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Jüdische Zeitung · 1915-04-23 · 16 (23.4.1915) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
16 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG »MC NRTIQNRL -JUDI5CHE5 GRBRN rrirum Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ Erscheint wödhentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnemenstspreise: Für Oester- _ ® reich-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjäfcr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 45.325. g| Nr. 16. Wien, Freitag, den 23. April 1915. IX. Jahrgang. Perez-Ahend. Der Zionistische Zentralverein veranstaltet am Samstag, den 24. d. M., um 8 Uhr abends im Saale des Hotel Continental, II. Taborstraße, einen Perez- Abend, bei dem Herr Dr. Nathan Birnbaum die Einleitungsrede halten wird. Im Anschluß daran Vorlesung aus den Werken J. L. Perez. Regiebeitrag 30 h. m m tn «rtra. «vn. «vt o%u oviiu Die Besitzer von Sammelbogen der Hilfsaktion des Zionistischen Zentralkomitees werden hiemit nochmals dringend aufgefordert, die Bogen im Zentralbiiro abzugeben. •n m m «n m m •«& mvuiu Aufruf! Neue Nachrichten aus Palästina zwingen uns, an alle, die ein fühlendes Herz für die Notlage unserer palästinensischen Brüder haben, heranzutreten, um der schlimmsten Not daselbst steuern zu können. Wenn Palästina auch bisher von den unmittelbaren 'Kriegsgreueln verschont geblieben ist, so leidet es doch unsagbar unter der vollständigen Isolierung. Gibt es doch nur wenige Länder, die so völlig auf den Verkehr zur See angewiesen sind wie Palästina, dessen Hafenstädte Jaffa, Haifa und Gaza fast die gesamte Ein- und Ausfuhr des Landes vermitteln; denn der einzige Schienenstrang, der Palästina mit dem oberen Syrien verbindet, kommt auch in Friedenszeiten nur einem kleinen Teil des Landes zugute und dient jetzt ausschließlich den rückwärtigen Verbindungen des gegen den Suezkanal marschierenden türkischen Heeres. Die im Lande sonst um diese Jahreszeit vorhandenen Vorräte sind großenteils zur Ernährung des Militärs herangezogen. Da die Schiffahrt in der Levante durch die das Meer beherrschenden Dreiverbandsmächte fast völlig .lahmgelegt ist, so war die Folge einerseits das Aufhören jeglicher Erwerbsmöglichkeit für (große Teile der Bevölkerung, insbesondere für diejenigen, welche von dem Export der Produkte wie Orangen, Wein, Mandeln usw. leben, andererseits aber ein stets zunehmender Mangel an den wichtigsten Lebensmitteln und Oebrauchsgegenständen. So fehlt es schon jetzt ganz an Reis, Bohnen, Zucker, Tee, Spiritus; Mehl und Erbsen sind nur schwer zu beschaffen; Kaffee ist außerordentlich teuer geworden. Wenn bisher noch wenig Nachrichten über die Not in Palästina an die Oeffentlichkeit gedrungen sind, so liegt dies daran, daß der schriftliche Verkehr mit Palästina so gut wie ganz aufgehört hat. Auch hat die Not erst in der letzten Zeit einen wirklich bedrohlichen Charakter angenommen, da die schon früh einsetzende Hilfsaktion in Amerika än den ersten Monaten des Krieges die damals noch geringeren Bedürfnisse Palästina einigermaßen zu befriedigen vermochte. Hat doch Amerika in den ersten sechs Kriegsmonaten über eine Million M nach Palästina gesandt. Dazu kamen nicht unbeträchtliche Summen, die aus den in Europa noch von früher her liegenden Beständen der Hilfsorganisationen nach Palästina abgeführt werden konnten. Jetzt aber sind diese Summen aufgebraucht, und Hunger und Elend stehen vor der Tür. Man hatte (noch auf den Orangenverkauf gehofft, der allein den jüdischen Kolonisten eine Einnahme von 1 y2 Millionen Franks gebracht haben würde; aber leider muß die Orangenernte jetzt infolge der Unmöglichkeit des Exportes als total verloren angesehen werden, trotz der großen, leider aber vergeblich gebliebenen Anstrengungen, die man in Amerika gemacht hat, um die Erlaubnis zur Ausfuhr der Orangen sowie der Mandeln und des Weines zu erlangen. In Palästina selbst kann man nur sehr kleine Mengen absetzen und zwar zu so niedrigen Preisen — man kauft in den Städten für 10 Pfg. 125 der großen herrlichen Jaffa-Orangen .— daß dem Pflanzer überhaupt nichts davon bleibt. Der Mangel an Zucker verbietet endlich die Verarbeitung der Orangen zu Marmelade. Durch diesen Schicksalsschlag verarmen die Bauern so vollständig,- "Baß, iwenn ihnen nicht geholten wird, wenigstens den Lebensunterhalt, die Arbeitslöhne und das zur Bewässerung benötigte Petroleum zu beschaffen, die Pflanzungen vollständig verfallen werden. Damit würden Werte von 16 Millionen Mark, sowie eine zwanzigjährige Arbeit vernichtet werden. Aber auch abgesehen hievon sind die Ansprüche, welche die nächsten Monate an die Hilfsbereitschaft stellen, sehr bedeutende. Unsere Vertrauensmänner in Palästina haben festgestellt, daß ein Zuschuß' von mindestens 200.000 Mark monatlich nötig sein wird, um der schlimmsten Not der jüdischen Bevölkerung zu steuern und die .Betriebe aufrecht zu erhalten. Wir hoffen, daß das wirklich