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Jüdische Zeitung · 1915-02-19 · 7 (19.2.1915) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
7 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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p. JÜDISCHE ZEITUNG NRTIDNRL -JÜDISCHES ORGRN Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ q Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnähme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden g täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ® refch-Ungam: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, ha'.bjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. * H Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. ■ Nr. 7. Wien, Freitag, den 19. Feber 1915 IX. Jahrgang Gesinnungsgenossen! Deshalb gedenket Eurer Organisation! Schärft allen Juden ein, daß die zionistische Organisation die ihre ist. Entrichtet selber den Schekel und nehmt den Schekel von allen denen, welche zur Erreichung des Zionismus eine Steuer entrichten wollen, nehmt den Schekel von allen, die wenigstens in diesem Augenblick nicht mit sich das Schuldbewußtsein davontragen möchten, daß sie den Vorkämpfern der historischen Befreiung des Judentums in der Schicksalsstunde auch nicht mit der geringsten Hilfe Beigestanden haben. Wer heute den Schekel nicht zahlt, schädigt doppelt aie Freiheitsidee des jüdischen Volkes: er gewährt nicht die Mittel, welche für die schwere und verantwortungsvolle leitende Arbeit notwendig sind, una verringert die Kompetenz der zionistischen Organisation für den Moment, in welchem die Kompetenz von den machtgebietenden Faktoren geprüft werden wird. Ein jeder denke also an seine Pflicht, ein jeder denke an das Symbol und die organisatorische Grundlage unserer -Bewegung,- und kein Gesinnungsgenosse verfehle es, alle die Kreise, welche den Zionismus anerkennen, zur Entrichtung des Schekels heranzuziehen. Unsere Stärke war seit jeher unsere Organisation. Jetzt brauchen wir mehr als je zuvor unsere Stärke, unsere Kraft. Entrichtet die jüdische Volkssteuer! Ist doch der Schekel im wahrsten und heiligsten Sinne jetzt eine Kriegsteuer des jüdischen Volkes! Kopenhagen, im Februar 1915. Büro der Zionistischen Organisation Kopenhagen. wobei selbstverständlich die Frage der Behan<&> lung der Flüchtlinge den größten Raum einnahm. Einmütig gab das Executivkomitee seiner Entrüstung über gewisse gegen die Flüchtlinge gerichtete gewerbebehördliche Verfügungen und über die jüngste Advokatenverordnung Ausdruck, wobei beschlossen wurde, gegen den bezüglichen Erlaß des Justizministers Protest zu erheben. In den nächsten Tagen findet eine 2. Sitzung statt. Unsere fiillsahtion. Im Büro des Zionistischen Zentralkomitees. Neben den Institutionen, deren Bedeutung für die Flüchtlinge sich fast in konkreten Zahlen und Daten angeben läßt, steht die Tätigkeit unseres eigentlichen Zentralbüros. Gleich zu Beginn .der Hilfsarbeit für die Flüchtlinge ergab sich die Notwendigkeit mit den Unglücklichen, die sich, aus ihren Verhältnissen plötzlich herausgerissen, mitten in die ihnen fremde und etwas mißtrauische Großstadt geworfen sahen, in persönlichen Kontakt zu treten. Das erwies sich als jumso nötiger, als die von der Regierung in dankenswerter Weise sofort eingesetzte Zentralfürsorgestelle trotz der ihr verhältnismäßig reichlich zur Verfügung gestellten Mittel teils wegen ihrer allzu bürokratischen Führung, teils aus Gründen persönlicher Natur — hierüber des Näheren sich auszulassen, wird noch genügend Anlaß sein — alsbald außer Stande war, die ungeheure Flut von Ansprüchen zu bewältigen, welche mit dem plötzlichen Masseneinbruche von Flüchtlingen aus den vom Feinde bedrohten Gegenden über sie hereinbrach. So kam es, daß bereits bei der ersten Nachricht von der Einleitung [einer Hilfsaktion durch die zionistische Parteileitung das Büro derselben von Flüchtlingen förmlich überschwemmt wurde und schon nach kurzer Zeit der Verkehr im Büro einen Durchschnitt von 500 Parteien im Tag erreichte. An materieller Unterstützung wurde bei den äußerst begrenzten Mitteln nur in den dringendsten Fällen eine Geldhilfe gewährt. Dafür fanden von Zeit zu Zeit Verteilungen von Brot an notleidende Familien statt, wozu durch spezielle Widmungen die Mittel bereit gestellt worden waren. Während der großen Katastrophe, welche bereits seit einem halben Jahre fast die ganze Menschheit betroffen hat und ungeachtet der schweren und schmerzlichen Erlebnisse, welche wir alle Tag für Tag durchmachen, müssen wir Euch, Gesinnungsgenossen, in allen Ländern an Eure erste, in achtzehnjähriger Tätigkeit geheiligte Pflicht gegenüber der zionistischen Organisation erinnern: Gedenket des Schekels! Noch nie gab es einen Zeitpunkt, in dem wir so entschieden die Wahrheit und die Notwendigkeit des Zionismus empfunden hätten. Gerade jetzt, da alle Völker für ihre nationale Existenz kämpfen und die Fahne der nationalen Befreiung hochhalten, gerade jetzt verstehen wir am eindringlichsten unser tragisches Geschick und werden wir immer ergreifender, und schlagender davon überzeugt, von