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Jüdische Zeitung · 1915-02-05 · 5 (5.2.1915) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
5 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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„Ssite 2. •. ,. . „. ... , Instituten . imit ' sidh uehnien könnten, bedürften i sie der Anleitung,-:: um -sie bei Wiener Kreditinstituten belehnen - zu können: -ffiebei durften wir vielfach auch! auf das Entgegenkommen der Fllia’e Lemberg der: Kreditanstalt für Händel, und Gewerbe, derzeit Wien, I., Am Hof 6 rechnen.; ‘ ‘ Letzteres Finanzinstitut räumte «über unser Ersuchen bis vor kurzem auch solchen Petenten einen': angemessenen.'Kredit ein, die den Besitz einer Realität —• wenn auch, nn dein derzeit evakuierten Tei'en Galiziens- — .oder ihre sonstige Kreditwürdigkeit bescheinigen konnten. ’• '7, In jüngster .Zeit, als der für die vorangeführten Zwecke verfügbare Fond erschöpft war, appellierten wir vielfach an die Hille der Bar.onin Hirsch-Stiftung in Wien. * . . ' ' Auch das Entgegenkommen . dieses. Institutes ptjissen wir sohin dankend hervorheben. , ” 8. Die Einstellung der Amtstätigkeit der politischen Behörden in den evakuie-ten Gebieten Ga’iziens und der Bukowina behinderte vielfach die glatte Liquidierung der Unterhaltsbeiträge für die Angehörigen von Mobilisierten. .ln diesen Fällen: sind - wirteils -von•"dem Wiener Magistrate, teils bei dem Kriegsfürsorgeamt bittweise ' eingeschritten. ,9. Andere Sdiwierigkei'en ergabensich zufolge des Umstandes, daß zahlreiche Gerichte der östlichen Provinzen derzeit nicht amtieren. -Ungeachtet dessen galt es in Zahlreichen Rechtsstreitigkei'en, insbesondere solcher mittelloser Angestellter mit ihren Dienstgebern helfend einzutreten, und die . Delegierung Wiener Gerichte, zur raschen Durchführung der Prozesse — durch Anrufung des Obersten Gerichtshofes — zu provozieren. . 10. Schließ'ich und endlich ergab sich auch häufig die Notw'endigkdt, die spradi- und lebensfremden Flüchtlinge in Wien selbst gegen mutwillige Uebervortei'ung aller Art zu schützen; insbesondere bei Mietzinsstreitigkeilen. * Die Führung der Kanzleigesdhäfte des Rechtsschutzbüros, insoweit sie nicht Eisenbahnreklamationen betraf, wurde dem Sekretär, -Herrn cand. jur. . Fritz Antal überantwortet, der sich seiner Aufgabe in unermüdlicher und sehr ersprießlicher Weise. widmet. ., Den Dienst im Turnus des Rechtsschutz-- büros versehen die Wiener Hof- und GeriditsiAdvokaten: Dr. -Desider Feher, Dr. ’ Michael Feuerstein, Dr. Michael Fünkler, Dr. Emil Krasny, Dr. Karl List, Dr. Jsidor Margulies,- Dr. Emil ALedgk, .Dü .. Leopold :P4asdike% -E)r* - Da vid Rothblüm^nd''Dr."EfnstvSchubert'T'=- - die Advokaturskarididaten: Dr. -Baranek, Dr. Hornung, Dr. Körner, Dr; Sdiiffmann; die galizisdien Anwälte: '• Dr. Go’dberg (Oswiedm), Dr. Hans Halpem (Sianislau), Br. Silberschein und Dr. F. Wäschitz (Lemberg). Die Miete für das Lokal und das Telephon, Beleuchtung und Beheizung wurden vom' „Zionistischen Zentralkomitee", das uns auch sonst in werktätiger Weise (entgegengekommen ist, alle anderen Spesen von der Zentralstelle