Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 9 (1915)
- Issue
- 2 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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bette 2, . JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 2 — wenn ihn andere tragen. Der soll den Juden aus Galizien und der Bukowina offenbar dafür aufgeklebt werden,•_ daß sie die am scwersten getroffenen' Opfer dieses Weltkrieges sind und'die treuesten Bürger, des Habsburgerreiches. „Kultur und Krieg“ heißt jetzt ein sehr beliebtes Thema, ein solcher Vorgang wäre ein herrliches Zeichen von Kriegskultur. Es ist ja wahr und wir Jüdischnationalen sind die letzten, welche sich diesem Gedanken verschließen, die Wiedereinsetzung der Flüchtlinge in ihre Güter und Rechte, die ihnen der Feind mit rauher Hand geraubt, wird viele Mühe und noch mehr Geld kosten und Pflicht der Regierung, wird es sein, im geeigneten Zeitpunkt dafür zu sorgen. Jedoch die Form, in welcher die Rückkehr erfolgt und die Mittel, welche dabei .angewendet werden, müssen Gegenstand der ernstesten Erwägungen bilden, sie müssen der höchsten Ortes anerkannten Tätigkeit der Juden .Oesterreich-Ungarns in diesem Kriege w ü r d i g s e i n.; Es handelt sich um schicksalsschwere Fragen, die sich nicht leichter Hand erledigen lassen. Wir wollen die Regierung für Pflichterfüllung nicht loben, aber wir sagen es .ehrlich: sie hat bisher ihre schwere Pflicht gegenüber den Flüchtlingen ziemlich erfüllt, das gilt vor allem vom M ijiisterium des Innern. Das verlangen wir auch in Zukunft. Angesichts ^solcher Kundgebungen nämlich müssen .wir fordern, daß in der Frage der begehrtesten Notverordnungen die- Regicr .rüng, insbesondere das zuständige Ministerium des Innern ihre Aufgabe richtig erkennt und ohne nach rechts oder links .zu blicken, streng objektiv, ohne alle •Rücksicht auf Parteiwünsche und .Bestre- •bjrngeneinzelner Kreise das tut, was sie .diesen Kriegsopfern, diesen treuen, um den Staat verdienten'Bürgern, schuldet, welche ohne Murren alle Mühsale geduldig ertragen. Die jüdischen Flucht- .linge brauchen von uns freundliche Aufnahme und nicht voreilige Rückbeförderung, kräftige Unterstützung, aber keine .Zwangsansiedlung, Erwerbsmöglichkeit uneingeschränkt durch Seßhaftigkeit, vor allem aber Gemüt, mehr Gemüt . Wir warnen die .Regierung vor einseitiger Erledigung dieser wichtigen Fragen! Ueberstürzte Notverordnungen haben dem Ansehen unserer Kronjuristen schon genug geschadet, jetzt wollen wir einmal reiflich nachdenken, Zeit ist ja leider noch genug. Durch voreilige judenfeindliche Gesetze wäre dem Staat und seinen Bürgern schlecht gedient. PI. Unsere Gesinnungsgenossen werden im Sinne des in der vorigen Nummer der „Jüdisdhen Zeitung“ veröffentlichen Aufrufs des Jüdischen Kriegsarchivs dringendst gebeten, alle vom jüdischen Gesichtspunkte wichtigen Tatsachen, die sie aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges bisher erfahren haben und weiter erfahren werden, unverzüglich dem Jüdischen Kriegsarchiv mitzuteilen. Säume niemand, diese wichtige nationale Pflicht zu erfüllen! Bedenke jeder, daß die Feinde unseres Volkes sich1 rüsten, um die klaren Tatsachen, die für uns sprechen, zu unseren Ungunsten Zu verdrehen und triemit unseren