Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 21 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 21 Rnssisdie Greuel in Tarnou. Die „Wiener Morgen- Zeitung vom 27. Mai veröffentlicht einen interessanten Brief über die Zustände in Tamow zur Zeit der Russeninvasion. — Man kann sich nicht vorstellen, wie es hier aussieht. Nichts ist wieder zu erkennen. Die Tamower sollen es nicht bedauern, die Stadt verlassen zu haben, weil es besser ist, in Oesterreich Steine zu essen, als unter dem russischen Joch zu leben. Sobald die Russen in die Stadt kamen, haben sie auch begonnen, zu rauben und zu plündern und nachher hat der Bürgermeister mit dem Polizeibeamten, durch einen k. k. Notar die Geschäfte öffnen und die darin befindlichen Waren halbumsonst verkaufen lassen. Nach Abzug des Lohnes für die Verkäuferinnen erhielt der Notar für das Oeffnen K 100.—, für das Sperren K 300^— und für das Rote Kreuz 30 Prozent des Reingewinnes. Einem Juden verkaufte man nicht. „Für die Juden ist nichts da“ Der Bürgermeister Dr. Tertil und die Polizei sind den Russen derart an die Hand gegangen, daß die Juden von 12 bis 75 Jahren jeden Tag herausgeschlcppt wurden aus den Wohnungen und den Bethäusern; man hat ihnen die Teffilin vom Kopf heruntergerissen, sie zum Putzen der Aborte und Kasernen und Straßen der Stadt zu reinigen gezwungen. Das gleiche geschah in den Dörfern. Wenn die Juden auf die Polizei und auf den Magistrat kamen,, um Hilfe zu erbitten, haben dieselben geantwortet: „Wir haben jetzt keine österreichische Regierung mehr, sondern unser Gesetz.“ (Juz niema austrijackih rzadöw, teraz my mamy •nasze prawa.) Besonders der Polizeiinspektor Maniak hat die Juden gequält und auf alle Vorstellungen nur die Antwort gehabt: „Juden kenne ich nicht.“ Der Bürgermeister wiederum hat gesagt: „Ich bin kein Vater der Juden, engagiert Euch einen Rabbiner.“ Die Juden haben Furchtbares gelitten; man hat sie beraubt, geschlagen, gemordet und geschändet. Am 15. Feber hat man dreißig jüdische Geiseln weggeführt; alle, sogar die Greise, mußten zu Fuß nach Lemberg gehen, zwei sind unterwegs gestorben. — — Vareinsnadmtäfen. Bielitz. Die zionistische Arbeit wird hier energisch und erfolgreich fortgesetzt. Am 2. Mai 1. J. fand auf einer großen Wiese das „Lagbeomerfest“ statt. Der Wanderbund „Blau-Weiß“ war vollzählig unter Leitung seiner Führerund Führerinnen erschienen. Außerdem beteiligten sich fast alle Mittelschüler und viele Gäste an dieser Feier. Nachdem der Oberführer, Gg. [Josef Traubner die Teilnehmer begrüßt hatte, ergriff Herr Prof. Dr. M. Berkovicz das Wort zu einer Ansprache, in der er die Bedeutung des Tages erklärte und zu einer weiteren Tätigkeit aufforderte. Die „Hatikwah“ beschloß die Feier. Die jüdische Jugend hatte den Nachmittag spielend und exerzierend im Freien zugebracht und wanderte gemeinsam singend gegen Abend wieder der Stadt zu. Am 15. Mai 1. J. veranstalteten die zionistischen Vereine Bielitz-Biala den „J. L. Perez- 'Abend.“ Der Saal der jüdischen Gemeinde war übervoll und die Anwesenden lauschten gespannt den Ausführungen über die jüdische Literatur in Russisch-Polen und über deren Hauptvertreter J. L. Perez. Dem Vortrage schlossen sich Rezitationen aus Perez’ Novellen durch Frl. Martha Schnabel und Herrn' Artur Rabinowitz an. Der Abend hatte einen glänzenden Erfolg. A.