Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 38 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr, 38 und Vertrauensmänner der Vereine Böhmens projektiert III. Vereinigung (von „Selbstwehr“ und „Jüdische Zeitung“. Das Zentralkomitee wünscht, daß mit Rücksicht auf die gegenwärtigen schwierigen Verhältnisse für die Kriegsdauer ein Modus gefunden werde, welcher die Vereinigung der beiden Wochenschriften ermöglicht IV. Vertrauensmänner-Versamm- 1 u n g. Das Zentralkomitee trägt den D. Ks. auf, in der allernächsten Zeit zum Zwecke der Orientierung der Gesinnungsgenossen über allgemeine Haltung ,und die speziellen Aufgaben der gegenwärtigen Zeit Vertrauensmänner-Versammlungen zu 'Veranstalten. An diesen Sitzungen werden Mitglieder des Zentralkomitees teilnehmen. Zionisten im Felde. Wieder wurde eine ganze Reihe von wackeren und tapferen Zionisten ausgezeichnet [ Leutnant Robert Zweig erhielt, nachdem er — wie wir berichtet haben — den Heldentod gefunden hat, die Allerhöchste belobende Anerkennung. Einj.-Frehv. Ernst Pollak im Feldjägerbataillon 25, Expräses der Neure Jehuda in Wien, bekam die silberne Tapferkeits- «vedaille und avancierte zum Fähnrich. Er liegt gegenwärtig krank in Olmütz. Unserem Gesinnungsgenossen, Rechnungsunteroffizier Paul Braff, wurde für seine vorzügliche Dienstleistung der Ausdruck der vollkommenen Zufriedenheit seitens des .Bataillonskommandanten ausgesprochen. Dr. Julius Kraus, A. H. der Makkabäa {Budapest), von dessen Auszeichnung mit der silbernen Tapferkeitsmedaille wir in der jüngsten Nummer unseres Blattes berichteten, hat seitdem auch schon die goldene Tapferkeitsmedaille erhalten. Ignaz Munk, Mitglied des Budapester Jüdischen Sportklub (Vivo es Atletikai Klub), ein 40jähriger Landsturmmann, erhielt bei der ersten Belagerung von Przemysl die goldene Tapferkeitsmedaille und wurde zugleich zum Feldwebel befördert. - Leutnant Hans Mayer, Bankbeamter In Wien, erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse. Artillerievormeister Adolf Rosenstreich aus Komanestie am Solones (Bukowina), Gründer der zionistischen Ortsgruppe in seiner Heimats-' gemeinde und langjähriger Vertrauensmann daselbst, hat bei unseren Motorbatterien die Belagerung von Namur, Maubeuge und Antwerpen mitgemacht. Vor einiger Zeit erhielt er aus dem deutschen Hauptquartier das Eiserne Kreuz und ein amtliches Begleitschreiben. Er hatte mit’ seiner Abteilung die Aufgabe, das Fort St. Catherine in Trümmern zu schießen und sodann •die schweren Schiffskanonen, die die Engländer zur Unterstützung der Belgier herangeschleppt hatten, zum Schweigen zu bringen.; Er löste seine Aufgabe ganz allein. Die Auszeichnung erreichte diesen tapferen Vormeister in einem Wiener Spital, wohin er zur Heilung Seiner Verletzung gebracht worden war. Von den reichsdeutschen Gesinnungsgenossen erhielten das Eiserne Kreuz: Alexander Pick, Berlin, Assessor Dr. Badt, Breslau, Dr. Benno Grünfelder, Berlin (K. J. V.), letzterer Sohn unseres geschätzten Gesinnungsgenossen Moriz Grünfelder, Obmannes des Saazer Zionistenvereines. Auch die Verlustliste weist Namen von Gesinnungsgenossen auf. Es fanden den H eldentod: Leutnant d. R. Ing. Moritz Deutsch1, A. H. der jüdischen FerialVerbindung Emunah- Bielitz; Dr. Markus Schapira, A. H. der Zephirah- Czemowitz (auf dem südlichen Kriegsschauplatz); ferner Leopold Brisgelski (Berlin), Unteroffizier Hugo Schleich (Röbel). Gesinnungsgenosse Bendix Cohn (Berlin), ist seinen Verwundungen erlegen. Einj.