Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1915-03-05 · 9 (5.3.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
9 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2438141-2438521-2438530--4395-2444247
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUD5CHE ZfflUtffi NflTIDNRL -JUDI5CHE5 ORGAN »W Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ B0 Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ _ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ® B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkohtb 133.404. — Telephon 45.325. ■ Nr. 9. Wien, Freitag, den 5. März 1915. IX. Jahrgang. Die Sorge um die Zukunft. Willig und hoffnungsfreudig hat die österreichische Judenschaft die Kriegslasten auf sich genommen. Alle Opfer an Gut und Blut hat sie ohne Murren getragen. Sie hat nicht gemessen und nicht gewogen, keine Vergleiche mit den Leistungen der anderen Völkerschaften angestellt. Die Juden Österreichs haben ihre Pflicht erfüllt. Und wenn gerade sie durch die Kriegslage am allerhärtesteri getroffen wurden, wenn heute fast die Häifte aller Juden Österreichs von Haus und Hof vertrieben, als heimats- und erwerbslose Flüchtlinge dastehen, SO soll auch dieses Opfer nicht den Gegenständ vori Klagen bilden. Es liegt im Interesse des österreichischen Vaterlandes und muß ruhig getragen werden. Aber dieses Opfer darf nicht zur Gänze auf jenen lasten bleiben, die unmittelbar vom Kriegselend betroffen wurden, nicht zur Gänze auf den Juden Galiziens und der Bukowina. Von den Pflichten der Regierung wollen wir hier nicht sprechen. Wohl aber von den Pflichten des österreichischen Gesamt Judentums. . Wir können mit Genügtuung konstatieren, daß der größte Teil der westlichen Judenschaft diese Pflicht für die Gegenwart anerkannt hat und sich ihrer armen Brüder tatkräftig annimmt. Es besteht aber die noch dringendere Verpflichtung, schön jetzt an die Zukunft der Vertriebenen zu denken, schon jetzt Vorsorge zu treffen, daß den vertriebenen Juden der Wiederaufbau ihrer Existenz ermöglicht werde. Vorsorge zu treffen, daß die Lösung dieses Problems nicht der Willkür einzelner Faktoren überlassen bleibe, weil dadurch nicht nur die österreichische Judenschaft ins tiefste Elend gestürfzt, sondern auch die vitalsten Interessen des österreichischen Vaterlandes aufs Schwerste geschädigt werden könnten. Die Aufgabe ist ungeheuer groß, die Schwierigkeiten, erscheinen heute fast unüberwindlich. Trotzdem darf diese Frage nicht umgangen werden. Wir dürfen ihr nicht feige ausweichen und mit Hitlweis auf die schweren Sorgen, welche die Gegenwart bringt, die Sorge für die Zukunft von uns abschütteln. Der österreichische Jude, der sich noch ein Restchen jüdischen Gefühls gewahrt hat, kann ünd darf sich dieser Erkenntnis nicht verschließen. Kein Jude darf sich bei dieser Arbeit abseits halten. r9"* *''V :tr x;i -. I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.