gerecht«) Ansprüchen auf vollkommene volkliche Geltung im Staate und in der Völkerwelt entgegenzutreten! Sollen wir sie rüsten lassen, ohne unser Gegen rüsten ernstlich in Angriff zu nehmen und durchzuführen, d. h. ohne für immerwährende Zeiten und als unleugbar festzustellen, was im jüdischen Interesse festgestellt werden muß? Noch einmal: Es gilt die Ehre und das Heil unseres Volkes! Und keiner darf fehlen, .der etwas weiß und zu sagen hat Die Mitfeüungen kennen zu Protokoll - gegeben (täglichzwischen 11 Uhr und 12 Uhr vormittags! oder 'brieflich emgesandt werden. Das jüdische 'Kriegsarchiv befindet. sich: Wien, II., Zirkus-, gjasse Nr. 33. . ' _r . . 1 Einjüöistaohameöanisdies Uerbruöerungsfesf in Jerusalem. „V Alle. Blätter berichteten bereits kurz von; dem Verbrüderungsfest zwischen jüdischen und mohamedanischen Bewohnern. Palästinas, das am 6. Kislev in Palästina stattgefunden hat. Wir erhalten darüber die nachstehende ausführliche Schilderung: Unter den arabischen Teilnehmern befanden sich der Scheich Abdul - Kader El Muzgar, Mehmed Salah Abd-el-Latif El Husse’mi, der Scheich Emin Effendi und sein Bruder (Fahri Effendi, der Sohn des Mufti von Jerusalem! Von jüdischer Seite waren u. a. Delegierte aller Kolelien sämtlicher palästinesischer Städte, Vertreter der Kolonien,- die hervorragendsten Rabbiner, sowie das Lehrerkorps der hebräischen Schulen anwesend. % . Die Versammlung präsidierte der berühmtehebräische Gelehrte Ehern Ben Jehuda, welcher sie mit einer längeren Begrüßungsrede in hebräischer Sprache eröffnete. In dieser Charakterisierte er in beredten Worten die Ziele der neuen Vereinigung, ihre Bedeutung und ihre historische Perspektive. Er sprach von den zwischen Juden und Mohamedanern bestehenden zahlreichen. Berührungspunkten und beglückwünschte feicli dazu, daß'die Ereignisse der letzten ■Zeit.beiderseits überzeugt haben, daß .eine Notwendigkeit engsten Anschlusses aneinander bestehe. Infolge gewisser Mißverständnisse und Iirtriguen heimlicher Gegner, hätten die Muselmanen des Landes sich den Juden nicht sehr geneigt gezeigt, namentlich aber deshalb, weil die eingewanderten Juden sich nicht vollständig ottomanisiert .hätten. Heute ist glücklicherweise dieses ' Mißverständnis geschwunden und. die Mohamedaner reichen den Juden die Hand zur gemeinsamen Arbeit für das Vaterland. ■ Der Redner^ verlas sodann die Glückwünsche, ' die der- Präfekt der Stadt, Hussein Effendi, der. Versammlung übermittelte, mH deren Zielen er vollkommen übereinstimme, wenn er auch infolge -seiner Ueberbürdung ihr nicht persönlich bei- .wohn.en kennte. ■ Der Scheich Abdul Ka ter El Muzgar erklärte hierauf, er, sei bisher ein .Gegner des1 jüdischen Elementes gewesen und hauptsächlich der Juden, -die aus dem Auslände gekommen waren, üm Palästina zu. kolonisieren, aber er sei jetzt zu dieser Versammlung gekommen, um den Grund zu-einer Annäherung und .engen Verbindung zwischen Juden und Mohamedanern zu legen,, die durch 'Bande;; der Rasse, der^Sprache,. desGlaubens und durch historische Erinnerungen , miteinander .verbunden sind. Der Reduer erkannte an, daß die Differenzen, welche zwischen beiden Rassen bisher vorhanden waren, hauptsächlich auf Mißverständnisse und persönliche Animositäten zurückzuführen wären. Aber