Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 18 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHE ZEITUNG 1«« NRTIDNFIL -JÜDISCHES ORGAN rmrum Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS« ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnemenstspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr.™ B Mk. 3. . Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 18. Wien, Freitag, den 7. Mai 1915. IX. Jahrgang. Zweierlei Hak Sicherlich wer sich verteidigt, der klagt sich (an; aber nur wer zur Verteidigung greift, ohne vorher angegriffen worden zu sein. Und das können auch die verbissensten Hasser der Juden nicht behaupten, daß unsere Apologie allzu früh beginnt. Besonders in den augenblicklichen Zeitläufen haben wir Juden lange, allzulange geschwiegen, Wo es sich um vorübergehende oder patikularistische Interessen handelt, sondern für Jahrzehnte das Schicksal unseres Volkes entscheidet. In den nun schon 9 Monate währenden Kämpfen hat sich das jüdische Element innerhalb der Bevölkerung der Monarchie in einer Weise hervorgetan, die die Anerkennung der höchsten Kreise, in letzter Zeit erst das umunwundenste Lob des Thronfolgers gefunden hat. Nicht oft genug können die wahren Tatsachen gesagt werden, die für die Flucht der Hunderttausende von Juden vor der russischen Invasion maßgebend waren; daß sie nicht, wie die übrigen Schichten die Russen gleichmütig erwarten durften, sondern in (wilder Flucht alles, was ihnen teuer war, lassen .mußten, da ihre unverbrüchlich staatstreue Gesinnung, die nicht durch den rollenden Rubel und nicht durch die Lockungen einer höheren russischen Kultur oder selbst einer Befreiung von dem schwerlastenden Polentum wankend zu machen war, was den Aposteln des Zarismus und auch den Staatslenkem in Petersburg nur allzu bekannt war. Auf der anderen Seite die unschätzbaren Leistungen der jüdischen Reserveoffiziere. Erst im letzten Heft;des „März" hat der sozialdemokratische Abgeordnete Karl Leuthner in einem Aufsatz über die schmählichen Enttäuschungen, die die Gegner Oesterreichs erleben mußten, auf die alle Erwartungen übersteigende Tapferkeit der jüdischen Reserveoffiziere hingewiesen; die gleichen, die seit Jahrzehnten eine gern gesehene und vielbelachte Figur auf der Operettenbühne abgegeben haben. Die Umsicht und Intelligenz, das Stark ausgebildete Verantwortlichkeitsgefühl, das diesen Männern des praktischen Lebens schon im Frieden zu eigen war, hat!sie zu wahren Führern des modernen Volksheeres gemacht. Die helle Begeisterung und das tiefe Gefühl für die Gerechtigkeit der Sache, für die sie die Waffen führen, verdanken die Juden dem nationalen Geist, der sie durchflutet. Aber es sollen auch1 die zahllosen jüdischen Helden unter der Mannschaft nicht vergessen werden,' die “gestern poch den friedlichsten Berufgn, nachgegangeh sind, vielleicht gar in Kaften ioder Pejest.urid heute schon den naturgejvShttjeni Äelplefh,- oder Men halbzivilisierten Karstsöhnen picht Ürnern Haar von Tapferkeit nachgeben. - ’ Nicht" abzumessen^ ist die Bedeutung der Juden auf dem Gebiete der charitativen und sozialen Fürsorge, wo sie oftmals freiwillig Lasten aut sich genommen haben, die in keinem Verhältnis zu ihrem eigenen Wohlstände stehen. Es gibt Landteile der Monarchie, wo die Spenden für das Rote Kreuz, die Kriegsfürsorge, Arbeitslosigkeit usw. zu dreivicrteln von. Juden, getragen Werden. Ein Blick in die Zeitungen genügt, um den übermäßigen Prozentsatz von jüdischen Namen;in den Spenden-Listen zu erkennen. Lind das ist umsomehr Zu unterstreichen, als sich auf diesem Gebiete die opferwillige Einmütigkeit der gesamten .Bevölkerung der Monarchie in der grandiosesten Form gezeigt hat. Ueber die Beteiligung der Juden an der Kriegsanleihe mag ganz geschwiegen werden; das Kapital, soweit jes im Augenblick in jüdischen Händen ist, hat sich gewiß in einem Maße an der Begebung der Kriegsanleihe beteiligt, daß die Regierung allen Grund hatte, im höchsten Maße mit der patriotischen Haltung des „internationalen, jüdischen Kapitals“ zufrieden Zu sein. Und das gleiche wird ganz gewiß auch für die Zukunft Geltung haben. Es ist nicht zu zweifeln, daß man in den höchsten Kreisen den Juden für ihre Haltung Dank weiß und diesen Dank auch durch die Tat zum Ausdruck geben will. Aber die Uebersicht über die Taten und Leistungen des jüdischen Elements geht dem größten Teil der Bevölkerung ab. Sie weiß davon nichts oder wenigstens nicht viel. Täiiskeifs&eridif des Zionisiisdien Exchutiutiomiiees in Rmeritia. (Rechenschaftsbericht, erstattet vom Provisori - sehen Exekutivkomitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten in Amerika.) Das „Provisorische Exekutivkomitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten“ (Provisional Executive Committee for General Zionist Affairs) wurde am 30. August 1914 gegründet una seine Tätigkeit erstreckt sich auf eine Zeit von über sechs Monaten. Zur Zeit der Gründung des „Provisional- Committee“ war es natürlich unmöglich, die Ausdehnung vorauszusehen, die der jetzige Krieg angenommen hat. Damals hofften wir, daß die Türkei nicht in den Krieg verwickelt werden würde. Wir setzten uns deshalb im allgemeinen folgendes Ziel: Die Aufrechterhaltung der Zionistischen Organisation und der Institutionen, die die Zionisten in Palästina geschaffen haben. Es war uns klar, daß natürlicherweise die Tätigkeit der Zionisten sehr gehemmt und womöglich in den kriegführenden Ländern eingestellt werden würde. Da Rußland, Deutschland und Oesterreich bis dahin die finanziellen Haupt-