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Jüdische Zeitung · 1915-02-19 · 7 (19.2.1915) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
7 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Auserwähltheit teilhaftig sei. Natürlich ist dies nur eine vorübergehende Stimmung und das vom Aberglauben freie Hirn sieht nur eine fürchterlich bizarre Laune der Weltgeschichte. Siehe da, es bricht ein Weltkrieg zwischen mächtigen, kraftvollen Nationen aus und das Volk, das darunter am meisten zu leiden hat, ist gerade die jüdische Nation. Denn unter den Polen, mit ihnen verwoben, jedoch nicht vermengt, lebt ein gut Teil der Judenheit: drei Millionen Seelen der jüdischen Nation in Russisch-Polen und Galizien. Diese vielen Millionen müssen wahrlich ganz besondere, eigenartige Leiden erdulden, von denen sie als jüdische Nation betroffen werden. All der Schauer, der das Polentum ergreift, bemächtigt sich auch ihrer. Ihre Glieder dienen in den Armeen dreier Nationen und müssen ihre Glaubens- und Stammesgenossen hinmorden. Dies ist eine Qual, die weder der ungarische, noch der französische, noch der englische Soldat kennen. Und außerdem vernichtet der Krieg auch noch ihr Heim. Jede niedergebrannte polnische Stadt ist zugleich eine Wunde am Leibe der jüdischen Nation. Und in gewisser Beziehung leidet der Jude noch mehr als der Pole. Dieser ist meistens Grundbesitzer, Eigentümer mächtiger Ländereien oder kleiner Bauer; geht er auch seiner Wirtschaftsgebäude und Maschinen, Rinder und Werkzeuge verlustig, der Boden, die Grundlage und der Hauptbestandteil seines Vermögens, verbleibt ihm und kann nach dem entsetzlichen Aufackern, von neuem in fruchtbares Land umgewandelt werden. Die Juden sind hingegen ein Bürgervolk, freien Berufen nachgehende Rechtsanwälte, Aerzte oder Kaufleute, hauptsächlich jedoch armselige Zwischenhändler, jämmerliche von heute aut morgen lebende kleine Handwerker. Ein Volk, dessen Händen der Kriegssturm alles entreißt, Klientel, Kundschaft, in den Magazinen aufgestapelte Waren, elendes Gewölbe mit allerhand Kram, schmutzige kleine Hütten, an den Tandelmarkt gemahnendes Mobiliar. Mit den Farben der erschütterndsten Kapitel des alten Testaments müßten die Leiden der Juden in diesem Kriege geschildert werden. Jetzt aber, wo die Tragödie noch im Zuge ist, begnüge ich mich damit, den Gedanken in das Bewußtsein der Kulturmenschheit hineingetragen zu haben, daß nach dem Kriege die Sehnsucht der großen Massen der Judenheit nach ein gesicherten Heimstätte befriedigt werden muß. Ich habe schon des öftern die Hoffnung verdolmetscht, die die Verwirklichung des alten Planes des Zionismus, des palästinischen Judenlandes von der neuen, in diesem Kriege sich verjüngenden Türkei er - wartet. Ich kann daher jetzt nur wiederholen, daß durch die Leiden des Weltkrieges dieses Volk reichlich verdient hat, daß seine tausendjährige Sehnsucht verwirklicht werde. Bielifzer Brief. Am 2. Februar feierten wir in einem intimen Kreise von Gesinnungsgenossen- und -genossinnen den 50. Geburtstag eines unserer Führer in unseren Schwesterstädten Bielitz-Biala, des Herrn Dr. M. Berkowicz, der sich in der kurzen Zeit seiner hiesigen Tätigkeit bereits allgemeine Achtung und Wertschätzung erworben hat. Der Jubilar, ein gewesener Sekretär unseres Dr. Th. Herzl den alten Zionisten wohlbekannt, leistete als solcher der Anfangsarbeit der zionistischen Idee bedeutende Dienste. Auf wissenschaftlichem Gebiete ist Dr. Berkowicz als Mitarbeiter der berühmten „Monumenta Hebraica“, vieler zionistischer, wie auch hebräischer