen Republik zu beraten. Der Führer der Kongreßbewegung in Amerika, der bekannte Zionist Louis Brandeis, wird an der Konferenz teilnehmen. - (I A K) * Dem Newyorker „Jüdischen Tageblatt“ wird über London berichtet, daß zensurierte russische Nachrichten über einen schauderhaften Pogrom enthalten, der am letzten Verhönungstage in Odessa stattgefunden habe. Darnach sollen Odessa’er Hvoligans die günstige Gelegenheit, wo die Juden in ihren Bethäusern versammelt waren, dazu benützt haben, das jüdische Viertel zu überfallen, Schlägereien zu provozieren und Plünderungen in den jüdischen Häusern und Geschäften vorzunehmen. Die betenden Juden in, ihren religiösen Gewändern setzten sich zur Wehr, verteidigten Leben und Ehre ihrer Frauen und Töchter, wobei ein Jude getötet und vier schwer verwundet worden seien. Bei | der bekannten Strenge der russischen Zensur i steht zu befürchten, daß wir in Wirklichkeit j es mit viel erristeren Vorfällen zu tun haben, j deren Einzelheiten von der Zensur unterdrückt werden. Rn iii Juösnsdiait Galiziens und der Bukowina! Auf Weisung der Regierung sind die politischen Behörden gegenwärtig mit der Erhebung und Feststellung der Kriegsschäden beschäftigt. Von Seiten mancher Bezirkshauptmannschaften werden auch spezielle Formulare behufs Anmeldung der erlittenen Schäden an die Interessenten verabreicht. Da diese Anmeldung, bezw. amtliche Erhebung der Schäden einzig und allein die Basis für eine eventuelle staatliche Entschädigung bilden werden, ist die rechtzeitige Vornahme der Schadenanmeldung bei den betreffenden politischen Behörden im Interesse der Beschädigten dringend gebot en. Indem wir nun die Judenschaft Galiziens und der Bukowina darauf nachdrücklichst aufmerksam machen, fordern wir sie gleichzeitig in ihrem eigenen Interesse auf, allerorts unverzüglich spezielle Schadenerhe - bungs-Komltees ins Leben zu rufen. Diesen lokalen Komitees würde einerseits die Aufgabe zufallen, der jüdischen Bevölkerung des betreifenden Ortes oder Bezirkssprengeis bei der vorzunehmenden amtlichen Schadenanmeldung mit Rat und Tat beizustehen, andererseits müßten sie auch für die Heranziehung der Juden zu den Schätzu ngs-Kommission e n Sorge tragen. Letzteres um so dringlicher, als die Juden sonst die G;efahr einer einseitigen Schätzung laufen könnten. Paralell mit der Wirksamkeit dieser einzelnen Ortskomitees werden wir selbstredend auch unsere seinerzeit eingeleitete Aktion fortsetzen. Jüdisches Schadenerhebungs-Büro, Wien, II., Zirkusgasse 33. Beck, hat sich um die jüdischen Flüchtlinge große Verdienste erworben. Mehrere hundert Personen haben — trotz des Mangels fachmännischer Kenntnisse — dank seinem Entgegenkommen in der Fabrik Anstellung gefunden und vielen Hunderten ermöglichte er die Ernährung ihrer Familien durch Abgabe von Arbeit ins Haus. Als! Ausdruck ihrer Verehrung ihrem Chef gegenüber veranstalteten sie am 20. Oktober 1. J. eino Feier, zu der über ihre Einladung auch die; Reichsratsabgeordneten Dr. Straucher und Reizes erschienen sind. Im Namen der Flüchtlinge schilderte Herr Kohl in rührenden Worten die Güte des Chefs und übermittelte ihm als) Andenken an diese große Zeit eine künstlerisch ausgestattete Plaquettc, die das Bild des Gc-‘ feierten darstellte. Herr Beck dankte für die ihm erwiesene Ehre und versprach auch in Hinkunft möglichst zu helfen. * „Theologia“ (Verein jüd. Hochschüler an der isr. theol. Lehranstalt in Wien.) Die ir> der leztten Generalversammlung am 12. d. M. vargenommenen Ausschuß-Wahlen für das Wintersemester 1915—16 ergaben folgendes Resultat: Präses: Dr. Julius Augapfel, Vizepräses: Cln S. Schulsinger, Kassier: Hirsch Koretz, l.Scnriftführer: Salo Baron, 2. Schriftführer: Josef Flesch, NF - K.: Alfred Willmann. Aufruf an Brudifeidende? Der weltberühmte Spezialist für Bruchleiden k. k. pat. Bandagenerzeuger aus Lemberg, Grodecka 35, Besitzer vieler Auszeichnungen und Dankschreiben von Ärzten u. geheilten Personen M. Freilich, bleibt nur noch kurze Zeit in Wien, II. Gr. Sperlgasse 40/13. Verlangen Sie Prospekte gratis und franko! Gesucht wird ein deutsch-hebräischer Kalligraph; JlleinC Näheres in der Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds, 11., Cirkusgasse 33. ■niiianisiiiiamiiinaiiiM Cafe Jägerhof (Weiss) 5 IX., Porzellangasse 22.; Vornehmes Familien-Cafe j modernst eingerichtet * gut ventilierte Spielsäle. ■ Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. ■ Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen ■ sowie alle Zion. Blätter liegen auf. ■ Cafe „Marienbriicke“ l„ Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Anzeigen und Milteilungen. Die in Wien weilende jüdische Jugend aus Galizien und der Bukowina gründete einen „Jüdisch - Literarischen Klub“, der die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte durch Veranstaltung vom speziellen Kursen und Vorlesungen bezweckt. Beitrittsanmeldungen werden jeden Donnerstag von halb S bis 9 Uhr abends im Klublokale (9., Liechtensteinstraße Nr. 2) ent-- gegengenommen. * Wien. Der Mitchef und Leiter der hiesigen Firma Wilhelm Beck und Söhne, Herr Artur RESTAURATION „zur rumäniföien Küthe“ Ch. Weiß vorm. Korn Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. aaaaaaaaaaaaaaaaaamaaa ZIVNOSTENSKA Wechselstuben in Wien: I., Graben 15, I., Herreng. 12, II., Praterstr. 24, III., Land Straße Hauptstr. 88, IV., Favoritenstr. 4, V., Margaretenstr. 71, VI., Gumpendorferstr. 100, VII., Mariahilferstr. 84, VIII., Josefstädterstr. 103, IX., Porzellangasse 9, X., Favoritenstr. 95, XII. Meidlinger Hauptstr. 15, XXI., Am Spitz 15. Kulante Besorgung aller Bank« und Börsentransaktionen. BANKA FILIALE WIEN Aktienkapital u. Reserven: über K 103.Millionen. I., Herrengasse 12 Zentrale in Prag, gegründet 1868. Filialen: EINLAGEN auf Büchel it “ " Brünn, Budweis, Friedek-Mistek, Iglau, Karlsbad, Kiattau, Königgrätz, Krakau, Lern berg, Melnik, Olmütz, Mährisch-Ostrau, Pardubitz, Pilsen, Pisek, Prossnitz, Reichenberg, Tabor, Triest. Stahlkammer mit vermietbaren Safes Abonnement von K 7.— an. Herausg. Alexander Geller, verantwortl. Red. David Nebenzahl — Druck v. Josef Seywald, G. m. b. H. (verantwortl. Otto Schneeweiß), Wien, II. Taborstr. 52B

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.