Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 18 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE ZEITUNG Nr, 18 stützen der palästinensischen Institutionen gewesen waren, hielten wir es für unsere Pflicht, soweit wir konnten, einen Ersatz für diese Unterstützung zu schaffen. Zu diesem Zwecke versuchten wir, die Amerikanisch-Zionistische Organisation wieder auszubauen und in Amerika Fonds zu sammeln, um die bereits in Palästina geschaffen<3i zionistischen Institutionen aufrecht zu erhalten. Wir unternahmen also die Sammlung eines Hilfsfonds von 100.000 Dollar in der Voraussetzung, daß dieser Fonds genügen würde, um die unerläßlichen Ausgaben unserer Organisation besonders in Palästina zu decken. In dieser Absicht plante das Komitee die Veranstaltung öffentlicher Versammlungen und eine Propaganda, die sich über einen großen Teil des Landes erstrecken sollte. Bei dieser Arbeit waren Louis D. Brandeis und Dr. Schmarja Lev in, Mitglied des Engeren Actions- Comites, besonders tätig. Sie wurden dabei von der Föderation der Amerikanischen Zionisten unterstützt, die es zum großen Teile auf sich nahm, Sitzungen mit den lokalen zionistischen Organisationen zu veranstalten. Für gütigen Beistand sind wir zu besonderem Dank ihrem tätigen Vorsitzenden Herrn Lipsky und dem fähigen Sekretär unseres eigenen Komitees, Herrn Perlstein, verpflichtet. Unter den Rednern befanden sich weitere Mitglieder des „Provisorischen Exekutiv-Komitees“, so Dr. Stephen S. Wise, Dr. J.L. Magnes, Professor Gottheil und Frl. Henriette Gold. Wir fanden im ganzen Lande bei den Juden der verschiedensten Klassen eine ausgesprochen freundliche Stimmung für die Palästinafrage und eine gute Aufnahme unserer zionistischen Propaganda. Die Resultate waren zufriedenstellend, denn schon in den ersten drei Monaten gelang es uns, mehr als die Hälfte der Summe zusammen zu bringen, deren Aufbringung wir uns als Ziel gesetzt hatten. Doch der finanzielle Erfolg war weder der einzige, noch der Haupterfolg unserer Bemühungen. Unsere Hauptbefriedigung liegt in der Tatsache, daß es uns gelungen ist, Männer für unsere Sache zu interessieren, die bisher noch nicht Anteil am Zionismus 'genommen hatten und die aktive Mitarbeiter zu werden versprechen. Wir sind überzeugt, daß Amerika große Möglichkeiten bietet und daß weitere Bemühungen von immer größeren Ertolgen gekrönt sein werden. Ende Oktober bemerkten wir, daß die Katastrophe, die sich aus dem Kriege für die Juden ergab, größere Dimensionen angenommen hatte, als selbst wir ursprünglich geglaubt hatten. Unser „Provisional Committee“ sah sich daher genötigt, seine Tätigkeit weit über das Arbeitsgebiet des eigentlichen Zionismus auszudehnen. Das furchtbare Elend der Juden in Ost-Europa und Palästina nötigte die Juden Amerikas, eine allgemeine Hilfsarbeit einzuleiten und sich mit den weiteren aus dem Kriege entstehenden jüdischen Problemen zu beschäftigen. Mitglieder des „Provisional Committee“ nahmen eine hervorragende Stelle bei der finanziellen Arbeit des „Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees“ ein, das sich die Aufgabe gestellt hatte, den Juden alier Länder, die durch den Krieg gelitten hatten, Hilfe zu bringen. Mr. Brand eis war Vorsitzender des Komitees, welches das „Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee“ gründete, und wurde später Vorsitzender des Zweigkomitees für New - England. Dr. Harry F r i e d e n w a I d ist Vorsitzender des Komi - tees in Baltimore und Mr. E. W. Lewin-Epstein und