Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 42 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ni. 42 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nach der Verschleppung des Herrn Dr. Diamand seitens der Russen übernahm dessen Agenden Herr kais. Rat Stroh, der in seiner Tätigkeit von manchen nach Lemberg bereits zurückgekehrten Kultusräten, insbesondere von Gg. Orange unterstützt wird. Das in Lemberg während der Russenherrschaft in sehr humaner Weise wirkende jüdische Rettungskomitee unter Führung des Gg. Dr. Hausner und Frau Dr. Reichenstein hat vier jüdische Küchen eingerichtet und von den gesammelten Spenden Unterstützungen im Betrage von 175.000 Rubel verteilt. Nach der Befreiung Lembergs haben sich die in Lemberg anwesenden Kultusräte dem Stadtkommandanten Generalmajor von L e t o wsky vorgestellt, der die Gelegenheit benützte, um die loyale Gesinnung der Judenschaft anerkennend hervorzuheben und sie als dem Staate treu ergebene Bürger zu bezeichnen. Als die Kultusgemeinde dem Stadtkommandanten aus Anlaß seiner Avancierung zum Feldmarschall- Leutnant gratulierte, erschien derselbe in Be-; gleitung seines Adjutanten in der Kultusstube, um für den Glückwunsch zu danken. Der neuemannte Statthalter für Galizien, General von C o 1 a r d, empfing während seines Aufenthaltes in Lemberg die Abordnung der Kultusgemeinde sehr freundlich und versprach ihr eine wohlwollende und gerechte Behandlung der Juden Galiziens. Mit dem Beschlüsse, die in Lemberg weilenden Kultusräte zu ermächtigen, der jüdischen Bevölkerung auch weiterhin jede mögliche Hilfe angedeihen zu lassen und die zwei von der Gemeinde unterhaltenen jüdischen Volksschulen zu eröffnen, schloß die Sitzung. Die in Wien weilenden bequemen Herren Repräsentanten der Lemberger Kultusgemeinde können also auch fürderhin ihre Mandate per Distanz ausüben .... beste Nahrung für__ Säugiinge.Hinder. Rekonvaleszente nach Magen ■u. Oarmerkrankungen ® Jederzeit erhältlich. r Probedose und lehrreiche ärztliche Broschüre über Kinderpflege gratis durch die Nestle’s Klndermehl-Gcsellschaft, Wien, I. Biberstrasse 1. Aus Oer jiiäisdien Nett. Ein nach Rußland verschleppter und von dort entflohener jüdischer Großgrundbesitzer erzählt : Der Lemberger judenfreundliche Abgeordnete Ernst Breiter hat sich Ende August noch Wohlbehalten in Kiew .aufgehalten, wo er seit seiner Internierung eine überaus rege Fürsorgetätigkeit für die zahlreichen Kiew passierenden Juden- und Gefangenentransporte entwickelt hat. ES verlautet aber, daß er vor Wenigen Wochen Beinen Wohnsitz verändern mußte, wie dieses jauch anderen Geiseln erging. In Kiew sind übri- ,'gens zahlreiche Geisel aus Lemberg, Stanislau .und anderen größeren Städten Galiziens! interniert, die mit Unterstützung des dortigen jüdischen Wohltätigkeits - Komitees den die Stadfc .durchziehenden jüdischen Verbannten una Heimatlosen die wärmste Fürsorge angedeihen lassen. * Das jiddische „Warschauer Tagblatt“ vom’ .13. ds. berichtet, daß das dortige Zentrale Bürger - Komitee zur Zeit seiner Auflösung seitens der deutschen Militärbehörde einen Kassastand .von 600.000 Rubel hatte. Obgleich die Gelder dieses Komitees, die sich aus diversen Unterstützungen von Seiten der Regierung und der privaten Komitees zusammensetzten, demselben tnit der ausdrücklichen Bestimmung „ohne Unterschied von Glauben und Nationalität“ überwiesen wurden, beeilte sich das Z. B. K. die ganze Summe dem Warschauer Erzbischof Dr. K o k o w s k i einzuhändigen. Das Z. B. K. blieb sonach auch während seiner Liquidation seinem früheren antisemitischen Pro- { gramme treu. Nun bestimmte der Erzbischof von diesen 600.000 Rubeln für die jüdischen Wohlj tätigkeitsvereine einen Betrag von — 10.000 Rubel. Daß der Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde diese beschämende Zuwen - düng nicht zurückwies, ist bei der gegenwärtigen Zusammensetzung desselben ganz und gar »nicht verwunderlich. In derselben Nummer der erwähnten Zeitung wird über die Kündigung der jüdischen Lehrer für Arithmetik in den Schulen der