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Jüdische Zeitung · 1915-05-28 · 21 (28.5.1915) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
21 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG WKC NRTIDNPIL -JÜDISCHES ORBRN 5«g rrrtrm Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“' 0%nn Bi Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden | _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnemenstspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 21. Wien, Freitag, den 28. Mai 1915. IX. Jahrgang. Jüdisches Rrchiu. Soeben erscheint „Jüdisches Archiv“ Heft I der Mitteilungen des Jüdischen Kriegsarchivs. Aus dem Inhalt: Die Juden in Galizien und der Bukowina unter der russischer Invasion. (Authentische Originalberichte und dokumentarische Belege). Leiden der Juden in Russisch-Polen. (Original-Korrespondenzen).— Die Anteilnahme der österr.- (Patriotische Aktionen und Kundgebungen, hervorragende Einzelleistungen). — Juden als (Listen der Ausgezeichneten, Anerkenungsschreiben, Episoden usw.). — Verschiedenes. ungarischen Juden am Kriege. Soldaten und Offiziere. —: Preis: 60 Heller (50 Pfennig), mit Porto 80 Heller (60 Pfennig). 1 _ Vorausbestellungen durch den Verlag R. LÖWIT, Wien, I. Rotenturmstraße 22 oder durch das JÜDISCHE KR1EGSARCHIV, Wien, II. Zirkusgasse 33. Der österreldiisdie Krieg. Der Treubrücb Italiens wird für die innere Lage unserer Monarchie Folgen zeitigen, wie sie auch die glühendsten Patrioten nicht erwarten konnten. Dieser Angriff, bezw. die Forderungen, deren Nichterfüllung zum Angriff führen mußten, Zeigt nämlich mit einem Male mit einer nicht zu (übersehenden Deutlichkeit, daß die kleineren und kulturell erst aufstrebenden Völker, die Oesterreich bewohnen, ohne den Schutz des österreichischen Staatsverbandes den Gelüsten irgend eines gierigen Nachbarn hilflos ausgeliefert Wären. Nur die Zugehörigkeit der s!üdslavis'chen Gebiete rettet davor, von Italien aus strategischen, handelspolitischen, oder besten - falls historisch-sentimentalen Motiven eingesteckt zu werden. Man kann allerdings die Wirkung eines solchen Raisonements auf die beteiligten Völker und Völkersplitter selbst leicht überschätzen; im jetzigen Augenblick dürften diese Ueberlegungen nur dort wirksam werden, wo ihnen schon vor dem Kriege etwa durch religiöse, oder gar klerikale Propaganda der Boden geebnet wurde. Aber schon jetzt wird eS den intellektuellen und führenden Kreisen aller slavischen Völker klar werden, was für sie Oesterreich bedeutet und man müßte sich in der Psychologie eines Slavischen Volkes sehr, sehr irren, würden dort die Ereignisse der letzten Wochen nicht manches fast verschlossene Auge öffnen und der Ruf der österreichischen Staatsidee nicht einen lauten Widerhall finden. Es wäre recht vieles anders gekommen, hätte inan in Wien diesen vor dem Kriege nur in der Publizistik und dort nur mit imzulänglichen Mitteln verfochtenen Gedanken von der Freiheit und gegenseitigen Freih'eitsgarantie der österreichischen Völker auch bei Kriegsausbruch mit aller Energie ausgesprochen; merkwürdigerweise: betätigt ist er bei uns immer mehr worden als in irgend einem Staatsrahmen der Erde. Uns Juden geht das alles mehr an, als es auf den ersten Blick Scheinen könnte. Keinem Volke dart man zumuten, daß es für ein anderes in den Kampf ziehe. Alles Blut, das unsere jüdischen Helden auf den Schlachtfeldern vergossen haben, alles junge Leben, das sie ausgehaucht, es ist für die Freiheit und Unantastbarkeit der gesamten Monarchie geschehen und für die Unabhängigkeit jedes einzelnen in seinen Grenzen wohnenden Volkes. Die Ukrainer sind dafür ein Beispiel mit fast aufdringlicher Deutlichkeit: die Ruthenen Oesterreichs haben die Möglichkeit freier Entfaltung; das ist für die Unterdrückungspolitik Rußlands ein geiährlicher Faktor, da Freiheitsbewegungen vor politischen Grenzen kein Halt machen; folglich muß das galizische Stück der alten Ukraina Oesterreich entwunden werden, um alle Tendenzen dieser Art schon im Keime töten zu können. Komplizierter schon ist das jüdische Problem, aber doch noch immer deutlich genug, zu zeigen, daß wir Juden für unsere eigene Sache kämpfen, wenn wir für Oesterreich kämpfen, daß also jedes Volk seine eigene, nicht eine fremde Sache verficht — mag es sich auch um das wertvolle und kulturell höchststehende deutsche Volk handeln —. Die nationale Selbstbestimmung und das Eigenrecht aber sind die höchsten Güter der Monarchie; nicht so sehr, weil sie schon verwirklicht sind, als weil ihre Verwirklichung die österreichische Staatsidee ist. Wir Juden erfaßten das vielleicht mehr gefühlsmäßig, aber gewiß eindrucksvoll durch die reiche Hingabe kostbarsten jüdischen Blutes und durch die freudige Opferwilligkeit an materiellen Gütern. Darum hoffen wir zuversichtlich, daß während des Krieges und nach demselben jede Vorherrschaft irgend eines Volkes — seien es die Deutschen, die Polen oder ein anderes der vielen — unmöglich sein wird: Oesterreich ist das Reich der freien Völker, nicht die Domäne eines einzigen. Die jöOisdien Elüdrtlioge io Ungarn. Führwahr, es ist ein bitteres Los, jüdischer Flüchtling zu sein. Am härtesten hat aber das Schicksal die flüchtended Juden getroffen, die es nach Ungarn geworfen nat Nach den letzten Vorgängen lesen wir in den Budapester Tageszeitungen: _ „Der Munizipalausschuß der königlichen Freistadt Kolozsvär (Klausenburg) hat auf Antrag des Universitätsprofessor Dr. Stephan von Apäthy beschlossen, die Regierung aufzufordern, sie möge gegen die nach Ungarn geflüchteten Galizianer mit der von der Menschlichkeit erlaubten größten Strenge Vorgehen, und diese ihre Eingabe allen Munizipien des Landes zukommen zu lassen, um ihre Zustimmung zu erwirken.“ Die Stadt Großwardein hat bereits Gelegenheit gehabt, sich mit dieser Eingabe zu befassen und Obergespan v. Hlatky gab unter Zustimmung des Munizipalausschusses, seinem Befremden über die unerklärliche Stellungnahme der Stadt Klausenburg Ausdruck, wodurch Leute getroffen werden, die das meiste verloren haben und zufolge des Krieges heimatlos geworden sind. Er erklärte ferner, die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina verdienen Mitleid, Bedauern und Hilfe, die Klausenburger Zuschrift schlage jedoch dem menschlichen

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