Dr. J. L. Magnes waren tätige Mitglieder des „Executive Committee“. Dr. Magnes als Vorsitzender des Palästinensischen Hilfsschiff-Komitees, das unter der Leitung des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees gebildet wurde. In Boston waren Jacob de Haas und andere Zionisten tätige Mitglieder des Amerikanisdi - Jüdischen Hilfskomitees. Im Hinblick auf die Hilfsarbeit in Palästina war das „Provisional Committee“ besonders tätig. Anfang September, noch vor der Organisation des Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitees, verband sich das „Provisional Committee“ mit anderen, um die Summe von 50.000 Dollar aufzubringen, die Dr. R u p p i n auf die Bitte des amerikanischen Botschafters Mr. Morgenthau hin gesandt wurde, um der dringendsten Not in Palästina abzuhelfen. Zu dieser Summe steuerte das „Provisional Committee“ 12.500 Dollar bei und dieser Betrag ist uns durch1 die Freigibigkeit des Herrn Nathan Straus ermöglicht worden. Komitees zur Verteilung dieser Summe wurden in Jaffa, Jerusalem und Haifa gebildet, deren zionistische Vertreter Dr. R u p p i n und Dr. Aaron Aaronsohn waren. Infolge einer Abmachung, welche der Botschafter Morgenthau getroffen hatte, wurde das Geld aut einem amerikanischen Kriegsschiff nach Palästina gebracht. Sein Schwiegersohn, Mr. Maurice W e r t h e i m, erhielt die Verfügung darüber und ging nach Palästina, um Anordnungen für eine richtige Verteilung zu treffen. Die Geldnot in Palästina, der wir, wie wir hofften, in manchen Teilen durch die Uebersendung der 50.000 Dollar gesteuert hatten, wurde noch weit schlimmer, nachdem die Türkei sich an dem Kriege beteilig! hatte. Beinahe unüberwindliche Hindernisse wurden dem Import und Export Palästinas entgegengestellt, und Judäa, der hauptsächliche Sitz unserer Kolo - nien, wurde der Schauplatz militärischer Operationen. Die politischen Gefahren, denen die Juden in Palästina ausgesetzt waren, — ein Ergebnis des Krieges —, waren groß und machten uns viel Sorge. Dank der freundlichen Haltung der amerikanischen Regierung und dem großen Eifer des Botschafters Morgenthau in Konstantinopel wurde es uns möglich gemacht, die Verbindung mit Palästina aufrecht zu erhalten, sowie Geld und Nahrungsmittel nach Palästina zu schicken.*) Nicht genug können wir der Regierung für ihren Beistand dabei danken. So wurde es uns ermöglicht, die Fonds aus verschiedenen Quellen und zu verschiedenen Zwecken nach Palästina zu senden. Nachrichten, die wir Ende Jänner empfingen, überzeugten uns, daß wir, da in manchen Teilen Palästinas große Schwierigkeiten bestanden, sich Nahrungsmittel zu verschaffen, Vorräte direkt aus Amerika schicken müßten, um der Möglichkeit einer tatsächlichen Hungersnot vorzubeugen. Die zionistischen Führer hielten es daher für richtig, ein Hilfsschiff von Amerika nach Palästina zu •'schicken, und Schritte wurden getan, um Geld und andere Beiträge für eine geeignete Ladung von Nahrungsmitteln zu erlangen und ein ^Schiff zu diesem Zwecke zu chartern. Die Bewegung wurde eingeleitet durch das Anerbieten des Herrn Nathan S t r a u s, für diesen Zweck 50.000 Dollar zu stiften. Das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee bewilligte infolge der Anstrengungen des Dr. Magnes große Summen zu diesem Zweck; und die zionistischen Organisationen in 40 Städten gaben Ueiträge von Geld oder Lebensmitteln. Hierbei waren Jacob de Haas aus Boston, sowie Nathan. D. Kaplan und M. Schulman aus Chicago besonders tätig. Indessen waren die /Schwierigkeiten, -ein Schiff zu bekommen, sehr groß und schienen im Augenblicke beinahe unüberwindlich. Da gewährte uns die amerikanische Regierung unentgeltlich die Möglichkeit, 200 Tons Nahrungsmittel auf dem „Vulcan“,*) der am 10. März nach Jaffa segelt, zu verschiffen. Mr. Louis H. Levin aus Baltimore, ein erfahrener und fähiger Mann, wird die Sendung begleiten als ein "Vertreter, der alle an der Sendung Beteiligten sicher zufriedenstellen wird. Herr Rechabiah Levin-Epstein, Sohn unseres bewährten Gesinnungsge - nossen Herrn E. W. Levin-Epstein, wird ihn begleiten. Die auf dem „Vulcan“ befindlichen Vorräte sollen nicht nur ausschließlich an Juden verteilt werden. Die anderen bedürftigen Bewohner Palästinas werden ebenfalls in gerechter Weise bedacht werden. Das Geld, das für das Hilfsschiff nach Palästina gesammelt wurde, übersteigt weit die geforderte Summe und es wird beabsichtigt, späterhin eine weitere Schiffsladung nach Palästina zu senden. Amerika versucht auch auf andere Weise, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Palästina zu steuern. i Orangen bildeten den Hauptexportartikel der jüdischen Kolonisten. Die Hauptmärkte für Orangen waren Liverpool, Aegypten, Rußland und Australien. Als die Türkei ,an dem Kriege teilnahm, wurde den Kolonisten untersagt, Orangen nach diesen Häfen auszuführen, und es bestand die Notwendigkeit, einen anderen Markt zu finden. Zu diesem Zwecke unternahm Mr. Samuel Pewsner aus Haifa eine Reise nach Amerika, um zu sehen, ob es möglich sei, dort einen Markt für Palästina-Orangen zu schaffen. Zur Probe wurden mehrere tausend Orangen-Kisten nach Amerika geschickt. Ein besonderes Komitee wurde gebildet, um pie hier einzuführen, und infolge der Anstrengungen dieses Komitees wurden die Orangen zu einem Preise verkauft, der genügte, um alle Unkosten in Amerika zu decken und eine Summe von 9000 Dollar für die Kolonisten übrig zu -lassen. Aus dem Ergebnis dieses Verkaufs kann man jedoch nicht schließen, daß Amerika ein günstiger Markt für Orangen ist, denn der hohe Preis, den wir für sie erzielten, beruht zum Teil auf dem menschenfreundlichen Wunsche der Käufer, den Palästinensern zu helfen. Versuche, einen Markt in Amerika zu gründen, wurden jedoch bald vereitelt durch einen Befehl der türkischen Regierung, die weitere Exporte von Orangen aus Palästina untersagte, der seither wieder zurückgenommen wurde. Zwei Vertreter des Jüdischen Nationalfonds, Dr. Kapllan-Kaplansky und Dr. Epstein, sind nach den Vereinigten Staaten gekommen, um die Interessen der Organisation des Jüdischen Nationalfonds'!zu fördern. Wir haben allen Grund «zu glauben, daß ihre Arbeit gute Resultate erzielen wird und daß der amerikanische Beitrag zu dem Jüdischen Nationalfonds im Laufe des nächsten Jahres wachsen wird, trotz der gegenwärtigen geschäftlichen Depression. Das Nationalfonds-Bureau in New York veranstaltete am Purim einen Flaggentag, um Beiträge für den Jüdischen Nationalfonds zu sammeln. Die Resultate waren recht zufriedenstellend. Die Aufreclitethaltung der allgemeinen Organisation und der Institutionen in Palästina erfordert jährlich mindestens 600.000 Frcs., wenigstens die Hälfte dieser Summe sollte außerhalb der Vereinigten Staaten gesammelt werden, und wir sind überzeugt, daß, falls alle zionistischen Organisationen sich genügend anstrengen, dies auch erreicht werden kann. Selbst wenn der Friede eintreten sollte, so werden die Verwüstungen, die der Krieg verursacht hat, die äußersten Anstrengungen unsererseits