-Freiw. med. Otto Lichtwitz, Führer des Jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß“, der bereits sei zwei Monaten vermißt war, befindet sich in russischer Kriegsgefangenschaft in Taschkent (Turkestan). Erich Hammer, Berlin (K. J. V.), ist in Frankreich gefangen. V >e r m i ß t werden: Karl Goldberger, Leutnant d. R. im Inf.-Reg. Nr. 13, Schriftführer des Volksvereines „Zion“ in Freudenthal und Hans Kronstadt, Einj.-Freiw. Unterjäger im Feldjägerbataillon 5/3, Sohn des Obmannes des gleichen Vereines, die beide am 27. August d. J. verwundet wurden, dürften in russische Kriegsgefangenschaft geraten sein. * Die JfiOisdie Turnersdiaft im Kriege. Der letzte Bericht weist durch eine Verschiebung im Drucke ein unliebsames Versehen auf, das wir hiemit berichtigen; es sind nämlich nachstehende Turnbrüder unter den Verwundeten zu nennen: Hugo Spitzer, Ing. Phillip Polläk, Richard Müller, Leo Fried, Paul Schiller, sämtliche vom Ersten Wiener Jüdischen Turnverein. Es wird uns ferner geschrieben: Paul Weinstein, Olmütz, wurde zum Leutnant befördert und mit der gold. Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet; Ltnt. Dr. Julius Munk, Boskowitz, erhielt das gold. Verdienstkreuz; Hermonn Rosenfeld und Alfred Marchfeld , wurden zum Zugsführer, Samuel Helfgott zum Feldwebel befördert, sämtliche von J. T. V. Lundenburg; Hugo Spitzer und Günsberger von I. W. J. T., ebenso Alfred Poppor vom J. T. V. Fünfhaus wurden zum Oberleutnant ernannt; Vom Döblinger Vereine sind Dr. Silbiger und jur. Wilh. Lederer verwundet, Ludw. Aug. Frankel ist erkrankt; Die Mitgliedschaft von Hakoah ist fast zur Gänze im Felde; besondere Mitteilungen über einzelne Eingerückte folgen. ,* Der Aufruf der Kreisleitung zur Beteilung der Makkabim im Felde mit Chanukahliebergaben hatte einen ungeahnt großen Erfolg. In sämtlichen zurzeit im Betriebe stehenden Korporationen wurde eine fieberhafte Tätigkeit nach dieser Richtung eingeleitet So waren es speziell Prag, Graz, Lundenburg, Kremsier — dem letztgenannten Vereine hat auch die Kultusgemeinde einen angemessenen Betrag für den gedachten Zweck gewidmet, — wo auf besonders reiche Früchte der Sammelarbeit hingewiesen werden kann, ln Wien waren es des I. W. J. T., Fünfhaus und Makkabi X., von wo aus hunderte Pakete ins Feld wanderten. Der J. T. V. Holleschau sandte eine große Menge Zigarretten an die Kreisleitung zur beliebigen Verwendung und, angeregt durch den vormaligen Aufruf in der Jüd. Ztg., Hess Herr Siegfried Zaitschek aus Humpoletz eine größere Anzahl von versandbereiten, überaus sorgfältig ausgestatteten Liebesgaben-Päckchen der Kreisleitung zugehen. Diese vereinbarte daraufhin mit dem I. W. J. T., daß dieser die Sendungen übernehme und dagegen den ihm von der Kreisleitung namhaft gemachten Turnbrüdern Pakete ins Feld schicke. Da sich ’dieser Modus sehr gut bewährt hat, stellt nun die Kreisleitung an alle Vereine sowie an alle. Freunde und Gönner der Organisation folgendes Ersuchen: Im Falle die sachgemässe Expedition der gesammelten Liebesgaben Euch nicht möglich ist, sendet uns alle diese Spenden und gebt uns die Namen und genauen Feldadressen jener bekant, für welche Ihr