Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 5 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ü ■ Mit Beilage: »DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ Erscheint wöchentlich. Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, IL, Zirkusgasse Nr. 33. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4--S Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt — Abonnementspreise: Für Qesterw relch-Upgarn: Ganzjähr. K 10.^, halhjähr. K 5»—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, hutbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. | Mk. 3.—. Fürdas übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs, 15.—. Einzelexemplare 20. h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. Nr, 5, Wien, Freitag, den 5. Feber 1915 IX. Jahrgang Die Haltung Np amerihanisdiea Juden. Die Sympathien der Juden in NeVv-YoFk sind auf seiten Deutschlands und pesterreich- Ungams. Die Gründe dieser Tatsache Sind in einem Schreibest' des dortig«! Rabbiners der Ähabath Achim-Gemeinde, Dr. P. Friedmann, dargelegt, das er an . die „New-yorker Staats-Zeitung“ gerichtet, hat uns das von dieser veröffentlicht worden ist. ln dem Schrei, ben heist es: „Seit Beginn des Krieges sind die amerikanischen . Juden wegen ihrer- (rückhaltlose» Sympathie für Deutschland und Oesterreidh-yngarn ein Gegenstand des, Angriffe? geworden. Namentlich ist es .die („Times«, die Über die Juden flicht nur der Vereinigten Staaten, SjOflderu der gafl?er\ Welt Ijerfällt... Mr-?angwjilt kögnen ityfc es gcfdit verdenken, da? er seiner Regierung aus Furcht oder aus wirklicher Lj elfe .ergeben jst und für ihre Sariie Propaganda nj&dht. AfUr, d?f. ,^s jfrejer amenkanjscher Bürger weder seine FlAfSfel noch sefne Liebe teilt, wird er nicht übet nehnreB, wejiflich erkläre, d^?ses -uns zur -Schande. geceichfia. 'güsste, wenn ty» efe .Quhst SBSßXf? Vfriemodg1. biAieji - Und die Knute, dje rgfs, i^eiisjcht, küssjaj. werden. Ich muh es als den Appell des Wahnsinns betrachtjen; an uris das.' Ansinnen zu stellen,' mit den •Verbündeten zu; sympathisieren, die sich mit Uflggrepi ßlulfei»d. haben, dessen Sinnen und Trachten darauf hinzielt, steige Pogrome in Szene. zu setzend Das Damoklesschwert schwebt über sejucnj Haupte;?chpn steht der Deutsche yqr den T9f?¥ W?rS?ha«?> 'sP*ne Impertinenz ist dadurch um kein Haa.r ge? schwächt worden. Mit einem solchen Bundesgenossen wojifn Frankreich und England dem deutschen Militarismus dej» T9des?‘pß yersg'ze^. Sie schämen sich des russischen Verbündeten und ließen darum ausposaunen, daß der Zar die Verhe?s?fung dgr j&dis,chen, Lage versprochen hätte. Zangwill erklärte im. tjame» V9B Sir Grey, das England bei den Friedensverhandlünggn agf eine ygjjstäöjihge Enjan?i<patio» dpr rus? sischen Juden dringen wird. Wenn 'das Wohl der Juden England so ans. Her? geiyachgen ist, W9?«P- Heß er nicht schon >vor zwei Jahren sjejpp Stimme zugunsten depeeibjen vernehmen, als es sich upr die Paßfrage gehandelt hat? Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß dje Vereinigten Staaten ihjren Wißen ganz ohne Schwierigkeiten durchgesetzt hätten, wäre das? selbe Verlangen vqn seiten Englands und Frankreichs gestellt worden. Letztere begnügten sich mjj der Erklärung, dass sie sich in die internen Angelegenheiten eines Staates nicht mis.chen dürften. Selbst wenn England sein Versprechen eiplöst und bei den Friedensverhandlungen < zugunsten., der-russischen Juden interveniert, ist es auch noch sehr unwahrscheinlich, dass der Zar sich nachher