Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 33 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 In Deutschland haben bis jetzt über 3600 Juden das Eiserne Kreuz zweiter und 11 das erster Klasse erhalten, wahrend die Gesamtzahl der jüdischen Soldaten mit 70.000 bis 80.000 angegeben wird. Senders, ein Lehrer am jüdischen Lehrerseminar, der als erster Jude das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten hatte, hat jetzt den Heldentod erlitten. -ft- Aus einer reichsdeutschen Zeitung: L’nter den Anführern der polnischen Legionisten sind nach einer Krakauer Meldung recht viele Juden. Ihre Namen lauten: Mosche Scherer (Vorsitzender der Legionisten-Institution), Dr. Kot und Professor Kukiel aus Lemberg (Sekretäre), ferner die Herren Professor Boruch Menkes (recte Berthold Merwin), Jeschaio Langrod, JizChok GoldsCheider, Awrohom GoldsCheider, Dowid Inländer, Awrohom Geschwind, Wilhelm Feldmann und Israel Steinhaus — alles Führer des polnischen „Nationalen Hauptkomitees-“. * In der letzten Nummer von „Jung Juda“ (Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend, Prag) finden wir folgende Antwort der Redaktion: . . . Soviel wir von den meisten der Flüchtlinge zu hören bekamen, waren die Schulen der Baron Hirsch-Stiftung polonisierende Anstalten; den jüdischen Themen waren nur ganz wenige ■ Stunden der WoChe gewidmet. Auch in ruthenischen Gebieten des Landes hatten sie angeblich denselben Charakter beibehalten. Aus diesem Grunde hatten sie bei der Mehrzahl der dortigen Juden keinen guten Ruf und wurden von den Kindern derselben gemieden. * In Saloniki erscheint seit Mitte Juli eine neue spaniolische Zeitung „La Esperanta“; sie ist das Organ der dortigen Jüdisch-Nationalen. — Der Verlag des Kopenhager Tagblattes „Jüdische Volkszeitung“ hat beschlossen, ein jüdisches Wochenblatt in dänischer Sprache herauszugeben. — Binnen kurzem soll in Wilna eine neue hebräische Wochenschrift zu erscheinen beginnen, die die bekanntesten hebräischen Schriftsteller und Männer des öffentlichen Lebens zu ihren Mitarbeitern zählen wird. Das Wochenblatt wird unter dem Namen „Atidot“ erscheinen. — Als neue Jargonzeitungen werden „Das Volk“ in Wilna und „Das freie Wort“ in Odessa herausgegeben werden. * Ais ein Beispiel eines unsinnigen Gerüchtes möge folgendes, das vom „Jewish World“ und „Temps“ gebracht wurde, dienen. Danach sei der deutsche Kaiser bei einem Besuche der Stadt Lodz in der dortigen Synagoge erschienen und habe der Gemeinde mitgeteilt, er sei der von den Juden erwartete Messias, der von Gott zu ihrer Rettung gesandt sei. * In den „Süddeutschen Monatsheften“ erschien (im Sonderhefte „Rußland von Innen“) ein Aufsatz von W. W. Kaplun-{Kogan: „Die Lage des jüdischen Proletariats in Rußland“. * Die „Organisation für hebräische Sprache und Kultur“ in Berlin erhielt aus Sofia «in Begrüßungstelegramm der jüdischen Kulturvereine Bulgariens, die ihre erste Konferenz in Sofia abhielten, um den Grund einer Organisation für hebräische Sprache und jüdische Kultur zu legen. * Eine ungarische Operettengesellschaft brachte neulich im Wiener Carltheater die Operette „Sulamith“ von Abraham Goldfaden in ungarischer Sprache zur Aufführung. — Der Verein „Habima“ bemüht sich jetzt in Newyork ein hebräisches Theater zu gründen. Einige hebräisChe Einakter wurden unter der Regie des Herrn Harari aus Palästina mit Erfolg aufgeführt. - I Die polBinhen Juden beim Stürmen. „Az Est“ bringt folgende Schilderung aus den Kämpfen um Lemberg. Es waren die berühmten Szeklertruppen zur Erstürmung der Lemberger Landstraße ausersehen. In eine stark gelichtete Szeklerkompagnie wurden 400 polnische Juden, sämtlich alte Landstürmer mit langen Bärten und Ringellöckchen, eingereiht und der Befehl gegeben, die polnischen Juden nicht anzutreiben, wenn sie während des Sturmes Zurückbleiben