Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 27 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 27 Antisemitismus 9er Hestmädite. In der in Kopenhagen erscheinenden „Jüdischen Volkszeitung“ schildert ein Augenzeuge die Leiden der Juden, besonders der russischen, die in den ersten Kriegswochen durch die französischen Behörden mit der anderen Bevölkerung von Nordfrankreich nach dem Innern des Landes; abtransportiert und zumeist auf dem pluten Lande bei Bauern einquartiert wurden. Zuerst ziemlich freundlich aufgenommen, wurde mit den Flüchtlingen jeder Verkehr abgebrochen, als man von ihrer Konfession erfuhr. Man boykottierte und verhänselte selbst die Juden der besseren Stände, wie Künstler, Studenten und Gelehrte, die sich mit der französischen Kultur ganz vermählt fühlten. In einem Städtchen befanden sich unter den Emigranten auch einige Boykottpolen, die hier die Hetze gegen ihre jüdischen Leidensgenossen sofort aufr.ahmen und weitgehendstes Verständnis dafür bei den Franzosen fanden. Es kam so weit, daß man die Juden zu 12—15 Mann ohne Unterschied von Alter und Geschlecht in einem kleinen luft- und lichtlosen Zimmer unterbrachte und ihnen nur zu unerhörten Wucherpreisen Nahrungsmittel verkaufte. Als die Lage ganz unerträglich werde unü sich die Juden beim Prefäkten beschwerten, wurden auf Veranlassung des letzteren einige Erleichterungen geschaffen. Angesichts dieser Zustände fragt der Pariser Korrespondent des Blattes, ob die schwärmerisch veranlagten russisch-jüdischen Studenten in Frankreich gut daran taten, sich freiwillig dem französischen Heere einzureihen und für ihre Feinde in Rußland und Frankreich ihr Leben zu opfern. ,Je\vish Chronicle“ konstatiert „mit Ueberraschung“, daß die „Times“ während der letzten Zeit häufig die Juden in unfreundlicher Weise erwähnt. Im Verlauf ihres Streites mit Herrn Ballin hält sie es für notwendig, diesen Herrn in durchsichtig antisemitischer Absicht als „den bedeutendsten jüdischen Geschäftsmann Deutschlands“ hinzustellen. Ferner sei in der „Times“ berichtet Worden, daß „drei Fünftel der Libauer Geschäftsleute deutsche Juden sind“, welche „berechtigte Hoffnungen haben, daß sie nicht allzuviel erdulden werden, wenn die Deutschen einrücken sollten.“ Aus diesen und ähnlichen Fällen schließt „Jewish Chronicle“, daß die „Times“ jedenfalls antisemitische Strömungen in Erglantf zu wecken und zu stärken suche. Dies sei besonders in der letzten Zeit zutage getreten, da während der antideutschen Demonstrationen in England, vor allem in Liverpool, viele Fälle vorgekommen sind, in denen die Opfer der Ueberfälle und Plünderungen Juden russischen Ursprungs waren. „Jewish Chronicle“ wirft der „Times“ vor, daß sie durch ihre „Ar.stachelung der schlimmen Masseninstinkte nicht nur überhaupt an den Ausschreitungen „dieser verbrecherischen Tollheit“, sondern auch insbesondere an den Vergewaltigungen jüdischer Personen una der Vernichtung jüdischen Besitzes Schuld trage.“ Heilanstalt Alland. Anläßlich des Todestages Herzls haben die jüdischen Patienten im Anstalts- Tempel am Abend des 1. Juli eine Trauerandacht abgehalten. Die Trauerrede hielt Herr M. L a ndau, den „Mole Rachimim“ sang H. M. Schieber. Bei dieser Gelegenheit wurde für den Jüdischen Nationalfonds K 11.30 gesammelt. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Massadä“, Weißkirchen- Prerau gibt allen i. a. B„ i. a. B., A. H., A. H., Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß ihr lieber aktiver Bursch J. u. c. Willy KnSpfelmacber Kadett im Feldjäger-Bataillon Nr. 25 im Alter von 22 Jahren auf den nördlichen Kriegsschauplatz den Heldentod für das Vaterland gefunden hat. Fiducit! Zenlralfonös. 4. Ausweis für das Jahr 1915. Innerösterreich: Wien: Dr. A. Lanzer K 40.—, E. Kafka (1. Rate; K 10.S0, Dr. B. Hahn K 20.—, Dr. Krasny K 40.—, L. Batö K 10.—, Art. Dubsky K 20.—, Dr. Jerusalem K 20.—, Frl. A. Jellinek K 2.—, E. Fr. Weil 5.—. Aus dem Felde: E. Fr. Korporal Laszkowicz K 5.—, Feidw. M. Lamberg K 10.—, per JNF-Sammelstelle laut Ausweis 20 — 26 K 58.40. Meran: J. Eisenstädter K 5.—, zus. K 246.20, bereits ausgewiesen K 1170.20, Gesamtsumme 1416.40. Böhmen:Teplitz: Zion. Jugend K100.—, Prag: Robert Guttmann (Schul.) 1.80 (3. monatl. Raten), P. Herman K5.—, zus. K 106.80, bereits ausgewiesen K 426.20, Gesamtsumme K 533.—. Gesamteingang aus Westösterreich K 2216.—, aus Bukowina K 7.—. 3. SMelausweis 5675. Innerösterreich: Wien: Verbindung „Ivriah“ K 12.—, Ing. Stricker K 12.—, „Neure Jehuda“ K 9.60, Fr. Orender (Moriah) K 19.20, „Bar Kochba“, per Dr. Schutzmann K 20.40, Leseunü Redehalle K 3.20, Linz: WalterAlbrecht K 13.20, Leo Rudnik, Marienbad K 12.—, zusammen K 101.60, bereits ausgewiesen K 199.40, Gesamtsumme K 301.—. Galizien: E. S.Schorr „Makkabäa“-Lembergl K 48.—, H. Offe K 7.20, M. Frey (Judäa-Lbg.-L R.) K 12.—, Dr. Dunkelbaum, Tamow K 2.40, Tropp, Stanislau K 12.—, J. Perlberger-Lbg. K 3.60, Dr. Schwarzbart, Krakau K 12.—, zus. K 97.20,' ber. ausgewiesen K 235.60, Gesamtsumme K 33280.—. Nachtrag f. das Jahr 5674: „Moriah“ K12.—, Michelstädter 7.—, Gesamteingang 5674 aus Westösterreich K 2216.80. Palästina-Hilfsfonds. Sandor Wolf, Kismarton K 200.—. Cafe „Marienbrücke“ .11, 1., Rotenturrastraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Care Maria Theresia memo e*o« I., fiohensfaufengasse 21 (Ecke Maria Theresienstraße) Vollständig neu renoviert Modenist einge- 0 richtet (Drei Seiffertbillards). Sämtliche ing und ausländische Zeitungen liegen auf. g Stamm-Cafe der Lese- und Redehalle jüd. J Hochschüler. Für aufmerksame Bedienung ist bestens gesorgt •cxacna0CK>«cBR>*eaa«eK)00caaeK>0 Cafe ADLER 1., Schottenring Nr. 12. Telephon 14737. Familien-Cafg ersten Ranges. Spezialität Adler-Platte feiner Aufschnitt und andere kalte Speisen. — Biere vom Faß. Weine offen und in Bouteillen. — Neu adaptierte prachtvolle Souterrain-Lokalitäten mit Kegelbahn an Vereine und Gesellschaften zu vergeben. 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