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Jüdische Zeitung · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr, 9 des Frankfurter Israelitischen Familienblattes, den wir nachfolgend wiedergeben. „Das Schicksal der galizischen Judenheit wird von Jahr zu Jahr ungünstiger. Trotz der politischen Gleichberechtigung, trotz der vielen jüdischen Kräfte, die sie in sich birgt, verschlechtert sich sowohl ihre politische wie ihre wirtschaftliche Lage in erschreckendem Grade. Das politische Leben Galiziens wird heute beherrscht von dem Verhältnis zwischen den zwei Nationen, die umO ie Herrschaft ringen: den Polen und Ruthenen. Bis vor einigen Jahren waren die Polen die allmächtigen Herren im Lande. Sowohl die Ruthenen wie die Juden wurden von ihnen mit der ganzeri Rücksichtslosigkeit und Brutalität der polnischen Schlachzizen unterdrückt, und diejenigen jüdischen Oberschichten, die sich assimiliert hatten, hielten treu zu den polnischen Gewalthabern. In der letzten Zeit jedoch begann das polnische Element sich gegen diese Willkürherrschaft der Polen aufzu- Säumen, und es entbrannte ein heftiger Kampf zwischen beide# Nationen. Die Juden, die ja politisch gleichberechtigt sind, bildeten dank ihrer numerischen Stärke — sie bilden 11 Prozent der Bevölkerung Galiziens — das Zünglein an der Wage, eine Position, die für sie vorteilhaft und günstig war. Die Polen waren so gezwungen, in ihrem Antisemitismus sich zu mäßigen, und den jüdischen Forderungen einiges Gehör zu geben, da ein geschlossenes Eintreten der Juden für die Ruthenen sehr leicht diesen hätte das Uetoergewicht gehen können. Diese einigermaßen günstige Position droht den galizischen Juden nunmehr verloren zu gehen; seit einiger Zeit nämlich sind bereits Ausgleichsverhandlungen zwischen Polen und Ruthenen im Gange, und nachdem die zahlreichen Schwierigkeiten, die einem positiven Resultate im Wege standen, beseitigt worden sind, ist jetzt der polnisch-rathenische Ausgleich so gut wie sicher. Nun hätte ein solcher Ausgleich, der auf der Basis einer gerechten Verteilung der Landtagsmandate beruhen soll, den galizischen Juden nicht schaden müssen, wenn diese Verteilung auch in der Tat in gerechter Weise vorgenommen worden wäre und man den Juden entsprechend ihrer numerischen Stärke die ihnen gebührende Zahl von Mandaten gegeben hätte. Dies ist aber — wie zu erwarten stand — nicht geschehen. Nun, da weder die Polen noch die Ruthenen die Juden mehr brauchen, denkt niemand daran, ihnen gegenüber auch nur eine Spur von Gerechtigkeit zu üben. Die Polen betätigen ihre antisemitischen Instinkte in der unvernülltesten Weise, und die Ruthenen haben alle Hilfe, die ihnen die Juden bisher im Kampfe gegen die polnische Gewaltherrschaft geleistet haben, vergessen und handeln ganz nach dem Satze, daß die Politik keine Dankbarkeit kenne So haben Sich denn beide Parteien dahin geeinigt, den Juden keine ihnen gebührende Vertretung zu gewähren, und in der neu zu treffenden Wahlkreiseinteilung und im Wahlmodus werden die raffiniertesten Mittel angewandt, um die Wahl einer Anzahl jüdischer Abgeordneter zu verhindern. Den Städten, in denen die Majorität der Bevölkerung jüdisch ist, werden Bauerngemeinden angeschlossen, um so die jüdischen Wähler zu majorisieren; außerdem wird in diesen Städten das Proportionalwahlrecht eingeführt, um der jüdischen Majorität, wo sie sich nicht verhindern