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Jüdische Zeitung · 1915-06-11 · 23 (11.6.1915) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
23 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 23 Feinden zu Diensten sind; — — ihnen gilt nur der Gewinn und Verrat ist ihnen etwas Selbstverständliches.“ Diese Bemerkungen des Textes sind zwar allgemein gehalten, zeigen aber durch ihren unmittelbaren Anschluß an die Reproduktion unverkennbar die Tendenz. Es ist schon etwas Merkwürdiges, daß es gerade ein Modeblatt ist, also eine Zeitschrift, die für ein unpolitisches Publikum bestimmt ist, das fast kritiklos an die Lektüre herantritt. Dazu kommt die deutliche Zuspitzung in der Auswahl und Unterschrift der Reproduktion, denn wir können nicht annehmen, daß eine Redaktion derart uninformiert über die wahren Zustände ist. Jedermann weiß bei uns, daß Juden ebenso wie Angehörige anderer Nationen von den Truppen der Zentralmächte oft in größerer Zahl meist nur aus besonderer Vorsicht festgehalten werden, recht bald aber nach gewissenhafter Untersuchung in Freiheit gesetzt werden. Schließlich ist die Grausamkeit der russischen Regierung besonders den Juden gegenüber — die Wiener Presse berichtet jetzt fast täglich derartige Vorfälle — ein nur allzu deutlicher Beweis, auf welcher Seite die Juden der polnischen Gebiete stehen. Sollte aber doch einmal ein Ausnahmsfall sich ereignen, dann zeigt es von einer ganz seltsamen Auffassung vom Begriff des Burgfriedens; das „jüdisch“ ja nicht zu vergessen. Seit wann erscheinen Photographien mit der Bemerkung „Christliche“ oder auch „polnische“ oder „ruthenische“ Spione? Der jüdische Kongreh. Unter den demokratischen Schichten des amerikanischen Judentums Wird viel Propaganda für die Einberufung des amerikanisch-jüdischen Kongresses gemacht, der die Forderungen des jüdischen Volkes zum künftigen Friedenskongreß formulieren und einen 'Protest gegen die Verfolgurgswut der russischen Militärgewalt den Juden gegenüber einlegen soll. Die jiddische Presse tritt energisch für die Kongressidee ein. Zahlreiche Versammlungen in New-York und der Provinz haben sich gleichfalls für die Einberufung ausgesprochen. Die Frage bildete den Hauptgegenstand der Tagesordnung der am 24. und 25. April stattgehabten Jahresversammlung der New-Yorker Kehilla (einer den europäischen Kultusgemeinden nachgebildeten, zahlreiche Verbände umfassenden Zentralkörperschaft). Die meisten Redner befürworteten den Kongressgedanken. Dagegen sprachen sich die Vertreter des sogenannten „Jüdischen Komitees“ aus, das eine Art selbstgekrönte Repräsentanz der amerikanischen Juden bildet. Der Rechtsanwalt Marshali vom „Jüdischen Komitee“ argumentierte auf eine geradezu verblüffende Weise. Ein jüdischer Kongreß würde seiner Meinung nach eine „Verletzung der amerikanischen Neutralität“ bedeuten. Marshall verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß die Schandtaten des russischen Heeres den Juden gegenüber nicht bewiesen seien. Diese kühne Behauptung versetzte die große Mehrheit der Delegierten in eine große Aufregung, die Sich erst dann legte, als der Vorsitzende Dr. 'Mannes die Marshall’sChe Argumentation entschieden zurückwies. Die Debatte offenbarte eine große geistige Kluft zwischen den demokratischen Volksschichten und den „Spitzen“ der jüdisch-amerikanischen Gesellschaft. Die Jahresversammlung konnte zu einem bestimmten Ergebnis nicht kommen und es wurde beschlossen eine außerordentliche Tagung einzuberufen, die die Kongressfrage entscheiden soll. i _ neuen polnischen Organ „Opina schidowka“ zu verdanken, das in Warschau erscheint und von den besten jüdisch-polnischen Journalisten des nationalen Lagers herausgegeben wird. Dieses Journal, das auf dem Standpunkte nationalen Bewußtseins steht, findet m den intelligenten polnisch-jüdischen Kreisen Warschaus guten Anklang. Interessant ist es auch, daß zu gleicher Zeit audi die alte assimilatorische „Israelita“ wieder von den Toten auferstanden ist. Sie erscheint seit einigen Wochen und ist die Vertreterin des alten extrem-assimilatorischen Standpunktes. Das Erscheinen der „Israelita“ in diesem Augenblick beweist, daß die Assimilation schon auf dem Scheideweg steht und mit ihren letzten Kräften kämpft. Die Kämpfe zwischen den Assimilanten und den jüdisch-nationalen Volksmassen haben sich in letzter Zeit sehr verschärft. Die ganze jüdische Presse führt einen schweren