würden. Der Sturm begann. Die Szekler liefen mit außergewöhnlicher Heftigkeit gegen die Russen an und schlugen mit Doppelspaten und Gewehrkolben rücksichtslos ein, obwohl der Feind die Angreifer durch ein fürchterliches Feuer fernzuhalten versuchte. Die polnischen Juden machten ohne ' Ausnahme den Sturm begeistert mit. Sie hatten ihre Gebetriemen um die Stirne gewickelt (?) und riefen während ■ des Anlaufes den alttestamentarischen Kampf (?)ruf Schma Jisroel (höre, Israel!!). In diesem leidenschaftlichen Kampfe kam der ganze Haß des polnischen Judentums gegen seine Bedrücker -elementar zum Ausbruch. Die außergewöhnlich tapfere Haltung dieser polnischen Juden, die allgemein bewundert wird, hatte eine bedeutungsvolle Wirkung, denn nach einstündigem heißen und blutigen Ringen wurde die Russenfront durchbrochen und die Landstraße von den Szeklern und den polnischen Juden genommen. Eine amepihanisifie Unverlrorenbeif. Im amerikanischen Judentum wird bekanntlich jetzt pro und contra eines amerikanischjüdischen Kongresses gestritten. Die jüdisch - völkisch Orientierten sind sämtlich dafür, die assimilierten obersten „Jahudim“ dagegen, weil sie als „echte“ Amerikaner ententefreundlich sein wollen. Auf der 6. Convention der Newyorker Kehilla hat nun der Führer der Kongreßgegner, Louis Marshai, nach dem „Jewish Chronicle“ gesagt, daß eine der Resolutionen, die der Convention Vorgelegen hatte und in der Proteste gegen die Grausamkeit der russischen Soldateska gegen die wehrlose jüdische Zivilbevölkerung erhoben wurden, verleumderisch wäre, weil man keinen Beweis habe, daß wirklich solche Dinge gegen russische Juden verübt worden wären. Er wenigstens hätte nichts darüber gehört, daß russische Juden solchen Greueltaten ausgesetzt worden seien. Er versuchte zu zeigen, daß alle Berichte aus offiziellen und privaten Quellen, welche von der Bedrückung der Juden durch Russen während des Krieges und von Pogromen erzählten, Erfindungen seien. Kommentar überflüssig. „The Jewish Daily News“ hebt unter dem Titel: „Sie vertreten nicht die amerikanischen Juden!“ hervor, daß dieser kleine, enge, aristokratische Kreis kein Recht hat, im Namen der drei Millionen Juden zu sprechen, die in Amerika wohnen. Diese gehen jetzt daran, eine Vertretung auf demokratischer Grundlage zu schaffen, welche als Repräsentant der Gesamtheit wird gelten können. Ihre aristokratischen „Gesinnungsgenossen“ in England benehmen sich übrigens gleich löblich. Nachdem nämlich die dienstfähigen feindlichen Ausländer in Gefangenenlagern untergebracht wurden, sollen die anderen mit ihren Familien des Landes verwiesen werden, wenn sie nicht vor einer Kommission ihre vollständige Einwandsfreiheit erweisen können. Mit dieser Verfügung schwebt über hunderten deutschen und österreichischen Familien das Damoklesschwert. „Board of Deputies“ war die berufene Körperschaft, deren Aufgabe es gewesen wäre, den Betroffenen zur Seite zu stehen und ihre Ausweisung zu verhüten. Wie er sich aber schon früher geweigert hatte, sich um die Juden in den Gefangenenlagern zu kümmern, so sprach er auch hier ein Nein und begründete es mit den Worten: „Erst Engländer, dann Juden“. Wir dürfen wohl zu unserem Tröste annehmen, daß man in diesen „Großen“ ebensowenig die Repräsentanz der englischen Judenheit zu sehen hat, wie in Marshai den der amerikanischen. Avis für 43—50 Jährige. Das Zionistische Flüchtlings - Hilfskomitee macht die 43—50 jährigen Männer, die zur Musterung kommen und nur rituell geheiratet haben, aufmerksam, daß es in ihrem- Interesse und im Interesse ihrer Familien gelegen ist, die gesetzliche Trauung vorzunehmen. Die in Wien wohnenden Flüchtlinge können sich persönlich unter Mitbringung eventuell vorhandener Dokumente zwecks kostenloser Durchführung an den Herrn Sekretär Josef Fuchs in der Zentralstelle für