läßt, wenigstens einen Teil der Mandate zu nehmen. So kann man es schon jetzt als fesstehend erachten, daß bei dem polnisch-rirthenischen Ausgleich die Juden leer ausgehen werden, und der schmachvolle Zustand von heute, daß die Juden, trotzdem sie 11 Prozent der Bevölkerung bilden, nur 4 Abgeordnete haben, wird sich auch nach dem Ausgleich nicht ändern. Hand in Hand mit dieser Verschlechterung der politischen Position der galizischen Judenbeit geht eine gefährliche Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Lage. Die Polen Galiziens haben vom russischen Nachbar und Verwandten das Rezept der langsamen wirtschaftlichen Erstikkung der jüdischen Massen übernommen und verwenden es mit höchstem Raffinemet. Heute haben sie es bereits so weit gebracht, daß die Landjuden in Galizien wirtschaftlich so gut wie jeglicher Position und Lebensbedingung beraub; sind, und nunmehr setzt ihre wirt-sehaftlichc Aushungentogspolitik auch gegen die galizischet Stadtjuden ein. Und hierbei bedienen sie sid des Mittels der Polen in Rußland: des wirf schaftliChen Boykotts. Im ganzen Lande wer den Vereine begründet, die den Boykott gegei die jüdischen Geschäfte durchführen sollen, unc all dies geschieht unter der wohlwollenden Pa tronage des polnischen Statthalters. Und sieht man sich in dieser traurigen Lag' nach Helfern um, nach inneren Kräften, die sii bessern könnten, so erblickt man keine. Dii assimilatorischen Kreise der galizischen Juden heit haben für jüdische Interessen nichts übrij und verraten die jüdischen Massen an die pol nischen Machthaber. Und die nationale Parte ist noch zu wenig fest organisiert, zu ungenü gend ausgebaut, als daß sie diesen brutalen An griffen von außen her für die Dauer erfolg reichen Widerstand entgegenzusetzen vermöchte So stellen sich die Zukunftsperspektiven de der galizischen Judenheit in recht ungünstiger Lichte dar. Von allen Seiten her Feinde und Hetzer, die brutalste politische Entrechtung und die rücksichtslosesten Angriffe gegen ihre wirtschaftliche Lage, und nirgends Helfer und rettende Kräfte. Vielleicht, daß die groß eh drohenden Gefahren, in denen die galizischen Juden schweben, viele aus ihrer Lethargie aufrüttetn und die Bedingungen Schäften für eine starke und mächtige Entwicklung der nationalen Partei. Denn diese Lehre darf die galizische Judenheit heute aus der Entwicklung der letzten Jahre ziehen: Unter den politischen Parteien und Faktoren des Lapdes darf sie keine Freunde suchen, von ihnen hat feie nichts zu erhoffen. Helfen kann sie nur sich selbst. Von ihrer inneren Kraft hängt es ab, ob ihr Schicksal für die Zukunft noch trostloser werden oder sich' ein wenig bessern und aufhellen wird. Die Niederlage der Kannelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17.348. Gesinnungsgenossen bietet sich dauernder hoher Verdienst durch Uebernahme von Vertretungen. Branchekenntnisse nicht erforderlich. Offerte unter „ORGHIP“ an das Zionistische Bureau, Wien, 2. Bezirk, Karmeliterplatz .1. Parfeinadirlditen. Zentralfondbeiträge aus Westösterreidi für 1914. VI. Ausweis. Mähren-Schlesien: Olmütz: W. Spitzer 30.—; Ed. Schwarzbart 100.—; A. Jellinek 30.—; Oskar Huber 100.—; Verein „Zion“ 50.—; Felix Zweig 50.—; kleine Spenden 140.—; Mähr.- Ostrau: Jüd. Volksverein „Zion“ I. Rate 1000.—; Ung.-Hradisch: Sammlung der Zion. Vereinigung, israelitisfche Kultusgemeinde 30.—; Chewra Kadischa 30.