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Jüdische Zeitung · 1914-12-11 · 37 (11.12.1914) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
37 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 JÜDISCHE ZEIT UNO Seite 3 halten. Der eigentliche Charakter dieser Zeitung hat sich vollkommen geändert. Von der Provinz sind sie abgeschnitten. Statt 100.000 Exemplare drucken sie nurmehr bloß gegen 15000 Exemplare täglich, ohne Annoncen, ohne Artikel. Die jüdische Presse erleidet dadurch großen materiellen Schaden. Die Ursache der Krisis ist darauf zurückzuführen, daß die genannten Zeitungen bei Kriegsausbruch wenig Vorrat an Papier hatten, und neues Papier nicht beziehen konnten, da die Städte, wo Papier erzeugt wird, von den Deutschen besetzt sind. Das Interesse für die Zeitung bei dem jüdisch-lesenden Publikum ist auch kleiner dadurch, daß die Bahnen ntit dem Transport der Soldaten vollauf beschäftigt sind und die russischen Zeitungen erst nach drei bis vier' Tagen in die Provinzstädte gelangen. Infolge dieser Krisis wurde sämtlichen Mitarbeitern der jüdischen Zeitungen der Gehalt auf 40 Prozent reduziert, und viele jüdische Literaten und Journalisten blieben sogar ohne Brot. Die jüdischen Zeitungen „Das Leben“ und „Das jüdische Volk“ (zion. Organ) mußten ihr Erscheinen einstellen. Die hebräischen Tageszeitungen „Hazefirah“ und „Hasman“ kämpfen schwer und man Zweifelt sehr, ob sie zu halten sein werden. Die bekannten hebräischen Zeitschriften „Haolam“ und „Hascihiloach“ sind ebenfalls eingestellt. Der jüdische Büchermarkt ist bankerott. Der . bekannte große Bücherverlag „Zentrale“ hat seine Zahlungen eingestellt. Die hebfäisitte Sprache unö 9er Krieg. Der Krieg hat für die hebräische Sprache große Schwierigkeiten geschaffen, da die meisten hebräischen Zeitungen und Zeitschriften zu erscheinen aufgehört haben und der Verkauf an hebräischen Büchern natürlicherweise ganz unterbleibt. Um einigermaßen Abhilfe >zu schaffen, fand unter dem Vorsitz des bekannten Schrift - stellers Reuben Brainin in New-York am 20. September eine Konferenz der amerikanischen Hebräisten und Freunde der hebräischen Sprache statt, in welcher die Einberufung eines umfassenden hebräischen Kongresses, in Amerika die Schaffung von hebräischen Zirkeln und die Verbreitung der hebräischen Literatur und Presse besprochen wurde. Ein Exekutivkomitee wird die Vorbereitung des Kongresses während der Chanukafeiertage organisieren. Oie jüdisifis TurnsrsM im Krieg. Wiener Jüdische Turnverein Der Erste schreibt uns: Unser lieber Turnbruder, erster Kassier und Vorturner, Siegfried Weiner, Leutnant im k. k. Landwehir-Infanterie-Regiment Nr. 13, Beamter der k. k. priv. allg. österr. Bodencredit-Anstalt in Wien, fand am 23. Oktober auf dem nördlichen Kriegsschauplatz in den Kämpfen vor Iwangorod den Heldentod. Wir verlieren mit ihm eines unserer wertvollsten und hervorragendsten Mitglieder, das sich in der gesamten jüdischen Turnerschaft und bei allen seinen Parteifreunden aufrichtigster Liebe, bei seinen Berufsgenossen ehrlichster Wertschätzung erfreute. Besonderes Mitgefühl wendet sich der schwergeprüften Familie des Dahingegangenen zu, an die der Ausschuß unseres Vereines folgendes Schreiben richtete: „Wien, 3. Dezember 1914. An die geehrte Familie Hahn-Weiner Petrau, Post Straßnitz. Ihre Trauerbotschaft vom Heldentode unseres lieben Turnbruders Siegfried Weiner Leutnant im k. k. Landwehr-Infanterie-Reg. Nr. 