Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 34 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 die große silberne Tapfer keitsmedail- 1 e verliehen. Oberarzt im mob. Res.-Spital 2 2 Dr. Abraham Glanz, A. H. des Vereines jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“, erhielt das Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitesmedaille. Der verdienstvolle Redakteur der Blau-Weiß- Blätter, Herr Rechtsanwalt Dr. Felix Rosenb 1 ü t h, der bei einem Sturmangriff im Osten verwundet wurde, ist zum preußischen Offizier ernannt worden. Sanitätsfähnrich med. Arje Neuberger, Mitglied der „Hatechijali“, wurde mit der s i 1 - ■' bernen T a p f erke$tsm ed a i 11 e 2. Klasse ausgezeichnet. Gg. Neuberger hat wiederholt im Felde größere Beträge für zionistische Zwecke gesammelt. Kadett Hans Perutz, Mitglied der „Neure Jehuda“-Wien, der eine Provianikolonne trotz heftiger feindlicher Beschießung in umsichtiger und glänzender Weise über die Weichsel leitete und so besondere persönliche Tapferkeit bewies, hat von S. M. dem deutschen Kaiser das Eiserne Kreuz erhalten. Fähnrich Alfred Deutsch, Mitglied der „Neure Jehuda“-Wien, wurde auf dem südlichen Kriegsschauplatz schwer verwundet und kämpfte, kaum genesen, in Russisch-Polen, war zuletzt Bataillons-Adjutant und geriet bei den letzten Kämpfen in russische Gefangenschaft. Assistenzarzt Dr. Markus Tomasch off und Assistenzarzt Dr. Isidor R o s n e r, beide A. H. der „Makkabäa“ in Budapest, wurden mit dem Signum 1 a u d i s ausgezeichnet. Kadettaspirant Zoltdn Dückst ein, Turnlehrer des zionistischen Sportklubs V. A. C. in Budapest, erhielt die große silberne Tapferkeitsmedaille. Leutnant Ing. Dragutin Friedländer, A. H. der „Bar Kocliba“ in Budapest, erhielt die große silberne Tapferkeitsmedaille. Der Thronfolger selbst heftete ihm die Auszeichnung an die Brust. Unser bewährter und wackerer Gg. Julius N e u m a n n aus P r o ß n i t z, ist infolge Bauchschusses am 9. September 1914 gefallen. Säuglinge.Hinder. Rekonvaleszente nach Magen-u.Oarmerkrankungen o Jederzeit erhältlich. I Probedose und lehrreiche ärztliche Broschüre über Kinderpflege gratis durch die Nestle’s Klndermehl - Gesellschaft, Wien, I. Biberstrasse 1. Büdimdiau. Den Ostjuden ihr Recht! Von Dr. Nathan Birnbaum, Verlag R. Löwit, Wien. — 80 Heller. Mit der Dauer des Weltkrieges ist auch das Bedürfnis und die Möglichkeit gewachsen, sich mit dem ungeheuren historischen Ereignis des Weltkrieges auseinanderzusetzen. Der Anteil der Juden an der Kriegsliteratur ist dabei unverhältnismäßig gering. Einmal weil eben auch jetzt das Interesse der jüdischen Intellektuellen an nichtjüdischen Fragen überwiegt und dann weil die Bedeutung des Weltkrieges für die Juden und die der Juden für den Weltkrieg längst nicht so geradlinig gedeutet werden kann, wie in den übrigen Fällen. Schließlich geht der jüdischen Publizistik im Augenblick auch die Fähigkeit ab, die wahren Ziele ihrer Volkspolitik durch nichtssagende oder irreleitende Ausführungen zu verschleiern. Als einer der ersten unter den denkenden und richtunggebenden Persönlichkeiten des gegenwärtigen Judentums hat Dr. Nathan Birnbaum in der vorliegenden Schrift das Wort ergriffen. Die Einleitung weist auf die welthistorische Mission der beiden Zentralmächte hin, die geradezu als Typen der Staatengestaltung gefaßt werden müssen und in deren typisierender Reinheit die Ententeländer die Gefahr für ihre eigene, „spielerische“, weil jedes tiefen Ernstes abholde Art argwöhnen: Deutschland als vorbildlicher Einvolksstaat, mit dessen Existenz auch eine „weltgeschichtliche Aussaat auf dem Spiele steht und Oesterreich als der einzige unter den Völkerstaaten, der den Sinn seines Seins zu erfüllen beginnt.