Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-Seite 4_•__ . : JÜDISCHE ZEITUNG fiberlassen wurde. Dadurch ist weder ein; Verbilligen des Wohnens, noch eine Förderung des Eigenwohnens erreicht worden. Bei künftigen Darlehen müsse, um dies und eine hygienische Bauweise — die in Tel Awiw übrigens befolgt wurde — zu sichern, der Nationalfonds Bodeneigentümer bleiben und den Boden im Erbbaurecht vergeben. Ein Kapital ist der wirtschaftlichen Lage der Juden in den Städten gewidm'et. Die Handwerkerschulen der Alliance in Jerusalem nennt der Verfasser (falsch organisiert Die Unterrichtssprache ist nur französisch und die Arbeiter werden nicht selbständig gemacht, son, dern verbleiben Ihr Leben lang in der Werkstättenschule der Alliance. In einem Kapitel über die Industrie und ihre Möglichkeiten sagt der Autor am Schlüsse sehr richtig, daß bei der heutigen kleinen Zahl der Bevölkerung Palästinas die Entwickelungsmöglichkeiten der Industrie gering sind. Im nächsten Kapitel stellt Nawratzky die Daten des Eisenbahn-, Schiffs¬ und Handelsverkehrs zusammen und bestimmt bei einigen Artikeln den Anteil der jüdischen Produktion am Oesamthandel. Bei der Jaffaer Orangenausfuhr betrug dieser Anteil im Jahre 1910 18 Prozent und für 1912 wird er auf 25 Prozent geschätzt Bei Wein beträgt er 85 bis 90 Prozent Der letzte Teil des Werkes handelt von dem kulturellen Zustand der Juden in Palästina. Hier streift der Autor, wie bereits erwähnt auch die Triebkraft, die der jüdische Nationalismus für den Aufbau der Palästinaansiedlung besitzt Aber ünverständlicherweise weicht er auch hier der Notwendigkeit aus, den politischen Zionismus zu erwähnen, trotzdem er im ersten Teil dessen wirtschaftliches Programm entwickelt hatte und im letzten seine Postulate, wie das der nationalen Autonomie erörtert Nawratzky, der doch sonst alle verfügbaren Daten und alles wissenswerte Material vor uns ausbreitet, der fortwährend von der Arbeit der Zionisten spricht und den Kulturzionismus* erwähnt, der Daten über zionistische Institutionen liefert, hält es für unnötig, den politischen Zionismus in seinem Grundcharakter, Programm etc darzustellen. Diese Zurückhaltung geht zu weit,“ weil der Stoff, den er behandelt, gebieterisch verlangt, daß die Bewegung, welcher die jüdische Kolonisation Palästinas ihr Entstehen, ihre Bedeutung, ihr stetes Wachsen verdankt, eine gebührende Behandlung erfahre. Die -knappen zwei Seiten, die Nawratzky der zionistischen Organisation im dritten Teil seines Buches widmet, sind nach Inhalt^ und Umfang’ ungenügend. Schließlich ist die zionistische Organisatiea“nodh::--etwas anderes als eme bloße Kolonisierang^gesäteaiäfL'Äii zahlreichen Stellen - werden-die V«-sfihiige~-ünd"Meiniirigen “Dr,-Ruppins erwähnt,-'nieT:-erf5hrt--der Leser aber^ .daß dieser .Mann das. JExekutivorgun der zionistischen. Qrganisationdst u. a. m. ~ Der Teil, der-fiber'-die-kulturellen Zuständereferiert,*: enthältäll'e nötigen Datei' über das- Schulwesen.' Eine Darstellung‘ und Erörterung der pädagogischen und in Bezug auf * den Unterricht in den sogenannten jüdischen Fächern vorliegenden Streitfragen kann man natürlich von einer volkswirtschaftlichen