Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 40 (8.10.1915)
- Date
- 1915-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JUD6CHE ZEITUNG KX-K NRTIGNRL -JUDI5CHE5 GRGRN H»j rrrrm Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ Annn R Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse . Nr. 33. — Sprechstunden | _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnemenstspreise: Für Oester- _ ■ refch-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. “ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 40. Wien, Freitag, den 8. Oktober 1915 — 30. Tischri 5676. IX. Jahrgang. Rn Die nationale Juöensthaft! Zum drittenmale vernehmen wir den dringenden Ruf des Staates zur Zeichnung der Kriegsanleihe. Juden! Eure Pflicht habt Ihr beim gleichen Anlaß schon zweimal getan: tut diesmal mehr! „Gut österreichisch“ ist von jeher jüdische Tradition;ein starkes Österreich ist auch zur Entwicklung des nationalen Judentums notwendig. Juden! Arbeitet mit aller Energie an dem Erfolge der dritten Kriegsanleihe! Das Exekutivkomitee der Zionistischen Partei Österreichs: Dr. KARL POLLAK ADOLF STAND. Mehr Hulriditigkeil I Auf die in Nr. 38/39 unseres; Blattes erschienene maßvolle und überaus: sachliche Auseinandersetzung des Herrn Dr. Nathan Birnba.um mit der-bekannten Erklärung des Ritter von Jaworski in der Frage der jüdisch-polnischen Beziehungen, antwortet der „Wiedenski Kuryer Polski“ in seiner Nummer 303 vorn 1. d. M. in einem „Die Erwiderung der Zionisten“ überschriebenen Leitartikel. Es gehört eine große Dosis von Ueherwindung dazu, sich mit dem genannten Blatte zu befassen, das sachliche Einwendungen mit persönlichen Ueberfällen und bewußten Verdrehungen, dazu in so rüdem, unwürdigem Tone erwidert. Aus diesem Grunde haben wir es auch unterlassen, auf die in den Nummern 287 und 288 desselben Blattes unter der Ueberschrift „Die Zionisten bei der Arbeit“ erschienenen Artikel zu reagieren. Wenn wir dies heute dennoch tun, so geschieht es hauptsächlich deswegen, weil wir den „Kuryer Polski“ als offiziöses Organ des Obersten Polnischen Nationalkomitees bezw. seines Präsidenten von Jaworski betrachten, denen auch diese unsere Worte gelten. Wo Gedanken und sachliche Argumente fehlen, stellen sich Schimpfworte ein. Und so sehen wfir, daß die von Dr. Birnbaum zur Bekämpfung der Forderung des R. v. Jaworski nach Assimilierung der jüdischen Massen vorgebrachten schlagenden Argumente nicht durch Gegengründe widerlegt werden, sondern mit der bloßen Feststellung, daß „die Zionisten keine Polen sein wollen“, die ebensowenig neu und geistreich ist, wie sie keines jener Argumente zu entkräften vermag. Es ist Schon die Art der Assimilationsapostel, alle Gegner ihrer Bestrebungen zu Zionisten zu stempeln. So widerfuhr es jüngst Kaplun-Kogan und so geschieht es auch jetzt mit dem al|s( „einem der Führer der Wiener Zionisten“ ausgerufenen Dr. Birnbaum, der kein Zionist ist tma in manchen prinzipiellen, die Grundidee des Zionismus, berührenden Punkten uns sogar entgegentritt. Augenscheinlich beabsichtigen die Herren damit den Eindruck hervorzurufen, daß lediglich die Zionisten die Assimilation ablehnen. In Wahrheit weisen nicht bloß die Zionisten, sondern auch andere auf dem Boden des positiven, lebendigen Judentums stehende jüdische Kreise und was noch wichtiger ist, auch die große jüdische Masse die Zumutung schroff zurück, daß die Juden zum Danke für die „großmütige Erklärung“ des R. v. Jaworski die Aufgabe hätten, als Juden von der Oberfläche zu verschwinden. Dies kann übrigens jenen Herren unmöglich unbekannt sein, ebenso wie es ihnen •nicht entgangen sein kann, daß die Assimilation der ostjüdischen Massen aus geschichtlichen, ethnographischen und volkswirtschaftlichen Gründen eine Unmöglichkeit ist. Nur scheinen sie sich eben darum nicht kümmern zu wollen. Und hält man ihnen Tatsachen vor, versucht man es, ihnen die Widersinnigkeit der Assimilation nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom polnischen Gesichtspunkte klar zu legen, dann antworten sie mit bewußten Verdrehungen. Als klassisches Beispiel gerade dieser ihrer Kunst, möge die vom „Kuryer Polski“ aus dem Artikel des Br: BInibaütfi“trer ausgegriffene und falsch wiedergegebene Stelle dienen, in der die Worte „Judaisierung der polnischen Minderheiten in den jüdischen Städten“ Vorkommen. Der Gedankengang desi beregten Artikels sowie der klare Wortlaut der betreffenden Stelle selbst lassen nicht den leisesten Zweifel darüber zu, daß es dem Autor, der ja jede Assimilation perhorresziert, nicht im1 Traume einfällt, die Judaisierung der polnischen Minderheiten zu fordern, daß es sich ihm vielmehr nur darum handelt, die polnische Assimilationsforderung ad absurdum zu führen und die Herren sozusagen mit ihren eigenen Waffen niederzuschlagen. Dies hindert jedoch den „Kuryer Polski“ nicht, die Sache so darzustellen, als ob allen Ernstes das gleiche Recht der Juden auf Assimilierung der polnischen Minoritäten geltend gemacht würde, was er dann natürlich in gewohnter Weise als „freche Anmassung“ von zionistischer Seite bezeichnet. „Für die polnische Gesellstehaft genügt vorläufig die Feststellung, daß die Zionisten keine Polen sein wollen“ — meint der „Kuryer Polski“. Wir glauben jedoch, daß gerade diese Feststellung, die, wie schon bemerkt, nicht bloß hinsichtlich der Zionisten, sondern auch bezüglich der großen ostjüdischen Volksmasse zutrifft, erst recht den ernsten polnischen Kreisen die Aufgabe auferlegt, die Sache vorurteilslos zu prüfen, damit einer Verständigung! die Wege gebahnt werden. Dies um so dringlicher, als die längst akute polnisch - jüdische Frage nunmehr ihren Siedepunkt erreicht hat. Oder bilden sich die Herren vom „Kuryer Polski“ wirklich ein, dieser Aufgabe durch Auslassungen von der Art, wie es ihr von uns zitierter Artikel ist, gerecht zu werden?! — M. Henisch. Ein Inferuieu mit RAaft Haan». Der Newyorker „Tag“ bringt den Inhalt einer Unterredung Hermann. Bernsteins mit Achad Haam über die jüdische Lage, der wir folgendes entnehmen: „Was haben die amerikanischen Juden in der jetzigen schrecklichen Krisis unseres Volkes getan?“ fragte Achad Haam mit aufgeregter Stimme. ,,Sie haben nicht einmal der Welt von aSdlkaufedel: Jüdischen National-Kalender 5676 Verlag R. LÖWIT* Wien, I. Rotenturmstr aße 22* Preis K 2.40* zu beziehen durch alle Buchhandlungen»