Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1915-07-09 · 27 (9.7.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
27 (9.7.1915)
Date
1915-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2438141-2438521-2438548--4485-2444355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JÜDISCHE ZEITUNG NATIONAL -JUDI5CHE5 ORGAN JWj Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS« mwTwVl ■ja. Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Uhr nachmittags. täfflich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurucKgestetit. — Aboimemenstspi refch-Ungam: Ganzjähr. K 10.-f halbjäfcr. K 5.-, Vierteljahr. K 3.-. Für Deutschland: Ganzjähr . Mk. 10.-, halbjähr. Mk. Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnemenstspreise: Für Oesterr.—.—ui—-i. r-—:«*— , 5.—, Vierteljahr. Telephon 45.325. Nr.;27. Wien, Freitag, den 9. Juli 1915. IX. Jahrgang. Der Schekel muß von jedem Zionisten bezahlt werden. Die Zionistische Organisation muß erhalten und gestärkt werden. □ □ Eine Aktion der israelitischen Polen.! Die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Polen und Juden ist in der letzten Zeit Gegenstand verschiedener Kundgebungen im In- und Auslande gewesen. So hat u. a. der bekannte dänische Schriftsteller Georg Brandes, der früher die Sache der Polen sehr eifrig verfocht, sich mit dieser Frage beschäftigt. Anfangs dieses Jahres machte ein Artikel Brandes’, in welchem er diesmal seinen Sympathien für die Juden offen Ausdruck gab, die Runde durch die deutschen Blätter. Den österreichischen Zeitungen war es leider verwehrt, diese interessanten Ausführungen zur Kenntnis ihrer Leser zu bringen. Auch die amerikanische Judenschaft bekundet für diese Frage großes Interesse — handelt es sich doch um das Schicksal von mehr als drei Millionen Juden. In Nr. 23 der „Jüd. Zeitung“ konnten wir eine Korrespondenz aus Newyork veröffentlichen, in welcher von Kundgebungen in der polnisch-jüdischen Frage berichtet wird. Wir publizieren diesen Bericht nochmals, weil aus der Erklärung des offiziellen Vertreters des polnisch-nationalen Zentralkomitees hervorgeht, wie die Polen die Regelung der Judenfrage in>den polnischenGebieten wünschen, ln dem Berichte heißt es u. a.: „Herr Hausner stellte sich als Vertreter des polnisch-nationalen Zentralkomitees, der „provisorischen polnischen Regierung“, vor und legte die Stellung seiner Auftraggeber zur Judenfrage dar. Er versprach den Juden bürgerliche Gleichberechtigung im zukünftigen freien Polen, wofür die Juden aller Länder als Gegenleistung sich zugunsten der Polen einsetzen müßten. Die Gewährung nationaler Rechte an die Juden lehnte er als „zionistische Forderung“ ab. Die Juden müßten im polnischen Nationalkörper aufgehen. Dies sei der Standpunkt aller Richtungen im polnischen Volke, die im erwähnten Komitee vereinigt sind. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Redner zu einer Erklärung bezüglich der Denunziationen und Pogrome von polnischer Seite gegen die Juden des Kriegsgebietes aufgefordert. Der - Redner machte hiefür die polnische Reaktion verantwortlich1, die Hand in Hand mit dem Zarismus gehe. Bei Erwähnung der polnischen Schandtaten gegen die Juden bemächtigte Sich der Versammlung eine große Aufregung. Das Hausner’sche Programm, das für die Polen volles Selbstbestimmungsrecht fordert, während es für die Juden nichts übrig hat, als das alte Rezept der nationalen Selbstverleugnung, stieß auf den Widerspruch eines großen Teiles der Versammlungsteilnehmer. Zur Annahme der verlangten Sympathieerklärang zuj gunsten der Polen kam es infolgedessen nicht.“ j * * * i Das Verhältnis der Polen zu den Juden j beschäftigt selbstverständlich auch sehr intensiv j den, Polenklub. Wie wir von informierter Seite j erfahren, bereiten die israelitischen Mitglieder des Polenklubs in dieser Frage eine große Aktion vor. Hiezu wird uns von autoritativer polnischer Seite geschrieben: „Die „Jüd. Zeitung“ hat seinerzeit mitgeteilt, daß auf Betreiben des israelitisch-sozialistischen Abgeordneten Dr. Hermann D i a m a n d unter Aegide des Präsidenten des Polenklubs B i 1 i n s k i eine Aktion eingeleitet wurde, die den Zweck verfolgt, gegen die vom dänischen Schriftsteller Brandes gegen die Polen erhobenen Vorwürfe, offiziell und feierlich zu protestieren. Diese Aktion ist trotz großen Energieaufwandes der israelitischen Mitglieder des Polenklubs gescheitert. Hingegen scheint einer zweiten Aktion mehr Glück' beschieden zu sein, ln den nächsten Tagen wird ein Aufruf erscheinen, der nach einem historischen Exkurs über das Verhältnis von Polen und Juden zu der Konsequenz gelangt, „die Hoffnung der Polen ist die Hoffnung der Juden, die Freiheit der Polen ist die Freiheit der Juden.