Untersuchung nicht verlangen. Der Sprachenstreit war 'bei Abschluß des Buches noch nicht ausgebrochen, findet also darin *keinen Widerschein. Nach einem Ueberblick über die Bibliotheken, Zeitungen etc. und die hygienischen Bestrebungen gibt Nawratzky eine Schlußbetrachtung. Er sagt in dieser, daß in Anbetracht aller Umstände in Palästina sehr viel geleistet worden ist Er zählt kurz die Aufgaben auf, von deren Losung eine gesunde Weiterentwicklung abbängt und meint schließlich, dab in Palästina genügend Raum für Araber und Juden sei. Dem Werke sind zahlreiche Tabellen und Berichte angeschlossen, ferner eine Karte mit den jüdischen Kolonien. Das Buch Nawratzkys darf nicht nach dem gewertet w’erden, was es nicht ist und nicht sein kann. Viele Zionisten äußern sich nämlich, daß es ihnen eigentlich nichts gebe, daß es zu kühlobjektiv und nicht plastisch genug geschrieben sei, daher im großen ganzen kein richtiges Bild des jüdischen Palästinas gebe, wie der Zionist es sich gerne , vorstellt. Dem ist zum Beispiel der jüdische Wächter und sein heroisches Leben ans Herz gewachsen — und in dem ganzen Buch Endet sich keine Stelle, wo von den Blutopfern dieser Tapferen geschrieben wird u. dgl. Gewiß, auch ich selbst hätte auszusetzen, daß die Dynamik fehlt und Nawratzky nur Statik gibt Das Aneinanderreihen der „Organisationen, die in Palästina arbeiten“ und ihrer Budgets gibt kein Bild von der wahren Kräfteverteilung. Die zionistische Bewegung und was sie für die „Jüdische Kolonisation Palästinas“ bedeutet kommen zu kurz. Aber Nawratzky wollte das vielleicht. Er wollte eine nüchtern-objektive Beschreibung geben, wie einer, der von a u ß e n an die Dinge herantritt und mit ihnen nicht innerlich verbunden ist. Aber gerade weil er es doch ist, so ist seine Objektivität eine gesuchte und zu weit gehende. Ein wohlwollender arischer Professor (man denke an Auhagen) hätte viel wärmer geschrieben. Doch davon abgesehen, muß man das Buch danach beurteilen, was es uns an Wertvollem gibt Und das ist so. viel, daß Nawratzkyg Werk eine ungemein willkommene Bereicherung bedeutet Namentlich der ausführliche und * gründliche Teil* über die landwirtschaftliche Kor Ionisation ist eine erstmalige Zusammentragung" und Durcharbeifurig des Materials, so daß sich jedermann, an Hand dieses Teils ein genaueres Bild über den Stand der Kolonisation, die angestellten Versuche und die vorliegenden Probleme machen kann. Die Urteile des Autors sind alle wohl begründet und zeigen nicht nur von großem Wiss'en, sondern auch' von einer nicht gewöhnlichen Ruhe und Reife des Geistes. Dieses Buch muß zu einem Lehrbuch für jeden Zionisten werden, ich möchte seine Kenntnis wenigstens bei den Studenten nicht vermissen, für deren Seininare es das larigentbehrte Kompendium der: Palästinakolonisation bedeuten wird, ln der breiteren zionistischen Ceffentlichkeit wird es dazu beitragen, daß an Stelle der so häufigen ■ Oberflächlichkeit eine Kenntnis der schwierigen Fragen, die der Zionismus zu lösen hat, zu setzen, was um so wichtiger ist, als doch letzten' Endes die zionistischen Vertrauensmänner, Kongreßdelegierten uswv welche die entscheidende Stimme haben. Als