Kriegstrauungen, Wien, II., Ferdinandsstraße 23 wenden. Zionisten im Eelfle. Der Mitbegründer, 1. Kapitän und Torwart des jüdischen Sportklubs „Makkabäa“ in Preßburg, Albin Kan dl, k. u. k. Trainwachtmeister, starb am 9. Juni 1. J. an einer Krankheit, die er sich im Felde zugezogen hat. Von den Mitgliedern der Verbindung „Judäa“- Lemberg wurden die Kadetten Wolf Schmorak und Julius Konstantin, sowie Kadett- Aspirant Moritz Menkes auf dem östlichen Kriegsschauplätze verwundet. Antwort der Redaktion. Dr. M. R. — »Der jetzt amtierende Präsident“ der Lemberger Kultusgemeinde, Herr Stroh, war dort während der Russenzeit geblieben, wenn auch nicht als Präsident. Uebrigens bringen wir hiemit Ihre Konstatierung, daß „alle Funktionäre, mit Ausnahme des Herrn Dr. Diamand, bis auf die Gemeindediener Lemberg verlassen haben“ und daß Dr. Diamand „mit voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit die jüdischen Angelegenheiten vor den russischen Behörden vertreten hat. Von diesen ist er dann nach Rußland verschleppt worden.“ Kleine Ursachen, große Wirkungen. Ein Sprichwort, das sich in der Ernährungsfrage des Säuglings am meisten bewahrheitet, denn durch den geringsten Fehler in der Ernährung des Kindes wird dessen Leben aufs Spiel gesetzt. Eine gewissenhafte Mutter gibt daher ihrem Liebling nur eine altbekannte, verläßliche Nahrung, wie z. B. Nestle’s Kindermehl, das alle Kinder gerne nehmen, vorzüglich vertragen und verdauen. — Probedose vollkommen gratis durch die NESTLE’s KINDERMEHL-GESELL¬ SCHAFT, Wien, I., Biberstraße 1. Anfang September erscheint: National s Kalender 5676 200 Seiten stark. — Leichtes Feldpostformat — Preis ca. K 2.— Herausgeber: Otto Abeies und Ludwig Batö. Dieser Kalender ist das erste zionistische Buch des Kriegsjahres. Sein reicher Inhalt wird jedem Juden eine Fülle des Wissenswerten und Interessanten bieten. Fast alle jüdischen Probleme erscheinen von zuständiger Seite behandelt. Aus dem Inhalte sei erwähnt: Ludwig Batö: „Das Kriegsjahr 5676“, Adolf Friedmann: „Dawid Wolfsohn“, Martin Buber: „J.L. Perez“, Schmarjahu Lewin: „Volk, Sprache, Land“, Hermann Kadisch: „Die Türkei und die Zentralmächte“, Hugo Schachtel: „Die Zionistische Organisation“, Kriegsberichterstatter M. Waldmann: „Die Juden Österreich-Ungans im Felde“, Nathan Birnbaum: „Wir und die Flüchtlinge“, Abraham Schwadron: „Ethische Assimilation“, Davis Trietech: „Palästina als jüd. Siedlungsland, Reichsratsabgeordneter Dr. Benno Straucher: „Die jüdischnationale Idee“. Osias Thon: „Handle so... Wilhelm Berkelhammer: „Die Juden und die Polenfrage“, Adolf Stand: „Auf den Stufen des Radetzky-Denkmals“, S. Meiseis: „Glückei von Hameln“, Kernworte zur Judenfrage. Ferner: Novellen und Gedichte von Otto Abeies, Schalom Asch, Beda, Uriel Birnbaum, Max Brod, J. L. Perez, Abr. Reisen, Hugo Zuckermann u.v.a. Viele Kunstbeilagen nach Bildern von: Elchanan Frank, E. M. Lilien, Berthold Marmorstein, Wilhelm Wachtel und verschiedene Aufnahmen aus dem Felde u. a. Verlag R. Löwit, Wien I. Rotenturmstraße 22. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Vormerkungen und Bestellungen sind umgehend an den Verlag zu richten. : Cafe Jägerhof (Weiss) ■ S IX., Porzellangasse 22.; | Vornehmes Familien -Cafe? ■ ■ 2 modernst eingerichtet £ ■ gut ventilierte Spielsäle. ■ ■ Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. ■ ■ Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen ■ ■ sowie alle Zion. Blätter liegen auf. nrs s RESTAURATION ■ „ziip pumänildien Küthe“ 5 Ch. Weiß vorm. Korn » Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. ■ Anerkannt vorzügliche polutbchc u. rumänische Küche, H Cafe „Marienbrücke“ .11« I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. lerausg. u. verantw. Redakteur: Alexander Geller. — Druck von Jos. Seywald, G. m. b. H. (verantw. O. Schneeweiß), II., Taborstraße 52b.