getragen. Der täglich, wachsende Parteiandrang läßt vorläufig die Tätigkeit des Rechtsschutzbüros auch für die nächste .Zeit als unabweisbare Notwendigkeit erscheinen. Vom jüüisdien Rpiegsanblo. Die Anlegung des Jüdischen Kriegsarchivs ist ein Werk, an dem jeder Jude, und daher um so gewisser jeder Zionist, mitwirken kann und soll. Diese Mitwirkung ist zumindest nach zwei Seiten hin eine leichte -Und bequeme: .... - Jeder kann die allgemeinen und die jüdischen Blätter mit Aufmerksamkeit lesen und dem Kriegsarchiv. Ausschnitte von Artikeln und Notizen zusenden, die vom jüdischen Gesichts - punkte aus vom Belang sind; oder, wo dies ganz untauglich sein sollte, wenigstens &uf die 'betreffenden Zeitungsstellen aufmerksam machen. Jeder kann Feldpostbriefe, die er erhält, und deren Inhalt für das Archiv interessant ist, diesem zur Einsicht und Abschrift zur Verfügung! stellen. - Wir hoffen, daß jeder unserer Ge - •sinnungsgenossen bestrebt sein wird, in •diesen beiden Hinsichten das Kriegsarchiv zu unterstützen. -JÜDlSCfiEvZElTDNG r- . Das jüüisdie Kriegsardiiv - ein Verrat am Zionismns.; So meint wenigstens die von. Samir Bettelheimin Budapest redigierte Ungarländische. Jü-_ dische Zeitung“. Sie schreibt wörtlich: „Ein Kriegsardiiv wird' von den Wiener . Zionisten angelegt. Der diesbezügliche Aufruf betont, damit ein' Dokument gegen den Antisemitismus schaffen zu können. Es ist - - erstaunlich, daß dieses veraltete Instrument aus der Rüstkammer des „Abwehr-Judentums“ nun gar von Zionisten ihervorgeholt wird. Der Zionismus hat vom ersten Momente an solche Mittel perhörresziert, und überhaupt die Bekämpfung des Antisemitismus der Assimilation überlassen. Der Zionismus darf öfters an allgemein verständlicheren Aktionen aus taktischen Gründen teilnehmen, aber nicht.darin aufgehen. Haben i,_..die Wiener Zionisten die Gemeinde erobert, oder 'hat die Gemeinde die Zionisten erobert?“ .-So w'eit die Kritik. Daß ihr, nicht reine -Sachlichkeit die Feder geführt (hat, beweist die, Bissigkeit des Wortspie'es im Schlußsatz, Indess, wir sind dem jüdischen Publikum, das wir zu reger Mitarbeit am Kriegsarchiv aufgerufen haben, Rechenschaft schuldig , und wir geben sie gern. ••Ja,' es ist wahr, daß (wir Zionisten das „Abwehr-Judentum“ oft als unzulänglich getadelt haben. Es - besteht eben zwischen der Abwehr des Assimilanten, der sich in dieser Betätigung gegen den Antisemitismus erschöpft, und zwischen der Ab wehr des Zionisten, dem sie' nur' eine Tei Iak t i on neben seiner . A'rb’eit für(s Endziel und in (deren Dien-st':ist, ein gewaltiger Unterschied. Und daß1 wir'' Zionisten aucli jetzt in der Abwehr nicht aüfgehen, -wie unsere Kritiker in Pest' befürchten, das lehren die' stolzen Zifferkolonnen «unserer 'Opfergaben für den Na’tiönalfömfs, den' Zentralfonds und die andrem Sammlungen zu- .gunsten -unseres '-r trotz aller Kriegsstürme r—« lebensstärken Ralästinawerkes. Doch auch nadi Inhalt und Methode darf und will die zionistische Abwehr mit jener der Assimilanten nicht verwechselt werden! Wenn die Assimilation sich gegen die Angriffe des Antisemitismus -wehren will, dann wimmert aus jedem Satz