13, hat uns aufs tiefste erschüttert. War er doch in den letzten Jahren einer der Eifrigsten und Tüchtigsten nicht nur am Turnplätze, sondern insbesondere auch im Ausschüsse unseres Vereines, dessen Stütze er war und für den er in nimmermüder Tätigkeit selbstlos und bescheiden arbeitete, wie kaum! ein Zweiter. Selbst in1 tiefster Trauer um den Verewigten, drücken wir Ihnen im Namen des Ausschusses und des gesamten Ersten Wiener Jüdischen Turnvereines unser herzlichstes Beileid aus. Der Gedanke, daß wir alle ihm' das treueste Andenken für immer bewahren und seiner Tätigkeit im Vereine in geeigneter Weise ein dauerndes Zeichen widmen werden, möge Ihnen allen zum Tröste gereichen. Siegfried Weiner starb für eine gerechte Sache im Kampfe gegen den Erbfeind des jüdischen Volkes und darum wird das ganze jüdische Volk seih' Andenken immer in Ehren halten.“ Hiezu Wird uns noch nachträglich mitgeteilf, daß Leutnant Siegfried' Weiner als äußerst tapferer Offizier, fn 18 Gefechten und 3 Schlachtenganz Hervorragendes leistete und im 22. Gefecht, . , eben als er seinen Zug. zum Sturmangriff anfeuerte, yaa einer Feindeskugel tödjfcfi’ ins Herz getroffen wurde. Er wurde knappnachher mit der goldenen Tapferkeitsmeaaille ausgezeichnet. Dte Jüdische Tufnerschäft berichtet uns weiter uberiGhre inr Felde stehenden; JÄitgfileder::; Verwundet: Dr.' jur. Salomon Allerhand, Leutnant, Bielitz; Ä. Oster, Titular- Korporal, Bielitz; Andor Z s o Idos, Korporal, Budapest; Oskar Braun, Gefreiter, Graz; Ernö Rosenberger, Kadett, Graz; Fritz Glattauer, Korporal, Graz; Isak B r i n g s, Graz; Eugen Bricht er, Leutnant, Holleschau; Eugen Alt mann, Holleschau; Milan Marchfeld, Zugsführer, Lundenburg; Karl Helfgott, Infanterist, Lundenburg; Joset Deutsch, Proßnitz; Otto Katz, Fähnrich, Proßnitz; Emil S t e c k 1 e r, Proßnitz; Bruno Stecklmacher, Proßnitz. Gefallen: Otto Spitz, Fähnrich, Brünn; A. G e i b k o p f, Brünn; Ernst Grünwald, Einjährig-Freiwilliger, Graz; Julius O p 1 a t k a, Leutnant, Prag; Josef Ball, Korporal, Triest; B. K 1 e i n z e 11 e r, Leutnant, Triest; Dr. Z w i eback, Zagreb. Ferner Hugo Spitzer, Leutnant, Wien, Phillipp Po Ilak, Fähnrich, Wien, med. Richard M ü 11 e r, Wien, Leo F r i e d, Oberjäger, Wien, Paul Schiller, Wien, alle vom Ersten Wiener Jüdischen Turnverein. Ignaz Zwilling er, Maschinenmaat, Mitglied des Jüd. Turnvereines Kremsier, wurde zur Auszeichnung vorgeschlagen. Kriegsgefangen: Wolf M o n i a s, Leutnant, Iglau. „Blaii'-Weifi“ im Krieg. Im ganzen sind bisher die Namen und Adressen von 5S im Felde stehenden Führern und Wanderern des Blau-Weiß-Bundes mitgeteilt worden. Gefallen sind auf dem Felde der Ehre: Religionslehrer Max Straus, Vorstandsmitglied des Münchener Blau-Weiß, Fritz Seelig, Führer im Mannheimer Blau-Weiß, Alfred Kraus, Mitglied des Prager Blau-Weiß, Dr. Hugo Ascher, Mitglied des Berliner Blau-Weiß. Ehre ihrem Andenken! Verwundet wurde Ferdinand Black, Führer im Prager Blau-Weiß. Befördert wurden Simon Wertheim (Führer- Hamburg) im September zum Vizefeldwebel, im Oktober zum Offiziersstellvertreter, Leo Bloch (Führer-Prag) zum Fähnrich. R.