erfordern, um die entstandenen Verluste wieder gut zu machen, und den Bedürfnissen, die die jetzige Lage erfordert, kann nur dadurch entsprochen werden, daß man unsere Organisation in allen Ländern kräftigt. Im Namen des Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs. gez. Louis D. Brandeis. Zionisten im Felde. Das „Kartell Jüdischer Verbindung e n“ gibt Kenntnis von dem infolge Unfalles in Metz erfolgten Ablebens Jlires Vorsitzenden Dr. Erich Rosenkranz, Berlin, Chefarzt des Lazaretts Blandinenstift in Metz. „In ihm verlieren wir den Führer — heißt es im Nachruf — der länger als acht Jahre hindurch erst den „Bund Jüdischer Corporationen (B. J. C.)“, dann das „Kartell Jüdischer Verbindungen“ (K. J. V.) als Vorsitzender des Präsidiums geleitet hat. Seine Tatkraft und Umsicht ^iat der nationaljüdischen Akademikerschaft Deutschlands zu der Bedeutung verholten, die sie heute besitzt, seine väterliche Fürsorge für seine Bundesbrüder ihm ihre nie erlöschende Liebe gewonnen. Als ein treuer Sohn des jüdischen Volkes, als ein Mann von reinem und festem Charakter wird er, ein strahlendes Vorbild, in unserem Andenken fortleben!“ Dr. Hugo Stössler, k. k. Regimentsarzt des L.-I.-R. 30, beim Feldspital Nr. 8/9, zum zweiten Male im Felde, erhielt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde.. Heinz Koch, der in den Karpathen den Heldentod gefunden hat, ernannte die „Neure Jehu’da“ im Trauerkouvent zum Ehrenmitglied und widmet ihm folgenden Nachruf: „Nicht an offenem Grabe kann Deine „Neure Jehuda“ abschiednehmend von Dir stehen. Weit weg von uns liegst Du und Wir wissen nicht einmal wo. Im Geist sind wir bei Dir und im Geist wollen wir über trennende Gebirge hinweg Dir nochmals die Hand drücken und Dir danken für alles, was Du uns gegeben an treuer, hingebender, an stiller und aufopfernder Arbeit und Liebe zum gemeinsamen Werk. Was Du uns gewesen als Freund, der sich gleichem Streben gesellte, was Du uns gewesen als idealer Mensch, das können wir iir nicht danken. Tief stehen wir in Deiner Dankesschuld und sie Dir tabzustatten hat uns ein grausames Schicksal verwehrt. Du hast einen schönen Tod gefunden, aber wir stehen hier ärmer an Liebe. Eines nur können wir uns, im Geiste an Deinem Soldatengrabe stehend, schwören: Die Schuld, die Dir abzustatten uns verwehrt ist, die wollen Wir dem Ziele, das auch Deines gewesen, dem Werke, an dem Du mit uns gearbeitet, geben. In Deinem Sinne wollen wir weiter wirken und Deiner nie vergessen. Ruhe sanft, lieber Heinz!“ H. Hugo Brief, Fähnrich im Festungs-Art.- Reg. Nr. 1, A. H. der zion. Verbindung „Achiwah“ in Ung.-Hradisch, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit der silbernem Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Unser Gg. Feldwebel Sam. Helfgott aus Preßburg erhielt für sein ungewöhnlich tapferes Verhalten beim Sturm auf die Höhe Kostcynik die silberne Tapferkeitsmedaille. Fähnrich Ing. Artur Hoch Städter, Wien, A. H. der „Bar-Kochba“, Wien, erhielt die große silberne Tapferkeitsmedaille. Hilfsaktion des Zionistischen Zentral* homitees für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. XII. 'Ausweis. Sammlung unter den Juden des 89. Inf.- Reg. K 10.—, Sammlung des Frl. Nettei (Sam- Rmelbüchse) K 21.22, Abrechnung der Filiale VI, Hofmühlgasse 2, K 31.96, „Aus Eerkenntlichkeit“, Sammlung durch Dr. Koch K 12.52, Sammlung durch Dr. H. Syrop: Lazar Syrop, Nowytarg, K 50.—, Sammlung der „Neure Jehuda“ K 19.50, Sammlung durch Dr. Karl P o 11 a k: Dr. V. Scharf K 5.—.