und Wort die demütige Bitte, uns Juden doch um Gotteswillen auch leben zu lassen, und um diese Bitte zu unterstützen, weruen wir Juden oft als .Idie reinsten Englein hingestellt und aufgeputzt. Der Zionist hingegen -setzt das Recht der Juden gleich den anderen Völkern zu leben, als selbstverständlich voraus und hält die Waffe der Abwehr nur parat, um damit, wenn es nottut, gegen unsere antisemitischen Angreifer mit Hieb und Stich auszufallen. Dabei verdrießt es uns gar nicht zuzugeben, dab auch, wir Juden keine Engel sind und gleich den anderen Menschen unsere Fehler haben. Das „Jüdische Kriegsarchiv“ wird uns über unsere Fehler, Wie über unsere Vorzüge, über unsere Schwächen, -wie ■ über [unsere Kräfte belehren. Selbsterkenntnis ist viel, ist alles wert für ein Volk,' (das sich zum' -Wiederaufbau i •' Altneulends rüstet. Der Assimi'ant freut sich z. B. über die — äni. Kriegsarchiv registrierten — Heldentaten jüdischer Soldaten unter Oesterreichs Fahnen; auch' wir Zionisten freuen uns als Patrioten dessen,' denken uns aber überdies noch dabei, daß unsere Jugend unter jüdischen Fahnen nicht schlechter kämpfen würde. ■ Nein, Herr Bettelheim, keine Angst: 'die 'Wiener Gemeinde hat uns? Zionisten noch nicht 1 erobert Nur mußten wir zu unseren vielen an- I deren Agenden dem lendenlahmen Kahal (auch i die 'Arbeit der' Flüchtlingsfürsorge, des .Jüdi-! sehen Kriegsarchivs und anderes abnehmen. Ihnen ‘ aber-sind wir dankbar; ^Sie haben immerhin unser Kriegsarchiv bereichert; Die kritische Notiz der „Ungarländischen. Jüdischen Zeitung“ ist . ihm nämlich , unter dem Schlagwort „Kuriosa“ feinsäuberlich dngereihtSvwrden. . Michael. ■ F r-Nr. 5 Zionistische Verlraußnsmänners sifzung.; l Sonntag, den 31. Jänner 1915 fand eine Vertrauensmännersitzung der vereinigten westösterreichischen, -galizischen und ■ Bukowiner zionistischen Zentralkomitees statt, an der weit mehr als 50 Vertrauensmänner aus ganz Oesterreich teilnahmen. Es waren'^erschienen : aus' Wien: Ob.-Ing. Robert Stricker, Dr. Leopold Plaschkes, Df. Egon Zweig; Revisor Taussig, Frau Erna Patak, Frl. Gisila Kohn, I. H. Waltuch, .Dr. Rudolfine Waltuch, Leopold Sitzmann, Ing. Charles Bernhardt, Däwid :Nebenzahl, Maler Lazar Krestin, Alexander Geller; aus Galizien: Adolf Stand, Dr. M. Ringel, Dr: A. Korkis, Dr. Georg Halpern', Löbl Taubes; Dr. Gersoh Zipper, Dr. F. Waschtitz, Heinrich Bard, Jakob Bodek, Heinrich Fast, Berizion Fett, Simon Oransz, Frau Melzer, Karl Stand, Karl Meiseis (Lemberg), Rabbiner Dr. Thon, Dr. J. Zimmermann, Dr. Pilzer (Krakau), Dr. Anselm Halpem, Dr. Rubin Jonas, Hermann Tropp, Dr. H. Sussmann (Stanislau), Dr. H. Syrop,Redakteur Racker (Neu-Sandez),. Redakteur Neiger, Dr. Spann (Tamow), Dr. Hermann, L. Wechsler und. Z. Heller (Budzacz), Dr. A. Kornhäuser (Jaslo), Dr. J. Korkis (Gliniany). Dr. J. Wurzel (Stryj), Dr. S. B. Feldni'anri (Tarnopol), Dr. M. Appenzeller (Czortkow), Nathan Tartakower (Brody), Dr. Dawid Malz (Bursztyn), Dr. Josef .Füllenbaum (Bolscowce), ferner die Herren Dr. S. Kästner, Dr. Weisseiberger, Dr. M. Kinsbrunner, Dr. Ch. Kinsbrunner, Dr. Diamant, Frl.' Weidenfeld, Dr. Holdengräber, Dr. Glaser (Czernowitz). Frau Erna Patak, Frl. Gisela Kolm,- I. H. Der. Präsident des n.