Kampf, soweit es die Zensur .natürlich erlaubt, für den nationalen Gedanken, indem sie einerseits gegen die antisemitischen Polen, anderseits gegen die Assimilanten in schärfster Form auftritt. Man muß die aufgeregte Stimmung der Warschauer Juden kennen, um zu verstehen, mit welchem Mut gegen den polnischen Chauvinismus gekämpft wird. Einen großen Anteil an diesem Kampf nehmen die jüdischen Zeitungen „Haint“, „Moment“ und die „Hazephira“. Die letztere wird von der polnischen Presse unaufhörlich verfolgt als Organ der polnisch-jüdischen Intelligenz. Charakteristisch für den „hohen Verstand“ der Warschauer Assimilanten im allgemeinen und ihres Theoretikers JoSef Wasserzug im besonderen ist es, daß die „Nowa Gazetta“ einen Protest Wasserzugs gegen Georg. Brandes veröffentlicht hat, in welchem Brandes Aufzeichnungen als „brutale und irreführende Stellungnahme“ gebrandmarkt wird. Darüber wird sich eine neue Polemik zwischen der jüdischen Presse und den Assimilanten entspinnen. Wie groß die Spannung zwischen Nationalisten und Assimilanten in Warschau ist, läßt sich auch daraus ersehen, daß der größte Teil der assimilatorischen Vereine und Gesellschaften beschlossen hatte, sich nicht an Perez’ Leichenbegängnis zu beteiligen, mit der Begründung, daß Perez durch seine chassidischen Erzählungen „Finsternis unter den jüdischen Massen verbreitete“ . . . Das Resultat dieses häßlichen Beschlusses, bei welchem die Gesellschaft ,,Daas“ die Hauptrolle gespielt hat, war, daß sich an dem Leidhenzug ungefähr 150.000 Juden beteiligten! Viel schärfer wird der Konflikt jetzt infolge der Einführung der Selbstverwaltung in Polen. Die jüdische Presse weist in zurückhaltender Form auf die Lächerlichkeit dieses Projektes hin, die Assimilanten dagegen beginnen sich schon vorzubereiten für die Uebernahme einiger „Sitze“ in dieser Selbstverwaltung. Im allgemeinen ist die Stellung der Assimilanten zu jüdischen Fragen viel schlimmer als früher und verursacht in allen Schichten des russischen und. polnischen Judentums eine allgemeine Aufregung. M.odzer Volksblatt.) HerzlEeiern. Das Zionistische Zentralkomitee veranstaltet auch in diesem Jahre anläßlich des Todestages Dr. Theodor Herzl am 20. Tamuz (2. Juli d. J.) am Vorabend eine religiöse Trauerfeier im Tempel, sowie am 4. Juli als imposante TrauCrkundgebung einen Gang zum Grabe Herzls. Einzelheiten, sowie weitere Veranstaltungen werden demnächst bekanntgegeben werden. Uarstfiauer Brief. Nachdem Georg Brandes seinen zweiten Artikel über die polnisch-jüdische Frage im „Politiken“ veröffentlicht hatte, ließ ein gewisser „Professor“ Loninsky eine Broschüre in dänischer Sprache erscheinen, in welcher er in Schroffer Form gegen Brandes’ Behauptungen auftrat. Erst jetzt hat sich herausgesteilt, daß der „Professor“ ein galizischer Jude namens Daichis ist und daß sich die polnischen Zeitungen umsonst darüber freuten, daß ihr Loninsky Brandes einen gehörigen Schlag ins Gesicht gegeben habe. Diese Entdeckung haben wir dem PersonalnaMiten. Prof. Dr. O r n s t e i n, bisher außerordentlicher Professor in Groningen, ein bekannter Führer der zionistischen Bewegung in Holland, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Utrecht ernannt worden. Frau Prof. Ornstein, die der bekannten Amsterdamer Familie Hofien entstammt, praktizierte bisher als Advokatin am Landgericht in Groningen. Dr. Theodor Z1 o c i s t i aus Berlin, unser hochverdienter Gesinnungsgenosse, der sich auch als Lyriker einen Namen geschaffen hat, stellte sich bei Beginn des Krieges dem roten Kreuz zur Verfügung und ist jetzt zum stellvertretenden Chefarzt der großen Expedition des roten Kreuzes nach der Türkei ernannt worden. Die Expedition ist naCh Anatolien kommandiert worden und hat ihren Sitz in Ersinjan. Hatchijab. Es wird hiemit bekannt gegeben, daß die Promotion unseres Bb. cand. phil. M. L. Czaczkes, am Freitag, den 11. d. M. im Senatsaale der k. k. Universität stattgefunden hat. “RM Brittats Restauration Jacques Benvenistl’s Wien, II. Weintraubengasse Nr. 7 Türkische Speisenspezialitäten. Abonnement in und außer dem Hause. : : ■ RESTAURATION: ■ „zur rumänildiBn Küdie“ ■ ■ Ch. Weiß vorm. Korn ■ ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. ■ _ Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. 5 Cafe „Marienbrücke“ I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. 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