jüdischen Gemeinde in Warschau gemeldet. Diese Lehrer, von denen mancher Sogar auf eine 25 jährige Tätigkeit verweisen kann, waren nämlich im Sinne des russischen Gesetzes dazu gezwungen, diesen Gegenstand in russischer Sprache zu unterrichten. Da nun Russisch aus der Schule verbannt wurde, schlugen die Lehrer für ■diesen Gegenstand die jiddische Unterrichtssprache vor. Die Gemeinde-Verwaltung bestand jedoch auf Polnisch, eine Forderung, welcher die Lehrer unmöglich nachkommen konnten. Und so wurden sie ihres Postens enthoben. Zu erwähnen sei noch, daß die Verwaltung der „Bildungs- Abteilung“ an der jüdischen Gemeinde Warschaus dem berüchtigten Herrn Dick st ein obliegt .... Das „Warschauer Tagblatt“ berichtet nach der „Rjetsch“, daß der jüdische Schriftsteller Jizchak L i n e z k i in Odessa gestorben sei. Linezki, dessen Namen fast in Vergessenheit geraten ist, gehört zu den ältesten Schriftstellern in jiddischer Sprache. Sein Erstlingswerk „DaS polische Jüngel“ machte Seinerzeit großen Eindruck und hatte in jener Haskalah - Epoche ziemliche Bedeutung. * Der „Rjetsch“ zufolge soll demnächst in Petersburg eine jiddische Zeitung unter dem Namen „Die Volksstimme“ zu erscheinen beginnen. * In Warschau erscheint seit kurzem eine neue jiddische Zeitung unter dem Titel '„Warschauer Tagblatt“. * Die „Jüdische Volkszeitung“, die in Kopen, h a g e n seit zehn Monaten erscheinende Zeitung in jiddischer Sprache, hat mit 1. Oktober 1. J: ihr Erscheinen eingestellt. » Derselbe Verlag kündigt nunmehr die Her-t ausgabe eines jiddischen Wochenblattes unter der Redaktion des Gg. Dr. Bernstein an. * In Newyork wurde vor kurzer Zeit ein neuer hebräischer Verlag unter dem Namen „Okeanos“ begründet. Der neue Verlag widmet sich in erster Reihe der hebräischen Ausgabe klassischer Werke der Weltliteratur. Er hat bereits ein sehr schönes Sammelwerk zum Sukkothfest herausgegeben. » In London fand eine Konferenz von Vertretern vieler jüdischer Vereine,' Bethäuser und sonstiger Organisationen statt. Nach längerer Diskussion wurde die Gründung eines Nationalen Verbandes zum Beschluß erhoben, der die Verteidigung der jüdischen Interessen und die Geltendmachung der Forderung nach nationaler Gleichberechtigung der Juden bezweckt. * Der in Oynhausen verstorbene Kaufmann Ari M a r c u s e aus Berlin, ein warmherziger Förderer der jungjüdischen Bestrebungen, hat dem „Jüdischen Nationalfonds“ letztwillig ein Kapital von 40.000 Mark vermacht. Anzeigen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub des J. H. V.) Samstag, den 23. d. M. um 8 Uhr abends findet im Lokale des Jüdischen Handlungsgehilfen-Verbandes, 2. Bezirk, Ob. Donaustraße 65, Hochparterre ein Vortrag des Herrn jur. Bitter in hebräischer Sprache statt. Thema: „Unter russischer Herrschaf t“. Gäste willkommen. In dem vom J. H. V. veranstalteten hebräischen Sprachkurs für Vorgeschrittene können noch einige Schüler Aufnahme finden. Anmeldungen an Wochentagen von 8—9 Uhr abends. (Monatsbeitrag K 1.—.) Für unsere hebräischen Schulen in Palästina suchen wir einige Lehrer für Deutsch und Pädagogik. Bewerbungen sind zu richten an das ZionistisAe ZenMüro, Berlin W. 15, Sächsischestraße 8. ■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ne Cafe Jägerhof (Weiss) IX., Porzellangasse 22. Vornehmes Familien-Cafe modernst eingerichtet gut ventilierte Spielsäle. Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen sowie alle Zion. Blätter liegen auf. Cafe „Marienbrücke“ ll■ I» Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. ■ ■ RESTAURATION ■ „zur rumäoildien Me“ £ Ch. Weiß vorm. Korn ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. _ Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. ZIVNOSTENSKA »Wechselstuben in Wien: I., Graben 15, I., Herreng. 12, II., Praterstr. 24, III., Land Straße Hauptstr. 88, IV., Favoritenstr. 4, V., Margaretenstr. 71, VI., Gumpendorferstr. 100, VII., Mariahilferstr. 84, VIII., Josefstädterstr. 103, IX., Porzellangasse 9, X., Favoritenstr. 95, XII. 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