Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 33 (9.10.1914)
- Date
- 1914-10-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 33 Aktion der Regierung, bezw. der Gemeinde Wien dahin 'erzielt, daß unsere Wiener Organisation den überaus wichtigen und segensreichen Dienst auf den Bahnhöfen übernimmt und eine allgemeine Rechtsauskunftsstelle einrichtet und führt sowie nach Maßgabe des jeweiligen Bedarfs aus ihrem reichen Schatz an freiwilligen Mitarbeitern der „Zentralstelle“ Arbeitskräfte in unbeschränk ter Zahl dort zur Verfügung stellt, wo sie vom Leiter der allgemeinen Zentrale benötigt werden. Mit Befriedigung kann hervorgehoben werden: Unser Dienst klappt vorzüglich. Für die Einrichtung des notwendigen Redherdhen- und Sanitätsfürsorgedienstes der allgemeinen Zentralstelle {halten wir Kräfte bereit, weldhe aus den Reihen unserer älteren Gesinnungsgenossen zahlreich zur Verfügung stehen. Für die der Zentralstelle jangeschlossenen Unterstützungskasse, welche Iwödientlich mehrere tausend Kronen verteilen soll, haben wir zuverlässige Gesinnungsgenossen als Vertrauensmänner. Soviel über unsere Mitwirkung an der allgemeinen Fürsorgetätigkeit für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ohne Unterschied der Nationalität. Wir Zionisten waren uns aber von allem Anfang an darüber in Klarem, daß die Tätigkeit für die tausenden Familien unserer unglücklichen Brüder aus dem Osten sich in der Teilnahme an der allgemeinen Fürsorgeaktion der Regierung und Stadtgemeinde keineswegs erschöpfen dürfe. Wir haben — unbeschadet unserer tätigen Mitwirkung an der allgemeinen Aktion — Mittel und Wege gesucht, bei unseren jüdischen Volksgenossen wenigstens dem ärgsten Jammer abzuhelfen, welchen das staatliche Eingreifen noch immer in reichem Maße zurückläßt und trachten unablässig darnach, unsere Tätigkeit neuen Gebieten zuzuwenden. Für unsere argbedrängten Brüder riefen wir zunächst eine F r e i t i sch a k t ion ins Leben, um es einer großen Zahl von Juden möglich zu machen, in Wiener jüdisdien Familien herzliche Aufnahme und gute Verpflegung zu finden. Die bedeutenden Erfolge auf diesem Gebiete spornen uns zu weiterer emsiger Arbeit an. Wir fordernd dringend zur Anmeldung von Freitischen auf, welche von den jüdischen Flüchtlingen sehr stark begehrt werden, geben aber auch Personen, die an direkter Abgabe eines Freitisches irgendwie behindert sind, Gelegenheit durch eine Ablösungsspende in der Höhe von monatlich K 6.— für ein Kind und K 12.— für einen Erwachsenen der Idee gruppenweiser Ausspeisung in Familien zu dienen. Ein anderer Zweig unseres Hilfswerkes erstreckt sich auf die Anlage einer Brockensammlung, welche die Beistellung der notwendigsten Gebrauchsgegenstände wie Kleider, Wäsche, Sdhuhe, Decken, Strohsäcke, Polster, Küchengeräte .etc an die oft alles entbehrenden Flüchtlinge bezweckt. Auch hier sind ununterbrochen große Mengen von Gegenständen erforderlich, (weshalb weitere Spenden dringendst erbeten werden. Zwei neue wichtige Institutionen sind in Aussicht genommen: Ein Ambulatorium zur unentgeltichen ärztlichen