Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der hebräische Charakter des Technikums ist gesichert und nichts wird mehr (Jen Siegeslauf der hebräischen Sprache im Schulwerk Palästinas aufhalten. Und mit freudiger Genugtuung können wir es heute aussprechen, daß die Kraft :und Schlagfestigkeit der zionistischen Organisation, daß die Entschlossenheit und jugendliche Kampfesfreude des wiedererwachten Palästina uns einen Erfolg beschieden hat, der den Beweis erbringt, daß der zionistisch? Gedanke durch kleinliche Intriguen und Quertreibereien* nicht erdrosselt werden kann und daß durch die Geschlossenheit der zionistischen Reihen, durch ihre Opferwiüitrkeit und ihren Kampfesmut jeder Angriff auf unsere heilige Sache abgewehrt werden Mfird. Durch die Beschlüsse des Kuratoriums ist folgende Situation geschaffen worden: Die der Vorbereitung der Schüler des Technikums dienende Realschule in Haifa wird hebräisch sein. Die Erhaltung dieser Schule bleibt eine Angelegenheit der zionistischen Organisation. Am Technik um selbst wird Mathematik und Physik sofort hebräisch unterrichtet. Nach Ablauf der ersten vier Jahre hat das Kuratorium zu entscheiden, welche Gegenstände nach der Entwicklung der hebräischen Sprache und der hebräischen Unterrichtsmittel der hebräischen Sprache überwiesen werden können. Die Lehrer werden verpflichtet, in vier Jahren das Hebräische vollständig zu erlernen. Ins Kuratorium sollen drei Zionisten kooptiert werden, von denen zwei d?m! geschäftsführenden Ausschuß angehören sollen. Diesem fällt auch die Entscheidung über die Anstellung der Lehrer zu. Um die ganze Tragweite dieser Beschlüsse erfassen zu können, muß man sich den letzten Kuratoriumsbeschluß, der den Austritt Tschlenows, Levins und Ach ad Haams zur Folge hatte, vor Augen halten. Diese verlangten die hebräische Sprache an der Realschule hauptsächlich für die wissenschaftlichen Fächer (Mathematik, Physik und Chemie)., Ihre Forderung war durchaus begründet, da diese Fächer doch auch am Gymnasium in Jaffa hebräisch unterrichtet werden und: demnach nicht einzusehen, ist* warum die Möglichkeit hiezu an der Realschule, nicht gegeben sein soll. Die germanisatorischen Tendenzen des Hilfsvereines zeigten sich in dieser Frage am deutlichsten; seine Mitglieder wollten die hebräische Sprache nur in einigen belanglosen Nebenfächern angewendet haben. Nunmehr wird aber die Realschule vollständig hebräisch sein. Die Bedeutung dieser Tatsache liegt nicht bloß darin, daß das hebräische Mittelschulwerk um eine wichtige Schule erweitert wird; es ist vielmehr auch klar, daß das Technikum, das doch natürlicherweise die Mehrzahl seiner Schüler von hebräischen Mittelschulen beziehen wird, sich schon zufolge dieses Umstandes allein nur zu einer hebräischen Anstalt entwickeln kann. Viel eklatanter noch zeigt sich die Niederlage des Hilfsvereins deutscher Juden bei Bestimmung derUnterrichtssprache an dem Technikum. Die Zionisten hatten ursprünglich verlangt, es sollten mindestens 6 bis 8 Unterrichtsstunden wöchentlich hebräisch sein. Dieser Antrag wurde bekanntlich in jener berüchtigten Kuratoriumssitzung abgelehnt; ja sogar der Antrag des Dr. Philippsohn, Geographie und Geschichte in hebräischer Sprache zu unterrichten, erfuhr dasselbe Schicksal. Indem der letzte Beschluß des Kuratoriums Mathematik und Physik hebräisch unterrichten läßt, gibt er schon jetzt mehr, als die Zionisten als Mindestmaß verlangt hatten. Der Schwerpunkt des neuen Beschlusses liegt aber zweifellos in der Bestimmung, daß in Zukunft, u. zw. schon nach vier Jahren, lediglich nach der Entwicklung der hebräischen Sprache und der Lehrmittel zu entscheiden ist, welche weiteren Gegenstände der hebräischen Sprache zu überweisen