durch seine Verpflichtung gebunden fühlen wird; habe«!1.wir doch das Beispiel vor Augen, dass eine, kleine Nation ihr Versprechen, verletzt, hat und .ungestraft den 13. Artikel des Berliner Vertrages mit Füssen tritt. Sind Wir nun besser gestellt, Venn wir ' m'it Deutschland und Oesterreich-Ungarn sympathisieren?, Verdient Deutschland eher .unser- Liebe, auf dessen Boden. die giftige Pflanze des Antisemitismus gediehen ist? So ungefähr lauten die Fragen, die seitens der Verbündeten und Ihrer Anhänger an uns gestellt Sverden. Darauf wollen wir kurz, antworten: Wohl läßt sich nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß auch Deutschland und Oesterreich vom Judenhaß nicht frei sind.; Die Zeit ist leider nicht gekommen, in der der; Mensch in seinem Nächsten, einerlei zu welcher Religion, 'Rasse und Nationalität er gehört,- nur seinen Bruder erblicken wird. Es wäre,; aber Unsinn, wenn wir Deutschland wegen seiner vereinzelten und vorübergehenden antisemitischen Kundgebungen mit -Rußland auf seine Seite stellen (wollten. Zu Metzeleien und Schändungen jüdischer Frauen ist es in Deutschland nicht gekommen. Seihst wenn es dort Individuen tmrt derartige» tiecL Sehen Jnstiukteji geben Würde, ist idorf eia® Regierungvorhanden, . die sich ihrer Aufgabe bewußt ist, solche - krankhafte Naturen kräftig’ im Zmune jzu halten. Aperes in Russland; hier ■Wind Idie Sagt des AatiseiJÜtismiS? affen seinen schreck lieben Folgen yqm Zareaa kieifesf und Seiner Regierung,, ausgesfreut- £? Hegt. der Hand» .dass,,wif moy.alfsch yeyp^ljf J$- . Le t_ JH&. Deuts^ad zu ' und dessen eventuellfn Sjeg als den zfa 'betrachten. Freilich könnte dieser Sieg {nicht ohne Demütigung vo/i England und Frankreich — dj£ uns nicht übel gesinnt (sind — vor sich geben. Sie würden sich mit dem Schicksal, dag sie selbst verschuldet haben, abfjhden. pmssen; denn das Wort eines Jaltnudjsten Sagt: ^Verbinde dich nicht mif dem Frevler; v.egiß niCßt, daß einer s.olchen Verbindung dje Strafe auf dem1 Fuß.e fqlgt.“ Das Redhlssdmtzbüro lür die EIDMInge. Wir veröffentlichen im Nachfolgenden den offiziellen Rechenschaftsbericht des, „Rechtsscfiiitzhyrfis“ und haben demselben nur hinzuzufügen, d|iß unser bewährter Gesinnungsgenosse flerr Dr. Max Bernhardt,' A. ff. der „Kadimuh,“ in Wien, der im Bericht yngeijangjie Leiter dieser segensreichen Institution, ttip, deren Entstehen und Bestand die größten Verdienste erworben hat. Unter den, Anwälten des Bfjros werden unsere Gpsinnungsgeijossen kaum ein ein; ihnen unbekannten Na_men’ finden. fn, den, flachsten Niimntep} folgert weitere Bericfite Mfiec unsere andieteil tyifer aKfi.on.en. Anfangs Oktober1 1914 ließ das stete Zife strömen ip*tte]lpser Flüchtlinge, welche mjtten aus ihrem Erwerbsleben und geordneten rechtlichen Verhältnissen gerissen waren, die Einrichtung eines Rechtsschutzbureaus als zweckmäßig erscheinen. . Infolge dessen wurde von der „Zentralstelle der Fürsorge für .djej Flüchtlinge aus Galizien, tiiid der Bukowina“ ein diesbezügliches Anerbieten des „Zionistischen Zentralkomi ees« angenommen und in dessen Räumen,, ilf., Zirkusgasse 33 das Rechtsschutzbüro als Departement Nn V errichtet. ' ” .. EJie Notwendigkeit dieses Institutes wurde.; binnen kurzem durch seine’ lebhafte Frequenz . bestätigt: | Der Parteienverkehr betrug anfangs Oktober 19-14 im Durchschnitt 15 bis 20 Personen täglich» um allmählich, nachdem die Tätiorkeit des Rechtsschutzbüros in wei'en Kreisen bekannt worden war, schon Mitte November 1914 a«f 60 bis 70 Personen täglich