diese Gaben als Eueren Gruß aus der Heimat bestimmt habet; die Verpackung und Absendung wird sodann prompt von hier aus erfolgen. (Im Pakete eventuell eine Feldpostkarle mit Euerer Reiotiradresso. - Geldspenden zur Deckung der nicht unbedeutenden Barauslagen erbeten; Postsparkassakonto 107726; Empfangsbestätigung wird über Wunsch erteilt * Jüdische Studenten im Felde. Nach der Soeben erschienenen Nummer der Zeitschrift des „Kartell-Convents der Verbindungen deutsdier Studenten jüdischen Glaubens (K. C.)“ stehen nicht weniger als 450 der K. C.‘er im Felde. Davon haben sich gegen 150 freiwillig gestellt. 24 sind bereits verwundet, 9 gefallen, 32 haben sich das Eiserne Kreuz erworben. Hofsfandsarbeifen in Palästina. Es ist bereits in den Blättern berichtet worden, daß der JNF in der schweren wirtschaftlichen Krise seit Ausbruch des Krieges imstande war, Bedeutendes für die Verproviantierung der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu leisten1. Mit den großen Getreidevorräten seiner Farmen wurden nicht nur die Städte Jerusalem; Jaffa, Haifa, sondern auch Kolonien wie Petadh-Tikwah, Rischon-le-Zion, En-Oanim, En-Chai etc., ver-i sorgt, während aus der NF-Farm Ben-Sehemen täglich große Quantitäten Milch nach Jaffa geliefert wurden. Es bleibt aber eine andere, ebenso große Aufgabe zu erfüllen, mit der sich eine jüngst stattgefundene Sitzung des NF-Direktoriums eingehend befaßt hat. Sofort nach Ausbruch des Krieges drohte infolge Aufhörens der Goldzuflüsse aus dem Auslande, der geringen Goldvorräte bei den Banken und Requirierungen für die Mobilisierung eine verheerende Arbeitslosigkeit in den Städten und Kolonien. Dank dem Eingreifen der amerikanischen Judenheit, die durch ihre Vertreter beträchtliche Barmittel hach Palästina sandte, wurde die größte Gefahr abgewendet und auch die Arbeitslosigkeit zumindest für einige Zeit gebannt. Zu seinem Teile hat auch der NF erheblich beigetragen, indem er Seine Betriebe nicht nur in vollem' Umfange aufrechterhielt, sondern auch die für die Hochsaison aufgenommenen Arbeiter weiterbehielt und sie mit außerordentlichen Arbeiten, wie Errichtung von Arbeiterhäusern, Wegbauten ■ etc, zu beschäftigen suchte. Es ist zu hoffen, daß die amerikanischen Juden, die sich in so weitherziger 'Art ihrer Brüder in Palästina annahmen, auch weiterhin an der Spitze des .Hilfswerkes sein werden. Cafe „Marienbrücke“ li I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Allein, um die ungeheure Not, besonders aber die Arbeitslosigkeit — die größte, weil auch moralische Gefahr — vom neuen und soweit als möglich, auch vom alten Jischub dauernd'fernzuhalten, ist >es unbedingt geboten, daß alle maßgebenden jüdischen Faktoren in gleicher Richtung wirken. Getreu dem alten Prinzip des NF, nicht Philanthropie zu üben, sondern Arbeitsgelegenheit zu schaffen, hat die letzte Direktoriumssitzung des NF, auf Grund der vom Palästinaamt vorgelegten Berichte und nach Beratung mit dem anwesenden Leiter der bautechnischen Abteilung des Palästinaamtes, beschlossen, eine besondere Aktion zur B]e Schaffung von Mitteln für die Ausführung von Notstandsarbeiten in Palästina einzuleiten. Bekanntlich geht jetzt in den vom' Kriege betroffenen Ländern das allgemeine Streben dahin, durch Notstandsarbeiten von Staat und Gemeinde der um sich greifenden Arbeitslosigkeit