Zeitschriften, so der „Welt“, „Hazefirah“, „Hasman“ u. v. a. von den meisten Gesinnungsgenossen ein gern gelesener Literat. Unsere Pflicht ist es nun, die hervorragenden Dienste, die Herr Dr. Berkowicz seit seiner Anwesenheit in Bielitz, seit also fast vier Jahren, sei es als Vortragender in den literarischen Abenden, sei es als ernster treuer Ratgeber in den zionistischen Vereinen und schließlich als Erzieher, in der Eigenschaft als Religionslehrer für die jüdische Jugend geleistet hat, gebührend zu würdigen. An dem oberwähnten Abende nun hielten an den Jubilar die Herren Dr. Wilhelm Wagnei im Namen seiner Freunde, Herr Wilhelm Sobel a 1s Obmann des zion. Bürgervereines „Haschachar“, Herr Dr. G. Aschermann für den „zion. Jugendklub“, Herr Dr. Felix als Mitglied des Vereines „Theodor Herzl“, an seinen A. H. und zum Schlüsse Herr Joset Traubner jm Namen seiner Schüler Ansprachen, in denen alle Redner die positive, reine, auf das einzige Endziel gerichtete zionistische Arbeit des Dr. M. Berkowicz hervorhoben und ihm für seine aufopfernde Tätigkeit dankten. Gerührt antwortete nun der Jubilar den Anwesenden für die ihm zuteil gewordene Ehre und versprach, seine Arbeit — soweit es in seiner Macht liege — fortzusetzen und gedachte insbesondere der Unterstützung, die die Leiter des Wanderbundes „Blau-Weiß“ ihm bei der Erziehung der Jugend in der letzten Zeit leisteten. Auf Antrag des Gg. Dr. Aschermann wurde zum Schlüsse der Feier der einstimmige Beschluß gefaßt, im Herzhvalde einen Hain auf den Namen des Herrn Dr. Berkowicz zu pflanzen und wurden am Abende selbst von den Anwesenden bereits 25 Oelbäume gespendet. Mit der Absingung der „Hatikwah“ schloß die erhebende Feier. b. r. Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds im Jänner. Die Spendeneinkünfte des Jüdischen 'Nationalfonds im Jänner 1915 haben M 20.000.39 betragen. An diesem Ergebnis partizipieren: Nordamerika mit M 6990.36, Rußland M 4332.67, Deutschland M 3737.3S, Rumänien M 2394.44, Holland M 906.43, Argentinien M 704.94, Canada M 466.67, Italien M 292.96, Griechenland M 147.—, England M 27.54. Anfangs Februar ist dem Nationalfond ein Betrag von M 534.10 überwiesen worden, der aus dem Vermächtnis d es auf dem westlichen Kriegsschauplatz gefallenen deutschen Zionisten Bendix Cohn stammt. über „Krieg und die Juden“. Der Vortrag war der Form und dem Inhalte nach durchaus vollkommen. Der Referent teilte seine Ausführungen in drei Abschnitte ein: die Juden und ihre Stellung zum Militarismus vor dem Kriege, die Leistungen der Juden während der sechs Kriegsmonate und der Ausblick in die Zukunft des Judentums. Herr Dr. Leschner besprach alle drei Phasen in einer feinlogischen Aufeinanderfolge von Tatsachen und Ideen, die alle wieder ausklangen in das eine große und einzigrichtige Resultat: die einzige Lösung der Judenfrage ist nur im Zionismus zu suchen und zu finden! — Großer Beifall seitens der sehr zahlreichen Zuhörer lohnte die trefflichen Auseinandersetzungen. — Der kleine Regiebeitrag, der eingehoben wurde, ergab die Summe von K 50.