—; Kultusvonsteher Siegm. Fürst 25.—; Aaron u. Rudolf Sträußler 40.—; Dr. Arthur Brausser 24.—; Bruno Notbert 24.—; Prof. Armin Lemberger 50.—; Prof. Oskar Lieben 25.—; Karl Schindler 25.—; Ung.-Ostrau; Marie Hahn 36.—; Leop. Sonnenfeld 24.—; Dr. Ed. Stern 24.—; Samuel Adler 24.—; Sigmund Klein 24.—; kleine Sepnden 173.—; zus. 2053.—; bereits ausgewiesen 711.88; zusammen K 2764 83. Böhmen: Kleine Spenden 24.92; bereits ausgewiesen 6155.38; zusammen K 6180.30. Für das hebräische Sdnifwerk in Palästina. Wien: Dr. Paul Amann 50.—; Sammlung Benno Braun 21.—; Sammlung Dawid Bienenfeld 12.—; med. Alois Köhler 5.—; med. Klara Guttmann 2.—; jüd.-akad. Verb. „Unitas“ 100.—; Wr. Zion. Vereinigung 35.—; G. M. 4.—; Verein jüd. Mediziner 30.—; „Mattalia“ 10.—; jüd.Tumverein „Leopoldstadt“ 7.—; Innsbruck: Richard Berger 50.—; zus. 226.—; bereits ausgewiesen 3730.08; zusammen K 3956.08. Mähren-Schlesien: Skotschau; Sammlung Emil Feiner, Robert Tugendhat, Prof. Doktor Beikowicz, Adolf Stemberger, Dr. Aschermann, Marmelstein, Jugendklub, Dr. W. Wagner 100.—; Olmütz: „Esther“ Reinertrag Chanukafest 80.—; Verein Zion 50.—; Felix Zweig.—; Sammlung Hochzeit Winter-Sonnenschein 120.—; Anastasius Haas 50.—; kleine Spenden 171.—; Hin: Leopold Stiassny 3.—; zusammen 624.—; bereits ausgewiesen 715.80; zusammen K 1339.80. Böhmen: Aussig: Jüd. V. V. „Theodor Herzl“ 30.—; Prag: Leseu. Redehalle jüd. Hochschüler I. Rate 23.40; Dr. Adolf Bergmann Pardubitz 100.—; kleine Spenden 66.40; zusammen 219.80; bereits ausgewiesen 869.21; zusammen K 1089.01. Aufgebracht wurden bisher in Innerösterreich K 7035.44, Mähren-Schlesien K 4104.68, Böhmen K 7269.31, Gesamtsumme K 18.409.43. Zionistische Kultiuhrbeit Die vom Innerösterreichischen Distriktstage angenommenen Resolutionen in Angelegenheit der Kulturkommission lauten: 1. Der Distriktstag spricht seine Ueberzeugung aus, daß die durch das Baseler Programm feforderte Stärkung, Und Förderung jdes jüdischen elbstgefühls und Volksbewußtseins in dauernder und tiefer Weise nur möglich ist, wenn das Lehen der Juden auch im Galuth, soweit dies hier möglich ist, mit jüdischer Kultur erfüllt wird. 2. -Der Distriktstag fordert die Organisierung des Vortragswesejns in den Vereinen, die sofortige Einrichtujng von Kursen nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte und beschließt zur Abhilfe des bestehenden Mangels, eine Parteischule in kürzester Zeit ins Leben zu rufen, die die Heranbildung von Kursleitern zum Zweck hat; hebräische Kurse werden im Einvernehmen mit dem Sprachverein und dessen pädagogischen Beirat eingerichtet. 3. Der Distriktstag verpflichtet die zionistischen Studenten zur Erlernung der hebräischen Sprache; die Kulturkommission des Distriktstages hat sich durch Vornähme von Prüfungen davon zu überzeugen, daß die Studentenverbindungen diesem Beschluß des Distriktstages nachkommen. 4. Um eine jüdische Erziehung unserer Jugend, soweit das im Galuth möglich ist, durchzusetzen, schlägt der Distriktstag vor, die Schaffung jüdischer Kindergärten, in denen auch Lieder, Sprüche, Gedichte und kleine Geschichten in hebräischer Sprache vermittelt werden sollen, wenn möglich aber soll an die Schaffung rein hebräischer Kindergärten geschritten werden. 