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Jüdische Zeitung · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 22 die einen starken Besuch von jüdischen Bürgern des Bezirkes aufwies. Der Referent Kultusvorstand Oberingenieur Stricker schilderte unter der gespannten Aufmerksamkeit das Gebahregi im Kultushaushalte. Als er auf die Mißstände im Wiener Rabbinate zu sprechen kam, begann eine Gruppe von zirka zwanzig Leuten unter Führung eines gewissen März zu lärmen. Es ertönte der Ruf: „Wir lassen über Rabbiner Mayersohn nicht sprechen!“ Nachdem die Ermahnungen des Vorsitzenden Gg. Leopold Sitzmann und die Einsprache des Referenten nichts fruchteten, wurden die Schreier an die Luft gesetzt Große Entrüstung entfesselte die Feststellung, daß die Störer lauter „Maschgichim“ (Fleischbankaufseher), also dem Mayersohn unterstellte Gemeindebedienstete waren. Wie seinerzeit die Christlichsozialen die Vidiknechte aus St. Marx auf die Wählerschaft hetzten, so will Mayersohn mit seinen aus der Leopoldstadt und Brigittenau herauskommjandierten, abhängigen Kreaturen gewaltsam verhindern, daß sein schändliches Traben in der Oeffentlichkeit gebrandmarkt werde. Allerdings bezahlte Rabbiner Mayersohn seine Khüppelgarde nicht aus eigenen Mitteln, sondern mit Steuergeldern. Er verwaltet die „Fleischregie“ der Wiener Kultusgemeinde. Während anderwärts diese Post einen Gewinn abwirft, weist die Wiener Fleischregie ein Defizit von 60.000 Kronen auf. Den Hauptgrund hiefür bildet die übergroße Zahl von „Aufsehern“ (Maschgidhim). Ueber diese Stellen, um welche auch mit Geld gehandelt wird, verfügt Mayersohn. Er stellt möglichst viel; Leute an, um sich' solcherart eine Garde von abhängigen Kreaturen Zu sichern. Die jüdischen Bürger müssen diesen schmutzigen Sport bezahlen. Und auf diese zahlenden Bürger wird der bezahlte Pöbel gehetzt. Das Präsidium der Kultusgemeinde wird sehr bald Gelegenheit bekommen, diese Verwendungsart von Bediensteten zu verantworten. — Nach Herstellung der Ruhe setzte Gg. Stridker seine wirkungsvollen Ausführungen fort. Ein begeisterter Appell Dr. Weisengrüns an die Wählerschäft beschloß die überaus interessante Versammlung. nestle5 sm.isW/sisTreg kindermehl, vollstamjlgeS^^ Probedosen und lehrreiche Broschüre über die Kinderpflege gratis durch die Finna Henri Nestlö, Wien, L Biberstr. 1 PartetaadiFiditen. Sitzung des Zentral-Komitees für West-Oesterreich. Anwesend: Dr. Karl Pollak, Dr. jakob Ehrlich, Dr. Emil Stein, Oberingenieur Robert- Stricher, Dr. Isidor Margulies, Dr. Fritz Eckstein, Rabbiner Dr. S. Friedmiann, Troppau; Eduard Schwarzbart, Olmütz; Dr. Albert Sdhönhof, Brünn; Josef Süßmandel, Mähr .-Ostrau; Dr. Emil Margulies, Leitmeritz. Als Gäste Herr Adolf Böhm, Dr. Leopold Friedmann (i. ö. D. K.), Alexander Geller, für das Zionistische Zentralbüro Berlin Sekretär Leo Hermann, und Sekretär Dr. Wilhelm Stein. Als Vorsitzender begrüßt Dr. Karl Pollak die erschienenen Mitglieder des Zentralkomitees und erstattet einen kurzen Bericht über die seit der letzten Tagung geleistete Arbeit, in dem er vor allem auf die vom Aktionskomitee eingelötete Reorganisation des Büros durch die Entsendung seines Sekretärs Bergafiinweist. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem damit zusammenhängenden Ausbau der Jüdischen Zeitung gewidmet; es wurde nach längerer eingehender Debatte von den mährisch-schlesischen Zentralkomitee-Mitgliedern der Jüdischen Zeitung als dem Zionistenorgan für den mährisch-schlesischen Distrikt die weitgehendste Unterstützung in jeder Hinsicht zugesagt. Sodann wurde zur Kenntnis genommen, daß Dr. Wilhelm Stein Z\m Sekretär der gesamten westösterreichisdien Organisation gewählt worden ist; es wurde ihm als Direktive mitgegeben, sich wohl vor allem der zionistischen Arbeit im i.