“ Der Aufruf, welcher den Zweck verfolgt, das Verhältnis der beiden Völker zu bessern, trägt bisher die Unterschriften der israelitischen Mitglieder des Polenklubs: Dr. Löwenstein, Dr. Kolischer, Dr. Steinhaus, Dr. Aschkenase und Sare, ferner der israeiitisc.i-sozialistischen Abgeordneten Dr. Liebermann und Dr. Diamand. Die Abgeordneten Dr. Gross (Krakau) und Rauch (Stanisiau) hab.n den Aufruf nicht gefertigt. Die Bemühungen werden fortgesetzt, um auch Unterschriften der jüdischen Bürgermeister, der Kultuspräsidenten und Rabbiner herbeizuschaffen. U. a. hat der Bürgermeister Von Stanisiau Dr. Arthur Nimt i n seine Unterschrift unter der Bedingung zugesagt, daß auch sein Kollege, der Bürgermeister von Sambor Dr. Steuermann den Aufruf fertige. Von Rabbinern haben auf Betreiben des Barackenrabbiners Aron L e w i n (Sambor) bisher nur solche aus galizischen Kleinstädten ihre Unterschrift zugesagt. Der geplante jüflisdie Kongreß. Wir haben unsere Leser schon in früheren Nummern darüber unterrichte1, daß im amerikanischen Judentum bereits vor Monaten der Plan aufgetaucht ist, einen Kongreß einzuberufen, auf welchem die durch den Krieg besonders akut gewordene jüdische Frage behandelt werden sollte. Dieser Kongreßplan hat verschiedene Formen angenommen. Der Grundgedanke aber blieb, daß sich vor allem das amerikanische Judentum organisieren und in einer mächtigen Kundgebung sagen solle, was in den verschiedenen Ländern, in denen jüdische Massen wohnen, diesen an menschlichen, bürgerlichen und nationalen Rechten vorenthalten werde. Diese Kundgebung, hofften die Iniatoren dieses Planes, werde nicht nur einen großen moralischen Wert besitzen: dieser amerikanisch-jüdische Kongreß werde auch einerseits der amerikanischen Regierung den starken Anstoß zur Unterstützung der jüdischen Wünsche geben — hatte man doch noch die Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland im Sinn —, andererseits werde dieser Kongreß aber selbst die Möglichkeit haben, eine unabhängige, wegen ihrer demokratischen Erwählung legitime Delegation zu der künftigen Friedenskonferenz zu entsenden, welche in Gemeinschaft mit den berufenen Vertretern der jüdischen Massen Europas und mit den verschiedenen jüdischen Organisationen vor den europäischen Mächten die im Interesse der gedrückten jüdischen Volksgenossen unternommene Aktion führen könne. Der Plan des amerikanischjüdischen Kongresses wurde von den breiten Massen des amerikanischen Judentums mit Wärme aufgenommen; die jüdischen Zeitungen setzte.! sich für ihn mit Energie ein; auch die zionistischen Kreise Amerikas, die mit den breiten jüdischen Massen in engster Fühlung stehen, gaben ihrer Sympathie für den Plan Ausdruck, und in den Komitees, die sich mit besonderem Nachdruck um die Vorbereitung des Kongresses bemühten, waren auch bekannte amerikanische Zionisten, wie Barondess und Dr.Magnes, an leitender Stelle tätig. Von verschiedener Seite wurde gewünscht, daß das Amerikanisch- Jüdische Komitee, das gewissermaßen die nationale Repräsentanz der amerikanischen Juden darstelit, diesen amerikanisch-jüdischen Kongreß einberufen solle. Im Amerikanisch-jüdischen Komitee waren aber, wie sich zeigte, starke Widerstände gegen diesen Plan vorhanden, Widerstände einzelner amerikanischer „Notabein“, denen der demokratische Charakt?r des geplanten Kongresses nicht zusagte, vielleicht weil sie im Gegensatz zu den jüdischen Massen einer ententefreundlichen Politik zuneigen. Um auf das Amerikanisch-Jüdische Komitee einen Druck auszuüben, wurde der Kongreßplan auf die Tagesordnung der 6. Sitzung der New Yorker Gern ei n d e gesetzt. Herr Dr. Magnes, der Vorsitzende der K e h i 11 a h-V ersammlung, vertrat besonders energisca den Plan der Einberufung eines Kongresses; Herr Louis M a r s h a 11, ein Delegierter der Ne v Yorker Kehillah im Amerikanisch-Jüdischen Komitee, bekämpfte den Kongreßplan mit Gründen, die se bst der Londoner „J e w i s h C h r o n i c 1 e“, über die Haltung der amerikanischen Presse referierend, durch die H i n n e i g u n g Marshalls zur Entente erklärt, um derentwillen dieser amerikanische Notable „die elementarsten jüdischen Interessen opfere“. Wir haben über diese Versammlung schon in der letzten Nummer unseres Blattes berichtet und auch erwähnt, daß in der zweiten großen Kehillah-Versammlung in New York, die zur Beschlußfassung über die beim erster.mai noch nicht ausgetragene Angelegenheit einberufen worden ist, eine Resolution an- ■ Der Zionistische Zentralfonds i_ gibt dem Aktionskomitee die Mittel für seine Arbeit. Zu diesem Fonds muß jeder Zionist seinen Beitrag leisten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.