Vorbereitung zu einer Palästinareise und als Begleiter auf einer solchen ist _ es für den, der sich ein eigenes Urteil über Stand, Entwicklungsmöglichetc. der Kolonisation bilden will, viel wichtiger, als ein Handbuch. Aber auch denen, die über eine eingehende Kenntnis und eigene Praxis der Kolonisation verfügen, hat .es manches zu sagen. Nach außen wird das Buch dem Ansehen des Zionismus nicht wenig nützen. Sehr viele Wissenschafter, Politiker usw. werden mit Erstaunen gewahr werden, daß auf einem Gebiete, das heute allgemein als ein sehr schwieriges gilt, auf dem der Kolonisation, von Juden in jahrzehntelanger Arbeit, über die fast nichts nach außen drang, ganz Gewaltiges geleistet haben, ohne Staatsorganisation, ohne Heer, Flotte und sonstige Machtmittel, über die andere Nationen verfügen. Die zionistische Organisation sollte aber von . nun an Jahresberichte über die palästinensische Entwicklung mit den nötigen Ziffern und Daten, anschließend an das Buch Nawratzkys geben, um die Oeffentlichkeit am Laufenden zu halten. Es ist ein dringendes Bedürfnis für jeden Zionisten, einen solchen fortlaufenden Ueberblick zu erhalten. Wie nützlich ferner eine Palästinazeitschrift für die Information ist, zeigt die Tatsache, daß jene, die bis Ende 1912 bestanden hatte, eine Hauptquelle für das Nawratzk3’sche Buch geworden ist, ohne die das Werk manche Lücken hätte aufweisen mü-sen. ■ Eine Fülle von Belehrung und Anregung geht von dem-Wetke Nawratzkys aus-; e; ist ihm eine recht -große ’Verbreitung .zu -wünschen. ~ ... .... - - Adolf** Böhm. - „Heral-Klub“, Wien, II. Leopoldsg. J3.. Samstag, den 4. April 1914, präzise 8 Uhr abends, in der „Jüdischen Bühne“ (Hotel Stefanie), II. Taborstraße 12 Theaterabend. Es werden aufgeführt vom Ensemble der „Jüd. Bühne“ in jüdischer Sprache: „Zirickgekimmen“ von Schalom Asch. Von erstklassigen Dilettanten in deutscher Sprache: „Im Speisewagen“ von Dr. Theodor H e r z 1. „Der getaufte Enkel“ von Beda. Kabareftoorträge. Hnsdiliekend Tanzltränzdien. Karten ä K 3, 2.20, 1.60 und L— sind zu haben bei allen Mitgl edern des Herzl-Klub, in der „Jüd. Zeitung“, 1L, Karmeliterplatz 1 und im „Caf6 Marienbrücke“, L, Ecke Rotenturmstr. und Franz Josefs-Kai. Parfeinadiriditen. Aus dran Wiener Distrikt Die Agitationsarbeit in den Bezirken Ottakring-Hernals hat mit einem Vortrage d:s Gg. Herrn Dr. Emil Stein über „Palästina und das moderne Judentum“ eingesetzt. Das zahlreich' erschienene Auditorium zollte den begeisternden Worten des Redners lebhaften Beifall; mehrere Teilnehmer traten dem Zentralverein bei. , Die Sektion- Ottakring-Hern als hat sich wie folgt konstituiert: Leopold Sitzmann, :Nf. 13 . . Feinste Rindsuppe An Ausgiebigkeit und Wohlgeschmack ätanlicnen Erzeugnissen weit überlegen.' Graf-Würfel u. Würze Koscher. Man achte gerau auf den Namen „Graf“ Obmann; Dr. Gottlieb Stern, Obmannstellvertreter; Dr. S. Bohin, J. Abeies, Dr. Siegfried Po'.lak, J. Leib, D. Nebenzahl, Dr. G. Weiner als Mitglieder. Es wurde beschlossen, alle vierzehn- Tage. Vorträge zu veranstalten,- ferner für die Mitglieder des Turnveneines „Massada“ zionistische Lehrkurse einzurichten, deren Leitung die „Wiener