die Zeit habe sich geändert und jedes Mißverständnis sei geschwunden. „Es bestehen zwischen uns zahlreiche historische Familienbeziehungen“ fuhr er fort, „aber audh im Schoße einer Familie können Mißverständnisse auf kommen. Die Juden können in vollkommener Harmonie mit den Mohamedanern leben, hauptsächlich weil der Islam so viel aus der jüdischen Religion übernommen hat. Dieses -historische Band kann sich noch zwischen uns •verstärken. Unser heiliger Koran befiehlt uns, in Einigkeit und Brüderlichkeit miteinander zu leben, auf.daß es zwischen uns keine Unstimmigkeiten und Feindseligkeiten gebe. Die Mohamedaner können sich mit den Juden vereinigen, um einen fremden Einfluß zu bekämpfen, der von gleichem Fanatismus gegen Islam und Judaismus beseelt ist. Wie Ihr, machen auch die Mohamedaner keine Proselyten wie andere Religionen. Die Bekenner des Korans seien keine rachsüchtigen Feinde. Sie geraten zwar manchmal in Zorn, aber dieser verraucht wieder.“ Der Redner schloß damit, daß in Palästina 'Platz genug sei, daß Mohamedaner und Juden dort lebten, ohne einander zu schaden und daß sie einen Block bilden könnten, um für das gemeinsame Vaterland zu ,arbeiten.; Im Namen der ganzen Familie El-Husseini, welche eine der vornehmsten des Landes ist, sprach Salah Abdul-Lätif El Husseini. Er nannte diese Versammlung eine; heilige, in der man zum erstenmal Juden und Mohamedaner vereinigt sehe, um die Bande der Freundschaft und Brüderlichkeit enger zu knüpfen. Die Stätte selbst, wo ein derartiges Ereignis sich vollzieht, .ist geheiligt. Der Redner fügte hinzu,'daß er immer von der Notwendigkeit einer jüdisch-mohamedanischen Union überzeugt gewesen wäre und sich nun glücklich schätze, dieses hohe Ideal verwirklicht zu sehen. Er schloß, mit dem Vorschlag, ein jüdisch-arabisches Komitee zu bilden, in das. Scheich Abdul Kader, der einen großen Einfluß auf die Araber ausübe, eintreien möge. Hierauf-'hielt der berühmte jüdische Gelehrte .David Yellin eine Rede in arabischer Sprache, welche die Versammlung tief bewegte. Nachdem noch der opferwürdige Rabbiner Selig Lieder gesprochen 'hatte, wurde die Versammlung mit einem Gebete für den Sultan und die ottomani-;scheri Waffen geschlossen. Die Aktion zur Gründung eines jüdisch-muselmanischen Comites wird fortgesetzt. . Der Direktor des offiziellen Organs des Kreises Jerusalem veröffentlichte im „A'herouth“ einen Artikel: „Der Orient den Orientalen“, in welchem er darlegt, daß der Krieg gegen den Islam auch ein Krieg gegen den Judaismus ist. Er. spricht von den hohen Qualitäten der Juden und appelliert an ihren Patriotismus, gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Zionisten im Wieder wurde eine ganze Reihe von wackeren und tapferen Zionisten ausgezeichnet: Assistenzarzt Dr. Ladislaus' Lichtenstein, A. H. der Kadimah im K. J. V.'in Wien, sowie Assistenzarzt Dr. Isak K1 o p p e r, A. H. der jüd.