welcher realen Bedeutung die Organisation jeder Völkerschaft, und sei es selbst der kleinsten, in den entscheidenden Momenten in der Weltgeschichte. ist. Andererseits ist noch niemals die Leitung der zionistischen Organisation mit solcher Gewalt durch die Ereignisse dazu gedrängt worden, alle ihr zu Gebote stehenden und alle potenziellen Kräfte anzustrengen, um unserem großen historischen Ideale näher zu kommen. Es gilt, sowohl all das aufrecht zu erhalten, was wir durch harte Arbeit in Palästina und in der Diaspora an zionistischen und nationalen Gütern geschaffen haben, als auch uns für den Zeitpunkt vorzubereiten, in dem die historischen Entscheidungen über die Schicksale unseres Landes fallen werden. In diesem Sinne müssen seit längerer Zeit die Männer, die Ihr gewählt habt, wirken und streben. Soll man Euch erst sagen, daß dazu auch materielle Mittel notwendig sind? Niemand von Euch antworte in der vielleicht entscheidenden Stunde, daß es unter den gegenwärtigen Verhältnissen schwer oder gar unmöglich sei, Schekel einzusammeln, daß der Zionismus ein Ideal sei, für das man nur in Friedenszeiten Anhänger zu werben und Mittet zu schaffen vermöge. Denkt daran, daß der Zionismus mehr als je ein Teil des öffentlichen und politischen Lebens geworden ist! Während der gewaltigen Konflikte, deren die Menschheit jr+zt voll ist, muß mit Naturnotwendigkeit auch 'die zionistische Frage in ihrem ganzen Umfange auftauchen, müssen unsere historischen Rechte und Ansprüche klar und deutlich formuliert und erhoben werden. Gerade die Gedanken Theodor Herzls werden immer reifer und dringender. Um ihre Verwirklichung erstreben und durchführen zu können, müssen wir als eine geschlossene und imponierende Macht dastehen: dann wird hoffentlich auch unsere Stimme gehört und gewürdigt werden. Ohne eine organisierte jüdische Masse, ohne Repräsentierung eines maßgebenden Teiles des jüdischen Volkes wird der Zionismus trotz seiner reichen Vergangenheit, trotz seiner unvergänglichen Leistungen und seiner unermüdlichen Opfer nur als ein schwaches Echo des Judenleids vor der Welt erscheinen. Dieses Echo soll aber groß und [überwältigend sein 1 Das Executluhomifee öer vereinigten SsierreiA. Zionisten. In Durchführung des von der Vertrauensmännersitzung om 31. Jänner 1915 einstimmig geäußerten Wunsches nach einer gemeinsamen Executive, sind die Zionistischen Parteirepräsentanzen Westösterreichs, Galiziens und der Bukowina übereingekommen, ein aus 10 Mitgliedern bestehendes Executivkomitee einzusetzen, worin Westösterreich und Galizien durch je 4, die Bukowina durch 2 Repräsentanten vertreten sind. In den letzten Tagen wurden die Repräsentanten nominiert und am 15. Februar 1915 trat das neugegründete Executivkomitee der vereinigten österreichischen (Zionisten zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dem Executivkomitee gehören folgende Herren an: Für Westösterreich: Dr. Karl Pol- 1 a k, Ob.-Ing. Stricker, Dr. Leopold P 1 a s c hk e s und Dr. Paul Weisengrün. Für Galizien : Adolf Stand, Dr. Osias Thon, Dr. Leon Silbermann und Dr. Anselm H a 1pern. Für die Bukowina: Dr. Salomod Kassner und Dr. Theodor Weisseiberger. Zur konstituierenden Sitzung waren die Herren vollzählig erschienen. Zum Präsidenten des Executivkomitees wurde Dr. Karl P o 11 a k, zum Vizepräsidenten Adolf Stand und zum Schriftführer Dr. Anselm H a 1 p ern ci s immlg gewählt. Hierauf entspann sich eine mehrstündige allgemeine 'Debatte über die momentane Lage, Alleinstehende Personen, besonders Studenten, die bei der staatlichen Unterstützung von 70, Hellern pro Tag, wovon 40 Heller für Wohnung abgehen, der entsetzlichsten Not preisgegeben gewesen wären, erhielten Anweisungen für Mittagsmahlzeiten, wovon täglich eine ganz bedeutende Anzahl ausgegeben wurde. Schon früher war es mit Hilfe eines Aufrufes gelungen, einer ganzen Menge von jüngeren Flüchtlingen aus guten jüdischen Häusern Freitische zu verschaffen, um ihnen durch die Aufnahme an den Familientischen die Härte des Unglücks erträglicher erscheinen zu lassen. War diese Seite unserer Fürsorgetätigkeit für die heranwachsende, bildungshungrige Jugend von unschätzbarem Werte und erwarb sie sich auch den Dank zahlreicher Alter, gebrechlicher Leute und junger Mütter, die ebenfalls der Unterstützung durch Zuweisung von Speisemarken teilhaftig wurden, so erklomm unser Büro den Gipfelpunkt seiner Tätigkeit durch die Erteilung von Rat und Auskünften an die Flüchtlinge, durch seine zahllosen Interventionen bei der Regierung, den in Frage kommenden Statthaltereien, Bezirkshauptmannschaften, Polizeibehörden, Bahnverwaltungen und den verschiedensten Korporationen, die teils durch persönliche Fühlungnahme, teils auf schriftlichem, telegraphischem oder telephonischem Wege stattfanden. Die Bewältigung dieses ungeheuren Arbeitsmateriales war nur dadurch möglich, daß von 9 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 8 Uhr nachmittags — oftmals wurde es noch später —;neben den Angestellten des Büros des Zentralkomitees eine Schar von fneiwilligen Mit-

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