-ö. Distrikt zu widmen, aber auch einen engeren Zusammensdilub der westösterreichischen Distrikte zu erzielen. Die weitere Diskussion beschäftigte sich mit der Arbeit des Nationjalfonds in Palästina und unterzog sie einer eingehenden Kritik, die mit der Annahme von Resolutionen endete, in welchen verlangt wird, daß das Engere Aktionskomitee als Vertretung der zionistischen Organisation die Arbeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina genau kontrolliere. Die Herren Dr. Ehrlich und Alexander Geller ber*chten über das Uebereinkominen, daß das Zentralkomitee mit der Versicherungsgesellschaft „Anker“ getroffen hat; nach' kurzer Debatte wird der Vertrag genehmigt. ln der Nachmittagssitzung entspann sich eine lebhafte Diskussion über das Budget des Zentralkomitees, in der besonders zum' Ausdruck kam, daß eine Zusammenfassung der Arbeit, das gemeinsame Ziel aller westösterreichischen Distrikte, möglich s:i, in erster Linie auf dem kulturellen Gebiet, für das der böhmische Distrikt im letzten Jahre mustergebend geworden ist. Eingehend wurde über die Herzlfeier und die damit zusammenhängende Sammlung für den Herzlwald besprochen, da man allgemein der Ueberzeugung war, daß der 10jährige Todestag Herzls in großzügiger Weise gefeiert werden müsse. Es wurde beschlossen, große Veranstaltungen im Juni und Juli und im Herbste in ganz Westösterreich durchzuführen, und vor dem Todestage Herzls Trauergottesdienste abhalten zu lassen, wobei über die Bedeutung Herzls gesprochen werden soll. Vom Engeren Aktionskomitee wurde die Herausgabe einer populären Broschüre über Herzl verlangt. Im Zusammenhang mit den Herzlfeiern soll eine intensive Tätigkeit für den Herzlwald entfaltet werden; hiebei soll das Zentralkomitee im Einvernehmen mit dem JNF. Vorgehen. Sekretär Leo Hermann erstattete einen sachlichen Bericht über die augenblickliche Lage der Zionistischen Organisation, wies vor allem auf die Konsequenzen hin, die wir aus dem Siege, im Kampf für das hebräische Schulwerk zu ziehen hätten und besprach die Notwendigkeit einer energischen Fortsetzung der Sammlung für das hebräische Schuhverk. Die Propaganda dürfe aber nicht nur für einmalige Spenden betrieben werden, sondern, soll dem Zentralfonds und dem' Schulfonäs dauernde Beiträge sichern; die Entwicklung unserer Arbeit und auch die Taktik des.Hilfsvereines bringe es mit sich, dab wir vor sehr großen finanziellen Ausgaben stehen und es müsse sich 'entscheiden, ob unsere -Organisation."aticht allein: - im -Feuer ..des KampfeSj sortdenKcauch iiEriei55tilles:den-; friede liehen' Arbeit demr>wadisenderi ■ materiellen^ Anforderungen, 'wie-iae'^ie Ausdehnung amserer gesamten-Arbeitern Palästini’-mitesich bringt, entsprechen -kann.' -- -- - ... _ In der Angelegenheit der Agitation für den Schekel wurde von allen anwesenden Mitgliedern des Zentral-Komitees einstimmig anerkannt, daß in der allernächsten Zeit die Arbeit' in intensivster Weise aufgenommen .werden müsse. Jeder Distrikt, jeder Verein, jeder einzelne Zionist habe alle Kräfte anzuspannen, dieses Schekeljahr zu einer. imponierenden Kraftprobe zu gestalten. Mit einer Dankeskundgebung, für das E. A. C., das in anerkennungswerter Weise die Reorganisation des -Wiener Zentralbüros auf sich genommen hat und auch weiterhin die Arbeit im W.-Oe. tatkräftig unterstützen will, schloß die Sitzung des Zentralkomitees. Es ist zu hoffen, daß die vom Zentralkomitee gegebenen Anregungen im Verein mit der Neugestaltung der Parteiorganisation in W.-Oe. der Arbeit stärkende Impulse bringen wird. * Sektion Favoriten des Zionistischen Zentralvsreine:. Dienstag, den 26. d. M. fand ein Lichtbildervortrag des Herrn Dr. Emil Stein über „Jüdisches Leben in Palästinja“ im großen Saal des Arbeiterheims statt. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und mit Spannung hörten die Anwesenden den klaren und sachlichen Ausführungen des Vortragenden zu, der es verstand, einen Sturm der Begeisterung für die werdende jüdische Arbeit in Palästinja zu erwecken. Der Leiter der Sektion Dr. Wilhelm Stein dankte in einem Schlußwort dem Vorstande für die treue Mitarbeit im vergangenen Jahre und versprach im nächsten Vereinsjahr mit neuen Kräften an dem Ausbau der Sektion mittätig zu sein. Mit einer Ansprache beendete Herr Sektionsobmann Dr. Alois Lustig die öffentliche Tätigkeit der Sektion in diesem Jahre. * Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Am 14. und 15. Juni d. J. findet im Kristailpalastin Leipzig der 14. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Den Rechenschaftsbericht wird Rechtsanwalt Doktor Hantke-Berlin erstatten. U. a. sind folgende Referate vorgesehen: Schriftsteller Leo Motzkin- Berlin: „Das neue Palästina“ und Dr. med. Zlocisti-iBerlin: „Eine deutsche Pflanzungskolonie (Achusah) in Palästina“. Lehrerstellen am Lehrerseminar in Jerusalem. Die Entwicklung der neuen hebräischen Schulen macht rapide Fortschritte. Die Schülerzahl steigt überall. In den Jerusalemer Schulen sind bereits 922 Schüler. Das Lehrerpersonal ist überall komplett, nur am neuen hebräischen Lehrerseminar in Jerusalem können noch einige Stellen besetzt werden. Bewerbungen um diese Posten, es handelt sich um den Unterricht in allgemeiner Geschichte, jüdischer Geschichte, Geographie, Pädagogik und kommerziellen Fächern, sind an das Zionistische Zentralbureau, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. * Letzter Wbchenausweis des Jüdischen Nationalfonds. Die in der Zeit vom 17. bis 24. Mai d. J. für den Jüdischen Nationalfonds eingegangenen Spenden betragen Mk. 10.924.32. Hiervon entfallen auf Rußland fMk. 4397.27, Oesterreich Mk. 2078.83, Nordamerika Mk. 1670.79, Galizien Mk. 1448.70, England Mk. 1328.33. Diverse Eingänge Mk. —.40. Aus dem jüdisdien Geben. Jüdisches Schulwesen in Rußland. Die von der Regierung eingesetzte Schulkommission hat dieser Tage ihren Bericht über das jüdische Erziehungswesen in Rußland veröffentlicht. Die Kommission kam zu dem Schluß, daß die Existenz eigener jüdischer Schulen keine Gefahr für den Staat bedeute und daß diese Anstalten als religiöse Einrichtungen harmlos seien, da „die jüdische Religion für die Christen keine Anziehungskraft hat“. Die Kommission empfiehlt die Gründung jüdischer Schulen in Städten mit einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung, um die Juden von den allgemeinen Schulen fernzuhalten. Was die Chadarim, Talmud- Thoras und Jeschiboth anbelangt, beschloß die Kommission, sie in ihrer alten Weise fortbestehen zu lassen und das Jiddische als Unterrichtssprache zuzulassen. Von verschiedenen russischen Universitäten liegen Berichte vor, wonach im nächsten Seme- . stef . nur eine äußerst geringe Zahl von Juden Aufnahme finden wird. An einigen Universi- ' täten werden überhaupt'keine Juden zugelassen "werden; im Sinne der verschärften Bestimmun- - gen, die die Immatrikulation von Juden auf eine bestimmte Prozentnorm beschränken. . Eine russisch-jüdische Emigrationsbank? In einer Konferenz, an der die leitenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Lodz teilnahmen, wurde der Beschluß gefaßt, unter den wohlhabenden Juden in Lodz 100.000 Rubel für . die geplante jüdische Emigrationsbank zu sammeln. * Palästina-Landkaufgesellschaften in Rußland. Zwei neue jüdische Gesellschaften für Bodenerwerb in Palästina wurden soeben im Gouvernement Kiew gegründet, die eine mit einem Kapital von 100.000 Rubel, die andere mit einem solchen von 50.000 Rubeln. Die beiden Gesellschaften beabsichtigen, ländliche Grundstücke in der Nähe jüdischer Ackerbaukolonien anzukaufen und ihre Mitglieder dort als Pflanzer und Landwirte anzusiedeln. * Neue judenfeindliche Gesetze in Rumänien. Die Nationalliberalen in Rumänien haben einen Gesetzentwurf vorbereitet, demzufolge die Juden künftig in Regierungs- und öffentlichen Schulen überhaupt nicht mehr aufgenommen werden sollen. Die Regierung ihrerseits steht im Begriff, in den Elementarschulen Lesebücher mit antisemitischem Inhalt einzuführen, sowie das Schulgeld für jüdische Schüler zu erhöhen. Sogar die antisemitischen Studenten an der Uni-

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