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Jüdische Zeitung · 1915-10-15 · 41 (15.10.1915) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
41 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 .ODISCHE ZEITUNG Seite 3 Der Zionismus in England. Dieser Tage fand in London eine Konferenz der Vertreter aller zionistischen Vereine und Föderationen statt, der auch die Gg. S o -■ k o 1 o w, Josef Cowen und Boris G o 1 d b e r g beiwohnten und die sich mit den Fragen der Stärkung, des Zionismus in England und der Stellung der Zionisten zur gegenwärtigen trau^ rigen Lage des jüdischen Volkes befaßte. Der Vorsitzende stellt in seiner Eröffnungsrede fest, daß dier jetzige Stand der zionistischen Bewegung in England befriedigend sei, angesichts der momentanen schweren Not müßte jedoch viel mehr geleistet werden. Das E. A. C. - Mitglied N. S o k o 1 o w erklärte, daß die zionistische Leitung sich ihrer verantwortungsvollen Aufgaben dem jüdischen Volke gegenüber bewußt sei und nachdem sich der Kriegssturm legen wird, werde diese ihr Möglichstes tun. Das A. C.-Mitglied B. Goldberg (aus Wilna) mahnt die englischen Juden zur intensiveren Tätigkeit und hält ihnen die russischen Juden als Muster vor, die trotz der schweren Krisis, die sie jetzt durchleben, einen Kriegsfonds für die zionistische Organisation schaffen. Schließlich wurden folgende Anträge angenommen : In den kommenden Wintermonaten eine Propagandatätigkeit für den Zionismus in den Bethäusem und Vereinen zu entfalten. Den Botschafter Morgenthau und den Dumadeputierten Friedmann in Anerkennung ihrer Leistungen für das jüdische Volk in das Goldene Buch eintragen zu lassen. Einen Aufruf für den Zionismus zu veröffentlichen und eine Literarische- und Propaganda - Kommission zu kreieren, der die Agitation für den Zionismus obliegen soll. Ras Oer jüOisdiea Nett. In einer Unterredung mit einem Korrespondenten einer Petrikauer Zeitung über das Programm der Verwaltung in den von Oesterreich besetzten Gebieten Russisch-Polens äußerte sich Gouv. - Generalstabschef Oberst Hausner auch über die Judenfrage, bezüglich welcher er — dem „Czas“ vom 12. d. M. zufolge — folgendes sagte: „ln unserem Verhältnis zu den Juden gelten dieselben Grundsätze wie in Oesterreichs Bekanntlich gibt es in Oesterreich keine jüdische Nationalität und wir kennen keine jüdische Absonderung. In Wirklichkeit geben wir deujuden volle Gleichberechtigung. Ihre Religion kann keine Ursache sein zur Ausschließung der Juden hinsichtlich der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung. Eine jüdische Sprache kennen wir nicht. Der Jargon kann im öffentlichen Leben nicht in Rechnung gezogen werden. Mit Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse beließen wir die besonderen jüdischen Schulen, führten aber dort das Polnische obligat ein. Ebenso Werden die jüdischen Matriken in polnischer Sprache geführt.“ *■ An der Außenseite des Hauses des bekannten, unlängst verstorbenen Antisemitenführers Vergani in Emmersdorf ist schon seit längerer Zeit der folgende Satz in großen Lettern angebracht: „Durch die Unduldsamkeit der Juden naben sie Christus ans Kreuz genagelt, Merkt Euch das, Ihr Christen!