5. Es ist eine Enquete über den Religionsunterricht einzuleiten und im Anschluß an seine Ergebnisse die Oeffentlichkeit über die Wichtigkeit des Geschkhts- und hebräischen Sprachunterrichts aufzuklären und von den Lehrern zu verlangen, daß sie es durch einen methodisch und pädagogisch gut geleiteten Unterricht zu Wege bringen, das Lehrziel bei allen Schülern zu erreichen. Da die beschränkte Stundenzahl eine Vertiefung in den Lehrstoff unmöglich macht, eine Umgestaltung des Religionsunterrichts in unserem Sinne in nächster Zeit wohl kaum zu erwarten steht, ist an die Errichtung von jüdischen Fortbildungskursen in möglichster Beschleunigung, eventuell im Anschluß an bestehende Taltnud-Thora-Schulen zu schreiten. Auch an die Errichtung von jüdischen Internaten, die unter Leitung zuverlässiger pädagogischer Kräfte zu stehen hätten, ist zu denken. 7. Gewininung der Kultusgemeinden zur Verwirklichung der Vorschläge, sowie zur Ausgestaltung der in den Händen der Bne-Brith befindlichen Toynbeehallen zu einer Art jüdischer Volksuniversität, die in eine jüdische und eine allgemeine Abteilung zerfallen soll. Ferner Aufbau der bestehenden Kultusgemeindebibliothek zu einem den Massen zugänglichen und brauchbaren Institut. Verbreitung der bestehenden Jugendpresse für die Jüngsten bezw. Herausgabe einer neuen, für die reiferen, und der Distriktstag begrüßt in diesem Sinne dahin gerichtete Bestrebungen; von größter Bedeutung ist ferner die Schaffung einer guten Jugendlektüre. 8. Der Distriktstag feieht in der jüdischen Wanderbewegung ein vorzügliches Mittel zur Erziehung unserer Jugend und empfiehlt aufs dringendste, die weitgehende Unterstützung durch das D. K. bezw. die Kulturkommission. Er sieht in der jüdischen Wanderbewegung das im Augenblick geeignetste JUittel der Jugenderziehung in dem sie die so notwendige körperliche Ausbildung mit der geistigen verbindet. Die gleiche Aufmerksamkeit soll auch den jüdischen Turn- und Sportvereinen zugewendet werden. 9. Zur Durchführung der angeregten Vorschläge wird eine achtgliedrige Kulturkommission eingesetzt, deren Kern die bereits am Prager Parteitag gewählten vier Mitglieder der Kulturkommission für Westösterreich bilden. Der Kommission bleibt das Kooptationsrecht gewahrt. Die vom Distriktstag gewählte Kulturkommission setzt sich zusammen aus den Gg. Gg. Adolf Böhm, Dr. Walter Werner, Dr. Ernst Skuietzki, Frl. Chem. Rudolfine Waltueft Dr. Jakob Ehrlich, Dr. WilhelmStein, Dr. Ernst Müller, Jur. Isidor Klaber. * # Sitzung des irmerösterr. zion. Distriktskomifees. kommitees. Am 23. Februar fand die erste Sitzung des neuen Distriktskomitees statt, an der auch ein Vertreter des Z. K., Dr. Isidor Margulies, teilnahm. Zuerst schritt das D. K. zur Konstituierung, welche Frage eine sehr eingehende Debatte auslöste. Es wurde beschlossen, an die Spitze des D. K. einen fünfgliedrigen Geschäftsführenden Ausschuß zu stellen, dem folgende Gg. Gg. afagehören: Dr. Leopold Friedmanjn (azt. Vorsitzender), Ludw. Bato. Alexander Geller, Ijng. Rudolf K ö p p 1 und Dr. Artur Reik. Das Amt des Kassiers übernahm neuerlich Ing. K ö p p I, das des Schriftführers Leo Popper. Als Nationalfondskommissär fungiert Dr. Georg Weiner. Bezüglich oer Schulwerkaktion, für welchen Zweck im Distrikte bereits 14.000 Kronen gezeichnet wurden, wurde beschlossen, im Einvernehmen mit Gg. Ing. Oskar Kramer, „BLUMENSCHNEE" I die neuartige, wissenschaftlich gearbeitete HAND-u.GESICHTSCREME. Das hygienisch beste Toilettemittel. Tube 80h überall erhältlich! OoseK.ißO

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