Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 6 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-JUDI5CHE5 ORGAN Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und inseratenaufnahme: Wien, II., Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden ■ ' täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ® B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.104. — Telephon 22.075. ■ Nr. 6. Die gesamtSstepreittaisdie Partei: exekutive. (vcn galizischer Seite) Die Vertrauensmänner der galizischen Parteigenossen äussern einmütig den Wunsch hach Biidung einer gemeinsamen österreichischen Parteiexecutive auf Kriegsdauer. Neben den beiden Zentralkomitees, dem westösterreichischen und dem galizischen, soll nun auch eine gesanjtösterreiChische Repräsentanz unserer Partei entstehen. Der Wunsch wird von den westösterreichischen Genossen mit besonderer Genugtuung begrüßt. Waren sie es aoch, aie seit Janr und Tag gegen die Zerreißung und Zweiteilung der ursprünglich einhei liehen österreichischen Parteiorganisation in eine wesiösterreichis he und galizische protestierten und sich nur unwil.ig den Tatsachen fügten. Und hatten doch wir galizische Zionisten unsere liebe Not, die Westösterreicher von der Notwendigkeit der Zweiteilung zu überzeugen. Wie?! War es nicht unsere Partei, die die Einigkeit und (Solidari ät im Juden’um predigte, die dem Judentum der ganzen Welt der Stempel nationaler Einheit aufprägte und sich nur mit Rücksicht auf verschiedene Staatsgrenzen dazu verstau i, getrennte Landesorganisa'ion in ihr Weltorganisa-ionsstatut aufzunehmen?! Und da solltendie Juden der im Reichrate vertrenene Königreiche und Länder gleich mit dem guten Beispiele vorangehen und die Zionisten Oesterreichs in zwei territorial geschiedene Gruppen teilen, trotz gemeinschaf licher S aatsgrenzen und Reichsgesetze?! Solchen oder ähnlichen Anwürfen mußten wir galizische Zionisten täglich begegnen und muß en uns eingestehen, daß diesen Argumenten der Schein der Berechtigung nicht ohne weiteres abgesprochen werden kann. Und doch war die Zweitei'ung des zionistischen Oesterreich eine Notwendigkeit geworden. Nicht etwa infolge des „unüberbrückbaren Gegensatzes zwischen Ost und West“, nicht etwa infolge Ibeidersei iger eingewurzelter „Vorurteile“. Beileibe nicht! Hat ja der Zionismus im! Gegenteile eine warme Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und '.gegenseitiger Sympathie .erzeugt, die die Juden der fernsten Länder und der verschiedensten Lebcnsgewohnhei en einander näher brachten. Der Grund war anderswo zu suchen! Die folgenden Zeilen dürften wohl nicht dem Rots-ift des Zensors verfallen. Denn was sie enthalten, ist nicht böswillige Kritik oder leidiges Querulantentum! Es ist vielmehr von echt-österreichischem Geiste eingegeben, von heisser Sympathie für das nun vom Kriege heimgesuchte Kaiserreich getragen. Was wir feststellen wollen, ist, daß Galizien mehr als ein österreichisches Kronland ist: es ist dank seiner fortschreitenden „Sonderstellung“ fast ein Staat im Staate geworden. Die Machtfülle des k. k. Statthalter^ in Lemberg gleicht e'nem Vizekönigtum und fast haben die Landeskinder in Friedenszeiten daran vergessen müssen, daß es eine Zentraleregierung, eine der Statthalterei übergeordnete Instanz in Wien gebe. Ohne sich in eine Beurteilung: des geschilderten Zustandes näher einzulassen, mußten I die galizischen Parteigenossen mit den Tatsachen^ rechnen und innerhalb der Grenzen des Königreiches Galizien, eine eigen« Landesorganisatien schaffen. Es kommt vielleicht einmal die Wien, Freitag, den 12. Feber 1915 IX. Jahrgang I Zeit, wo wir die Möglichkeit haben werden, I j_a_.i_MeL ‘ ■ _i_t r.“._ .en anzuführen! Für £r Feststellung, rsehen Partei ein das Angedeutete des heute begnügen wir daß die Separierung Gebot der NotwendiglJ&ift'SUjä^der Parteiraison fr w «— — war. fc. Daß dem so ist ujnd rauchtanders, daß wir in Galizien uns keinesfalls von partikular! irischen oder regionalistischen Bestrebungen haben leiten lassen, erhellt klar und deutlich aus dem einmütig geäusserten Wunsch jjer galizischen Parteigenossen nach einer gemeinsamen Parteirepräsentanz; ein Wunsch, tifer eine kensequente Folge der auf Kriegszeit lahmge’egien „Sonderstellung“ j Galiziens ist. ' - . | Die westösterreichi Ichen Parteigenossen wün- 1 sehen lebhaft, die Gemeinschaft der Repräsentanz möge den Krieg überdauern. Auch wir aus Galizien schließen uns diesem Wunsche an. Wir knüpfen nur daran den zweiten, daß sich auch . die Verhältnisse in unserem Heimatlande nach