“ Wie wir sehen, dauert die Hetzarbeit dieses Antisemiten auch nach seinem Tode fort. Die Bezirkshauptmannschaft in Melk ist dazu berufen und verpflichtet,- diese Inschrift zu entfernen. * Bekanntlich wurde der Termin für die Abschiebung der Flüchtlinge der freigegebenen galizischen Bezirke aus Budapest für den 5. d. M. festgesetzt. Wie drakonisch die dortige Polizei hierbei vorgeht, bei welcher Gelegenheit sie auch Flüchtlinge noch nicht freigegebener •Bezirke attakiert, beweist folgender bezeichnender Vorfall, den die dO|rtige „Allgem. Jüdische ■Zeitung“ drastisch schildert: Am 7. d. M. qr7 schien gegen 8 Uhr abends im Hause eines in •Budapest seit 11 Monaten als Flüchtling weilenden angesehenen Rabbiners aus Galizien ein Dedektiv und forderte denselben auf, ihm sofort Samt Familie ins Schub haus zu folgen. •Dort wurde der Flüchtlings - Familie die Ursache ihrer Verhaftung eröffnet: sie hat am 5. Budapest nicht verlassen! Die Einwendung der Verhafteten, ihre Gemeinde sei für die Rückkehr noch nicht frei gegeben, nützte nichts!, sie Wurde ohne Verhör barsch in ein gänzlich finsteres Gefängnis - Zimmer abgeführt. Dank mehrfacher Interventionen Wurde erst um 10 Uhr nachts die Freilassung dieser Familie verfügt. # Wie der „Moment“ unterm 29. September 1. J. berichtet, hat das Warschauer Bürgerkomitee von den 13 Millionen Rubeln, die es zu Gunsten aller durch den Krieg Geschädigten; ohne Unterschied der Nation und des Glaubens gesammelt hat, den Juden bloß 42.877 Rubel gegeben. Außerdem gingen von diesem Gelde etwa 50.000 Rubel den jüdischen Hilfskomitees der Provinz zu. Die Juden machen 16 Prozent der gesamten Bevölkerung Polens aus und sollten demnach über zwei Millionen Rubel erhalten, sie erhielten jedoch nur etwa 2 Prozent der ganzen Summe. * Der Bürgermeister von Petersburg, Fürst Obolenski, hat die Juden: S. Sokolowski, D. Sokolowski, Rawitsch und Eliassohn wegen Jiddischsprechens auf den Straßen der Hauptstadt mit 200 Rubel oder 4 Monaten Gefängnis bestraft. Wie die russischen Zeitungen mitteilen, wurde im Ministerium des Innern über Schritte beraten, um die Lage der galizischen Juden, die aus Galizien „evakuiert“ worden sind und sich jetzt in Rußland in der Nähe der österreichischen Grenze befinden, zu regeln. Vor kurzem verbot der russische Generalstab den galizischen Juden den Einlaß nach Rußland und ordnete die Ausweisung aller galizischen Juden, die bisher nach Rußland gekommen sind, an. Hinter der Linie der russisch-österreichischen Grenze befinden sich jetzt die aus Galizien mitgeschleppten und nicht nach Rußland hineingelassenen gaiizischen Juden. Die Zusammen - pferchung und der Hunger haben verschiedene ansteckende Krankheiten hervorgerufen. Der Ministerrat, der die Frage behandelte, beschloß, die galizischen Juden, die nicht zurückkehren können, ins Gouvernement Pensa zu übersiedeln. Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt aus Dwinsk (Dünaburg) die Benachrichtigung, daß 28.000 jüdische Flüchtlinge aus dieser Stadt auf dem Wege nach Moskau seien. Das Verbleiben in Moskau wird ihnen nicht gestattet werden, sondern sie Werden in die weiter östlich liegenden Gouvernements abgeschoben werden. In einer Sitzung des ersten Senats-Departements wurde der Bericht des Ministers des i Innern über den Erlaß vorgelesen, der den Juden j das Aufenthaltsrecht in allen Städten des russi- I sehen Reiches mit gewissen. Ausnahmen gewährt. Der Senat beschloß, diesen Erlaß in der Gesetz-Sammlungzu veröffentlichen. * Wie der Kopenhagener „Jüd. Volksztg.