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Jüdische Zeitung · 1914-09-18 · 32 (18.9.1914) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
32 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SrS«;e * fMMI 3 ftt w Seite 2 ~ ~ — -- ~ JÜDISCHE'ZEITUNG ~t ~ :.Nr, 32 -J“' ■ -. '• -. y bü * leiden haben, spottet der Beschreibung. - Der Anblick tausender: verelendeter . Flüchtlinge; in den . Straßen Wiens gibt nur jeinen ^schwachen! Begriff von ihrem ^gewaltigen.-iUnglück. »„Und gerade .diese .-Unglücklichsten sind die Wackersten, die Treuesten. Aber auch die. Juden jn .Westösterreich, stellen ihren Mann. Vorwiegend i Geschäftsleute,- Jur risten, Amte mSuTedankttj. haben; sie unter den Folgen der iCrise ökonomisch schwerer zu leiden als irgendwer und doch sind siehilfsbereiter als alle übrigen. Das Ausmaß der Teilnahme .der Juden an allen Hilfsaktionen: ist ganz enorm und man kann-ruhig behaupten, daß - jüdische Arbeit und jüdisches Geld Hauptfaktoren der Fürsorgetätigkeit bilden. In diesen Tagen des Kampfes und der Not treten erst rechtdie prächtigen Eigenschaften der Juden zutage. Diese selben Juden, die sonst von erbärmlichen antisemitischen Wichten straflos beschimpft und bedrängt werden ..dürfen; diese selben Juden, denen selbstsüchtige und kleinherzige jüdische Führer bisher eingeredet haben, daß sie ihr prächtiges jüdisches Volksitum verleugnen und sich,die Maske von Polen, Deutschen, Tschechen und Magyaren Vorhalten müßten, um gleichwertig zu Sein. Wir jüdisdinationalen hoffen, daß diese Tage Aufklärung und Erkenntnis bringen Werden., Wir glauben, daß die österreichischen Juden endlich emsdien werden, daß sie nicht Knechte der anderen Völker dieses Reiches sein dürfen, daß sie die Schmach' der Assimilation von sich weisen müssen, daß es für sie hur ein nationales und politisches Bekenntnis gibt: das Bekenntnis; zur jüdischen Nation und zu Oesterreich. Wir hoffen aber auch, daß die Regierenden in Oesterreich erkennen werden, wie wertvoll der Bestand .des jüdischen Volkes für Oesterreich ist und daß sie im Interesse des Vaterlandes diesem jüdischen Volke vollste Gerechtigkeit und vollsten Schutz seiner nationalen Entwicklung gewähren müssen. inden Öesferreidis! Unsagbares Unglück ist über Galizien katastrpphenartig hereingebrochen. Obwohl alle Kreise der Bevölkerung davon betroffen wurden, sind es aus leicht begreiflichen Gründen, doch zunächst unsere Volksgenossen, die zu Zehntausenden alles aufgeben mußten, was sie in jahrelanger Arbeit erworben haben und jetzt aller Mittel entblößt in den Straßen Wiens herumirren, ungewiß des Schicksals, das ihnen droht,,» Unser Volksgefühl und Solidaritätsbewußtsein, das uns »in .den Tagen .des Friedens mit den : Brüdern in, Galizien verband, wird auch diesmal, wieder,., daypn sind wir fest überzeugt, sich in. glänzendste-. Weise dokumentieren, .indem den.Unglücklichen »rasch und reichlich geholfen werden wird.. . .. . . . - Spenden und, Beiträge, für.» die „Galizische Notstandsaktion" nimmt .die Sammelr stelle des Nationalfonds für Westösterreich, Wien H, Zirkusgasse 33, I. Stock, entgegen. UV! vr u.,-.;,. Zionist. Zentralkomite für N.