dem Kriege im Sinne einer straffer zentralisierten Staatsgewalt ändern mögen. Unsere fiillsafefion. Das Armeaambulatorium. Das Armenambulatorium des Zionistischen I Zentralkomitees für die Flüchtlinge aus Gali- ■ zien und der Bukowina vollendet mit der laufenden Woche den zweiten Monat seines Bestandes. Obschon sich die Gründer von a’lem Anfang an klar darüber waren, daß ihre Schöpfung eine Notwendigkeit sei, hat die Freqenz i der Anstalt in den letzten Wochen eine derartige Steigerung erfahren, daß alle vorherigen Annahmen übertroffen wurden und der Andrang j kaum mehr zu bewältigen ist. Meist sind schon j lange vor Beginn der Ordination die vorhan-; denen 60 Sitzplätze des geräumigen Wartezimmers von Flüchtlingen aller Nationen und Konfessionen Galiziens besetzt und viele Patienten harren stehend, bis i an sie die Reihe kommt. Ja, viele müssen überi dies auf den nächsten Tag vertröstet werden,! denn die physische Leistungsfähigkeit dc'Ae~zte j hat natürlich auch ihre Grenzen. Neue autopfer-! ur.gsvolle ärztliche Mitarbeiter zu finden, ist aber jetzt mit Rücksicht auf die außerordentliche In- . anspruchnahme der Aerzte. für Kriegsdienstleistungen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die ärztliche Leitung liegt nach wie vor in der bewährten Hand des Primarius Dr. Ludwig | Stricker; die ärztliche Verwaltung besorgt der j unermüdliche Medizinalrat Herr Dr. B. Glatt-; a u e r. Alle anderen sehr zahlreichen Agenden i des Ambulatoriums führt im Aufträge des Ku-! des Ambulatoriums! führt ein engerer Ausschuß, j bestehend aus dem Präsidenten des Kuratoriums, j Dr. Karl P o 11 a k, dem Kassier k.k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig und dem Schriftführer Dr. Erich von Kahler. Nur dem rastlasen Eifer dieses letzteren Herrn, der es sich nicht nehmen läßt, den ganzen Betrieb ununterbrochen zu überwachen, ist es zu verdanken, daß der enorme Andrang überhaupt glatt bewältigt werden kann. Die Zahl der Ambelanzen, die ursprünglich 9 betrug, hat sich :auf 14 erhöht. E: ordiniert je ein Spezialist für chirurgische, Ohren-, Kinder- und Nerven-Krankheiten, Sprachstörungen u. Orthophädie, je zwei für Augen, innere-, Haut- und Geschlechts-, Frauen-, Hals-, Nasen- und Zahnkrankheiten. Die Kandidaten der Medizin Meiseis und Stemer betätigen sich als Assistenten. Die Damen Abelis, Dr. Eckstein, Goldhammer, Hoffmann, Dr. Katunski, Kohn, Kraus, Dr. Kassner, Lipschitz, Löw, Lichtschein, Perschak. Stein, und Sobotka versehen den Pflegerinnen- und administrativen Dienst in wirklich aufopferungsvoller Weise. Die ordinierenden Aerzte sind: Dr. Kaufmann, Dr. Steiner, Dr. Bachrich, Dr. Kohn, Dr. Sternberg, Dr.Glattauer, Dr. P o b o r s k i, Dr. .Berg, Dr. Schreier, Dr. P o 11 a k, Frau Dr. Füllenbau mf, Doz. Dr. Fröschels, Dr. Schlichter, Dr. Ekler, Dr. Kalmar, Dr. Adler, Dr. W elemynsky, Dr. Perutz und Dr. Zemach. Eine Tagesstatistik, bei der wir den 6. und den 8. Februar als Stichtage wählten, dürfte am besten geegnet sein, ein klares Bild über die Leistungen des Ambulatoriums zu liefern. Krankheiten 6. IL 1915 8. 11. 1915 Olren .. * 18 Osthophädie. * 3 Innere 1. . . 23 24 Innere II . •. 15 Chirurgische. . . 23 28 Augen . . . 24 26 Sehproben . * 5 Zahn. * 20 Haut- und Geschlechts . . 40 0 Kinder . •. . . 31 30 Frauen . . . 9 9 Hals- und Nasen . . . . . 29 23 Nerven.• 7 Totale. 20Ö 208 * An diesen Tagen keine Ordination. Die Bedeutung des Ambulatoriums in sanitärer und volkerzieherischer Beziehung kann u:>r derjenige richtig ermessen, der die Mühe eines Besuches im Ambulatorium nicht scheut. Die Patienten werden da von den Aerzten nicht nur behandelt, sondern auch zur Reinlichkeit und, soweit als möglich zur ständigen Beobachtung hygienischer Vors: hriften angehalten. Dadurch wird das Ambulatorium auch ein wichtiger Faktor in der Verhütung und Bekämpfung epidemischer Krankheiten, die gegenwärtig die ganze Aufmerksamkeit der berufenen Stellen in Anspruch nehmen. In Anerkennung der großen Bedeutung des Ambulatoriums für die Sanitätspflege unter den Flüchtlingen hat das k. k. Ministerium des Innern in den letzten Tagen dem Ambulatorium die Armenrezeptur verliehen. Alle von den Ambulatoriumärzten verordneten Medikamente werden in allen Apotheken der Leopoldstadt k o stenios ausgefolgt; außerdem werden in dringenden Fällen auch Bruchbänder, Brillen und dgl. unentgeltlich abgegeben. Das;Ambulatorium hat auch das Recht erinnern. gratis zu verabfolgen; der Mehrbedarf halten, seinen Patienten eine größere Anzahl von Bädern auf Rechnung des k. k. Ministeriums des