“ aus Petersburg mitgeteilt wird, sei der dortige j ü - d i s c h e Millionär G i n z b u r g im Aufträge der russischen Regierung nach Amerika abgereist, um für letztere gewisse Einkäufe zu besorgen: Ginzburg soll dabei auch die Mission übernommen haben, die Repräsentanten der amerikanischen Judenheit für seine Regierung günstig zu stimmen. Hoffentlich wird diesem in Amerika der gebührende Empfang zuteil werden. * Unter den vier neuen Mitgliedern des russischen Reichsrats ist auch der jüdische Großindustrielle aus Odessa, Weinstein. Das ist der erste Fall, daß ein Jude die izweite Kammer Rußlands betreten wird. * Die letzte Volkszählung im Königreich Polen fand im Jahre 1909 statt. Die ansäßige Bevölkerung betrug damals 11,935.000. Ihrer Abstammung nach waren es: Polen 72,5 Prozent, Juden 14 Prozent, Deutsche 5 Prozent, Ruthenen 4,1 Prozent, Litauer 3,7 Prozent, Russen 0,3 Prozent, Tataren 0,1 Prozent. Eine neue Volkszählung wird in den okkupierten Gebieten vorbereitet. * In der Zeit vom 1. Juli 1914 bis 1. Juli 1915 betrug die Einwanderung nach Newyork 326.700 Personen gegen 1,218.480 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Italiener sind 238.000 weniger angekommen und Juden 111.C00 weniger. * Aus Newyork wird berichtet: Admiral Arthur Straus, der einzige jüdische Admiral der Welt, ist zum Chef des Flotten - Büro für Erfindungen bestimmt worden. * Der Bne Brith - Orden in Cincinnati hat beschlossen, durch Vorträge mit Lichtbildern und durch illustrierte' Propagandaiiteratur die öffentliche Aufmerksamkeit des amerikanischen Volkes auf die Lage der Juden in dem vom Kriege betroffenen Ländern zu lenken und gleichzeitig Beweise für den Patriotismus der Juden zu geben. Am 4. und 5. September fand in Newyork die Convention sämtlicher jüdischer Arbeiterorganisationen Amerikas statt, an der 197 Delegierte aus 45 Ortschaften teilnahmen. Auf dieser Tagung, die eine Erörterung der Kongreßfrage una der durch denselben zu vertretenden Forderungen zum Ziele hatte, wurde eine Einigung der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Amerikas, die in zwei Lager geteilt war, erzielt. Den jüdisch - amerikanischen Zeitungen zufolge erhob diese jüdische Arbeiterkonvention einstimmig die Forderung nach bürgerlicher, politischer und nationaler Gleichberechtigung der Juden aller Länder und nach freier Einwanderung, Kolonisation und ungehinderter Entwicklung der Juden in Palästina. Die Konvention sprach sich auch einmütig für die Einberufung eines jüdischen Kongresses in Amerika auf demokratischer Grundlage aus. Aus Bukarest kommt die Nachricht, daß ungeachtet aller Versicherungen des rumänischen Ministers des Aeußem, daß die Juden aus den rumänischen Grenzgebieten nicht ausgewiesen werden, diese Ausweisungen in immer steigendem Maße fortgesetzt werden. Zahlreiche jüdische Gemeinden sind ruiniert. — Nach Odessa selbst sollen, einer Meldung Jer Kopenhagener „Jüdischen Volkszeitung“ zufolge, in der letzten Juliwoche russisch-jüdische Familien gekommen sein, die aus den rumänischen Grenzgebieten ausgewiesen worden sind. In Jassy wird soeben ein Aufruf an die jüdische Intelligenz verbreitet, worin diese zum Anschluß an die national-jüdische Bewegung aufgefordert wird. Als Namen