Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 „BLUMENSCHNEE" die neuartige, wissenschaftlich gearbeitete HAND--.GESICHTSCREME. Das hygienisch beste Toiiettemittel TubeSOh. u DoseK 1.60. ——- Überall erhältlich! -- in Palästina hat die Voraussetzungen dafür geschaffen,! daß die Sprache zu neuem Leben erblüht ist und sich bedeutend reicher entwickelt hat, als in den letzten vergangenen Jahrhunderten. Etwa vor 20 Jahren wurde im Kampf mit der Alliance die erste hebräische Schule in Palästina gegründet Die jetzige palästinensische Jugend ist durchaus hebräisch. Im neuen Palästina kennen 10 000 jüdische Kinder keine andere Muttersprache. Dieses Resultat der letzten 15 Jahre bedeutet nur einen Anfang. Für edle Zweige des Unterrichts, auch die technischen Fächer, sind genügend Begriffe und Worte vorhanden. Selbst wenn darin noch Schwierigkeiten bestehen sollten, werden diese von der Gruppe, in der sich der Wille des ganzen jüdischen Volkes zum Leben konzentriert, leicht überwunden werden. Die Tanfsenche in Russland. Gegenüber den großen Unterdrückungen und Verfolgungen im russischen Reiche scheint ein, wenn auch kleiner Teil der russischen Juden nicht mehr die nötige seelische Widerstandskraft aufbringen zu können. Es ist noch erinnerlich, wie im Vorjahre sich 80 jüdische Hörer der Kiewer Handelshochschule taufen ließen, um sich dem an die Juden ergangenen Äusweisbefehle zu entziehen. Der großen Erregung, die sich damals der gesamten russischen Judenschaft ohne Unterschied der Partei und Gesinnung bemächtigte, gab der jüdische Historiker S. M. Dubnow in einem an die studierende jüdische Jugend gerichteten Appell, Ausdruck. Die nationale Gesinnung, Glaube an die Zukunft des jüdischen Volkes und die Treue zu ihm, haben die Taufbewegung, wenn auch nicht völlig aus der Welt geschafft, so doch ganz gewaltig gehemmt. Nun scheint das jetzt glimmende Feuer von neuem aufzulodern. Dieser Tage erschien in der Tageszeitung „Litowsk. Russ“ von einem gewissen Jakob Ginzburg ein im Namen von 72 Täuflingen an ihre Eltern gerichteter offener Brief, in welchem mit einem unerhörten Zynismus die Gründe dargelegt werden, die sie zur Taufe bewogen haben. „Erlaubt uns, liebe Eltern, heißt es im Briefe, unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche euch offenmitzuteilen. Unsere Lage in Rußland ist fürchterlich und je länger wir nachsinnen, wie wir uns daraus"'Befreien könnten, umso größer wird unsere Verzweiflung, umso ärger fühlen wir uns. Wir können die Verachtung und die Demütigungen nicht mehr erdulden und wollen daher einen entscheidenden Schritt unternehmen, um uns von allen Nöten zu befreien. Wir sind Menschen und wollen als Menschen betrachtet werden. Wir wollen gleichberechtigte Bürger sein und nicht auf Schritt und Tritt Beleidigungen hören, mit denen wir jetzt von allen Seiten lediglich wegen unseres Judentums überschüttet werden. Wir bitten euch, liebe Eltern, versetzt euch in unsere Lage und steht uns bei. .Ihr habet uns zu gebildeten Menschen erziehen lassen und müsset denn auch begreifen, daß wir die Beleidigungen und Demütigungen viel tiefer, viel schmerzlicher empfinden, als ein ungebildeter Jude. Wir können nicht das Wort „Zid“ erdulden, das man uns mit Verachtung ins Gesicht schleudert. Wir sind daher entschlossen, mit dem Judentum ganz zu brechen und wollen endlich Menschen sein und nur Menschen 1“ Weiter führt das Schreiben der Täuflinge anknüpfend an Heines Wort ins Treffen, daß es nunmehr keines Beweises bedürfe, daß das Judentum keine Religion, sondern bloß ein Unglück sei. „Seit tausenden Jahren — so schließt der Brief — leben wir als Juden, beobachten die Torah und die jüdischen Gebote und was haben wir davon? Nichts als Demütigungen, Armut und Unglück hat all dies über uns gebracht.