-R. Linz. Ungeachtet der schweren Verhältnisse der Jetztzeit, veranstaltete der Mädchenbund „Esther“ und die Vereinigung jüdischer Studenten in Linz, am 16. Mai 1. J. einen Jung-Jüdischen Abend. Herr Dr. Morgenstern sprach in einleitenden Worten in schwungvoller Weise und legte die zionistische Bestrebung klar dar. Seine für unsere Bewegung ehrenden Ausführungen lösten bei allen Anwesenden stürmischen Beifall aus. Anschließend daran wurde die Hatikwah, die österreichische und die deutsche Volkshymne, stürmisch akklamiert, gesungen. Die hierauf folgenden Musikstücke von Frl. Jenny Eibnschütz (Klavier), Herr Robert Herzhaft (Violine), wurden mit bewunderungswürdiger Technik zum Vortrage gebracht. Die nächste Programmnuinmer bildete den Glanzpunkt des Abends. Es war dies A. Corainik’s Einakter „Roter Schnee“. Die Damen Frl. Emmy Klauber und Frl. Sissy Freund mit den Herren Max Gerstl, Paul Stein, Viktor Spitz und Arthur Deutsch machten sich um das Gelingen des Abends wohl verdient. Frl. Emmy Klauber trug sodann Kriegsgedichte in wohl abgetönter Sprache vor, hiebei den Rahmen des Dilletantismus weit überschreitend. Die wunderbare Schilderung „Der Libanon“ von Schalom Asch wurde von Frl. Paula Schwager sehr wirksam zu Gehör gebracht. Den Schluß bildete ein Palästina-Lichtbildervortrag, zu 'dem der Jüdische Nationalfonds die Lichtbilder in liebenswürdigster Weise beigestellt hatte. Begleitende Worte sprach Herr Walter Albrecht. Es war für das Gelingen der ganzen Veranstaltung gewiß bestimmend, daß die Programmnummem vor einem, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal, vorgeführt werden konnten. Die verwundeten jüdischen Soldaten wurden reichlich bewirtet, ln einer wundervoll geschmückten Saalnische wurde eine Nationalfonds-Ausstellung und Verkauf abgehalten. Besonders zu danken ist den Herren Paul Stein und Max Gerstl, die alle Vorarbeiten in glänzender Weise besorgten und sich um das Zustandekommen und Gelingen der Jung-Jüdischen Veranstaltung verdienstlich machten. Das Reinerträgnis von K 235.— wurde dem k. u. k. österr. Kriegsfürsorgeamte und dem Türkischen Roten Halbmonde zugeführt. O. V. HiMtion des EionisHsäen ZcnfeaJ- Komitees für die Elüriiüinge m 6a- Wim und dep BuMna. 13. Ausweis. Bisheriges Reinerträgnis aus dem Verkaufe der Abzeichen 708.—, Sammlung des Assistenzarztes Dr. Samuel Rosenthal, Mährisch-Weißkirchen, im Infanterie-Regiment Nr. 56 61.—, Sammlung vom 8. April 1915 des Dr. Isidor Krengel, Landesadvokat in Krakau, anläßlich der Hochzeit Erna Wortsmann-Dawid Rettig 25.—. An Einzelspenden Hefen ein: N. N. 1.—, Alexander Geller und Frau als Dank für die ihnen anläßlich ihrer Vermählung zugekommenen Gratulationen 10.—, Anna Mandel 5.—, Hermann Geiringer 5.—, Anna Drill 5.—, Laura Neumann 5.—, Ella Neumann 5.—, Hugo Humburger, Ertrag einer gewonn. Wette 10.—, Leo Popper, Smidar, Böhmen 10.—, Leutnant Dr. I. B., Pozsony 3.—, „Aus Erkenntlichkeit“ Sammlung durch D. Koch 6.94, M. und E. Michelstädter 6.—, Redakteur Julius Löwy 10.—. Summe K 875.94 Laut 12. Ausweis „ 21.799.57 Bisherige Gesamtsumme K 22.675.51 genannt 10.—, Dr. Karl Pollak 7.—, Marie Oberländer 5.—, Eduard Reinhaid Sc Comp. 4.—, Karl Fröhlich 4.—, Frau Antonie Schlossberger 2.—, Sammlung durch Dr. Schlichter:- Jaques Modern, Monatsbeiträge 40.—, Karoline Brünn- Rothberger, Monatsbeiträge 20.—, Frau Generalsekretär Steiner, Monatsbeiträge 34.—, Julius Kohn, Monatsbeiträge 12.—, Wachtel-Löwus, Monatsbeiträge 16.—, kais. Rat Ludwig Kraus, Monatsbeiträge 16.—, Paula Beer-Hoffmann, Monatsbeiträge 8.—, Siegfried Salzer, Monatsbeiträge 12.—, Dr. Julius Elias, Monatsbeiträge 8.—, Brüder Mittler, Monatsbeiträge 8.—, Siegfried Albers, Monatsbeiträge 12.—, Moritz Karpel, Monatsbeiträge 12.—, Frau Hermann Elias, Monatsbeiträge 12.—, Leon Schwanenfeld, Monatsbeiträge 3.—, Edmund Nebenzahl, Monatsbeitrag 4.—, Ludwig Gronner, Monatsbeiträge 4.—, Marie Goldstern, Monatsbeiträge 4.—. Alexander Kaiser, Monatsbeitrag 4.—, Gustav Holzer, Monatsbeitrag 4.—, Emii Ehrenstein, Monatsbeiträge 8.—, Hermann Fürst, Monatsbeitrag 4.