Behandlung der Flüchtlinge, weiches in aller 'nächster Zeit eröffnet werden dürfte und ein Hort für Kinder jüdischer Flüchtlinge, dessen Einrichtung derzeit den Gegenstand ernster Beratungen im Zentralkomitee bildet. Hoffentlich werden durch den alles Mberbrückenden Opfermut unserer Gesinnungsgenossen die Schwierigkeiten, twelche sich diesen beiden Aktionen hindernd in den Weg stellen, vor allem die materiellen Fragen bereinigt werden. Denn zur Erfüllung aller dieser Tätigkeiten unseres Hilfswerkes und zur Unterstützung der in Wien von der Staats- und Gemeindeverwaltung ungenügend versorgten Juden brauchen wir Geld, sehr viel Geld, das durch Sammlungen in der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs aufgebracht ■werden muß, sollen unsere eifrigen Bemühungen wirklich von Erfolg gekrönt sein. Rechtfertigen auch die bisherigen Ergebnisse der Sammeltätigkeit die Erwartung, daß wir bedeutende Mittel in den iDiepst der einzigartigen Unternehmungen für unsere Volksgenossen aus Osten werden stellen können, .so dürfet} wir nicht rasten noch ruhen, bis unserer Arbeit der volle Erfolg beschieden ist. Also emsig weitersammeln!! Ehrenpflicht eines jeden aufrechten, selbstbewußten Juden ist und bleibt es, jede einzelne der vom zionistischen Zentralkomitee für Westösterreich veranlaßten Hilfstätigkeiten nach Kräften zu fördern, persönlich für die würdige Behandlung der östlichen Juden, die als Gäste in unseren Mauern weilen, Sorge zu tragen und sie vor Benachteiligungen, Verunglimpfungen und unwürdigen Zumutungen kraftvoll zu schützen. So wollen wir vor aller Welt dartun, daß es, einen wirklichen Unterschied unter den Juden aus Ost und West '.nicht gibt, daß wir alle Juden, daß wir alle ‘Brüder sind, geeint und gefestigt durch gemeinsame Leiden und gemeinsame Hoffnung auf eine baldige bessere, glücklichere Zukunft. PI. Zionisten im Eelöe. Die im Felde stehende junge jüdische Generation gereicht durch ihr tapferes und heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde unserem Volke wahrlich zur Ehre. Zahlreiche Juden, darunter Zionisten, wurden belobt und ausgezeichnet. Von den tapferen Gesinnungsgenossen erhielt der Einj.-Freiw. Tit.-Korporal Dr. Otto Eisler, A. H. der jüd.-akad. Verb. „Ivria“, die goldene und Julius Sofer aus Göding die silberne Tapferkeitsmedaille. Bei den Gefechten im Komitate U n g bildeten zionistische und ukrainische Jungschützen unsere Vorhut, die sich nach einstimmigem Urteil der ungarischen Presse überaus tapfer hielten. Siebzig von ihnen wurden verwundet. Flüchtende galizische Juden waren es, die dem Militär - Kommandanten von Ungvär zuerst das Herannahen russischer Streitkräfte gemeldet haben. Nach dem Kriege wird es unsere Aufgabe sein, die Teilnahme unseres Volkes an dem gewaltigen Völkerringen festzuhalten. Zahlreiche Gesinnungsgenossen sind verwundet worden, darunter das Mitglied des großen Aktionskomitees Dr. Alexander Haus - mann. Unsere Partei hat bereits den Verlust einer ganzen Reihe treuer und hingebungsvoller Mitkämpfer zu beklagen. Es fielen auf dem Felde der;Ehre: Advokat Dr. Ludwig Dömeny, k. u. k. Landsturmleutnant, einer der Führer unserer ungarischen Gesinnungsgenossen, langjähriger Leiter des NF-Bureaus in Budapest, Ing. Adalbert Hofmann, Leutn. d. R., A. H. der jüd.-akad. Verb. „Veritas“, ein beliebtes Mitglied des Wiener zionistkehen Lebens, Ing. Artur Schulhof, A. H. der jüd.-akad. Verb. „Unitas“, Samuel Deutsch, Bezirksvorstelier-Stellv., Brünn, Mano H o 1 z m a n n, Kadett d. R., A. H. der Verb. „Gamala“ in Göding, Leo Gottlob, Turn wart des jüd. Turnvereines Brünn, i. a. B. der „Veritas“, einer der besten jüdischen Turner Westösterreichs, Alfred B a d e r 1 e, Göding. Vermißt werden: Dr. Hermann Löw, A. H. der „Ivria“ und Dr. Ernst Skutet'zky, A. H. der „Unitas“ und Obmann des Wanderbundes Blau-Weiß. JnSisAe Turnerstt. 2. Kreis (Westösterreich). Gesundung des jüdischen Körpers. Die Liste unserer ins Feld gezogenen Turner gibt uns einen herzbewegend erfreuenden Beweis für den hohen Erfolg unserer jahrelangen Bestrebungen, der, systematischen Körperpflege und Leibesübungen: der größte Teil unserer aktiven, im wehrfähigen Alter stehenden Mannschaft steht heute — zum nicht geringen Teile freiwillig — unter Waffen, ebenso begeistert dem Rufe des uns schirmenden Vaterlandes folgend, als durdhglüht und gedrängt von Kampfeslust gegen die Horden möskowitisdier Judenmörder, gegen die Rotten „echtrussischer“ Schänder jüdischer Frauen und Mädchen, gegen die Sendlinge finsterster, barbarischer Judenhasser. Mit heißen Wünschen begleiten die Zurückgebliebenen alle Dahinziehenden und gehen an ihre Arbeit. Den letzten Monatsausweisen der Vereine ist ZU entnehmen, daß der Turnbetrieb fast sämtlicher Vereine aufrechterhalten wurde. Die Zögiing^bteitogei» wurden den? Herrenfunien angeschlossen, die Doppelzeiten des Damenturnens zusammengelegt und damit wurde überall der erwünschte Zweck voll erreicht: ein, wenn auch in der Zahl der wöchentlichen Uebungsstunden bedeutend eingeschränkter, doch in seiner Intensität — im Verhältnis zu der jetzt überhaupt verfügbaren Mitgliederschaft — durchaus ungeschmälerter Turnbetrieb erzielt. Und darüber hinaus herrscht emsigste Tätigkeit jedes einzelnen Mitgliedes in irgend einem Zweige der Kriegsfürsorge. Die Zusammensetzung der Mitgliedschaft bringt es mit sich, daß die vielseitigsten Interessen unter (dieser vertreten sind, welche jetzt in der mannigfachsten Betätigung der Turnbrüder und -Schwestern Ausdruck finden. In sämtlichen Abteilungen für Hilfeleistungen für die im Felde, verwundeten Soldaten, in allen Komitees zur Unterstützung der ins Feld ziehenden und im Felde stehenden Kämpfer, in allen Sektionen zur Vermittlung von Arbeit und Unterstützung der Einberufenen, in den Speziafkommissionen zur Beherbergung und Wartung der Flüchtlinge aus de Kampfgebieten beschäftigen sich die Turner und Turnerinnen mit jener Selbstlosigkeit, Arbeitsfreude und Opferwilligkeit, die der Dienst für die nationaljüdische Sache in ihnen geweckt und großgezogen hat. Nun tragen sie eine Dankesschuld an das Vaterland ab, das ihnen bisher die Möglichkeit geboten,. sich im Dienste ihres eigenen, ihres