Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ' JÜDISCHE- ZEIT-UNg Nr; 10' prinzipiell keine jüdischen Angestellten beschäftigt. Der jüdische Handlungsgehilfenverband hat es durchgesetzt, daß jetzt auch beim Ersten Wiener Konsumverein jüdische Angestellte beschäftigt sind. Der Wille zu helfen in dieser überaus brennenden Angelegenheit fehlt Karl Pick, deshalb kann er nichts machen. Kart Pickist ein :sozialdemokratischer Parteimann,- sonst nichts. Sein Zentral verein kann nie che Zentralgewerkschaft der kaufmännischen Angestellten werden, weil dieser nicht auf der für eine Organisation der Privatangestellten - einzig richtigen Grundlage der politischen Neutralität stehtL Die Deutsdinationalen betreiben die Verhetzung national, Pick betreibt die Verhetzung politisch'. Beides ist gleich schädlich. Da tritt nun, nicht wie ^unverbürgte Gerüchte“'sagen, sondern offen und schon lange allen bekannt, auch der jüdische Handlungsgehilfenverband in' den Wahlkampf ein und empfiehlt den jüdischen Angestellten seine Liste, die Liste Benno Deutsch und Kollegen. Aufrechte Jüden^ Warme Freunde ihrer Berufskollegen Und Männer vom heißen Wunsche beseelt, ihren zurückgesetzten jüdischen Mitbrüdern zu helfen, sind es, die diese Liste aufweist. Von der Erwägung ausgehend, daß alle in der Gehilfenbewegung vorhandenen Gruppen eingleiches Recht auf Mitarbeit und Mitverwaltung besitzen, ist ihr erster Programmspunkt die Einführung der Verhältniswahl' zu den fachlichen Institutionen. Und selbst diese demokratische Forderung verwirft der Sozialdemokrat Pick, weil er fürchtet, sie sei geeignet, seine autokratische Alleinherrschaft zu brechen, seinem Machthunger eine Grenze zu setzen. Ich muß es mir versagen, das System Pick hier noch ausführlicher zu beleuchten. Ich glaube, das Gesagte genügt. Für einen jüdischen Angestellten aber kann es bezüglich der Wahl am1 8. März keinen Zweifel geben. Pick muß in die Stichwahl kommen (es gibt eine Stichwahl)'oder abgelöst werden idürch Benno Deutsch und Kollegen, das ist die für einen jüdischen Angestellten und Leser Ihres Blattes einzig richtige Parole. Jede Stimme für die Liste Deutsch ist ein Merics für Pick und Genossen, ein Fingerzeig für' diese Leute, daß auch die jüdischen Angestellten zuerwachen beginnen, daß es die jüdischen Angestellten satt haben, wegen des arischen antisemitischen Gespenstes, einen jüdischen Antisemiten zu wählen. Jüdische Angestellte, ignorieret die, die euch und eure jüdisch-wirtschaftlichen' Interessen ignorieren! F. S‘ Uns Sem jiiildieii Geben. Der amerikanische Präsident gegen die Einwandenmgsbesdiränkungen- Präsident Wilriur der Vereinigten Staaten, hat dieser Tage in der New-Yorker jüdischen Tageszeitung „Wahrheit“ einen offenen Brief veröffentlicht, dem wir folgendes entnehmen: „Ich war, wie alle wirklichen Demokraten, stets gegen die Einschränkung der Einwanderung. Ich habe das Empfinden, daß es den historischen Charakter des amerikanischen Volkes nicht entspricht, den Männern und Frauen, die bei uns ein sicheres Heim und ihr Glück suchen, die Gastfreundschaft zu verweigern. Die Stellungnahme der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Frage geht ganz klar aus dem Vorgehen des amerikanischen Volkes anläßlich der versuchten Erneuerung des russischen Handelsvertrages hervor. Damit hat sich das amerikanische Volk gegen alle Beschränkungen ausgesprochen, die eine fremde Macht amerikanischen Bürgern auferlegt Es; wäre daher lächerlich, die Juden in Amerika zu beleidigen und zu gleicher Zeit für ihre Interessen in einem fremden Staate einzutreten/' -* judenausweisungen in Russisch-Polen. Die- Ausweisung der Juden in den' Dörfern vor sich, hauptsächlich im Rayon Zaglembie, wo Hunderte von Prozessen gegen die Juden, die auf dem Lande wohnen, eingeleitet werden: Diese Ausweisungen tragen einen Massencharakter, da die Flecken in „Dombrower Zaglembie“ nur