—, Frau Adica Herz, Monatsbeiträge 8.—, Gustav Korner, Monatsbeitrag 4.—. Tv?d PrM; Eastauration Jacques Benvenisti’s Wien, II. Weintraubengasse Nr. 7 Türkische Speisenspezialitäten. Abonnement in und außer dem Hause. »IBBB1IBI1IIIIIHIIIIH ■ BI ■ ■ iwa ■ RESTAURATION; s „zur rumäiiifdien Küthe“ * ■ Ch. Weiß vorm. Korn ■ ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. * g Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche, gj ■ ■■■■■HBHflflBBBBBBBBHB Spenden für die Ausspeisung. Reinerträgnis aus dem Wohltätigkeitsabend zugunsten der Ausspeisung der galizischen Mittelschüler aus Galizien 505.07, Carl Pollak 6.—, Hermann Geiringer 15.—, Anna Mandel 15.—, Anna Drill 15.—, Max Frankl 6.—, Fritz Frankl 6.—, Elsa Frankl 6.—, Paula Kolisch 6.—, Alois Mandler 6.—, Dr. Brod als ärztliches Honorar von Herrn O. Seinfeld 10.—, Moritz Karpel 6.—, Kohut Max 12.—, David Geiringer 6.—, Philipp Braun 6.—, Robert Guttmanu, Prag 1.20, N. N. durcli Ober-Ing. Robert Stricker 20.—. Für das Armenambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees Wien, II. Taborstraße 20 a. Ml Grab Söhne 200.—, H. Pordes (Wr. Ringcafe) 10.—, Leopold und Fanny Lourie als Kranzablösungsspende für weiland Herrn Dr. Max Landau 30.—, Julie Steinschneider, Petrovicz bei Jung-Woschitz 10.—, Lotte und Lilly Fluss (für Milch) 50.—, Anton Löw 5.—, Max Ritter von Kahler, Prag 100.—, Kultusgemeinde Skotschau 50.—, Einj.-Freiw. Med. David Balta, derzeit Meran, Genesungsheim 5.—, Israel „Advokat 5.—, kais. Rat Paul Lemberger 50.—, Robert Drucker 5.—, Frau Jenny Mayer - Rappaport, Hamburg 10.—, Sammlung durch Frau Mayer - Rappaport, Hamburg 150.—, „Am Todestage unseres einzigen Schatzerls“ 15.—, Tempelbauverein für den 8. Bezirk nomine der Herren Adolf, Kommerzialrat Otto, Edmund und Arthur Beck 50.—, Philipp Gomperz 50.—, Robert Guttmann, Prag 2.40, Bernhard Stein 10.—, Major Franz Grünebaum Edler' von Bruckwohl 100.—, Ferdinand Kohn 10.—, Theodor Kellner 10.—, Dr. Max Freiherr von Mayr 10.—, Gebrüder Riesz 20.—, Richard Kohn 10.—, Dr. Alfred Lanzer 40.—, Michael Löw, Bisenz 50.—, M. L, 3. Bezirk, Weißgärberlände 5.—, Dr. Emil Berger, Genf 50.—, Sigmund Barber 5.—. Summe K 1.117.40 Hiezu früherer Erlös ' „ 27.546.25 Zusammen K 28.663.65 * Zur Aufbesserung der Kost und Anschaffung von Milch und Butter sind dem Ambulatorium zugekommen: Sammlung durch Reichsratsrevisor Rudolf Taussig41.—, Sammlung der Beamtenschaft „Kosmos“ 35.—, Frau Dr. Hedwig Wohl 20.—, Dr. Schlichter 11.20, Sammlung durch Frau Rifke Frank 10.—, anonym durch Frau Paula Kohn 10.—, anonym durch Frl. Rosenzweig 10.—, Un¬ Cafe „Marienbrücke“ IlILili L, Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Cafe Maria tiieresia S0*3 I., Rcfiensfaafsngasse 21 (Ecke Maria Theresienstraße) _ Vollständig neu renoviert. Modemst eiligepi richtet (Drei Seiffertbillards). Sämtliche in- ® und ausländische Zeitungen liegen auf. £ Stamm-Cafe der Lese- und Redehalle jüd. ö Hochschulen — Für aufmerksame Bedienung ist bestens g gesorgt. g •QBDcBaacisocKiaeissaesJsacsscBi)« : Cafe Jägerhof (Weiss) 5 5 IX., Porzellangasse 22. 5 | Vornehmes Familien - Cafe j J modernst eingerichtet ■ ■ gut ventilierte Spielsäle. ■ ■ Zentral-Lokal der Zion. Ferialverbindungen. ■' ■ Sämtliche in- und ausländischen Zeitungen ■ J sowie alle Zion. Blätter liegen auf. 3 Q :□ Cafe ADLER I., Schottenring Nr. 12. Telephon 14737. Familien-Caffe ersten Ranges. Adler~Platte Nachtmahl- Spezialität feiner Aufschnitt und andere kalte Speisen. — Biere vom Faß. Weine offen und in BouteiUen. — Neu adaptierte prachtvolle Souterrain-Lokalitäten mit Kegelbahn an Vereine und Gesellschaften zu vergeben. 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