-nat. akad. Landsmannschaft Jordania in Wien, erhielten wegen tapferen and aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille. Fähnrich Hermann Klopp er, A. H. der jüd. Lese- und Redehalle in Wien, wurde in Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Leutn an t befördert. Als solcher erhielt er jetzt das signumlaudis. Leutnant Dr. Moses Hauer, A. H. der Hasmonäa in Czernowitz wurde mit dem Signum landis und dem Militärverdienstkreuz am Bande-der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Leutnant Eugen Eisler, Sektionsleiter des Sportklub Hakoah in Wien, rückte als Kadett ein und erhielt nachkurzer .Zeit den Fähnrichs rang und die belobende Anerkennung vom Armeekommandanten Auffenberg. Jetzt wurde er mit der silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse ausgezeichnet und zuni Leutnant befördert. Einj.-Freiw. Julius Gerstl, Führer im jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß“ in Wien, wurde auf eigenes Verlangen der Marschkompanie .zugeteilt und wurde bereits nach 3 Wcchen zum Korporal befördert und mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er ist - jetzt erkrankt. Leutnant Rudolf P o 11 a k wurde, vor Lublin verwundet, mit der allerhöchsten belobender Anerkennung ausgezeichnet. Als er nach; seiner. Wiederherstellung wieder zur Front abgegangen war, wurde er Zum z'wciten- : mal-verwundet und befindet sich derzeit: in-Prag. Vor kurzem wurde ihm die neuerliche allerhöchstebelobende Anerkennung bekanntgegeben. Herr Pollak war Vorstandsmitglied des Gablonzer zionistischen Vereines „Theodor-Herzl“. Dr. Josef Rappapart: A. H. der Hasmonäa in Lemberg. Feldwebel cand. jur. Karl Kugler, i. a. B. der Hebronia in Czernowitz, Ludwig Hirsch, Mitglied des Sportklub Hakoah in Wien, und Kadett d. R. Alexander Kremenezky, a. B. der Verbindung Makkabäa in Wien, Sohn des Mitgliedes des Großen Aktionskomitees Johann Kremenezky, wurden mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse ausgezeichnet. Alfred Pick aus Zebus bei Wegstädti i. B. Fähnrich i. R. hat für Patrouillendienste am Sanflusse die Silberne Tapferkeitsmedaille erhalten und wurde zur Beförderung zum Leutnant vorgeschlagen. Fähnrich Karl Sprecher, Ferialleiter der Kadimah in Lemberg wurde außertourlicb zum Leutnant befördert. Assistenzarzt Dr. J. H. Körner, Prerau, gew. Obmann des innerösterr. Zionist. Distriktskomitees, und Assistenzarzt Dr. Robert L i c h t w i t zj Mitglied des mähr.-sdhles. Zionist. Distriktskomitees, erhielten ihre Beförderung Zum Oberarzt. -Von den reichsdeutschen Gesinnugsgenossen erhielten ferner das Eiserne Kreuz: Dr. Martin A s ch e r, Berlin (K. J. V.), Willy Schön, Berlin (K. J. V.), Joset Koppler, Charlottenburg, Dr. Rudolf J a c o b y, Berlin, (K. J. V.) Carl Michel, Referendar Julius D a v i d, Metz, (K. J. V.), Oberarzt Dr. Stahl, Tarnowitz (K. J. V.), Assessor Julius Eppstein, Königsberg (K. J. V.), der außerdem auch zum Leutnant befördert wurde* Heinrich Koplowitz, Königshütte, Samuel Freund, Kunzlau und Unterarzt Dr. Artur Rosenberg, Berlin. Unteroffizier Fritz Klein hat die badische Karl- Friedrich-Medaille und Feldwebel Oskar Pariser, Stuttgart, die österreichische Silberne Tapferkeit.smedaille erhalten. . Auch die -Verlustliste weist Namen von Gesinnungsgenossen a uf. Es starben den Heldentod: Leutnant Ing. Jacob Rohrlich, A. H. der Jordania in Wien und der Tikwa in SuCzatva, Otto Reis,- eines der tüchtigsten Mitglieder des Jüdischen Sportklub Hakoah in Wien, .Fritz Wagner (Hakoah, Wien), Otto Mütz (Hakoah, Wien), Ernst O ä K o r, Mitglied des Herzl-Vereines in Budapest, Jakob Bela Rosenfeld, einer der tüch-