sind. Es ist wirklich lohnend nachzulesen, welche Gründe Dr. Nathan noch vor wenigen Wochen für die Notwendigkeit der deutschen Unterrichtssprache an der Technik angegeben hat. Es seien nur praktische Erwägungen; es gäbe im Orient wenige Leute, welche mit der hebräischen Sprache herangebildete Ingenieure anstellen könnten; die Vorbildung in den mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen Fächern könne nur einheitlich und deshalb nur deutsch sein. Mit diesen praktischen Erwägungen Dr. Natans hat der letzte Beschluß gründlich aufgeräumt. Nicht praktische Erwägungen, sondern ausschließlich die Entwicklung der hebräischen Sprache soll für die fortschreitende Hebraisiesierung des Technikums maßgebend sein. Es wäre wohl zweckmäßiger gewesen, die Beurteilung der Frage der Anwendbarkeit der hebräischen Sprache dem Lehrkörper des Technikums zu überlassen. Aber wenn die Entscheidung hierüber auch formell dem Kuratorium Vorbehalten wurde, die Herren Nathan und Simon werden sich doch nicht für kompetent halten können, in dieser Frage ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Die Entscheidung liegt also tatsächlich in den Händen des jungen Palästina und um den .Weg dieser Entwicklung braucht uns nicht bange zu sein. Das von dem Kuratorium veröffentr lichte Kommunique bringen wir an einer anderen Stelle dieses Blattes. Gönnen wir den Herren die Freude an ihren kühst? liehen Redewendungen, mit denen sie ihre Niederlage nach Tunlichkeit, zu. ver? schieiern trachten. So kann man" dazu wohl nur lächeln, wenn heute behauptet wird, daß für das Technikum?' selbst größere Differenzen nicht vorhanden waren, da nach Lage der Verhältnisse ii* der ersten Zeit für die eigentlichen tecl£ nischen Fächer nur die deutsche'Sprache in Frage gekommen sei. Wir haben dargelegt, welch gründlicher Wandel; hier geschaffen wurde. Die offizielle Mitteilung berichtet auch, daß von der Angliederung einer Realschule abgesehen worden sei, um den Hauptstreifpunkt zu entfernen. Dies kann man auch* anders lesen. Ein Technikum ohne 'vorbereitend^ Realschule ist nicht gut möglich. In Wirklichkeit sieht also das Kuratoriung von der Vorglfederung einer Realschule nicht ab, es überläßt vielmehr die Schaf: fung der Realschule den Zionisten und begibt sich damit jedes Einflusses auf die Entwicklung dieser Schüfe. Der errungene große Erfolg gibt uns kein Recht, unsere Arbeit zu vermindern. Die zionistische Organisation hat die ihr auferlegte Belastungsprobe Wohl glänzend bestanden, trotzdern.sie wieder einen „Gi 1 ead hatte, der jenseits des Jordans weilte und einen Dan, der bei seinen Schiffen war.“ Unserer Organisation harren aber jetzt größere Aufgaben als je,zuvor; und je zieibewußter unsere Leitung sein wird« umso opferfreudiger wird das zionistische Heer sein. * Offizielle Mitteilung des Kuratoriums des Haifaer Technikums. - Den Mitgliedern des Kuratoriums des Jüdischen Institutes für technische Erziehung in Palästina (Technikum: Haifa) : lagen in ihrer Sitzung vom 22.“Februar 1914 die Empfehlungen der amerikanischen Kuratoren vor. Auch auf Grund dieser Empfehlungen war es nicht möglich, zu einer Einigung über, die Realschule zu gelangen. _ __ Um nicht das ganze Werk zu gefährden, wurde beschlossen, den Hauptstreitgegenstand zu beseitigen und von dem Plan, dem Technikum eine Realschule vorzugliedern, überhaupt Abstand zu nehmen. Für das Technikum waren größere Differenzen von vornherein nicht vorhanden, da nach Lage der Verhältnisse in der ersten Zeit für die eigentlichen technischen, Fächer eine andere als die deutsche Sprache nicht in Frage kommen konnte. Es wurden mit Bezug auf das Technikum unter anderem* bei Anerkennung der amerikanischen. Erapfehff?. «-t v >.-*•