** , Niemals haben es bisher die Ueberläufer gewagt, Juden "gegenüber solche Sprache zu führen. Bisher hat man uns von „Idealen“, von „Menschheit“, mitunter auch von , religiösen Hoffnungen“ erzählt, jetzt hingegen nehmen die feigen Täuflinge die Maske ab und stehen nicht an, unumwunden herauszusagen, daß sie sich taufen ließen, weil sie ein ruhiges, behagliches Leben führen und nicht mehr den Mut haben, Juden zu bleiben, wobei sie ihren Eltern, die sie zu „gebildeten Menschen“ haben heranziehen lassen, einen Schlag ins Gesicht versetzen. Das kneifende und brutale Ueberläufertum hat nun die' jüdische Jugend Rußlands a'ufgerüitelt. Von allen Städten laufen Proteste gegen die Taufseuche und Zustimmungen zu dem erwähnten Aufrufe Dubnows ein. Auch dies läßt erkennen, daß nur ein ganz geringer Teil der Jugend den moralischen Halt verloren hat. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlang, II., Rotenstemgasse 22. Telefon 17 348. Ais dem jüdischen Leben. Ansiedlung rumänischer Juden in Texas. Wir stehen dem an und für sich gewiß sehr löblichen Unternehmen des Herrn Loeb, wie all den von Zeit zu Zeit in der jüdischen Presse auftauchenden Siedlungsplänen skeptisch gegenüber. Von allem anderen, hauptsächlich aber von dem überaus schwierigen Problem der Umwandlung jüdischer Kleinbürger' und Landwirte, abgesehen, erfordert die Kolonisation Geld und Geld. Und ob es Herrn Loeb gelingen wird, für seinen Plan die nötigen Millionen herbeizuschaffen, ist mehr als zweifelhaft. Herr Hermann Loeb, ein reicher Jude in Philadelphia, hat eine Aktion eingeleitet, um rumänische Juden als Ackerbauer in Texas anzusiedeln. Wie Herr Loeb in der Bukarester Tageszeitung „Dimineatza“ mitteilt, habe er tausende Anfragen von auswanderungslustigen rumänischen Juden erhalten, die in die neue Siedlung aufgenommen zu werden wünschen. Die christliche Bevölkerung in Texas bringe dem Plan große Sympathien entgegen. So haben verschiedene Handelskammern Herrn Loeb Erleichterungen aller Art für die neuen Ansiedler angeboten. Die Eisenbahn- und Baugesellschaften, die Maschinenfabriken usw. wollen den Einwanderern ebenfalls allerlei Vergünstigungen gewähren. Herr Loeb ist bemüht, in Texas eine Kolonisationsgesellschaft mit ansehnlichem Kapitat zu gründen, die die Durchführung des Planes in die Hand nehmen soll. Er hat bereits zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten Amerikas für die Aktion gewonnen und ist überzeugt, daß sie schon in nächster Zeit, sobald die genannte Kolonisationsgesellschaft konstituiert ist, verwirklicht werden kann. * Palästinafahrt des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel. Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten;in Konstantinopel, Mr. Henry Morgenthau, der sich als Jude lebhaft für die Entwicklung Palästinas und das dortige jüdische Kolonisationswerk interessiert, wird Ende März d. J. eine für mehrere Wochen berechnete Reise nach Palästina antreten. Tereinsnaeliriehten. Wien. Unter dem Protektorate der Herren Rektoren Hofrat Dr. Richard Ritter v. Wettstein und Prof. Johann Sahntka fand am 10. d. Mts. in den Beethovensälen der Ball der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler statt. Der glänzende Besuch zeigte wieder deutlich die Beliebtheit, deren sich dieser Ball in Wiener Gesellschaftskreisen erfreut. Nach einer Begrüßungsansprache des Obmanns I. U. C. Hermann Klopper wurde der Tanz eröffnet. Hierauf ließen sich die Rektoren die Vertreter der jüd. akad. Verbindungen und Vereine Wiens und der jüd. akad. Lese- und Redehalle in Brünn vorstellen und unterhielten sich mit ihnen in liebenswürdigster Weise. Wien. Zu Gunsten des Baufonds des Ersten' Wiener Jüdischen Turnvereins findet Montag, den 9. Februar, abends x/ä8 Uhr, in der Neuen Wiener Bühne IX. Wasagasse, eine Aufführung des dreiaktigen Schauspiels von John Galsworthy „Der Menschenreund“ statt. Karten sind zu haben im Vereinslokal IfX Liechtensteinstraße 22, an der Tageskasse des Theaters und bei Herrn Keßler (Telefon Nr. 1668Ö). Wien. (Zionistischer Verband . ehemaliger Hochschüler.) Am 21. Jänner sprach der akademische Maler Herr Wilhelm Wachtel im Verbandslokale über Ausstattung und Ausgestaltung neuer Synagogen. Der Vortragende, der auch an Hand von Bildern und Skizzen synagogale Maleret erläuterte, erntete von den zahlreich Erschienenen lebhaften Beifall. Am 28. Jänner sprach Gg Adolf Böhm über Kulturfragen im Zionismus. Der Vortrag erfreute sich eines besonders zahlreichen, gewiß w ohlverdienten Besuches. — Am 4. Februar spricht Dr. David Rothblum über die Missionsidee in der althebräischen Literatur und am 11. Februar Dr. Robert Lach über „Altjüdische Musik“. Gäste herzlichst willkommen. Ort: Cafe Pücher I. Kohlmarkt 10. Beginn präzise 1I39 Uhr abends. Wien. Der Jüdische Turnverein Leopoldstädt veranstaltet am 21. Februar, 9 Uhr abends, im großen Saale des Cafe Adlon 1., Fleischmarkt, eine Akademie ernster musikalischer und deklamatorischer Vorträge. Neben den sorgfältig ausgewählten Vortragsnummern wird auch eiiie turnerische Vorführung stattfinden. Durch Stellung einer Männerriege am Pferd will der veranstaltende Turnverein zeigen, welche Resultate in der kurzen Zeit des Turnbetriebes bereits gezeitigt wurden. Anschließend an das Vortragsprogramm findet ein Tanzkränzchen statt. Das Reinerträgnis fließt dem Turnhallenfonds zu. Karten sind in der Vereinskanzlei II., Taborstraße 11 b. auf den Turnplätzen II., Malzgasse 16 und Leopoldsgasse 3, sowie in der Kanzlei des Jüdischen Nationalfonds II., Karmeliterplatz 1, erhältlich. Wien.. Der „Misrachi“ veranstaltet am Mittwoch, den 4. Februar in Löbs Saallokalitäten IV., Königsegg 7 (Ecke Kasernengasse), einen Diskussionsabend. Beginn 8 Uhr. Gäste willkommen. Wien. Die ordentliche Generalversammlung des jüdischen Turnvereins in Döbling (XIX. Peter Jordanstraße 17) findet Sonntag, den 1. Februar, vormittags pünktlich 10 Uhr im Turnsaal statt. Wien. (Akademie des I. Zionistischen Frauenvereins in Wien.) Am 15. Februar, 5 Uhr nachmittags, veranstaltet der I. Zionistische Frauenverei.i in Wien im Hotel Continental eine Akademie, bei der unter anderem die elfjährige Violinvirtuosin Erika Morini und deren Schwester Alice, Professor Marian Prestidigitateur, mitwirken. Tanzmeister Professor Heimann arrangiert einen Kinderreigen, bei dem di.