—, die für den „Roten Halbmond“ und für das „Rote Kreuz“ bestimmt sind. ■ RESTAURATION ■ „zur rumänifdien Küdie“ ■ Ch. Weiß vorm. Korn ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. g Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. Seflenhef am Purim Palästinas! Im Hinblick auf die vom Jüdischen Nationalfonds unternommene Aktion zur Ausführung von Notstandsarbeiten in Pa’ästina haben einige seiner Landessammelstellen beschlossen, am bevorstehenden Purim besondere Veranstaltungen und Sammlungen für den genannten Zweck stattfinden zu lassen. Das Nationalfonds-Bureau für Amerika hat die Propaganda für die Veranstaltung eines „Flaggentag“ am Purim eingeleitet und wandte sich an die zionistischen Organisationen des Landes mit einem Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: Der verhältnismäßig gute Erfolg unseres ersten Blumentages sowohl in materieller, wie in moralischer Hinsicht, veranlaßt uns, eine ähnliche Veranstaltung im Winter zu machen, nämlich einen „Flaggentag“, am Purim, den 28. Februar, zu veranstalten. Der Arbeitsplan ist sehr einfach. In jeder Stadt sind Gruppen von Freiwilligen zu organisieren, vornehmlich von Frauen und Mädchen, die dem jüdischen Publikum an passenden Plätzen kleine zionistische Flaggen verkaufen; die Höhe des Preises wird dem Verkäufer überlassen. Der Flaggentag schließt mit so vielen Volksversammlungen als möglich ab. Die nötige Literatur und Flaggen werden von uns zum Kostenpreise geliefert. Geschätzte Gesinnungsgenossen! Wir haben Euch kürzlich die Pflichten der amerikanischen Zionisten gegenüber dem Nationalfonds in diesem Jahre klar gemacht. Der Flaggentag soll uns helfen, diese Pflichten zu einem Teile zu erfüllen. Gehet energisch an die Arbeit. Organisiert sofort ein leistungsfähiges Flaggentag-Comite; suchet, sobald als möglich, Freiwillige zu gewinnen und mit unserem Bureau in Verbindung zu bringen. Wir müssen rechtzeitig erfahren, wie viele Flaggen und wieviel Propagandaliteratur notwendig ist. Mit Ziongrüßen Bureau des Jüdischen Nationalfonds für Amerika. Es wäre wünschenswert, daß die Palästinafreunde in anderen Ländern dem Beispiele der rührigen Amerikaner Folge leisten uAd am Purimtage ihr Scherflein dazu beitragen, die Notlage in Erez Israel zu lindern. VcreinsnaMitini. Wien. (J. T. V. „Massada“, Wien, XVII, Rötzergasse 9—11.) Für das am 28. d. M. in den Festsälen des Verbandsheimes VI., Königseggasse Nr. 10 stattfindende „Tum'est“ und musika’ischdeklamatorische Kunstvorträge haben ihre f-eundliche Mitwirkung zugesagt: Herr Obe ingenieur Stricker hält die Festrede; Herr Oberkantor M. B. Kaufmann, Herr Organist Menzer, Herr Violinvirtuose Gottesmann, Fräulein Kogan, Klaviervirtuosin und der Jüd. Gesangsverein „Hakinor“.. Karten für die Veranstaltung sind ä 1K 20 h im Vorverkauf bei den Vereinsmitgliedern, im Turnlokal, im Zionistischen Zentralbureau II. Zirkusgasse 33, bei Herrn Bela Neubrunn zu haben. Turnerkarten 60 h. Wir rechnen auf recht zahlreiches Erscheinen unserer Gg. und Turnbrüder. Bielitz. (Vortrag Dr. Leschner.) Am 31. Jänner i. J. sprach hier über Einladung des zion. Vereines „Haschachar“ Herr Dr. F. Leschner, Mitglied des mähr.-schles. D.-K. aus Troppau ■hm Privat: Restauration Jacques Benvenisti’s W2± j Wien, II. Weintraubengasse Nr. 7 j Türkische SpeisenspeziaJitäten. Abonnement in und außer dem Hause. Cafe ADLER I., Schottenring Nr. 12. Telephon 14737 FamHien-Cafe ersten Ranges. Spezialität Adler-Platte feiner Aufschnitt und andere kalte Speisen. Biere vom Faß. Weine offen und in Bout eilten — Neu adaptierte prachtvolle Souterrain-Lokalitäten mit Kegelbahn on Vereine und Gesellschaften zu vergeben. Couleurcafe der Bukowinenschen Studenten- Verbindung Jordania". — Sämtliche inu. ausländischen Zeitungen liegen auf. Sandor Ad'er. Cafe „Marienbrücke“ .lli I., Rotenturrastraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. ■ Cafe Jägerhof (Weiss) 2 IX., Porzellangasse 22. 5 Vornehmes Familien-Cafe 2 modemst eingerichtet ■ gut ventilierte Spielsäle. ■ Zentral-Lokal der Zion. 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