nominell; Dörfer sind, in der Tat aber sindes lebhafte Han'delspunkte, wo s'ich nicht selten Eisenbahrikno-ten Stationen befinden. Der vollständige Rum droht Hunderten und vielleicht Tausenden jüdischer Familien und zugleich allen diesen Punkten, wo die Juden fast die einzigen Repräsentanten des Groß' und Kleinhandels: sind. Ausnahnfsgesetzein Rußland'. Der Klub der mohammedanischen Abgeordneten Wat dieser Tage der Duma' eine Gesetzesvorlage unterbreitet, wonach' alle die mohammedanischen Rechtsanwälte betreffende. Beschränkungen aufgehoben' werde. In der Petersburger jüdischen Gesellschaft herrscht große Empörung und Enttäuschung über diesenSchrftt des mohammedanischen Klub, da dieser sichnoch im Vorjahre den jüdischen Dumaabgeordneten. gegenüber verpflichtet hat, in Sachen der den Nietrussen auferlegten Beschränkungenmit Juden stets solidarisch vorzugehen. Nun Haben* die Mohammedaner' weder in ihrem* Vorschlag der Juden Erwähnung getan, noch auch die;'; Juden vorher von der Einbringung der Gesetzes- Vorlage verständigt. In den' jüdischen Kreisen beurteilt man das Vorgehen dCr „Bundesgenossen“ als'Verrat. Dagegen haben sich die in Petersburg1 versammelten Handelsvorsteher gegen die geplanten Beschränkungen bezüglich der in den Aktiengesellschaften vertretenen1 Juden ausgesprochen. Sie haben ferner beschlössen, eine Abordnung an den Finanzminister zu entsenden; die ihm1 von diesem Beschlüsse Mitteilung machen; wird. * Die nnnänisdhe Regierung und die Gleichberechtigung der Juden: Die Parlamentswahlen sind zu Ende und die Lage ist geklärt: die Regierung wird ihre wiederholten Zusagen, wenigstens den Juden,, die an dem letzten Feldzug, teilgenommen haben, die Gleichberechtigung, zu gewähren, nicht erfüllen. Während des Wahlkampfes erklärtendie Führer sämtlicher Parteien, daß sie gar nicht daran denken, den famosen §. 7 der Verfassung zu Gunsten der Juden zu ändern, wie: jede Partei wechselseitig von der Gegenseite, „beschuldigt“ worden war. Herr C. Stere,, der Führer der Nationalliberalen, sagte in einer Währ Ierversammlung in Jassy: „Vor allem, müßte!,, damit es überhaupt zu dieser Aenderung kommen kann, über die Leiche des rumänischen)' Volkes geschritten werden^..unser Volk will jetzt von gleichen Rechten für die jüdischen Fremdlinge nichts wissen und würde sich wie ein' Mann dagegen auflehnen!.“ Die Regierung selbst .hat für ihre „redliche“ Gesinnung in Bezug, auf die Jüdenfrage einen tatsächlichen Beweis geliefert, der alle Beteuerungen überflüssig macht. Die beiden Führer der nationalistisch-antisemitischen Partei; die Professoren Joiga und Guza; wurden mit ihrer Hilfe gewählt. Jbrga hat wenigstens als- Schriftsteller und Geschichtsforscher einige- Bedeutung und war bereits in der letzten' Session- Mitglied des Parlaments. Hingegen1 zählt Guza als Gelehrter überhaupt nicht und istalS Menskh und Politiker selbst im Kreise seiner judfenfeihd*- liehen Gesinnungsgenossen verrufen: Er hetzt das Volk in blutrünstiger Weise zu Pogromen „nach russischem Muster“ auf. Und dieser Hooligan wurde wider alles Erwarten; ja vielleicht zu seiner eigenen UeberraSdfung mit Hilfe der „liberalen“ Regierung ins Parlament gewählt! Das Komiteeder „Vereinigung der eingeborenen Juden“ setzt unter solchen Auspizienden völlig aussichtslosen Kampf um1 die Gleichberechtigung fort. Kürzlich überreichte es1 dem- Ministerpräsidenten J. J. Bratianueine1 Denkschrift die sich auf die vom Minister des Aeußern V. BoereSdu im Jahre 1879 in einer Note an die Mächte . gegebene Verrichterung' Be- . ruft wonach die1 im Lande geborenen Juden nicht als Fremde, sondern als rumänische Staats- ' angehörige behandelt werden Sollen. Entgegen den von ausländischen; Zeitungen verbreiteten; Nachrichten' hat dem Komitee weder der Ministerpräsident noch König Caroli irgendwelche Zusicherung zu Gunsten: der Juden: gegeben: * Zionistische Propaganda in der Bukowina. Das Bukowiner zionistische Landeskömitee entfaltet in der - letzten Zeit eine großzügige Propaganda für den zionistischen Gedanken in den einzelnen Städten der Bukowina» Tm. Spätherbst referierten, die Bukowiner.DelegieriBiL.in.i zirka 20' VerSanrtnWmgenüber. dfcn> 'Wiener 111 Ziönistenkorrgreß.