jüdischen Volkes zu betätigen. Sie wollen an der Linderung der vielen Schmerzen mitwirken, die der Krieg seiner Bevölkerung schlägt, sie wollen teilhaben an der Heilung der Wunden, die es selbst empfängt. Mit vollen Kräften wollen. sie beitragen zur Verwirklichung ihrer eigenen sehrfsüchtigen Hoffnung: ein verjüngtes, starkes Oesterreich erstehen zu sehen, das auch künftig ein starker schützender Hort der Juden bleibe. R. K. Hilfsabtion des Zinonistisdien Zentral- Komitees für die Elüditlinge aus Galizien und der Bubovina. I. Ausweis. Wien. Sammlung durch Dr. Karl Pollak: Kais. Rat Karl Hirsch K 200.—, Dr. H. Kosei 20.—. Sammlung durch Frau Erna Patak: Erna Patak K20.—, Frau Dr. Jonas 20.—, Herr und Frau Adolf Eisenmann 10.—, Ing. Alex. Singer 10.—, Medizinalrat Hay 10.—, Else Bris 10.—, Direktor Kartosak 10.—, Moritz Dietrichstein 10.—, Satni Dietrichstein 10.—, Direktor Gotthold Stern 10.—, Paula Schmiedl 10.—, Karpeles 10.—, Erna Pekarek 5.—, Marie Redlich 5.—, Anna Figdor 5.—, Fuchs 5.—, Pauker 5.—, Hermann Herzfeld 1.—, Eisenstein 5.—, Risa Fuchs 5.—, Paul, Franz und Robert Fuchs 5.—, Dr. Herrn. Friedmann 20.—, Helene Koraly 5.—, Mathilde Flack 2.—, Lilli Spiegel 2.—, Dora Geiringer 2.—. Sammlung durch Dr. Ern. Schnierer: In memoriam Dris. Theodor Herzl K 20.—, Ernestine Schnierer 20.—, JohannaStein 10.—, Jenny Kronstein 10.—, F. S. 5.—, Wydner 5.—, Kehlmann 4. —, 1. B. 2.—. Sammlung durch Frl. Hanna Läufer und Herrn Paul Jellinek: Adolf Hochstim K 50.—, Marie Abrahamer 5.—, J. Popper 3.—, G. Ganz 2.—, Adolf Ebel 2.—, B. Ister 2.—, O. Goldschmidt 2.—, R. Pollitzer 2.—, L. Jäger .2.—, N. Schaltenstein 5.—, R. Felsenburg 2.—, S. Blau 5. —, P. Fisch 2.—, S. Kossmann 2.—, Dr. J. Bloch 2.—, Helene Spitzer 2.—. Sammlung durch die Herren E. Wladimier Lobert und Arthur Seidl: J. Mandler K 2.—, N. Grünberger 2.—, Dr. M. Kapellner 3.—, Ing. Fr. Kapellner 4.—, Adele Lobesowa 2.—, Klothilde Seidl 4.—, D. Strauß 2.—. Sammlung durch die Herren R. Borger und Robert Singer: Josef Graf K 3.—, Karl Kohn 1.—. Sammlung durch die Herren Josef Fruchter und Hans Gerstl: J. Friedmann K 2.—, N. Heiligmann 1.—, H. Linneberg 1.—, Nagel 1.—. Sammlung durch die Herren Karl Geschwind und Hans Bix: Dr. M. Grünwald K 2.—, S. Littmann 1.—, Dr. J. Littmann 1.—, L. Neumann 1.—, S. Laippel —-50. Sammlung durch Frl. Kamilla Well wart und Frl. Grete Scheu: F. Berdischefski K 1.—. Sammlung durch Herrn Alois Mandler: Leopold Fischler KL—, Firma S.Liebmann 2.—, N. N. 1.—, N. N. 1.—, Ign. Schnabl 1.—, Josef Krouzel 1.—, S. Ryschawy 1.—, Adolf Steiner 1,tt, Etnil Lederer I.—, Otto Glaser?.—, Schumann 1.—, Winternitz 1.—, Otto Schick L—, N. N. j.—. Sammlung durch Herrn Professor Poliak: yägö K 2.—, Neumann 1.—, Rado 1.—, N. N. 1.—, Räbinek Mor. 2 ^-, Dr. Alfred Grünbaum 20.—, Frau Major prass 2,—, Marie Gkss 1.—, Dr. Weiss 4.=r, n. n. 2.r-, n. n. i.-t, Coopejatpr Josef Pinkas 2.—, Steiner, Löffler, Feri, Rosenzweig, Groga, Jl)kai, Dr. S., H. Kendl, fsldor Kolisch je —.50,' Stössler —.20: Sammlung durch Herrn Dr. M.Scherlag: Dr. S. Fessl K 10.—, Familie Knoll 10.—, Josef