für die neuzuschaffende Vereinigung wird vorgeschlagen: „Judentum über alles“. * Dienstag, den 24. August, starb in Odessa im 77. Jahre seines Lebens der hebräische Schriftsteller und Historiker David K a h a n e. * Vor einigen Wochen stattete der amerikanische Konsul in Jerusalem, Herr Dr. Glazebrook, unseren hebräischen Schulen in Jerusalem einen Besuch ab. Sichtlich erfreut über die Organisation und den Unterricht in unseren Anstalten, richtete er hietauf einen Brief an Herrn David J e 11 i n, der in Uebersetzung lautet: „Es bereitet mir viel Vergnügen, den sehr günstigen Eindruck;zu konstatieren, den ich heute von meinem Besuch in den verschiedenen Abteilungen der Hebräischen Schulen in Jerusalem empfangen habe, die unter der Leitung des Herrn David Jellin und seiner Kollegen stehen. Alle Abteilungen werden offenbar von tüchtigen Beamten geleitet, und es war deutlich zu ersehen, daß der Unterricht in allen Fächern, sowohl für männliche wie für weibliche Schüler, gediegen und die Disziplin vortrefflich ist. Eine solche erzieherische Institution ist eine gute Vorbedeutung für die Entwicklung der kommenden Generation. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß der Direktor, die Professoren, Lehrer und Schüler der hebräischen Schulen in Jerusaelm stets nur Glück und Wohlergehen erleben mögen. Jerusalem, 13. Juli 1915. gez. Ottis Qlazebrook, amerikanischer Konsul.“ Hnzeigen und. _ . Zionistisches Seminar Der Herzl-Klub veranstaltet, angefangen von Dienstag, den 19. Oktober, abends halb 8 Uhr im Cafe Rembrandt, II., Rembrandtstraße, jeden Dienstag ein allgemein zugängliches Seminar. Regiebeitrag für den ganzen Kurs 2 Kronen. Anmeldungen werden mündlich oder schriftlich im Cafe Rembrandt, IL, Rembrandtstvaße entgegengenommen. * Sportklub „Hakoah“. Trotz der schwierigen Verhältnisse, ist es uns gelungen, den Verein seine volle Tätigkeit entfalten zu lassen. Nicht weniger als 200 unserer Sportjungen hat das Vaterland zu seinen Fahnen gerufen, von denen bereits sehr viele ihre Brust durch Auszeichnungen geschmückt haben. So erhielt unser langjähriger Schriftführer Leutnant Artur Ko lisch das Verdienstkreuz 3. Klasse und das Signum laudis. Unser Hokey - Spieler Franz Rudolf er, Fähnrich, wurde mit der großen Silbernen dekoriert; ebenso unser Fußballspieler Kadett Moritz Szilagy. Leider mußten auch nur allzuviele ihr junges Leben auf dem Felde der Ehre lassen. Wir betrauern den Kriegsfreiwilligen Kadett Josef B 1 a u s t e i n, Wachtmeister Albin Kandl, ferner Alfred Polgar und Oskar Mehl e r. Der Sp. - Kl. „Hakoah“ veranstaltet am 23. ds. im Saale des Cafe Prückl, Wien, L, Stu* benring 24 einen Unterhaltungs - Abend unter Mitwirkung des Präsidenten ,B e d a und anderer hervorragender Kunstkräfte. Beginn 9 Uhr. — Karten zu K lj—, 2.—, 3.— sind zu haben: Cafe Prückel; Cafe Marienbrücke, L, Frana Josefs-Kai; Cafe City, L, Werdertorgasse 3. Herr A. Loubetzky veranstaltet in dieser Saison wieder eine Reihe jung-jüdischer Abende. Der erste findet Montag, den 18. Oktoberl913, 8 Uhr abends im Jüdischen Theater, Wien, II., Taborstraße 12 statt. Zur Aufführung gelangen: „Zurückgebliebenen“ von Schalom Asch und „Die Schwester“ von Perez. Karten zu K 3.—, 2.—, 1j50 und 80 Heller sind zu haben in der Buch-

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