zu begegnen. In Palästina haben die Notstandsarbeiten des JNF noch eine ganz besondere Bedeutung. Die bereits vor dem Kriege mit Hilfe des A r b e iterheimstättenfonds für die Jemeniten errichteten Arbeiterfamilienhäuser samt dem dazugehörigen Gartenland für Gemüse etc. haben sich nach allgemeinem Zeugnis durchaus bewährt, dermaßen, daß der JNF im Begriffe war, diese Familienhäuser, und zwar kleinere, um' den Betrag von 1000 Francs und größere um 2000 Francs, auch für die aschkenasischen Arbeiterfamilien zu errichten. Die verschiedenen Versuche in Palästina sowohl, wie die Studien des Bauleiters des Palästinaamtes in Europa, führten zu einer Methode, die die Erbauung eines soliden, auf lange Jahre bestimmten Arbeiterfamilienhauses für den erwähnten Betrag gewährleistet. Die Arbeiter, sowohl Jemeniten, wie Aschkenasim, sind mit Freuden bereit, Haus und Garten zu beziehen, wobei sie Garten und Baugrund von mehreren Dunam in Erbpacht nehmen, während sie das Haus in etwa 18 bis 20 Jahren zu amortisieren haben. Was;aber im jetzigen Moment von besonderer Wichtigkeit ist, das ist die erfreuliche Tatsache, daß die Arbeiter.die .Bauten.nach der neuen Methode leicht erlernen und selbst auszuführen in der Lage sind. Auf diese Weise erlangen die Arbeiter die Möglichkeit, früher eine Familienexistenz zu begründen, und überdies eine lohnende Beschäftigung. Wie aus Palästina berichtet wurde; hat trotz des Krieges die Jemeniteneinwanderung nicht aufgehört, die nach wie vor der jüdischen Kolonisation zum Segen gereichen könnte, wenn für entsprechende Unterkunft der Jemeniten gesorgt wird. Für Jemeniten und Aschkenasim' ist die Beschäftigung mit Häuser- und Wegbauten die am leichtesten erlernbare und zur Zeit zweckmäßigste. Es ist darum dringend geboten, daß sowohl Zionisten, wie Nichtzionisten dem' JNF, wie zu Beginn der Jemeniteneinwanderung, die Mittel zuführen, um die Notstandsarbeiten in möglichst großem Maßstabe aufzunehmen und so der arbeitenden Bevölkerung über die schwere Zeit hinwegzuhelfen. Eine flieafervorstellung infiebräistfier Sprache zu Gunsten des Roten halbmondes. Die bereits angekündigte Aufführung des historischen Dramas „Makkabäer“ von Libuschytzki in hebräischer Sprache zu . Gunsten des Halbmondes, wird 'am 9. Jänner 1915 im Lustspieltheater stattfinden. Seine Hoheit, der kate. ottomanische Botschafter in Wien, Hussein Hilmi Pascha, hat das Protektorat dieser Veranstaltung übernommen. Das Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich hat die Unterstützung dieses Unternehmens in der Erkenntnis dessen beschlossen, daß der Aufführung t neben dem’ bedeutsamen agitatorischen Werte einer Bühnendarbietung in hebräischer Sprache auch die Bedeutung einer offenen Demonstration innewohnt. Das höhe Protektorat sichert dieser Veranstaltung bereits die Aufmerksamkeit türkischen Kreise. Es handelt sich hier wieder einmal um einen Beweis werktätigen Interesses der zionistischen Partei für die türkische Staatsidee, die infolge der augenblicklichen politischen Konstellation allen Oesterreichern, besonders aber den zionistisch gesinnten, nahesteht. Es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß die mit großen Kosten und mühevoller Aufopferung ins Werk gesetzte Veranstaltung die Teilnahme und das Interesse aller zionistischen Kreise auf sich lenken wird;