-A. Salli Hirsch Mitglied-Berlin) und Assistenzarzt Dr. Felix [Ranziger (Mitglied-Berlin) erhielten das Eiserne Kreuz. Vereinsnadiriditen. FatriotistiusKonzerf des OManta? Don Euifis. Für das am 17. Dezember d. J. anläßlich der Chanuka-Feier im großen Konzerthaus-Saal stattfindende große patriotische Konzert unseres Oberkantors Don Fuchs gibt sich schon jetzt ein außerordentliches Interesse iin Publikum kund. Anläßlich dieser Veranstaltung schreibt man uns von befreundeter Seite: Es war ein lobens- und anerkennenswerter Gedanke unseres Oberkantors, die Erinnerung an die Heldenzeit unserer Vorfahren, wie sie das Chanukafest alljährlich uns bringt, diesmal der großen Zeit entsprechend, die wir durchleben, mit humanitären und patriotischen Bestrebungen zu verknüpfen. Es handelt sich in erster Linie darum, den verwundeten Soldaten so rasch und so ausgiebig als möglich zu helfen, die armen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina nach Kräften zu unterstützen. Diesem edlen Zwecke ist das Reinerträgnis dieser Makkabäerleier gewidmet. Es ergeht daher der Appell nicht bloß an die ständig in Wien lebenden Juden, auch an jene Unglücklichen aus den deren Mittel Not, Sorge ferne halten, an diesem sehen Werke tatkräftig in Glücklichen unter den evakuierten Ländern, und Elend von ihnen jüdischen und patriotimitzuwirken. Wien. (Wiener Zionistische Vereinigung.) Die Adresse der Wiener Zionistischen Vereinigung, die ihre Tätigkeit bereits wieder aufgenommen hat, lautet bis auf weiteres: IX. Bez., Garnisonsgasse 22. Wien. Der Herzl-Khib veranstaltet zu Gunsten des Roten Halbmondes eine Theatervorstellung in hebräischer Sprache im Lustspieltheater. Gg. Egon Brecher, Regisseur des Lustspieltheaters, hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, die Regie zu übernehmen. Damen und Herren, welche die moderne Aussprache des Hebräischen beherrschen und an dieser Vorstellung als Dillettanten teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre Adressen Herrn Aharon Lubranyi, Wien, IL Adambergergasse Nr. 10, Tür 3, bekanntzugeben. Wien. Der jüdische Turnverein „Massada“, Wien, 17. Bez., veranstaltet am Sonntag, den 13. d. M., 4 Uhr nachmittags, im Cafe Adler, I., Schottenring 12, eine’ Makkabäerfeier zu Gunsten der eingerüekten Turnbrüder, bei der Herr Dr. Wilhelm Stein die Festrede halten wird. Wir laden alle Gesinnungsgenossen herzlichst ein! Eintritt 60 h. Wien. Sonntag, den zweiten Chanukaabend (13. Dezember), halb 5 Uhr abends, spricht inr Bethhamidrasch des Vereines Tinn* III, Rembrandstraße 34,. parterre, Herr Jost Perlbexger (Lemberg) zum Thema: „Chanuka und das _ JudeirtqnriV ZT Rabbinerssöhn, Flüchtling aus Galizien, sucht Unterricht — auch für ältere Schüler - in Hebräisch pfi alte und Neue Literatur. Zuschriften unter F. Straße i II. Bez. Wallenstein- Tür 14. •ororoooooroooorooororoo “RW Privat; Restauration "iso Jacques Benvenisti’s Wütl Wien, II. Weinfraubengasse Nr. 7 Türkische Speisenspezialitäten. Abonnement in und außer dem Hause. oioioioMaHHoioioioi ■ nrn ■ > RESTAURATION ■ m _IlKJ_U - „zur rumänildien Küdie1 ■ Ch. Weiß vorm. Korn ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. ■ g Anerkannt vorzügliche polnische u. runänische Küche. S 3338 33SS 53 Cafe Industriellen I., Concordiaplatz Besitzer: Franz Pollak, Hugo Knöphnacher Sitz des Sportklub „Hakoah“. Vornehmes, modernes Familiencafe. Große elegante _--—> i uuiiuviivuiv, uiwwc Souterrainlokalitäten für Veranstaltungen und Versammlungen zu vergeben. 500 Pers. Fassungsraum. Cafö ADLER I., Schottenring Nr. 12. Telephon 14737. Familien-Cafe ersten Ranges. Nachtmahl- Spezialität Adler-Platte feiner Aufschnitt and andere kalte Speisen. — Biere vom Faß. 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