-Oe. t ioiii tj J11I. i Mit freudiger Spannung haben die galizischen ' Juden die‘Nachricht Vom Kriege unserer Monarchie mit dem' -barbarischen Rußland " entgegengenommen. Wir alle-waren uns’natürlich' der großen Opfer bewußt, welche der Krieg1, auf unserem Territorium oder im besten Falle hart an unserer Grenze geführt,' von uns erheischen wird. Die "Opfer schienen uns unbedeutend im Hinblicke auf die große. Hoffnung; die untere jochten und so hart bedrängten Brüder von der moskovitischen Tyrannei befreit zu sehen. Uebrigens haben unter uns auch die „Nüchterneh“, welche sich nicht von idealen Motiven leiten lassen, »den Krieg mit Russland als. Notwendigkeit empfunden:-statt .der «eit dem' Jahre 1912 andauernden wirtschaftlichen Krise, welche das ganze' ökonomische Leben Galiziens lahmlegte, war ihnen die Katastrophe des Krieges als -entscheidende Operation am eiternden Organismus envüusdit.-.';y . : -r/V .-ufarij'.-'V Mit Jubel wurden'die ersten Siegesnachrichten empfangen. Alle Parteiunterschiede schienen im' galizischen Judentum verschwunden zu sein: aUe;jüdische Parteien im Laiicfe»vereinigte das BesÜxeberij die österreichische »Anrtiiee,'j.Welche den Kampf mit'dem schlimmsten Feinde unseres Volkes? aufgenömmen -hat, mit aller Kraft zü;unter- Stützen. Es .mehrten sich die,; großen Spenden der » Juden» für das österzeichisbne„:Rote KreiiZ“; viele- Hitaidferte-;von jungenV-Jüdenuhieldetöi freiwillig ihren Eintritt in unsere Armee; Jung und Alt leisteten ihr iMöglichsteSjUnd in den Städten, Städtchen iind kleinsten > Dörfern ~ überall bei» kundeten'i die;-Juden1 einen tiefgefühlten -aufrich: tigen -Patriotismus; »der: alles, übentraf, .was -mah von den immer als. loyal gesinnten galizischen Juden erwartet hatte. V ' ■ - : - 1 H Großen Eindruck machte insbesondere ein Aufruf,-der zum Beginne der Mobilisation .vom Zentralkomitee der galizischen Zionisten herausgegeben' wurdev* Das -galizische Judentum wurde bi dieser Proklamation aufgefordert, dem Rufe des Monarchen freudig Folge zu leisten und init warmen Worten wurde die Notwendigkeit betont, Schulter ’an Schulter mit allen anderen Völkern des Reiches für Oesterreichs Zukunft gegen den blutdürstigen Zarismus zu kämpfen. Auch für die Freiheits-Bewegung der polnischen Nation, die eben damals den Kampf gegen Rußland an der Seite und. zusammen mit der österreichischen -Armee proklamiert -hat, hatdas' zionistische Zentralkomitee» seine aufrichtigste {Sympathie kundgegeben und bald danach wurde sogar eine Sammelaktion, für die polnischen Schützen und - Legionen eingeleitet. ■ 'Unsere Jugend drängte zü einem noch mehr aktiven Eingreifen der Jüdischnationalen in den heiligen- Kampf gegen den giftigsten Feind unseres Volkes. Diesem Wunsche wurde Rechnung getragen; auf Initiative des zionistischen Zentralkomitees würde in Deimberg ein jj ü d i s c h e r:Jungschützen-Verein gegründet, der, von den militärischen Behörden aufS wärmste unterstützt, sofort seine Tätigkeit emsetzen konnte'. Schon-am ersten Tage-'zählte der jüdische Jungschützeri-Verein gegen 150 Mitglieder, die . täglich unter militärischer. - Führung Uebungen machten und jeden Tag meldeten sich neue Freiwillige. . . ' Von der mächtigen patriotischen ' Spannung, welche - das ganze galizische ' Judentum "in - den drei ersten- Augustwochen ergriffen hat, 'kann sich nur der eine klare (Vorstellung machen, der diesen historischen Augenblick zusammen mit den jüdischen Massen mitgelebt hat. Mit weldier herrlichen Sympathie und Freude wurde da jede vorbeimarschiefende -Militärabteilürig-begrüßt! Wie wurde da jeder einzelne Solldat und Offizier bewirtet und mit- Brot, ' Bier, Flüchten und. Zigaretten beschenkt! Die Aermsten haben oftmals 'ihr ganzes Hab und Gut weg-- gegeben; jüdische Marktfrauen haben ihren, ganzen Vorrat verschenkt; jüdische Greisler haben alles, was sie an Lebensmitteln in ihren armseligen Läden besessen haben, vor ihrer Tür auf die Straße hingestellt und es mit Tränen in den Augen den vorübergehenden Soldaten angeboten. Da bekundete sich der Patriotismus flicht in Tüchersdvwenken-und -Hochrufen --aüf-: vörbeifahrende Verwundete! In Galizien haben,die jüdischen . Massen ihr Letztes mit Begeisterung weggegeberi für die Kämpfer tim. die Zukunft Unserer -Monarchie und Mannschaft : und Offiziere, die da-aus: Ungarn-und-Steiermark, Böhmen und Tirol gekommen sind, konnten »es vorerst nicht begreifen. ,;Also -so“ — sagten -sie — „sehen die polnischen Juden aus? Wir haben sie uns ganz anders gedacht.“ ‘ Bald darauf kam aber die Zeit1 der Not und des) unbeschreiblichen Elends. Fast alle ostgalizischen Grenzortschaften wurden geräumt »und Tausende jüdische Familien begannen in die größeren Städte zu wandern, um Sich, vor den Greueltaten der einziehenden Kosakenhorden zu flüchten. . Jeder Tag vergrößertedas Elend; Auf Bauernwagen und zu Fuß,-meistenteils nur mit einem kleinen Gepäck in der Hand, kamen die Armen nach Lemberg und hungerten hier auf den1 'Straßen herum. In allein größeren östgalizischen Städten i bot sich dasselbe Bild ■ eitles schrecklichen Elends. -• -Niemanden ergriff aber bei uns darüber -Verzweiflung. Komitees wurden rasch1 gegründet, die sofort eine Hilfsaktion eingelötet' haben -lind - das "altbewährte jüdische Mitleid-' und;^Zusammengehörigkeitsgefühl -hat auch hier sein*.»Bestes bewirkt. In Galizien konnten wir die < Not der jüdischen .Flüchtlinge aus ergehen' .Mitteln' lindern .und haben es abgelehnt, fremde Hilfe in Anspruch -zu -nehmen. - Die Not ' ist aber in > den letzten Tagen: des Monates August ins Unermeßliche gestiegen und wir ..konnten glicht, mehr, an \ Hilfe - denken, weil auch Lembefg, Galiiiens-'Hauptstadt, geräumt werden mußte und dadurch die Metropole vom Lande abgesdmitten wurde. Ueber 60.000 Juden haben Lemberg alleinverlassen -und sind nach' Wpäösterreichj-meistenteilg nach Wien, fdtergeWandert;' Zusammen mit uns sind die jüdische' :Not- und-’ uns'er großes Elend ^riach'" Wien eingelangti und1 ■ wir •-warten rhier( auf ."bessere Zeiten odey unserer», ^tairpnesgaiossen» •; ' Währöid unserer , Wanderreise' haben, ..wir nicht -einmaL die Frage "zu hören -bekommen: ,;-Ja; -wozu bähen - sich-denn so -viel 'tausende Juden nauspGaliziehMflüehteu i,müssen?“‘v ■ Wir haben darauf eine kurze Antwort: Die ostgalizisdien Juden wollten nicht, ähnlich wie es die anderen Einwohner Lembergs gemacht tjj .f -.u?; c i jjbj aut »»u {ialJ^Udie!i!FenMer,Uhre^;iHätiSer ni&; russischen Heiligen Bildern i£um Empfange '• deä-1': Feindes zieren. Wir köhnteh unsfhidit überjlNäckt, gleich wie es die» anderöj gemacht habend als Bürger des Zarenreiches fühlen.».! mii i v!:^Jiserösteiteiaiisriiejü PMriotismusa war jpäit geheuchelt! Wir haben:'mn-ibitter erndt, gehbihmen. Und abwarten wollen wir jetzt bessere Zeiten <a)s. Bürgen Oesterreichs, mit dem»!» wir Freud? aber auch Leid zu tragen fest entsdifosseii sind. f. Junge Juden! . . ln einem furchtbaren Ringen .wird (nicht allein die.Zukunft Oesterreichs und Deutschlands, sondern auch das Schicksal ...vieler Millionen» .von Angehörigen unseres . jüdischen Volkes entschieden werden. -Starken -Herzens und voll freudiger Zuversicht haben Unsere Brüder, soweit sie dem Heere angehören, die Waffen (ergriffen; haben sidi viele Tausende freiwillig zum Kriegsdienste gemeldet.