hnzusteigen. Die Hilfe des Rechtsschutzbüros wurde nicht bloß Von. den in Wien fcmsäfiigen Flüchtlinge» aus QaSzien und der Bukowina angesprochen» sondern im Korrespondenzwege von den In saßen der mährischen Konzentrationslager; yj jüngster Zeit auch bereits von zahlreichen Par-> teien aus den Flüchtlingslagern in Böhmen. . Um die umfangreichen . Age.nden aufzuar-* beiten, haben sich zahlreiche Wiener Anwälte in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt» Außerdem fungieren a‘s Dolmetscher und Rechtsbeistände noch vier ga’lzische Advokaten. Die Tätigkeit des Rechtsschutzbüros betraf zunä.cb?t die Erteilung unentgeltlicher ReriitsäiKkÄnft? in den marmigfachsten Ange'egeqfieiten des Privat- und öffentliche» Rechtes. Zu diesem Behufe wurde ein regelmäßiger Turnus der amtierenden Anwälte eingerichtet, (täglich, ausgenommen Samstag und Sonntag« von 11 bis 1) welche bis nun in rund.4000 Fällen ree*|t?fireundlicheu Rat zu ertei'en hatten. _ Hfevon wurden 2056 aktenmäßig aufgear» .bettet'— teils im Sekretariat des Büros, tens deq Kanzleien der journalführenden 'Anwälte. 1. Das Gros der Fä'le I960 A-en-’e-il betrat Rcfctanutioren gegenüber den Eisenbahnen ayg tHffeienzen, die’ tn -der hastigen Vcbrase <fer FHichtlirge und den durch die Kriegsereignisse bewirkt#» T ransportschwierjgkeiten begründet i sind.' Hieher gehören die Reklamationen verloren gSSaogSPer Frachtgüter, ebensolchen Reisege- PÄwS^ ®ückvergüi.ungc» (von Fahrtgebülren, ins.- besondere auf Grund von Freikartenanweisungen der Militärkommandanten evakuierter Orte. Für Erledigung dieser Eisenbahn: e'clamatiqu.en — wöchentlich 80 — 100 Fälle — wurde eine besondere Abteilung des Rechtsschutzbüros eingerichtet und dessen Kanzlei unter die Leitung des Herrn Sekretär Bela Neubrunn gesteift, wefdiej die laufende» Agenden in umsichtiger Weise W regelmäßig^» täglichen Amt^tunden "~Bank dem gütigen Eutgegenkcimmen eines hohen Ministeriums für Galizien werden sofort nach seiner Prüfung und Befürwortung die Fahrtgebühreurgklamatipne» an dif zuständigen Bahnbehörepn weiter geleitet. 2 ,. Ein weiterer erheblicher Teil der Amtstätigkeit des Rechtsschut^üros bezieht sidi auf dje Liquidierung der Vergütung für Krfegsleiatungeu im Sinne des Q^etzes vom 26, Dezember 1912, RGBl. Nr, 236, .einschließlich der Ersatzansprüche für Einquartierungen, Beisteifung v.öP Eyidgu?|üattpfesdjn-. upd Fuhren etc. für müitärjsßhe?wed<e in, Galizien und d#p Bukowina. Komplikationen ergaben sich hiebei aus efen* Mangel von behördlichen Quittungen, sei {es, daß im prange d#r militärischen, OperatiopCJi nidit rechtzeitig ausgestellt werden konnten oder aber gen Gesuchsle'lern während ihrer Fhieht i» Verlust geraten waren. 3. Pi# Anmeldung vqn Kriegsschädeq wurde den, Parteien regelmäßig für einen späteren Zeit* Punkt apgeratei), welcher di# Durchführung ververläfllicher Erhebungen gestattet. Dasgilt insbesondere für jene oft bedeutenden, an Feldfrüchten und Fiäusqr» eingetreteqea. Schäden, welche durch notwendige strategische Maßnahmen verursacht worden sind. 4. Schäden durch Plünderungen feindlicher Truppen wurden in zahlreichen Fällen lange* msWpt und die Parteien angewiesen, ihre Ansprüche gleichfalls in einem späteren, geeigneten Zeitpunkte wieder zu erheben. 5. Eine typische Folge der Flucht ist der Verlust 140» Wertpapieren, und sonstigen yr - künden, deren Araortisierung das Rechtsschutz-; büro 'in zahlreichen Fällen beschäftigt. 6. Aber auch in solchen- Fällen, in Welchen, die Parteien die EinlagebttCher von Spar- und