“ Allerdings muß dann mit der staatsnationalistischen Phantastik aufgeräumt werden, Staat und Nation seien unlösbar mit einander verbunden und die Grenzen ihrer Ausdehnung müßten sich bis zur völligen Kongruenz decken. An die Stelle dieser für Oesterreich fast verhängnisvollen Ideologie muß — und der Verlauf des Krieges hat den stärksten Beweis erbracht — die Auffassung treten, der Staat sei eine „politische Organisation von auf einem gewissen geographischen und Wirtschaftsgebiet historisch vereinigten Men - sehen“, während Nationalität das persönliche Recht des Individiums auf seine Sonderart darstellt. Der Hauptteil der Schrift geht nun an die Tatsache heran, daß die beiden siegenden Zentralmächte eine Stellung zum jüdischen Volke werden finden müssen, „das von jeher mit instinktivem Erkennen der sittlichen Bedeutung des deutschen Volkes zu diesem und, ohne alle Sünde des Gedankens und der Tat, -mit heißer Zustimmung zu Oesterreich gestanden hat“. De.t immer vertretenen Anschauungen entsprechend, hat Dr. Nathan Birnbaum auch diesmal nur die lebendige Kultureinheit der numerisch überlegenen Ostjuden gemeint und ihre soziologische Sonderart, die sie zu einem sich selbst genügenden Organismus unter allen übrigen Völkern macht, konstatiert. Das Vertrauen und die Hochschätzung der Ostjuden den Deutschen gegenüber und die Verwandtschaft der Sprachen, die auf russischem Boden zu der verhängnisvollen Beschuldigung der Spionage geführt haben, verdienen aber sicherlich eine Kenntnisnahme von seiten der Deutschen, welchen bei ihrer augenblicklichen Isoliertheit solche rechenschaftslose Sympathien umso willkommener sein müssen, als sie auch zur Grundlage engerer wirtschaftlicher Beziehungen werden können; eine Frage, die bekanntlich Davis Trietsch in einer im gleichen Verlage erschienenen Schrift mit statistischen Mitteln zu erörtern trachtet. An dieser Stelle bestreitet der Verfasser energisch die Möglichkeit eines so tiefgreifenden Dissoziationsprozesses, wie er die Westjuden seit anderthalb Jahrhunderten entwurzelt und entnationalisiert hat, da einer Assimilation im Osten die sozialen, wirtschaftlichen und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen mangeln, wie auch ein von Deutschland ausgehender Versuch in dieser Richtung — der Germanisierung — keinen Erfolg, wohl aber eine Ablehnung brächte. Nur einer ehrlichen theoretischen Klärung bedarf das Verhalten der Juden zu Oesterreich, in dessen Gefüge gerade ihre Interterritorialität hineinpaßt und dem sie darum voraussetzungslos und ohne egoistische Nebengedanken anhängen. Darum wäre es hoch an der Zeit, bei der beginnenden Neuformierung der Monarchie diesem staatstreuen Volkselement Raum und Recht zu gönnen, trotz des bisherigen Widerstandes gegen das Aufstreben dieses neuen Volkes und trotz der ja nur scheinbaren Gefahren für das Wirtschaftsleben des Wirtsvolkes. Und wenn es auch die Aufgabe des jüdischen Volkes selbst ist, sich seiner Haut zu wehren und den Weg zu einer öffentlichrechtlichen Sicherung seiner Gesamtheit zu finden; den beiden Mittelmächten obliegt es nicht weniger, dieser immer übersehenen oder verachteten Gemeinschaft Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Es darf nicht verschwiegen werden, daß Dr. Birnbaums Darlegungen im Einzelnen widersprochen werden kann, im ganzen ist die kleine, sehr geschmackvoll ausgestattete Schrift einer der besten und sachlichsten Beiträge zur. Behandlung des Judenproblems, wobei gar manche tiefschürfende Bemerkungen allgemeiner Natur nebenhergehen. ’ W. St. An die Besitzer von Sammelbogen der Hilfsaktion! Viele unserer geehrten G.