Zionistische Vereinigung“ übernommen hat. Der nächste allgemein zugängliche Vortrag findet Dienstag, den 31. März 1914, halb 9 Uhr abends im Cafe Renaissance, VIII., Alserstraße Nr. 71 statt. Thema: „Zionistische Palästinaarbeit“, Referent Dr. Georg Weiner. * * #• Vom Jüdischen Kulturfonds „Kadern1. Zur Förderung der hebräischen Sprache und Kultur in Palästina ist vor einiger Zeit der Jüdische Kulturfonds „K:ckm“ ins Leben gerufen worden, für den Herr M. Feldstein in Warschau den Betrag von 40.000 Mark gestiftet hat., Nachdem der Fonds vor kurzem behördlich legalisiert worden ist, tritt er demnächst an die Verwirklichung seines umfassenden Programms heran, ln erster ,Reihe unternimmt er es, dem so lebhaft empfundenen . Mangel an Lehrbüchern für die hebräischen .Schulen in Palästina abzuhelfen, wozu er mit der berufenen palästinensischen Lehrerorgänisation in Verbindung getreten ist. Ferner beginnt der „Kedem“ mit der Herausgabe einer Zeitschrift für die wissenschaftlichen Erforschung der hebräischen Sprache. Diese Zeitschrift, der namhafte Gelehrte ihre-ständige Mitarbeit zugjesirhert haben, wird in Jerusalem unter Mitwirkung des „Waad Halaschon“, der hebräischen Sprachkommission, erscheinen, die dank der Unterstützung seitens des „Kedem“ ihre Tätigkeit wesentlich erweitern und ausgestalten wird.. Bei der Größe und Wichtigkeit der Aufgaben, zu deren Durchführung der jüdische Kul- . turfonds „Kedem“ berufen ist, bedarf er der t aktiven-Förderung (durch einmalige Spenden oder* jährliche Beiträge) seitens aller bewußtjüdischen Kreise, die von der Bedeutung des meujüdischen “Palästinawerkes durchdrungen sind. Die-Adresse des Jüdischen Kulturfonds „Kedem“ lautet: Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. * Mitteilung des Actions-Comitds der Zionistischen Organisation. Das Große Actions-Comite hat in seiner Sitzung vom 27. Februar folgenden Beschluß gefaßt: Das Große Actions-Comite sprich t seine lebhafte Mißbilligung über dasan die Mitglieder des Actions-Comites gerichtete Schreiben des Herrn J. H. Kann vom 22. Februar 1914 aus und fordert das E. A. C. auf, Anklage gegen Herrn Kann vor dem Ehrengericht zu erheben. (Angenommen gegen eine Stimme, bei einer Stimmencnthaltung.) Das Actions-Comitö der Zionistischen Organisation hat sich ein Konto bei der Oesterreichischen Postsparkasse einrichten lassen und ersucht, Zahlungen aus Oesterreich für das Zionistische Zentralbureau in Berlin in Zukunft auf das Postscheckkonto 145.340 beim K. k. Postsparkassenamt in Wien (Kontoinhaber Prof. Dr. Otto Warburg für das Zionistische Zentralbureau Berlin) zu leisten. Konstituierung, des Zionistischen ZentraTvereines in Wien. Am 23. d. M. fand die konstituierende Sitzung des: Ausschusses statt. Zum Vizepräsidenten wurde Gg. J. H. Waltuch, zum Schriftführer Dr. Artur R e i k und zum Kassier Gg. Dawid Neben zahl gewählt. Kulturkommission für Innerösterreich'. In der Sitzung am 12. d. M. wurde ein dreigliedriger Ausschuß, bestehend aus ' chem. R. Waltuch, jur. Is. Klaber und Dr. Wilh. Stein, mit der Führung der Geschäfte betraut. Das größte Interesse bringen die zionistischen Kreise der Veranstaltung von Vortragszyklen, wie sie