-ö. Zentralkomi'ees;Dr. Karl Pollak und der Präsident des Z. K. für die Bukowina, Dr. Leon Kellner, waren krankheitshalber entschuldigt. Im Zusammenhänge mit der Schekelfrage, wurde die Gesamtlage der Juden Oesterreichs und der zionistischen Partei einer eingehenden Besprechung unterzogen. Der Präsident des. galizischen Zentralkomitees Gg. . Adolf Stand; berührte wichtige Fragen der Weltpolitik und betonte die Sympathien der Judenschaft der ganzen Welt für die Zentralmächte. Er regte eine Aktion für die Juden der vom Kriege betroffenen Länder, eine Intervention bei den zuständigen Stellen in Sachen der. künftigen Entschädigüngsfrage und eine Aktion zur Unterstützung des Roten Halbmondes an. ■ Dr.-. Leopold P1 a s ch k e s ' gab' einen ausführlichen Bericht über die Flüchtlingsh'ilfsaktion des Zionistischen Zentralkomitees. für Westösterreich (Bahnhofsdienst, Reisen in die Barackenanlagen,« Rechtschutzbüro, Auskunfts-' dienst! Brockensammlung, Kindergarten und Armenambulatorium), wobei er die Verdienste des Herrn Revisor Taussig und der Frau Erna Patak ganz besonders hervorhob. Dr. Egon Zweig verwies auf die (momentane schwierige Lage in Palästina, auf die wichtige Funktion unserer dortigen Institute und forderte zur eifrigen Sammeltätigkeit für Schekel, Zentralfonds und Nationalfonds .auf. Ob.-Ing. Robert Stricker gab einige wichtige Anregungen und besprach die Bedeutung des Jüdischen Kriegsarchivs. «Es sprachen noch die Herren Dr. Thon, Dr. Halpem, Dr. Feldmann, Dr. Diamant, Dr. Ringel, Dr. Kästner, Tropp, Neiger, Waltuch. Die Debatte brachte viele aktuelle Anregungen . und gipfelte in dem allgemein geäußerten Wunsche, ein gemeinsames Exekutivkomitee aller Zionisten Oesterreichs einzusetzen und Aktion treten zu lassen. Die Steilung der jüöisifien Presse Amerikas zum Weltkrieg. Die jüdische Presse Amerikas insbesondere die großen jüdischen Tageb'ätter New-Yorks und die zionistische Wochenschrift „Das jüdische Volk“, beobachtet den Zentralmächten gegenüber eine durchaus freundliche Haltung, ln den Spalten des jüdisch-sozialistischen „Vorwärts“, der in New-York in einer täglichen Auflage von 170.000 Exemplaren erscheint, wird eine Diskussion über den Krieg geführt, in der sich die meisten Teilnehmer, besonders der Chefredakteur Abraham Kahan für Oesterreich-Ungarn und Deutschland und gegen das Ränkespiel der Ententemächte aussprechen. Wie sehr die aus Rußland, Galizien und Rumänien eingewanderte jüdische Bevölkerung Nordamerikas die Waffentaten der Zentraimächte mit ihren heißen Wünschen begleitet, geht unter anderem auch daraus hervor, daß der Chefredakteur und Gründer des Tageblattes „Wahrheit“, der auch viele Aktien der Verlagsgesellschaft „Wahrheit“ besitzt und für die Ententemächte Stimmung machte, gezwungen wurde, zurückzutreten. Die Juden Amerikas hassen selbstverständlich nicht' das russische Volk, .wohl aber den Zarismus, den Todteind der Juden, den Urheber der unsäglichen Drangsale der jüdischen Bevölkerung! Rußlands: ' ' 3 ■ ‘ L. Ch. - :

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