unermüdlich arbeitende Amerika auch fernerhin einen großen Teil der benötigten Summe aufbringen wird. Das Unterzeichnete Zionistische Zentralkomitee hat nun im Einverständnisse mit verschiedenen gesinnungsgenössischen Institutionen in Deutschland beschlossen, für das Hilfswerk in Palästina eine Sammlung einzuleiten. Die gesammelten Gelder*) sollen, soweit sie nicht von den Spendern für besondere Zwecke bestimmt sein werden, an erster Stelle die direkte Not lindem, und .zwar durch Verteilung von Nahrungsmitteln, durch Unterstützung und Bildung von Volks- oder Suppenküchen, oder durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. An zweiter Stelle steht die Hergabe von Darlehen an solche wirtschaftlichen Betriebe, die ohne Unterstützung zugrunde gehen würden oder die einer großen Anzahl von Arbeitslosen Beschäftigung geben können. Dagegen soll die Förderung kultureller Zwecke der Schulen, Kindergärten usw. wie bisher den einzelnen Vereinen überlassen bleiben. Zionistisches Zentralkomitee für Westösterreich!. *) Geldsendungen: Zionistisches Zentralbüro, Wien, II., Zirkusgasse 33. Die Gage in Palästina. Die wirtschaftliche Situation in den Kolonien hat sich in den letzten Wochen dadurch verbessert, daß man es verstanden hat, sich allen Schwierigkeiten möglichst anzupassen. Trotz des Geldmangels ist es gelungen, wenigstens die notwendigsten Arbeiten durchzuführen und man ist davon überzeugt, daß die Anleihe für die Bojarenbesitzer, die in Amerika aufgenommen werden soll, zustande kommen wird und dadurch noch rechtzeitig das für die Bojaren notwendige Petroleum zur Verfügung stehen wird. Die JNF- Betriebe hatten unter der allgemeinen Krisis in mancher Hinsicht zu leiden. Doch geht jetzt alles erfreulicherweise wieder einen ruhigeren Gang. Man kann fast alle Arbeiten, die ursprünglich von der Verwaltung im Wirtschaftsplan vorgesehen waren, ausführen. In diesem Jahre hat man sich besonders auf den Anbau von Gemüse verlegt. Auf der Pflanzungs- und Ackerbaufarm „Ben-SChemen“ werden täglich Milch und Käse nach „Tel-Awiw“, sowie Geflügel und Eier nach Jaffa gebracht. Die Genossenschaft Dagania am Jordan bringt in Ermangelung einer guten Verbindung nach Haifa, Jaffa oder Jerusalem ihre Produkte nach Damaskus zum Verkaufe. Die Auswanderung jüdischer Arbeiter ist nun zum vollständigen Stillstand gekommen. Nun aber ist die Lage besonders in den Kolonien etwas besser geworden, da. alle Beschäftigung haben, weil es ih den größeren jüdischen Kolonien an arabischen Arbeitern mangelt, die zum Militär einberufen sind. Mit der Erntezeit nach Pessach dürfte wiederum eine Besserung eintreten. Auch bei den Notstandsarbeiten sind eine große Zahl von Arbeitern beschäftigt. In den Städten ist die Arbeitslosigkeit bedeutend größer. Durch Ausführung von öffentlichen Arbeiten ist eine Erleichterung eingetreten, so z. B. Straßenarbeiten auf jüdischem Terrain am Meeresstrande und Wegbauten auf dem Karmelterrain der Immobiliengesellschaft. Die Armut in den Städten ist durch die Abreise einzelner ärmerer Elemente etwas geschwächt worden. Was die politische Lage betrifft, hat es die Ententepresse durch Treibereien erreicht, daß der sogenannte „arabische Antisemitismus“ wieder einmal aufgestachelt wurde, indem man erst die zionistischen Kreise des Sympathisierens mit England verdächtigte, um dann durch Unruhestiftungen das Ansehen der türkischen Regierung in den Augen der Welt herabzusetzen, ln der Tat herrschte in den judäischen Kolonien um Jaffa eine gewisse Besorgnis, daß es zu Ausschreitungen der aufgehetzten arabischen Bevölkerung kommen könnte. Zum Glück hat diese Besorgnis nicht lange gedauert. Der Kommandant der 4. ottomanischen Armee und Admiral der Marine Djamil Pascha hat in Jaffa und Umgebung in Tausenden Exemplaren folgenden Befehl veröffentlicht: „Es wird mir mitgeteilt, daß unter der Bevölkerung Nachrichten verbreitet werden, wonach unsere jüdischen Brüder in Palästina ihre nationalen Pflichten nicht erfüllen und .ihre Gefühle nicht mit denen der übrigen Ottomanen (übereinstimmen. Da diese Nachrichten der Wahrheit widersprechen und schädlich sein können, befehle ich mit aller Strenge, alle diese Ausstreuungen vollständig zu unterdrücken. Schwer bestraft wird jeder, der solche Nachrichten .verbreitet.“ Für die Veröffentlichung und zweckmäßige Verbreitung dieses Befehls haben auch die politischen Regierungsbehörden, die Gouverneure von Jerusalem und Jaffa in ausreichender Weise gesorgt. Um den Proklamationen Nachdruck zu verleihen, besuchte der Befehlshaber der syrischen und palästinensischen Armee am folgenden Tage das jüdische Viertel T e 1 a b i b in Jaffa und das hebräische Gymnasium, wo er von den jüdischen Deputationen mit dem Chacham Baschi an der Spitze feierlichst empfangen wurde. Auf die Begrüßungsansprachen antwortete der Regierungschef u. a.: „Ich habe zu Euch volles Vertrauen und hoffe, daß Ihr mit uns gemeinsam

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