- Ah-diese-Versammlungen schlossen sich in der zweiten Hälfte des Monates Dezember: eineganze Reihe von Makkabäerfeiern. im ganzen Lande* an.. Die erst vor Kurzem vom;Obmanne der Wiener Sammelstelle: des jüdischen Natioitalfbnds Dr; Emil S t ei n und' dessen Sekretär Siegfried' Keßler veranstaltete Tournee war ausschließlich der Popularisierung des jüdischen' Nationalfonds in der Bukowina: gewichnet; Doktor'Emil Stein hielt in C z-enn-o wi-tz in-einer! engeren Parteiversammlung1 ein fast zweistündiges; überaus interessantes Rtefterat' über die nächsten: Aufgaben desjüdischen- Toynbeehalle.- in einer Massenversammlung über die bisherigen Leistungendes- Nationalfonds in Palästina auf wirtschaftlichem und kulturellem' Gebiete;-Großes- Interesse erweckten zirka 80’ Lichtbilder, die während des Vortrages;: gezeigt wurden. Dr; Stein i sprachferner1 in Sereth, Rad-au t z und Suczaw.a» Diese* Tournee wurde von. Herrn Siegfried Keßler fortgesetzt; Letzterer referierte in* Sadagora, Kotzmaa,. K?i m.po 1 uaig,, Dor.ti.a:—W.a t r a und Ru*ss;-M:old*witzä; wo .seine Vorträge mit-großem Interesse* aufgenömmem wurden: Wie nunmehr feststeht; wird* Dr. Schmarjahu; L ew i.trüber Veranlassung* des Bukowinerzionistischen: Landeskomiteesim Mbnate März* in* der Bukowina' Lweilen; am' irr Gzer no whbz, R.’a'dfauitz und! Su:cz»awa Vorträgezuhalten. *: Antisemitische Unruhen in. Lodz. Wie der „Nöwa: Refbrma“ aus- Lodz, gemeldet wird, kam es dort» infolge dfes; Gerüchtesvon» einem' durch’ den- Kaufmann Steinmann verübten: Rittiälmord: zu großen' antisemitischen Unruhen. Die- Veranlassung hiezugab ein* Halbwüchsiger Bursche; welcher in einem jüdischem Geschäfte einen. Diebstahl’ begangen: hatte, wofürer gezücHtlgtwerden sollte. Der Bursche entlief und’ schrieim dten Straßen; die Juden wollten ihn morden, sein Kamerad: sei in eine- Synagoge gelockt undermordet worden. M’enmasSen» sanrmelttem sich1 vor dCm Geschäfte Steinmahns, demolierten dieses vollständig, worauf die- Menge im die Wohnungdes- Kaufmannesf- . eindrang und: ihm. sowie dessen- Frau auf die. : Straße brachten, wo beide durch Mißhandlungen1; schwer verletzt wurden. Hierauf demolierte* die* . Menge alle umliegenden. Geschäfte und versuchte j in das jüdische Bethaus; eihzudfingen: Da sie jpdöch die Polizei daran hinderte, kam1 es zuj Zusammenstößen; wobei: eine; größere Anzahl von* . Personen’ Verletzungen1 davontfug: Es handelt , rieh offenbar auch int diesem Falle um die trauj rige Folge der von» dem echtrussischen Regie- ‘ nungsorganen* ausgestreuten Ritualmordlügen. Neue jüdische Zeitungen. Seit Beginn des laufenden; Jahres erscheint in Wive-m „Der Neue- Weg“; deutschsprachige Monatsschrift poale-zionistischer Tendenz. — InrG a 1-tzli e-nr sind in: der letztaii Zeit zwer. neue Wochenschriften' gegründet worden:: „D»a:s jüd-i.S'che inteness-aimte- Blaitt“ in Lem>~ bterg, ein illustriertes Wochenblatt in jüdischer*; Sprache und „N a«zr G>l<o»sF in* Nowy Sacz,; eine zionistische Wochenschrift. — Die* der Idee dler TrernrnngsontHodoxie huldigende-süddeutsche gesetzestreue* Richtung' Hat;.' eine* Monatsschrift „Jüdisches'-Monatsheft“ (Frankfurt iac MS)' ins Lebern, gerufen: Tnree# uni Sgort. Jüdisches. Schauturnen, -im Wien. Am 24. März 1914 veranstaltet der „Erste Wiener Jüdische Turnverein“ im Sofi'ensaale* sein diesjähriges Schauturnen, das nach demgroßen- Interesse, dasdieser Veranstaltung aus; allen Kreisenentgegengebracht wird’, und nachdem erstklassigenturnerischen Programme einen glänzenden Verlauf erwartenläßt. An das Schauturnen schließt sich ein Tanzkränzchen. Jüdisches Tum- und Sportwesen: