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Jüdische Zeitung · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Bis.,':. i-V.-t.--.'«.^ JUD SCHE ZDTUNG Biffl NRTIDNFIL -JÜDISCHES DREFIN POnfM Mit Beilage: „DER JÜDISCHE NATIONALFONDS“ ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration - und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr.-™ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. ■ Nr. 23. Wien, Freitag, den 5. Juni 1914 VIII- Jahrgang II. Kreis (Westösterreich) der Jüdischen Turnerschaft , 2. Kreis-Schauturnen Am 22. Juni: Ausflug in die Mährische Schweiz (Slouper-Höhlen und Macocha.) — Sonderzug Wien-Lundenburg-Brünn und retour. Gesellschaftsreisen sämtlicher Kreisvereine der w.-österr. jüdischen Turnerschaft nach Brünn. Auskünfte IX. Liechtensteinstraße 20. Die midisten Hufgaben. In einigen Tagen wird die Leitung der zionistischen Organisation, das Große Aktions-Komitee eine Sitzung abhalten lund Beschlüsse über die Arbeiten der Organisation fassen. Wichtige Fragen stehen auf der Tagesordnung. In erster Linie ist es das neugeschaffene hebräische Schuhverk in Palästina, das die Sitzung beschäftigen wird. Es handelt sich darum, die Grundlagen der Organisation dafür zu schaffen. Drei Faktoren sind es, die für die oberste Leitung des Schulwerkes in Betracht kommen: Das Engere Aktions-Komitee als Vertreterin der zionistischen Organisation, welche die neuen Schulen geschaffen, und die Mittel dafür aufgebracht hat, das Odessaer Komitee der Chowewe Zion, welches diejenigen hebräischen Schulen, welche bis zum Schulkampf in Palästina schon vor handen waren, entweder erhalten oder subventioniert hat, und drittens die Vereinigung der Lehrer in Palästina, der „Merkas Hamorim“. Es ist fraglich, ob das große Aktionskomitee die provisorische Lösung, daß das Odessaer Komitee u. Engeres Aktionskomitee — beide im Verein mit dem Merkäs Hamorim — jedes die Schulen unter seine Aufsicht nimmt, die es gegründet hat und erhält. Wir glauben, daß es nur mehr eine einzige Oberbehörde für das nationale Schuhverk in Palästina geben kann und darf. In dieser Behörde können ja alle interessierten und kompetenten Teile vertreten sein. Nur dadurch wäre die Einheitlichkeit im Lehrplan, in der Anstellung der Lehrer und im Charakter der Führung gewährleistet. Das Odessaer Komitee müßte in dieser Frage nunmehr auf seine „Reichsunmittelbarkeit“ verzichten. Die zionistische Oeffentlichkeit würde es nie verstehen und niemals als richtig empfinden, wenn jede der nationalen Schulen in Palästina einer anderen Behörde unterstehen würde. Gewiß wird ein Uebergangszustand nötig sein, denn das Odessaer Komitee hat schon durch Jahre Schulen geführt und den Befähigungsnachweis dafür erbracht. Die zionistische Organisation muß ihn erst liefern. Aber daß sie dies tun wird, steht außer Zweifel, nachdem der schwierigste Teil der Aufgabe — Gründung, Finanzierung und Einrichtung der Schulen — so glänzend durchgeführt wurde und dem Schuhverk die besten Lehrkräfte Palästinas zur Verfügung stehen. Es muß daher eine Einigung in der Richtung angebahnt werden, daß in naher Zeit — in 1 bis 2 Jahren — das gesamte nationale Schuhverk unter eine einzige Oberleitung gestellt wird. Das zweite wichtige Problem, welche die Sitzung der Leitung oder vielmehr die daran anschließende des Nationalfonds, beschäftigen wird, ist die Arbeiterfrage. Alle bisher gemachten Anstrengungen, den jüdischen Landarbeitern in Palästina in steigendem1 Maße Beschäftigung zu verschaffen sind mm als ein ganz kleiner Anfang zu betrachten, indes im Interesse der nationalen Sache ein viel schnelleres Tempo dabei eingeschlagen werden sollte. Der Jüdische Nationalfonds wird sich fortab mit dem größten Ernste auf