-G. die so gütig waren, sich durch Übernahme von Sammelbogen der Hilfsaktion des Zionistisch. Zentralkomitees für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina hilfsbereit zur Verfügung zu stellen, s nd mit der Ablieferung der Bogen und Gelder im Rückstände. Wir ersuchen sie dringendst, das Versäumnis nachzuholen. U||C|y Cafe „Marienbrücke" lIILlli I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Bethaus-Anzeige. ■v®3 dw -jirn 17. und 18. September 1915. 8. 9. 10. findet im CeiMMihSaale, II.. Tahorslr. 8 a ein feierlicher Gottesdienst statt. Der Gottesdienst wird von erstklassigen Kantoren versehen. Karten sind im Betlokale täglich von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends erhältlich. Ein Teil des Reinerträgnisses wird zu Gunsten des Armen-Ambulatoriums der Kriegsflüchtlinge und der geflüchteten Kantoren verwendet. Anfang September erscheint: Jüdischer National s Kalender 5676 200 Seiten stark. — Leichtes Feldpostformat. — Preis ca. K 2.— Herausgeber: Otto Abeies und Ludwig Batö. Dieser Kalender ist das erste zionistische Buch des Kriegsjahres. Sein reicher Inhalt wird jedem Juden eine Fülle des Wissenswerten und interessanten bieten. Fast alle jüdischen Probleme erscheinen von zuständiger Seite behandelt. Aus dem Inhalte sei erwähnt: Ludwig Batö: „Das Kriegsjahr 5676“, Adolf Friedmann: „Dawid Wolfsohn“, Martin Buber: „J.L. Perez“, Schmarjahu Lewin : „Volk, Sprache, Land“, Hermann Kadisch: „Die Türkei und die Zentralmächte“, Hugo Schachtel: „Die Zionistische Organisation“, Kriegsberichterstatter M. Waldmann: „Die Juden Österreich-Ungans im Felde“, Nathan Birnbaum: „Wir und die Flüchtlinge“, Abraham Schwadron: „Ethische Assimilation“, Davis Trietsch: „Palästina als jüd. Siedlungsland, Reichsratsabgeordneter Dr. Benno Straucher: „Die jüdischnationale Idee“, Osias Thon: „Handle so... “, Wilhelm Berkelhammer: „Die Juden und die Polenfrage“, Adolf Stand: „Auf den Stufen des Radetzky-Denkmals“, S. Meiseis: „Glflckel von Hameln“, Kernworte zur Judenfrage. Ferner: Novellen und Gedichte von Otto Abeies, Schalom Asch, Beda, Uriel Birnbaum, Max Brod, J. L. Perez, Abr. Reisen, Hugo Zuckermann u.v.a. Viele Kunstbeilagen nach Bildern von: Elchanan Frank, E. M. Lilien, Berthold Marmorstein, Wilhelm Wachtel und verschiedene Aufnahmen aus dem Felde u. a. Verlag R. Löwit, Wien I. Rotenturmstraße 22. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Vormerkungen und Bestellungen sind umgehend an den Verlag zu richten. ■ jj Cafe Jägerhof (Weiss) S IX., Porzellangasse 22.; Vornehmes Familien-Cafe 2 modernst eingerichtet ■ gut ventilierte Spielsäle. ■ Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. ■ Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen ■ sowie alle Zion. Blätter liegen auf. 1VD RESTAURATION „zur Fumänifdien Kiidie“ Ch. Weiß vorm. Korn Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. .icrausg. u. verarmv. Redakteur: Alexander Geller. — Druck von Jos. Seywald, G. m. b. H. (verantw. O. Schneeweiß), II., Taborstraße 52b.