- -Wir alle, die wir Zurückbleiben müßten und., gerade . darum .uns. zurückgesetzt fühlen, nicht aktiv teilnehmen zu können an der schicksalsschweren» .Entscheidung, wirhaben den Drang in uns beizutragen zur Wiehritaftmachung einer möglichst großen Anzahl -waffenfähiger Männer und Jünglinge, um' in Stunden drohender Gefahr zur Abwehr oder zum Angriff -bereit zu sein. Aus dieser Ueberlegung heraus hat sich der westösterreichische Kreis der Jüdischen Turner- Schaftmit dem Wiener Schützenverein“ ins Einvernehmen gesetzt, allen jenen, die wehrhaft die Zukunft erwarten wollen, die Ausbildung im1 Gebrauch der Waffen zu ermöglichen. - Der Unterricht wird in der SomWers'chießs'chule (nächstder Kagraner Reichsbfücke) an Wochentagen ab 3 Uhr bis zur Dämmerung und am Sonntag bis 12 Uhr Mittag kostenlos erteilt und umfaßt: Exerzieren, Handhabung des Armeegewehres, Schießen.- Gewehr und Munition stehen gleichfalls unentgeltlich ’ zur- Verfügung. Anmeldungen werden in der Kanzlei, IX., Kolingasse 17, 1. Stock, von 11—12 Uhr und von 3^ Uhr^ afl. -entgegengenommen; esf;\ist dabei anzugeben : Vor- und Zuname, Beruf, Wohnungsadresse, Geburtsjahr, -Orfy -Landf eine Beglaubigung der österreichischen Staatsbürgerschaft (Heimäts-, Geburtsschein o. ähnl.) ist mitzubringen. Minderjährige haben ferner eine Zustimmungserklärung ihres Vaters oder Vormundes vorzulegen. („Ich gebe meine Zustimmung, daß (mein Sohn — -Mündel —»v. an den Schießübungendes Wiener Schützenvereines ’teilnimmti“) -Mindestalter 17 Jahre. Die 'Anmeldung hat sofort» und -unter ausdrücklicher Beifügung: über Veranlassung der Jüdischen Turnerschaft. Bei bisherigen Anmeldungen ist dieser . Passus, eventuell1 nachzutragen. Bei genügender Anzahl von Frequentanten, aus der. Reihe der Jüdischen Turnerschaft wird für diese nach Maßgabe (der freien 2eit und des verfügbaren Raumes ein separater Kurs veranstaltet .werden... .... r. •* Zionist. Zentralverein für Wien; - W.-Ö. Kreis der jüdischen Turnerschaft. ’äd g-.'> JUii-lU-sin SU; , t.lx Narittrtunies „Blau-Ueifi“. ..... Unser jüdischer Wanderbund.- „Blau-Weiß“ hat in diesen’»Tagen einen glänzenden -..Beweis Söner'durch' militärische Zucht "envorbeneri' Be» reitsdiaft und-Tüchtigkeit gegeben;»-so daß die öffentlichen Behörden an ihmeine wertvolle Stütze ihrer Hilfsaktionen finden konnten; . Das Untemchts-Ministerium hat sieh...an die Jugendörganisätiöneii' gewendet, um1 sie zur Mithilfe bei-der Bergung-'-deri diesjährigen Ernte-zu veranlassen.; Unser1 Wanderbimd,! der naturgemäß mrt »dem, Landleben »siehr vertraut ist,- stellte sich als eine der;, ersten Organisationen für diese Arbeit zur Verfügung. Als sich jedocli später heraiisstellte,- daß" »eine "sölche - landwirtschaftliche Tätigkeit -vielen. Hunderten Arbeitsloser das Brot geraubt hätte, übernahmen »unsere Züge andere Arbeiten. ' .' ' Wir haben einige Züge der landwirtschaftlichen Gesellschaft',zpr. Verfügung gestellt.-» Unsere. Wanderer - besorgen dort Ordnerdienst^ _sje tragen Bötschafted; iii die . verschiedeneh V Ministerien und Aemtef;'älS Verfrauäispersoneh'der Gesellschaft transportieren sie Trupps der neuaufgenommenen Landarbeiter an ihren Bestimmungsort oder zur Bahn, alles zur vollsten Zufriedenheit derer, die mit ihnen zu hm haben.

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