- kleine Bella Rappaport einen Solotanz aufführt. Nach der Akademie Tanz. Enträe K 2.—. Karten erhältlich bei Frau Berta Rappaport. 11., Rote Sterngasse 6.' Für diese Akademie, zu der auch Kinder Zutritt haben, gibt sich allseits ein reges Interesse kund. Wien. (Akad. Verbindung Kadimah.) Am 17. Dezember fand die interne Makkabäerfeier der akadem. Verbindung „Kadimah“ im Hotel de France statt, an welcher außer allen in Wien weilenden A H. A. H. der Verbindung ein zahlreiches distinguiertes Publikum beiwohnte. Nach einer Begrüßungsansprache des Erstchargierten M. U. C. Felix Mandl kam Bb. I. V. C. Singermann zu Wort, der die Makkabäerfestrede hielt. Außer ihm sprachen noch Dr. Bernhardt und Kart Blumenfeld. Im inoffiziellen Teil deklamierte Frl. Frieda Lewy Gedichte von Josef Kiß. Herr Benno Lie rezitierte eigene Dichtungen jüdischen Inhaltes. Zum Schluß ergötzte A. H. Dr. Löhner (Beda) alle Anwesenden durch Vorträge einiger neuer Gedichte. Wien. (Chewra Kadischa Wien I.) Anläßlich des bevorstehenden 150jährigen Bestandjubiläums der Chewra Kadischa wäre es wünschenswert, wenn der Chewra Kadischa möglichst viele, im Privatbesitze befindliche, auf ihre Gründung und ihre Wirksamkeit, insbesondere in früheren Jahren, bezughabende Akten, Jahresberichte, Druckschriften etc. zur Verfügung gestellt werden würden. Diesbezügliche Mitteilungen werden an das Bureau der Chewra Kadischa, Wien I., Seitenstettengasse 4, erbeten. Wien. Auf Einladung der „Hatchijah“, akademische Vereinigung für hebräische Sprache und Kultur, hielt Sonntag, den 26. d. M. das Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Schmarjahu Lewin aus Berlin an der Universität einen Vortrag über „die Entwickelung der hebräischen Sprache in den letzten Jahrzehnten“. Die zahlreiche über 500 Personen zählende Zuhörerschaft folgte aufmerksam den geistreichen Ausführungen des Vortragenden und zollte ihmbegeisterten Beifall. Der Präses des Vereines, cand. med. Samuel Schweig, dankte dem Redner für den schönen Vortrag und lud die Gäste zum Besuch der in der nächsten Zeit zn veranstaltenden Vorträge über die hebräische Literatur und Kultur ein. — Wegen des Vortrages des Herrn Dr. Lewin wurde der Vortrag des Herrn M. Chartiner über „Schirah chadaschah waatidoteha auf Samstag, den 4. Schbhat, 8 Uhr abends verschoben. Montag, den 6. Schbhat referiert Bb N. M. Gelber über „Toldoth Israel b’Pholin bischnoth 1764 -1864“ (III. Fortsetzung). Vereinslokal Garnisongasse 22, parterre. Hebräisch sprechende Gäste willkommen. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur). Donnerstag, den 5. Februar 1914, llß Uhr abends findet im Festsaate des Ingenieuru. Architikten- Vereins, I. Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Dezso Klein aus Nyitra statt. Thema: „Ein Tag in einer palästinischen Stadt zur Zeit der Mischnah“. Eintritt frei — ohne Karten. Wien. (Vortragsordnung der.„Jüdischen Toymbeehalle“ 11. Othmargasse 46) für die Zeit vom 31. Jänner bis 6. Februar. Samstag, 31. 1. Musikaufführung, Herr Dr. Kapert und Frl. M. Schwarz. Sonntag, 1. 2. Merkwürdiges von fremden Völkern, Herr Lehrer Huschak. Montag, 2. 2. Die Antialkoholbewegung, Herr K- Gersuny. Dienstag. 3. 2. Die Hygiene der Kleinwohnung, Herr Dr. Ernst Duschak. Mittwoch, 4. 2. Elternabend. Frau Lehrerin Fl. Weinwurm. Donnerstag. 5. 2. Die Frau und das gesellschaftliche Leben-. Frau Therese Schmiedl. Freitag, 6. 2. Bibelvortrag.