die Arbeit auf diesem Gebiete konzentrieren müssen. Soll er mit seinen Mitteln, die relativ, in Anbetracht der großen Aufgaben die er zu lösen hat, sehr klein sind, wirklich etwas Nennenswertes schaffen können, so wird er für andere Zwecke, die von seiner hauptsächlichsten Pflicht — der Nationalisierung des Bodens und der Arbeit in Palästina — weiter obliegen, nichts mehr bewilligen können. Bekanntlich versucht der Nationalfonds eben jetzt, das Prinzip der Pachtgenossenschaften, welche sich schon seit 20 Jahren in Italien und Rumänien aufs glänzendste bewährt hat, in Palästina einzuführen. Die jüdischen Arbeiter sind nach den guten Erfahrungen mit den Okkupationsgenossenschaften für diese Idee sehr eingenommen und versprechen sich vollen Erfolg davon. Sollen aber solche Pachtgenossenschaften gebildet werden, die imstande sein sollen, privaten oder nationalen Boden in Dauerpacht zu nehmen, so müssen sie mit einem Betriebsfonds ausgestattet werden. Um einen solchen zu schaffen, sucht die Nationalfondsleitung den schon bestehenden Genossenschaftsfonds auszubauen. Die bevorstehende Sitzung wird G elegenhieit ihäben, die vorliegenden Pläne genau zu prüfen und sodann Entschlüsse in Bezug auf ein energisches Eingreifen des Nationalfonds in der Arbeiterfrage zu fassen. In dieser liegt der Schlüssel zu unserer Position in Palästina, ihr gebührt daher die vollste und ungeteilteste Aufmerksamkeit unserer Organisation und ihrer Leitung. Das dritte wichtige Problem ist die I Frage der Annäherung an die Araber. Bekanntlich sind diese im1 allgemeinen unserer Sache günstig gesinnt. Doch gibt es einige — zumeist christliche — Elemente unter ihnen, welche heftig gegen den Zionismus Front machen. Hierin wird nur ein praktisches Bekunden unserer guten Absichten Wandel schaffen. Wenn man in unseren Schulen, Hospitäler etc., auch Araber aufnehmen wird und die Zahl der Juden, welche die türkische Staatsbürgerschaft annehmen werden, sich steigern wird, dann wird sich das Verhältnis der Juden zu den Arabern in Palästina durchaus günstig gestatten. Der Sitzung des Aktionskomitees werden auch Berichte vorliegen, welche einige seiner Mitglieder über ihre Inspektion der Zionistischen Institutionen in Palästina und Europa, erstatten werden. Die Debatte darüber, wird endlich Klärung in der Frage, wie unsere Institutionen miteinander arbeiten sollen, schaffen müssen. Das Zionistische Zentralkomitee für Westösterreich hat in Bezug hierauf dem1 Aktionskomitee ein ausführliches Memorandum vorgelegt, in dem darauf hingewiesen wird, daß es an einem solchen Plan bisher gefehlt hat, da alle unsere Institutionen „selbständig“ sind und unter eigener unabhängiger Leitung arbeiten. Das Zentralkomitee spricht in seinem Memorandum die Ueberzeugung aus, daß es zu einem gedeihlichen Xtiteinanderarbeiten der Institutionen nur kommen kann, wenn sie eine Leitung, das Aktions-Komitee, besitzen werden. Für dieses Prinzip hat Westösterreich am Kongreß bis aufs äußerste gekämpft und wird sich dafür auch weiter einsetzen. Jedenfalls verlangt es aber schon jetzt vom1 Großen Aktions-Komitee die Aufstellung eines Arbeitsplanes, insbesondere in Bezug auf die kolonisatorische Arbeit. In diesem Plan soll jeder Institution eine entsprechende Aufgabe zugewiesen werden. Mit dem System desi „selbständig“ Arbeitens und der zufälligen Bewilligungen soll gebrochen werden. Diese Forderungen erhebt das Zentralkomitee aus rein sachlichen Erwägungen heraus, die sich jedem aufdrängen müssen, der die Entwicklung unserer Institutionen verfolgt hat. Wir wollen hoffen, daß das Große Aktions-Komitee die Wichtigkeit dieser Frage begreifen und entsprechende Beschlüsse fassen wird.

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